Albert Sammt
Albert Sammt
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1. Oktober 1929. Zeppelin "Graf Hindenburg" erstmals über Niederstetten
() Niederstetten, 1. Okt. Unsere Stadt hatte heute festlich geflaggt. Unwillkürlich dachte ich an die ersten Tage des Weltkrieges, als Siegesnachricht auf Siegesnachricht von der deutschen Front kam. Auch heute galt es einen deutschen Sieg zu feiern — zum ersten Mal kam der große, neue „Graf Zeppelin“ über Niederstetten. Die Siege des Krieges sind durch die Ereignisse, welche folgten, unwirksam geworden. Der Sieg des Zeppelin, ein Kultursieg deutschen Geistes und deutscher Arbeit, wird Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende überdauern. Unser Geschlecht ist von der Technik verwöhnt worden. Fast täglich hören und sehen wir neue Erfindungen, welche das Leben lebenswerter machen. Aber trotzdem hat die Erwartung des Zeppelin alle Bewohner unserer Stadt bis aufs äußerste angespannt. Unser Landesmann, der Bordingenieur Sammt, hatte uns versprochen: gegen 10 Uhr überfliegen wir Niederstetten. Und er hat der Sache und der Zeit nach Wort gehalten. Punkt 10 Uhr war ein leises Motorengeräusch zu vernehmen und schon nahte von Südwesten kommend, das herrliche Luftschiff. Auf dem Sportplatz hatte der größte Teil der Einwohnerschaft Aufstellung genommen und ein unbeschreiblicher Jubel ging aus von der Menge, hinauf zu dem Riesen, welcher da majestätisch über uns hinwegzog. Ganz langsam zog das Luftschiff über unsere Stadt. Und wie der geistige Gruß von unten nach oben zog, so flog ein wirklicher Gruß vom Schiff zur Erde. Alb. Sammt hatte Post abgeworfen. Viele Freunde hatte er bedacht und mit Stolz darf ich erwähnen, daß auch der ()-Korrespondent unter den Geehrten war, welche einen Kartengruß erhielten. Freilich wäre der ()-Korrespondent selbst gerne einmal „Zeppelingefahren“. Aber bei der Höhe der Preise (nicht der Flughöhe) muß er das Vergnügen den „Großkopfeten“ überlassen, wie Thoma so schön sagt. Aber schon das Ansehen dieses wundervollen Luftschiffes begeisterte alle unsere Einwohner und sie empfanden alle die Größe des Geistes, welche dieses Schiff erfunden hat und welche dieses Schiff lenkt. Mögen ihm immer glückliche Fahrten beschieden sein. Glück auf, „Graf Zeppelin“. M[ax]. St[ern].
Vaterlandsfreund, Nr. 232, 2. 10. 1929
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1. Oktober 1936. Heimattag und Erntedankfest
Heimattag und Erntedankfest in Niederstetten
Niederstetten, 30. Sept. Welch eigenartiger Klang liegt in den Worten Heimat, Vaterhaus, Heimaterde für uns Deutsche und wie tief sind sie in unserem Gemüt verankert. Als darunter die Stadt ihre Einladungen zum diesjährigen Heimattag ausgesandt hatte, folgten aus nah und fern etwa 300 Volksgenossen u. -genossinnen, die mit unserer Gemeinde durch Geburt verbunden sind, diesem Rufe, um ihre gemeinsame Heimat wieder zu sehen. Auch eine Feier des Jahrganges 1866 war mit dem Heimattag verbunden; die Fünfziger trafen sich schon am Samstag nachmittag bei einem Essen im Gasthaus Melber, zu welchem sich auch zu ihrer besonderen Freude ein Sohn unserer Stadt, Ministerialdirektor Dr. Dill, einstellte.
