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  • 1. Oktober 1936. Heimattag und Erntedankfest

    Heimattag und Erntedankfest in Niederstetten
    Niederstetten, 30. Sept. Welch eigenartiger Klang liegt in den Worten Heimat, Vaterhaus, Heimaterde für uns Deutsche und wie tief sind sie in unserem Gemüt verankert. Als darunter die Stadt ihre Einladungen zum diesjährigen Heimattag ausgesandt hatte, folgten aus nah und fern etwa 300 Volksgenossen u. -genossinnen, die mit unserer Gemeinde durch Geburt verbunden sind, diesem Rufe, um ihre gemeinsame Heimat wieder zu sehen. Auch eine Feier des Jahrganges 1866 war mit dem Heimattag verbunden; die Fünfziger trafen sich schon am Samstag nachmittag bei einem Essen im Gasthaus Melber, zu welchem sich auch zu ihrer besonderen Freude ein Sohn unserer Stadt, Ministerialdirektor Dr. Dill, einstellte.
    Der Abend führte alle Gäste und Einwohner in der Turnhalle zu einer Feierstunde zusammen und die Halle reichte kaum aus, um alle Erschienenen zu fassen. Bürgerm. Schroth begrüßte die Anwesenden im Namen der Stadt und führte in seiner Rede aus, daß nun sechs Jahre seit dem letzten Heimattag verflossen seien. Viele, viele Söhne und Töchter der Stadt sind der Einladung gefolgt, leider mußten auch einige abschreiben, da sie entweder durch Krankheit oder aus beruflichen Gründen nicht kommen konnten, insbesondere auch Luftschiffkapitän Albert Sammt vom Luftschiff "Hindenburg", welcher wieder auf dem Wege nach Amerika ist. Ministerialdirektor Dr. Dill überbrachte Grüße des Innenministers und betonte in seiner Ausführung, daß er sich immer wieder freue, nach Niederstetten zu kommen, um alte, liebe Stätten aufzusuchen. In Erinnerung aus seiner Jugend kam so recht zum Ausdruck, wie tief auch bei ihm das Heimatgefühl verwurzelt ist. Diese Schollenverbundenheit wird besonders durch die Heimattage gepflegt und deshalb erfahren dieselben auch die volle Unterstützung des Nationalsozialismus. Die Kreiskapelle, der Männergesangverein, der BdM. und der Turnverein belebten den Abend durch wohlgelungene Darbietungen.
    Am Sonntag morgen machten die auswärtigen Gäste einen Rundgang durch die Stadt, bei welchem die in den letzten Jahren getroffenen baulichen Veränderungen besichtigt wurden, insbesondere auch die Kelter der Weingärtnergenossenschaft. Nachmittags 2 Uhr setzte sich von der Kelter aus ein Festzug zum Festplatz in Bewegung, der durch reichgeschmückte Ernte- und Winzerwagen verschönt war. Die Straßen waren voll von Besuchern aus den Nachbarorten und alles drängte nun zum Festplatze, woselbst Bürgermeister Schroth nach einer Begrüßungsansprache, in welcher er besonders auch die Anwesenheit von Kreisleiter Niklas hervorhob: an die bäuerlichen Gefolgschaftsmitglieder: Sofie Hein, Fritz Ehrmann, Marie Plank, Christian Sinner, Fritz Hütter und Wilhelm Gläß für langjährige treue Dienste (in einem Falle über 40 Jahre) Ehrenurkunden und Geschenke verteilte. Ferner verlas Herr Bürgermeister Schroth ein Telegramm des Fürsten Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg, das er aus Roggenburg sandte und in welchem er alle Gäste und Besucher des Heimattages und Erntedankfestes grüßte und viel Vergnügen wünschte. Ortsgruppenleiter Thomas sprach herzliche Worte des Gedenkens zum heutigen Feste. Die HJ. und BdM. führten Spiele und Tänze vor. Im Kaffeezelt und am Weinschank herrschte lebhafter Betrieb, sodaß die Zeit bis zum Winzertanz rasch verfloß und noch eine große Zuschauermenge bei diesem, von unseren Festen nicht mehr wegzudenkenden historischen Tanze anwesend sein konnte.

