Ball

Ball

  • 1. Januar 1933, Weihnachtsfeier des Männergesangvereins

    (Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 2, 3. 1. 1933, S. 3)

  • 16. September 1929. Musikfest

    () Niederstetten, 16. Sept. Und macht die Trompete trara, trara, trara — vom frühen Morgen bis späten Abend war am Sonntag unsere Stadt voll des Klanges. Waren doch fast 10 Kapellen gekommen, um der edlen Musika einen Ehrentag zu bereiten. Sie hatten sich sogar, die Jünger der Musik, in historische Kostüme geworfen und ein besonders schmucker Trompeter (von Säckingen?) zeigte ihnen den Weg zum Festplatz. Alle hiesigen Vereine, der Stadtvorstand und der Gemeinderat hatten sich ihrem Zuge angeschlossen. Es war also ein recht gelungener Festzug. Auf dem Festplatz angekommen, entbot Herr Fach jr.-Dreischwingen den Festteilnehmern den Gruß der festgebenden Musikkapellen Niederstetten-Mergentheim. Er unterließ es nicht, einzeln allen denjenigen zu danken, welche in irgend einer Weise zum Gelingen des Festes beigetragen hatten. Er dankte dem Fürsten zu Hohenlohe für den schönen Festplatz, er dankte dem um die Musikpflege in unserer Stadt so verdienten Dirigenten der hiesigen Kapelle, Herrn Georg Jakobi uff [?]. Dann begrüßte Hr. Stadtschultheiß Schroth die fremden Kapellen und Musikfreunde. Er sprach den [Wunsch aus, daß der gegenseitige Wetteifer sich günstig] auf die Fortschritte jeder einzelnen Kapelle auswirken möge. Im weiteren Verlauf des Festes brachten die Kapellen abwechslungsweise ein sorgfältig ausgewähltes u. sehr gut einstudiertes Programm zum Vortrag. Es war recht erfreulich zu hören, daß diese meist ländlichen Kapellen, nicht nur einseitig und erwerbsgemäß Tanzmusik spielen, sondern daß sie sich bemühen, auch höhere Kunst zu pflegen. Ganz besonders eindrucksvoll war das Zusammenspiel aller Kapellen in dem Mozart'schen „Brüder reicht die Hand zum Bunde“. Am Schlusse des Festes überreichte Herr Fach zur Erinnerung jeder Kapelle ein großes Bild von Niederstetten. Der Besuch des Festes war sehr gut, das Wetter herrlich, der Festplatz im fürstlichen Hofgarten mit dem aufsteigenden Hügel als Resonanz von ausgezeichneter Akustik. An das Fest schloß [sich ein Festball in der Turnhalle, dessen Verlauf, wie der des ganzen Festes, durchaus gelungen war.]

    [Im Original-Zeitungsartikel "Zeilensalat". Die in eckigen Klammern gesetzten Textteile wurden von mir sinnvoll umgestellt. - ge]