Der Abend führte alle Gäste und Einwohner in der Turnhalle zu einer Feierstunde zusammen und die Halle reichte kaum aus, um alle Erschienenen zu fassen. Bürgerm. Schroth begrüßte die Anwesenden im Namen der Stadt und führte in seiner Rede aus, daß nun sechs Jahre seit dem letzten Heimattag verflossen seien. Viele, viele Söhne und Töchter der Stadt sind der Einladung gefolgt, leider mußten auch einige abschreiben, da sie entweder durch Krankheit oder aus beruflichen Gründen nicht kommen konnten, insbesondere auch Luftschiffkapitän Albert Sammt vom Luftschiff "Hindenburg", welcher wieder auf dem Wege nach Amerika ist. Ministerialdirektor Dr. Dill überbrachte Grüße des Innenministers und betonte in seiner Ausführung, daß er sich immer wieder freue, nach Niederstetten zu kommen, um alte, liebe Stätten aufzusuchen. In Erinnerung aus seiner Jugend kam so recht zum Ausdruck, wie tief auch bei ihm das Heimatgefühl verwurzelt ist. Diese Schollenverbundenheit wird besonders durch die Heimattage gepflegt und deshalb erfahren dieselben auch die volle Unterstützung des Nationalsozialismus. Die Kreiskapelle, der Männergesangverein, der BdM. und der Turnverein belebten den Abend durch wohlgelungene Darbietungen.
Am Sonntag morgen machten die auswärtigen Gäste einen Rundgang durch die Stadt, bei welchem die in den letzten Jahren getroffenen baulichen Veränderungen besichtigt wurden, insbesondere auch die Kelter der Weingärtnergenossenschaft. Nachmittags 2 Uhr setzte sich von der Kelter aus ein Festzug zum Festplatz in Bewegung, der durch reichgeschmückte Ernte- und Winzerwagen verschönt war. Die Straßen waren voll von Besuchern aus den Nachbarorten und alles drängte nun zum Festplatze, woselbst Bürgermeister Schroth nach einer Begrüßungsansprache, in welcher er besonders auch die Anwesenheit von Kreisleiter Niklas hervorhob: an die bäuerlichen Gefolgschaftsmitglieder: Sofie Hein, Fritz Ehrmann, Marie Plank, Christian Sinner, Fritz Hütter und Wilhelm Gläß für langjährige treue Dienste (in einem Falle über 40 Jahre) Ehrenurkunden und Geschenke verteilte. Ferner verlas Herr Bürgermeister Schroth ein Telegramm des Fürsten Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg, das er aus Roggenburg sandte und in welchem er alle Gäste und Besucher des Heimattages und Erntedankfestes grüßte und viel Vergnügen wünschte. Ortsgruppenleiter Thomas sprach herzliche Worte des Gedenkens zum heutigen Feste. Die HJ. und BdM. führten Spiele und Tänze vor. Im Kaffeezelt und am Weinschank herrschte lebhafter Betrieb, sodaß die Zeit bis zum Winzertanz rasch verfloß und noch eine große Zuschauermenge bei diesem, von unseren Festen nicht mehr wegzudenkenden historischen Tanze anwesend sein konnte.Der Franke, Nr. 229, 1. 10. 1936
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11. Oktober 1931. Zeppelin überfliegt Niederstetten
() Niederstetten, 11. Okt. Das Erscheinen des Luftschiffes „Graf Zeppelin“ hatte schnell die Einwohnerschaft unserer Stadt auf die Straße gebracht. Durch begeisterte Rufe wurde das herrliche Luftschiff; welches im hellen Sonnenschein über unsere Stadt flog, begrüßt. Gleich nach der Stadt endete das Schiff von seinem seitherigen Süd-Nordflug scharf nach Osten um und konnte so weiterhin noch lange gesehen werden. Das Luftschiff nahm den Flug über unsere Stadt in sehr geringer Höhe. Ein Insasse winkte uns Grüße zu, und. wir gehen wohl in der Annahme nicht fehl, daß dies unser Landsmann, Herr Bordingenieur Sammt, war. Die besten Wünsche für glückliche Fahrt folgten dem „Graf Zeppelin“.
Vaterlandsfreund, Nr. 238, 12. 10. 1931
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16. August 1939. Albert Sammt und Zeppelin
Der Franke, 16. 8. 1939
(Vergrößern durch Anklicken des Bildes) -
17. Januar 1930. Ankündigung Vortrag Albert Sammt
() Niederstetten, 17. Jan. Als unser weitgereister Landsmann Albert Sammt, Bordingenieur des Zeppelin, im vergangenen Herbste hier war, versprach er uns wiederzukommen und einen Vortrag über seine Erlebnisse zu halten. Er hält Wort. Am Sonntag, den 26. Jan., spricht Albert Sammt in der hiesigen Turnhalle über seine Erlebnisse. Niederstetten und seine Umgebung wird Gelegenheit haben (manche Großstadt dürfte uns darum beneiden) einen Mann über seine Erlebnisse sprechen zu hören, welcher den Zeppelinbau von der Picke auf miterlebt hat und der auf allen großen Reisen der letzten Jahre an wichtiger Stelle gestanden hat. Aber nicht nur Worte werden wir hören. Der Filmoperateur des Zeppelinbaues, Herr Marx, wird Herrn Sammt begleiten u. im Film und in Lichtbildern werden uns alle die großen Taten der Zeppelinleute besonders lebendig werden. Um einerseits dem zu erwartenden großen Andrang gerecht zu werden und um andererseits der weiten Umgebung die Möglichkeit zu geben, dem Vortrag beizuwohnen, wird der Vortrag sowohl Nachmittags als auch abends veranstaltet.
Vaterlandsfreund, Nr. 14, 18. 1. 1930
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2. November 1938. Herbstfest - Zeppelin - Brand im Pfarrhaus
Niederstetten, 2. Nov. Das am letzten Sonntag stattgefundene Herbstfest, welches infolge der vorgeschrittenen Jahreszeit nur im kleinen Rahmen veranstaltet wurde, war von den hiesigen Einwohnern und besonders von auswärtigen Gästen sehr gut besucht. Die Sitzgelegenheit in der Kelter hat nicht ausgereicht, um all die Besucher unterzubringen. Dem neuen und alten Wein wurde stark zugesprochen. Die Kellereien der Weingärtnergenossenschaft wurden wieder von hunderten auswärtigen Besuchern besichtigt und mit Befriedigung konnten sie an den Kostproben feststellen, daß der 1938iger Tropfen wieder ein guter Tropfen zu werden verspricht. – Für die Niederstettener war der Besuch des Luftschiffes "Graf Zeppelin" von ganz besonderer Freude, war es doch unser Heimatsohn und Ehrenbürger Kapitän Sammt, der die Führung des Luftschiffes hatte und der seiner Heimatgemeinde wieder einen Besuch abstattete. Direkt über Niederstetten hat das Schiff seine Flugrichtung geändert. Während das stolze Luftschiff über Niederstetten flog, durcheilte das Städtchen die Nachricht, daß das Pfarrhaus brennt. Ein Kaminbrand konnte dank dem schnellen Eingreifen der Nachbarn noch zu rechter Zeit gelöscht werden.
Der Franke, 2. 11. 1938
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20. Januar 1930. Anzeige Vortrag Albert Sammt
Vaterlandsfreund, Nr. 15, 20. 1. 1930
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23. August 1937. Ehrenbürgerschaft für Albert Sammt