    Vaterlandsfreund, Nr. 219, 17. 9. 1929

  • 18. Mai 1931. Gauwanderung der Turner - Eröffnung des städt. Freibades

    () Niederstetten, 18. Mai. Ueber Höhen und Täler, durch das grünende und blühende Hohenlohe-Franken führte am Sonntag der Weg die Scharen munterer Turner und Turnerinnen in das Vorbachtal nach Niederstetten. Veranlassung war die Gauwanderung des oberen Hohenloher Gaues, welche unsere Stadt zum Ziele hatte. Von allen Seiten kamen die fröhlichen Züge, frisch und munter, ohne eine Spur von den gehabten Anstrengungen hierher, mit Gesang, mit Zupfgeigen und Violinen, mit Trommlern und Pfeifern, mit eigener Musikkapelle. Hier wurde ihnen ein turnerischer Willkommgruß entboten und dann fanden die Wanderer in ihren Quartieren kurze Rast. Denn der Tag stellte ihnen auch turnerische Anforderungen. Gegen 2 Uhr zog ein anmutiger, jugendfrischer Festzug durch die Stadt zum Festplatz. Der musikalische Teil des Tages war vom hiesigen Turnverein der Stadtkapelle Schmid übertragen, welche ihre Aufgabe sehr gut erfüllte. Auf dem Festplatz ging ein kurzer rednerischer Festakt dem Turnen voraus. Der Vorstand des Männerturnvereins Niederstetten, Herr K. Streitberger, entbot den Willkomm des hiesigen Vereins. Besonders begrüßte Herr Streitberger die Gauleitung, vertreten durch Gaumännerturnwart Heck-Laudenbach, Gaupressewart Hauptlehrer Gerheißer-Niederstetten und Gauehrenausschußmitglied Fritz-Gerabronn. sowie alle sonstigen Gäste. Turnerinnen u. Turnern und Turnfreunden galt der Gruß der Stadt, entgegenbracht durch Herrn Bürgermeister Schroth. Dieser drückte seine Freude darüber aus, auch so viele alte Turnfreunde, darunter unseren turn- und wanderbegeisterten Herrn Landrat Wöhrle, hier zu sehen. Das Wandern am schönen Maientag sei geeignet, die Jugend mit gesundem Geist zu erfüllen. Das Turnen habe ja den Lebenszweck, die Jugend zu körperlicher Kraft und zu geistiger Höhe heranzuziehen. Hr. Bürgermeister Schroth sprach die Hoffnung aus, daß alle Gäste Niederstetten mit gutem Andenken verlassen mögen. Für die Gauleitung sprach Herr Gaupressewart Gerheißer. Das Wandern habe für den Turner dreifache Bedeutung, sportlich, historisch und erzieherisch. Schon Turnvater Jahn habe ganz Deutschland durchwandert und sei an schönen Tagen mit seiner Jugend aufs Land gezogen. Die Wanderfahrt sei der Bienenflug zum Tau des Lebens. Die Natur sei der Urquell aller Kraft und durch das Wandern komme man zu dieser Quelle. Die Wanderung habe auch das Ziel der sportlichen Kräftigung. Schließlich verlas Hr. Hauptlehrer Gerheißer eine Kundgebung der Gauleitung. Diese bemerkenswerte Kundgebung besagte inhaltlich: Turner und Turnerinnen mögen immer treu zu ihrer Sache stehen. Turnen sei nicht allein als Körpersport und Leistungssteigerung zu betrachten, sondern auch als feines Mittel zur Bildung offener und ehrlicher, deutscher Gesinnung, die unter Verzicht auf eigene, ehrgeizige Ziele und ohne politische Bindung nur an das große deutsche Volksbewußtsein denkt. Der Jugend soll es unbenommen bleiben auf eigenen Wegen ihre guten Ziele zu erreichen, sie wird aber auch der größeren Reife und Erfahrung der Aelteren nicht entraten können. Die Kräfte können ruhig in verschiedener Weise wirksam sein, wenn sie sich nur zum Schlusse in einem Punkte finden. Frohsinn ist die Seele jeder gedeihlichen Arbeit. Die Maiensonne soll in die Herzen strahlen, damit der Glaube an ein Wiederaufwärtskommen uns bleibe. Die Kundgebung schloß mit einem Aufruf, daß bei der kommenden Gauturnfahrt nach Crailsheim jeder Turner und jede Turnerin ein Bekenntnis zur Deutschen Turnerschaft ablegen solle. Nach dem Begrüßungsakt gab es auf allen Seiten unseres großangelegten Sportplatzes viele turnerische und sportliche Leistungen zu bewundern. An den Geräten zeigten die besten Turner unseres oberen Gaues ihr Können. Die Turnerinnen führten die Freiübungen vor, welche für die Gauturnfahrt vorgeschrieben sind. Großes Interesse fand das hier zum erstenmale gezeigte Florettfechten der Gruppen der Männerturnvereine Bad Mergentheim u. Weikersheim. (Auch Turnerinnen waren daran beteiligt). Fechtwart Jäger-Weikersheim wußte diese Uebung dadurch besonders interessant zu gestalten, daß er vor Beginn sowohl über das Fechtinstrument selbst als auch über die Art der Anwendung Aufschluß gab. Gauehrenausschußmitglied Fritz-Gerobronn brachte mit seinen Gerabronner u. hies. Turnerinnen Volkstänze zur Aufführung. Zwischen verschiedenen Vereinen kamen Faustballspiele zur Durchführung und die Handballmannschaft des Männerturnvereins Niederstetten spielte gegen eine kombinierte Mannschaft mit dem Erfolg 8:0 für Niederstetten. Die Stadtkapelle konzertierte daneben unermüdlich und unsere Gäste konnten nicht oft genug [beweisen?] wie gut es ihnen hier gefalle. Die turnerische [Leitung?] des Tages hatte Herr Männerturnwart [Heck-Lauden]bach inne, welchem für die ruhige turnerische und [?]lich vorzügliche Durchführung besonderer Dank [gebührt?]. Den Dank der Gäste brachte Herr Gauauschußehrenmitglied Fritz-Gerabronn in warmherzigen Worten zum Ausdruck. Den Beschluß des Nachmittags bildete ein Ball in der Turnhalle. Der hiesige Männerturnverein hatte seine Wanderung am Himmelfahrtstage durch den Gemeindewald nach Wermutshausen unternommen. An der gestrigen Wanderung hatten teilgenommen: [?] Männer, 153 Frauen, 93 Jugendl., zurückgelegt wurden insgesamt 267 Kilometer.

    () Niederstetten, 18. Mai Das Frühjahr gibt dem Berichterstatter immer einigen Anlaß, sich zu [besinnen?]. Die ersten Staren und Schwalben, die die Besc[hälplatte?] beziehenden Hengste, die ersten Bienenschwärme (in Wildentierbach Gutsbesitzer Schürger, in Niederstetten [Gärt?]nereibesitzer Striffler), die wunderbare Obstbaumblüte, wie sie gerade in diesen Tagen das Auge entzückt - alles das sind Veranlassungen genug, größere oder kleinere Berichte zu schreiben und den Leser der Zeitung auf den erwachenden oder erwachten Frühling hinzuweisen. Als ein Zeichen, daß es wirklich Frühling geworden ist, auf das viele gewartet haben, ist die Eröffnung des herrlichen Niederstettener Städtischen Freibades. Schon gestern am Eröffnungstage haben viele fremde Turner u. Turnerinnen das Städt. Freibad benützt, um sich von den Mühen der Wanderung zu erholen. Die Stadtverwaltung ist andauernd bemüht, die Einrichtungen des Bades zu verbessern und zu verschönern. Es ist daher zu hoffen, daß sich auch in diesem Jahre der Badebetrieb lebhaft gestalten wird. Vaterlandsfreund, Nr. 114, 19. 5. 1931

  • 26. Januar 1931. Tanzkurs-Schlußball - Generalversammlung des Turnvereins - Erste-Hilfe-Vortrag

    () Niederstetten, 26. Jan. Ueber einen Schlußball eines Tanzkurses berichten wir im allgemeinen nicht. Wenn ein Tanzkurs aber 23 Paare hat und diese 23 Paare andere 92 Paare aus allen Teilen der Bürgerschaft zum Schlußball einladen, dann wird dieser Schlußball auch für eine kleine Stadt ein gesellschaftliches Ereignis. Das war denn auch der am Samstag stattgehabte Schlußball der Tanzschule Geiger-Mergentheim in den Löwensälen. An der Mitteltafel ein Kranz lieblicher Jugend, gehoben durch die zahlreichen Sträuße herrlicher Blumen, rings herum die Ballmütter und Ballväter und noch viele tanzlustige Jugend. Die jungen Leute zeigten auch, daß sie vorzüglich tanzen gelernt hatten — ihr erstes Debut auf dem Parkett (eigentlich Pitch-pin) der Gesellschaft verlief recht erfolgreich u. hoffentlich gelingt es ihnen auf dem Parkett des Lebens ebenso erfolgreich zu werden. Der Jugend gehört ja die Zukunft. Erfreulich war auch zu sehen, daß der alte Walzer wieder hoch in Ehren steht. Herr Oberndörfer-Sichertshausen begrüßte recht nett die Gäste, das Tanzlehrerehepaar Greiner-Geiger, die Tanzschüler des Tanzkurses „Liebeswalzer“ und überreichte dem Tanzlehrerehepaar ein schönes Geschenk. Die Musik stellte Herr Fleckenstein-Mergentheim und er wirkte selbst mit. Daß das eine gute und keine gewöhnliche Tanzmusik war, kann man sich denken. Von allen Stücken sei nur die glänzend gespielte Francaise aus der „Fledermaus“ genannt.