Niederstetten, 23. Aug. (Luftschiffkapitän Sammt Ehrenbürger seiner Vaterstadt.) Die höchste Ehrung, die eine Gemeinde einem Volksgenossen erteilen kann, ist das Ehrenbürgerrecht. Mit dieser Auszeichnung wollte die Stadt Niederstetten auch ihren Sohn, Luftschiffkapitän Albert Sammt-Frankfurt am Main für seine Verdienste um die Luftschiffahrt und damit für das Vaterland, ehren. Die reich geschmückte Turnhalle faßte am Samstagabend kaum die erschienenen Gäste, welche Zeugen der Uebergabe des Ehrenbürgerbriefes sein wollten. Unter den Anwesenden, welche sich aus Volksgenossen der Gesamtgemeinde, sowie dem näheren Umgebung zusammensetzten, bemerkte man auch Kreisleiter Seiz-Bad Mergentheim, den älteren Bruder und eine Schwester von Luftschiffkapitän Sammt. Eine Streichkapelle der SS.-Standartenkapelle "Deutschland"-Ellwangen leitete die Feierstunde ein und trug einen erheblichen Teil zur Ausgestaltung des Abends bei, gut unterstützt vom Männergesangverein Niederstetten. Bei der Uebergabe des von Künstlerhand ausgeführten Ehrenbürgerbriefes durch Bürgermeister Weber an Luftschiffkapitän Sammt, welcher mit seiner Frau erschienen war, brachte ersterer zum Ausdruck, daß diese Ehrung einem verdienten Sohne der Stadt zuteil werde und daß sie Anlaß sein möge, die Verbundenheit mit ihr noch zu stärken, besonders gedachte er seiner glücklichen Errettung bei der Katastrophe des Luftschiffes "Hindenburg" und wünschte ihm noch volle Genesung von seiner hierbei erlittenen Verwundung. Luftschiffkapitän Sammt dankte in herzlichen Worten für die erhaltene Auszeichnung, die er voll würdige. Richard Knenlein sprach im Namen der gleichaltrigen Jugendgenossen von Albert Sammt und. seine Ausführungen zeigten, wie stolz sie alle auf ihren Gefährten aus der Jugendzeit seien. Der mit seinem Freunde Albert Sammt und dessen anwesenden Bruder Fritz verlebten Jahre in Niederstetten gedachte Bürgermeister Schroth und hob hervor, wie Sammt sich vom einfachen Handwerker durch zähen Fleiß und Einsatzbereitschaft sich seine heutige Stellung bei der Zeppelinluftschiff-Reederei errungen habe und wie die ganze Gemeinde gebangt hätte um ihren Heimatsohn, als die Nachricht von der Luftschiffkatastrophe eintraf und wie die Anwesenden wohl nun zum erstenmale in unserem Vaterlande aus berufenem Munde Einzelheiten darüber erfahren werden. In einer längeren Ausführung schilderte dann Luftschiffkapitän Sammt, ausgehend von seinem letzten Vortrage mit Film und Lichtbildern, den er hier im Jahre 1930 hielt, die Entwicklung des Luftschiffbaues und dann besonders eindringlich mit beredten Worten seine letzte Fahrt, welche zugleich auch die Katastrophenfahrt des Luftschiffes "Hindenburg" war. Gespannt lauschten die Zuhörer der ergreifenden Schilderung der 37 Vernichtungssekunden und der glücklichen Rettung aus dem brennenden Luftschiff, wenn auch mit schweren Brandwunden. Gegen Schluß des Abends erschien überraschend und freudig begrüßt ein Kamerad unseres Ehrenbürgers Albert Sammt, Luftschifführer Ladewig, der bei seinem Ferienaufenthalt in Rothenburg o. Tauber von der heutigen Ehrung erfuhr.
Der Franke, 24. 8. 1937
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24. Januar 1930. Erneuter Hinweis auf Vortrag Sammt
() Niederstetten, 24. Jan. Nochmals sei an dieser Stelle auf den am Sonntag nachmittags und abends stattfindenden Vortrag unseres Landsmannes, des Hrn. Bordingenieurs Sammt, in der Turnhalle aufmerksam gemacht. Wer sich der atemlosen Spannung erinnert, mit welcher ganz Deutschland die Flüge der Zeppeline nach und von Amerika und um die ganze Erde verfolgt hat, der soll sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, einen Zeitgenossen zu hören, welcher alle diese Fahrten an wichtiger Stelle mitgemacht hat. Es ist auch eine Ehrensache, unserem Landsmann zu zeigen, daß wir alle stolz darauf sind, daß ein Sohn unserer Gegend so Großes geleistet hat. Besonders darf auch unsere Jugend an diesem Tage nicht fehlen.