    () Niederstetten, 26. Jan. Der Turnverein hielt gestern im Melber'schen Saale seine Generalversammlung ab. In Hinsicht auf die Größe und Bedeutung des Vereins wäre eine bessere Beteiligung zu wünschen gewesen. Wohl zum ersten Male war auch die Frauenriege vertreten. Herr Vorstand Streitberger begrüßte die Versammlung und gedachte der Toten des Vereins. Der Jahresbericht des Schriftführers gab ein schönes Bild von erfolgreichem turnerischen Schaffen des Vereines und von gelungenen gesellschaftlichen Veranstaltungen. Der Bericht des Kassierers zeigte, daß der Verein auch finanziell gut gearbeitet hat. Besonders durch die Durchführung der Wirtschaft in eigener Regie konnte ein weiterer Teil der Bauschulden abgetragen werden, Aus den Berichten der Turnwarte ist hervorzuheben: Die Zahl der Jugendturner hat sich nach der letzten Jugendveranstaltung fast verdoppelt. Es wird über mangelnde Beteiligung seitens der aktiven Turner an den Turnstunden geklagt. Der Oberturnwart bemerkte sehr richtig, daß wer turnt, dies nicht dem Verein, sondern sich selbst zu Liebe tut. Die Wahlen ergaben: 1. Vorstand: Streitberger, 2. Vorstand: Hauptlehrer Gerheißer (neu), Kassier: Rüger, Schriftführer: Kreutzmann, Oberturnwart: Kleinhanß, Turnwart: Stadtpfleger Pflüger, Jugendturnwart: Keppler, Frauenturnwart Kleinhanß. Hr. Vorstand Streitberger dankte für die Wiederwahl und dankte zugleich allen Funktionären, der Wirtschaftskommission und den Damen des Vereines, welche sich dieser zur Verfügung gestellt hatten. In der sich anschließenden Aussprache regte Oberturnwart A. Kleinhanß an, die Monatsversammlungen sollten durch gebotene geistige Darbietungen auf turnerischen und allgemeinen Gebieten anregender gestaltet werden. Herr Bürgermeister Schroth regte an, durch Schaffung eines Aufenthaltsraumes mit guter Lesegelegenheit, Gelegenheit zu musikalischer Betätigung und sonstiger geistiger Anregung die Jugend von der Straße fernzuhalten. Die Versammlung nahm einen harmonischen Verlauf.

    () Niederstetten, 26. Jan. Der landw. Hausfrauenverein hatte gestern einen Vortragsabend im Postsaale veranstaltet. Frl. Siebert von der württ. Landwirtschaftskammer hielt einen Lichtbildervortrag über „Erste Hilfe bei Unglücksfällen“. Der Vortrag war durch eine Reihe erklärender Lichtbilder unterstützt. Der Besuch war nicht sehr zahlreich.

    Vaterlandsfreund, Nr. 21, 27. 1. 1931

  • 27. Mai 1933, Schlageter-Feier

    Niederstetten, 27. Mai. Zur Erinnerung an das heldenhafte Sterben des unerschrocken, mutigen Kämpfers für Recht, deutsche Freiheit und deutsche Ehre, Albert Leo Schlageter - die Stadt war aus diesem Anlaß reich beflaggt - veranstaltete die Ortsgruppe der NSDAP. eine würdige Schlageter-Feier. Es beteiligten sich daran[,] SA., HJ., der freiwillige Arbeitsdienst vom Lager Eichhof, der Gesangverein, die Sanitätskolonne sowie je eine Fahnensektion der übrigen Vereine und der größte Teil der hiesigen Bevölkerung. Kirchenglocken läuteten die Feier ein. Im Schein der Fackeln, unter den Klängen der Stadtkapelle, setzte sich ein langer Zug zum Kriegerdenkmal in Bewegung. Der Gesangverein eröffnete die Feier mit dem Chor: "Das Land meiner Väter". Nun ergriff der Führer der Ortsgruppe der NSDAP, Fr. Thomas, das Wort. Adolf Hitler wolle nicht, daß es den Toten des dritten Reiches gerade so gehe wie den Toten des Weltkrieges, daß ihre Heldentaten vergessen und nicht gewürdigt würden. Horst Wessels Geisterdivision, deren erster einer Albert Schlageter ist, soll nicht umsonst gekämpft haben. Die 10jährige Wiederkehr des Tages, an dem Albert Leo Schlageter auf der Golzheimer Heide starb, sei für uns eine Gelegenheit, ein neues Treuegelöbnis für die Helden des 3. Reiches abzulegen. In diesem Sinne legte er den für Schlageter gewidmeten Kranz nieder. Die Fahnen senkten sich und die Stadtkapelle stimmte das Lied vom guten Kameraden an. Mit dem Horst Wessel-Lied fand die Feier am Kriegerdenkmal ihren Abschluß. In geschlossenem Zug gings zurück zum Marktplatz, wo der Gesangverein unter Leitung von Chormeister Fleckenstein[,] noch verschiedene vaterländische Lieder in gewohnt vorzüglicher Weise zum Vortrag brachte.