Vaterlandsfreund, Nr. 20, 25. 1. 1930
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27. Januar 1930. Bericht vom Vortrag Albert Sammt
() Niederstetten, 27. Jan. Gestern abend wiederholte Herr Bordingenieur Albert Sammt vom Zeppelinbau Friedrichshafen in der Turnhalle seinen Vortrag, über welchen wir bereits ausführlich berichtet haben. Eine glänzende Versammlung war zusammengekommen, um seinem Berichte zu lauschen, die Turnhalle war dicht gefüllt, mehr als 500 Personen waren zu zählen. Unser Ehrenbürger, Herr Fabrikant Wilhelm Bernheim aus St. Gallen, war eigens zu dieser Veranstaltung hierher gereist. Herr Stadtschultheiß Schroth begrüßte die Versammlung und verlieh dem Wunsche Ausdruck, daß sich dieser Abend im Verein mit Herrn Sammt und Hrn. Bernheim zu einem wahren Familienabend der großen Familie, der Bürgerschaft, gestalten möge. Dann begrüßte Herr Stadtschultheiß Schroth Herrn Albert Sammt. Beim Herbstfest habe dieser versprochen, Niederstetten zu überfliegen, er habe Wort gehalten. Er habe versprochen im Winter uns mit seinem Vortrag zu erfreuen, er habe wieder Wort gehalten. Diese Einlösung gegebenen Versprechens sei eines echten deutschen Mannes würdig. Deutsch seien auch die Taten, auf welche unser Landsmann stolz sein dürfe. Doch habe ihm sein Erfolg vor jedem Stolz und jeder Selbstüberhebung bewahrt. [?] an Herrn Wilhelm Bernheim richtete Herr Stadtschultheiß Schroth herzliche Worte der Begrüßung und dankte ihm für das Wohlwollen, welches er jederzeit seiner Heimatstadt bewiesen habe. Im weiteren Verlauf des Abends sprach noch Herr Max Stern. Er schilderte den Drang nach Beherrschung der Luft, welcher seit [Hunderten?] von Jahren der Menschheit inne wohne und [?] nun Wirklichkeit geworden sei. Weiter gab er seiner Freude Ausdruck, daß unser Ehrenbürger unsere Stadt nicht nur mit seinem Rat, sondern auch seiner Tat unterstütze. Als Vertreter der heimischen Presse freue er sich immer, wenn er von seinen Landsleuten Gutes und Schönes berichten dürfe. Im Schlußwort dankte Hr. Schultheiß Schroth dem Herrn Sammt für sein [herr?]lichen Vortrag. Der Männergesangverein unter der Leitung seines erprobten Dirigenten, Herrn Chormeister Fleckenstein-Mergentheim, verschönte den Abend durch [?] Gesänge. Mit dem Deutschlandlied schloß die schöne und erhebend verlaufene Veranstaltung.
[Einige Worte im Falz nicht entzifferbar]Vaterlandsfreund, Nr. 22, 28. 1. 1930
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29. September 1929. Vierzigerfeier. - Zeppelin angekündigt
() Niederstetten, 29. Sept. Die im Jahre 1889 geborenen Kinder unserer Stadt haben gestern im Gasthof z. Post einen Vierzigertag gefeiert. Diese Begebenheit ist darum besonders beachtenswert, weil sie Veranlassung war, daß der berühmteste Sohn unserer Stadt, seine Heimat besuchte. Albert Sammt, Bordingenieur des „Graf Zeppelin“, ist heimgekehrt, um nach allen Erlebnissen und Mühen, einige Tage in seiner Heimatstadt im Kreise seiner Jugendfreunde und Jugendfreundinnen zu verbringen. Die Feier nahm einen gehobenen Verlauf. Der Höhepunkt war die Ansprache Hrn. Sammts, als er von den Schönheiten und den Mühseligkeiten, von den Freuden und den Gefahren der Reise erzählte. Leider mußte sich Herr Sammt viele Zurückhaltung auferlegen, um nicht in das Gehege der privilegierten Presse einzudringen. Heute morgen legten die „Vierziger“ am Grabe ihrer gestorbenen Altersgenossen und am Kriegerdenkmal Kränze nieder.
() Niederstetten, 29. Sept. Sicherem Vernehmen nach wird am Dienstag das Zeppelinluftschiff seine große Süddeutschlandfahrt ausführen. Voraussichtlich wird das Luftschiff im Laufe des Vormittags unsere Stadt überfliegen.