    (Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 122, 29. 5. 19 1933, S. 4)

  • 30. September 1929. Herbstfest

    () Niederstetten, 30. Sept, Wenn die sommerliche Ernte eingeheimst ist und eine gute Ernte in den Weinbergen der Lese harrt, dann feiert der Niederstettener sein Herbstfest. Nicht als ob der Niederstettener Bauer und Gewerbetreibende besonders gerne über die Schnur haue. Es gibt wohl kaum einen mäßigeren Bürger wie den Niederstettener. Aber nach den vielen Mühen des Säens und Erntens lohnt es sich eine Stunde des Festes und der Einkehr zu feiern. Diesen Standpunkt betonte Herr Stadtschultheiß Schroth in seiner Festrede zum gestrigen Herbstfest. Außerdem führte Herr Stadtschultheiß Schroth aus, solle dieses Fest die Einigkeit aller Stände und Konfessionen in unserer Stadt bekunden. Der Redner dankte dann allen Einzelpersonen und Vereinen, welche sich um das Gelingen des Festes verdient gemacht hatten und begrüßte Se. Durchlaucht den Fürsten Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg. Auch für die Anwesenden „40er“ und besonders den Zeppeliningenieur, Herrn Albert Sammt hatte Herr Stadtschultheiß Schroth warme Worte der Begrüßung. Dann nahm das Fest, welches durch Wecken seitens der Stadtkapelle und einen Festzug eingeleitet wurde, seinen Verlauf. Vom Himmel strahlte hell und warm die Sonne, was besonders dem Wirtschaftszelt und dem Kaffeezelt (letzteres eingerichtet vom Landw. Hausfrauenverein) zu gute kam. Aber es war auch erfreulich, daß die vielen Darbietungen bei so schönem Wetter von statten gehen konnten. Zunächst bot der Männergesangverein eine Reihe schöner Weisen. Dann fand ein Handballspiel (Würzburg-Niederstetten) und ein Fußballspiel (Gerabronn-Niederstetten) statt. Kurz sei vermerkt, daß beide Spiele für Niederstetten negativ verliefen. Wie schon in den Vorjahren, so bildete auch in diesem Jahr der historische Winzertanz den Glanzpunkt des Festes. Den Tänzerinnen und Tänzern sowie dem Einpauker, Herrn Rich. Knenlein, machten die glänzende Durchführung alle Ehre. Nach Eintritt der Dunkelheit fand eine bengalische Schloßbeleuchtung statt. Fast anschließend an das Fest fand in der Turnhalle ein Festball statt, welcher einen schönen Abschluß des Festes bildete. Sehr viele Fremde hatte der gestrige Tag unserer Stadt zugeführt, ein Zeichen, daß unsere Stadt immer mehr zum beliebten Mittelpunkt eines weiten Kreises wird.

    Vaterlandsfreund, Nr. 231, 1. 10. 1929

  • 5. Oktober 1931. Bericht vom Herbstfest

    () Niederstetten, 5. Okt. Das herrlichste Wetter war unserem Herbstfest beschieden. Da war es fast selbstverständlich, daß nicht nur der Niederstettener feierte, sondern daß ein großer Fremdenzuzug unsere Stadt belebte. Den Festzug, an welchem der Gemeinderat und alle Vereine teilnahmen, belebte die farbenprächtige Gruppe der Winzer und Winzerinnen und auch die „Fünfziger“ gingen als Ehrengäste mit dem Festzuge. Die Stadtkapelle (Rummler) spielte flott voraus. Auf dem Festplatz entbot Herr Bürgermeister Schroth den Willkommgruß der Stadt und der Vereine. Er wies auch auf das wachsende Heimatsgefühl hin und begrüßte damit die zum Fünfzigertag eingetroffenen zahlreichen Gäste. Es sei heute wohl keine Zeit Feste zu halten. Das Heimatsfest soll ein kein rauschendes Fest sein. Es soll alle Jahre den Abschluß der landwirtschaftlichen Arbeiten und auch der Arbeit in den Vereinen darstellen. Es sei heute kein Anlaß zu verzweifeln. Auch vor hundert Jahren waren schlimme, oft sogar noch schlimmere Zeiten als heute. Das Herbstfest soll nun alle Jahre die Einigkeit der Konfessionen und der Berufsstände in unserer Stadt bezeugen. Wenn wir an dieser Einigkeit festhalten, dann wird es uns gelingen uns und unsere Stadt in diesen gefahrvollen Zeiten durch [Textverlust] Weisen. Dann traten die Winzer zum Tanze an. Auch wer den Winzertanz schon ein- oder mehreremale gesehen hatte, war begeistert von dessen schöner Durchführung. Mit Eintritt der Nacht erstrahlte Schloß und Schloßberg in magischer Beleuchtung. Zum Festball vermochte die große Turnhalle kaum die große Zahl der Besucher zu fassen. So nahm das Fest in allen Teilen einen schönen und einträchtigen Verlauf.

    Vaterlandsfreund, Nr. 233, 6. 10. 1931

  • 7. Januar 1932. Weihnachtsfeier des Kriegervereins

    () Niederstetten, 7. Jan. Trotz der raschen Aufeinanderfolge der vielen Veranstaltungen, war doch gestern die Weihnachtsfeier des Kriegervereins sehr gut besucht. Die Turnhalle war wieder voll besetzt. Das zeigt, daß der Kriegerverein unter Wahrung bester vaterländischer Tradition bei Vermeidung aller Politik alle Kreise unserer Einwohnerschaft in sich vereinigt. Die Stadtkapelle (Schmidt) leitete mit einem Marsch „Hurra! Du deutsche Fahne“ den Abend wirkungsvoll ein und hatte weiterhin durch flottes Spiel ihren wohlgemessenen Anteil an dem Erfolg der Feier. Herr Vorstand R. Knenlein sprach einige Worte der Begrüßung und verlas dann eine Neujahrskundgebung des Präsidiums des Württ. Kriegerbundes. Das Präsidium wies auf die Notwendigkeit der Einigkeit aller Deutschen gegenüber den unerhörten Forderungen unserer ehemaligen Kriegsgegner hin. Im Anschluß daran wurden folgende Ehrungen bekanntgegeben: Es erhielten vom Präsidium des Württ. Kriegerbundes für 25jährige Mitgliedschaft den Ehrenschild nebst Urkunde die Herren: Alois Burkert, Friedrich Ehrle, Johann Steinmetz, Johann Schmidt, Schuhmachermeister, Christian Rupp, Karl Wild sr. Ferner wurde Herr Karl Wild sr. für über 30jährige Mitgliedschaft zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. Vom Bürgermeisteramt waren Einzeichnungslisten dem Verein überlassen, in welchen die Unterzeichner einer Resolution in Bezug auf die Abrüstungsfrage volle Gleichberechtigung für Deutschland verlangten. Die Listen fanden sehr viele Unterschriften. Den Hauptteil der Vortragsfolge bildeten zwei lustige Einakter. In dem ersten Einakter „Besetzt“ führt die dreifache Vermietung eines möblierten Zimmers zu recht heiklen Situationen. Aber die Darsteller verstanden es mit Humor und Zartgefühl das Stück zu geben. Dies war auch bei dem zweiten Stück „Das Geburtstagspaket“ der Fall, welches allen Vätern und Müttern aus der Seele gesprochen ist, welche jahraus, jahrein Pakete an ihre Kinder in der Fremde senden müssen. Also alle Darsteller verdienen volles Lob. Gut war auch die Szenerie, vorzüglich die Masken, welche der Meisterschaft des Herrn Friseurmeisters Karl Wild ihre Ausführung verdanken. Das Vaterlandslied „Deutschland über alles“ wurde stehend gesungen. Eine reich ausgestattete Lotterie wurde abgehalten. Die ganze Zuhörerschaft war von Anfang bis zum Ende in bester Stimmung. Diese hielt auch bei dem folgenden Ball an. Der Kriegerverein, seine Mitglieder und seine Freunde können mit dem Verlauf des gestrigen Abends zufrieden sein.

    (Vaterlandsfreund, Nr. 5, 8. 1. 1932)