Vaterlandsfreund, Nr. 230, 30. 9. 1929
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30. September 1929. Herbstfest
() Niederstetten, 30. Sept, Wenn die sommerliche Ernte eingeheimst ist und eine gute Ernte in den Weinbergen der Lese harrt, dann feiert der Niederstettener sein Herbstfest. Nicht als ob der Niederstettener Bauer und Gewerbetreibende besonders gerne über die Schnur haue. Es gibt wohl kaum einen mäßigeren Bürger wie den Niederstettener. Aber nach den vielen Mühen des Säens und Erntens lohnt es sich eine Stunde des Festes und der Einkehr zu feiern. Diesen Standpunkt betonte Herr Stadtschultheiß Schroth in seiner Festrede zum gestrigen Herbstfest. Außerdem führte Herr Stadtschultheiß Schroth aus, solle dieses Fest die Einigkeit aller Stände und Konfessionen in unserer Stadt bekunden. Der Redner dankte dann allen Einzelpersonen und Vereinen, welche sich um das Gelingen des Festes verdient gemacht hatten und begrüßte Se. Durchlaucht den Fürsten Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg. Auch für die Anwesenden „40er“ und besonders den Zeppeliningenieur, Herrn Albert Sammt hatte Herr Stadtschultheiß Schroth warme Worte der Begrüßung. Dann nahm das Fest, welches durch Wecken seitens der Stadtkapelle und einen Festzug eingeleitet wurde, seinen Verlauf. Vom Himmel strahlte hell und warm die Sonne, was besonders dem Wirtschaftszelt und dem Kaffeezelt (letzteres eingerichtet vom Landw. Hausfrauenverein) zu gute kam. Aber es war auch erfreulich, daß die vielen Darbietungen bei so schönem Wetter von statten gehen konnten. Zunächst bot der Männergesangverein eine Reihe schöner Weisen. Dann fand ein Handballspiel (Würzburg-Niederstetten) und ein Fußballspiel (Gerabronn-Niederstetten) statt. Kurz sei vermerkt, daß beide Spiele für Niederstetten negativ verliefen. Wie schon in den Vorjahren, so bildete auch in diesem Jahr der historische Winzertanz den Glanzpunkt des Festes. Den Tänzerinnen und Tänzern sowie dem Einpauker, Herrn Rich. Knenlein, machten die glänzende Durchführung alle Ehre. Nach Eintritt der Dunkelheit fand eine bengalische Schloßbeleuchtung statt. Fast anschließend an das Fest fand in der Turnhalle ein Festball statt, welcher einen schönen Abschluß des Festes bildete. Sehr viele Fremde hatte der gestrige Tag unserer Stadt zugeführt, ein Zeichen, daß unsere Stadt immer mehr zum beliebten Mittelpunkt eines weiten Kreises wird.
Vaterlandsfreund, Nr. 231, 1. 10. 1929
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Sammt, Albert
24. 4. 1889, Niederstetten - 21. 6. 1982, Bad Soden (Taunus)
Grabstein auf dem Friedhof in Niederstetten (2021)
Vater: Eduard Sammt aus Saalburg an der Saale (Thüringen)
Mutter: Luise geb. Schönemann "aus dem Murrhardter Wald"
Berufliche Tätigkeit der Eltern: Seilerei und Kolonialwarengeschäft in Niederstetten
9 Kinder1909: Meldet sich freiwillig zum Militärdienst (122. Infanterieregiment)
1912: Auf Vermittlung von Bruder Fritz Zellenpfleger und Seitensteurer beim Luftschiffbau Zeppelin in Frankfurt/Main
1917: Heirat in Baden-Baden mit Johanna Glasstetter, jüngste Tochter vom Gasthof "Schwert" in Baden-Oos
1919: Umzug nach Berlin-Staaken, Geburt der Tochter Ingeborg
Steuermann an Bord von Zeppelin LZ 120 "Bodensee"
1924: Geburt von Sohn Rolf
Während der ersten Atlantik-Überquerung des Zeppelins LZ 126 Höhensteuermann
1927: Versetzung nach Friedrichshafen zu LZ 127 "Graf Zeppelin", zunächst als Höhensteuermann, später als Navigationsoffizier
6. Mai 1937: Katastrophe in Lakehurst mit Sammt als Erster Offizier an Bord von LZ 129
Juni 1937: Ehrenbürger von Niederstetten
15. September 1937: Zulassung als Luftschifführer ("Luftfahrerschein Nr. 7")
5. November 1938: Kommandant des LZ 130 "Graf Zeppelin II", letztes deutsches Luftschiff
20. August 1939: Letzte Fahrt von LZ 130
[23. Oktober 1941: Antrag auf Mitgliedschaft in der NSDAP, ab 1. Januar 1942 Mitglied (Mitglieds-Nr. 8.827.359)]1
Zweiter Weltkrieg: "Von der Deutschen Zeppelin-Reederei für den Bau und die Wartung von Sperrballonen eingesetzt"
Nach 1945: "bei der Kohlenunion, einer Tochtergesellschaft von Raab-Karcher". "Er betreute große Industriebetriebe zwischen Mannheim und Kassel."
3. November 1965: Tod der Ehefrau
1966: Setzt sich zur Ruhe und lebt von 1967 bis 1982 in Überlingen am Bodensee
21. Juni 1982: Stirbt beim Besuch seiner Tochter Ingeborg in Bad Soden
Beisetzung auf dem Friedhof in Niederstetten
Juli 1982: Einrichtung des "Albert-Sammt-Zeppelin-Museums" in Niederstetten
(Nach Angaben von Tochter Ingeborg Sammt-Lantzsch)-----
Ergänzung: Bei den Reichsparteitagen der NSDAP 1933, 1934, 1935 und 1936, bei denen der Zeppelin als Propagandainstrument der Nazis eingesetzt wurde, war Sammt als Besatzungsmitglied des Luftschiffs an Bord. „Ausschließlich der Wahlpropaganda für die NSDAP und den Führer“ diente eine dreitägige Zeppelin-Fahrt im März 1936, an der Sammt ebenfalls teilnahm. „Unzählige Zettel mit dem Wahlspruch ‚Sagt JA zu Hitler‘ waren bereitgestellt, um über den Städten abgeworfen zu werden. Außerdem waren riesige Lautsprecher an den Schiffen montiert worden, mit denen die Parolen und Marschmusik zur Erde geschmettert werden sollten.“ Als Hitler nach dem „Münchner Abkommen“ am 2. Dezember 1938 zu einer Propagandaveranstaltung in das annektierte Reichenberg (Sudetenland) kommt, soll das Luftschiff „Graf Zeppelin“ mit Kommandant Sammt an Bord Hitlers Auftritt „eine besondere Note“ verleihen. „Als besondere Attraktion hatte man uns etwa dreißig Hakenkreuzfahnen aus leichtem Papier von zirka 1,5 auf 3 Meter Größe an Bord mitgegeben. Die wurden aus dem Kommandostand in der unteren Heckflosse abgeworfen, worauf sie langsam an Fallschirmen zur Erde sanken. Dann wurden noch zentnerweise Zettel mit dem Spruch: ‚Dein JA dem Führer!‘ abgeworfen.“2
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Inzwischen erschienen: Günther Emig, Albert Sammt (1889–1982) und Wilhelm Bernheim (1874–1953), zwei Niederstettener Ehrenbürger. In: Württembergisch Franken. Herausgegeben vom Historischen Verein für Württembergisch Franken. Band 107. Schwäbisch Hall 2023, S. 281-296
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1 NSDAP-Zentralkartei | BArch R 9361-VIII KARTEI / 18231343. – "Meine Familie und ich wurden vor meinem Eintritt [in die NSDAP] wiederholt wegen Ablehnung des Parteiprogramms und wegen Judenfreundlichkeit angegriffen. Dies erfolgte insbesondere von meinem Heimatort Niederstetten bei Bad Mergentheim aus. Ich hatte früher meinen Wohnsitz in Niederstetten, bin dann aber in den letzten Jahren nicht mehr dorthin gegangen, weil Niederstetten besonders parteimässig eingestellt war und ich ständig Schwierigkeiten hatte." (Gesuch des Luftschiffkapitäns Albert Sammt, Frankfurt am Main-Niederrad, Neuwiesenstr. 25, an den Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Main), 30. 10. 1945) – Entscheid der Spruchkammer am 14. 6. 1947: Sammt wird als Mitläufer eingestuft und hat eine "Geldsühne" von 1.000 RM zu leisten.
2 Angaben von Albert Sammt selbst in seinem Buch: Mein Leben für den Zeppelin. Mit e. Beitr. von Ernst Breuning, bearb. u. ergänzt von Wolfgang von Zeppelin und Peter Kleinheins. 3. Auflage. Verlag Pestalozzi-Kinderdorf, Wahlwies 1994, ISBN 3-921583-02-0, S. 135f-137 und S. 171-172