    Der Franke, Nr. 229, 1. 10. 1936

  • 15. Januar 1937. Versammlung der Ortsbauernschaft

    Niederstetten. (Versammlung). Am Sonntag fand im Gasthaus Melber die erste diesjährige Versammlung der Ortsbauernschaft statt. Ortsbauernführer Karl Melber begrüßte die Bauern und gab bekannt, daß das Kontingent für Brotgetreide noch nicht restlos von allen Bauern erfüllt sei, aber unbedingt erfüllt werden müßte. In diesem Sommer sollen wieder Hitlerjungen und -Mädchen im Alter von 16 bis 20 Jahren in die bäuerlichen Betriebe kommen. Vor 2 Jahren waren die Bauern mit dem BdM.-Lager sehr zufrieden. Die: Bauern wurden aufgefordert, in diesem Jahr vom Baumspritzen regen Gebrauch zu machen, wenn auch das Jahr 1936 ein ganz schlechtes Obstjahr gewesen war. Zum Schluß wurden noch Milchangelegenheiten besprochen, worauf ein reger Meinungsaustausch stattfand.

    Der Franke, 15. 1. 1937

  • 17. Februar 1939. Ergebnis Reichsberufswettbewerb

    Niederstetten, 17. Febr. Zum Abschlusse des Reichsberufswettbewerbes für den Nährstand versammelten sich die 145 Teilnehmer mit einer größeren Anzahl Gäste am Mittwoch abend in der Turnhalle. Gefolgschaftsführer Keppler begrüßte die Anwesenden und. sprach über die Bedeutung des Wettkampfes. Hierauf wurden in bunter Reihenfolge von der HJ. und BdM. sportliche Darbietungen und Volkstänze gezeigt, unterbrochen von Gemeinschaftsgesängen, Vorträgen der Singschar der HJ. und heiteren Zwiegesängen von Angehörigen des Landlagers Neubronn. Wettkampfleiter Klein, Vorbachzimmern, nahm zum Schlusse die Siegerehrung vor und bedankte sich in warmen Worten für die aufopfernde Arbeit der Prüfer, besonders auch der Lehrerschaft. Der Stadtgemeinde und Bürgermeister Weber dankte er für ihr bewiesenes Entgegenkommen, ebenso den Spendern der Mittagessen für die Wettkampfteilnehmer; man hätte keine bessere Gemeinde als Wettkampfort finden können. — Als. Sieger gingen hervor: Leistungsklasse III: Ferdinand Walz, Adolzhausen mit 86 Punkten, Leistungskasse II: Adolf Herrmann, Eichhof mit 97 P., Georg Hopf, Oberstetten mit 88 P.; Leistungsklasse I: Helmut Wenzelburger, Wermutshausen mit 103 P., Ernst Schulz, Adolzhausen mit 102 P., Franz Rießler, Landlager, Neubronn mit 101 P., Hans Staiger, Landlager, Wermutshausen mit 100 P., Ernst Emmert, Herrenzimmern mit 100 P., Elfriede Wunderlich, Herbsthausen mit 133 P., Hilde Striffler, Adolzhausen mit 131 P., Helene Walz, Adolzhausen mit 128 P., Lina Guttensohn, Sichertshausen mit 123 Punkten.

    Der Franke, 17. 2. 1939

  • 24. März 1936. Propagandafahrt des stv. Gauleiters Schmidt

    Auf der Nordostfahrt des stv. Gauleiters durch den Bezirk
    Friedrich Schmidt begeistert 2500 Volksgenossen des Kreises Gerabronn

    * Gerabronn, 23. März. Erwachen - Aufbruch einer Nation! Vom wolkenlosen Himmel strahlt warme Frühlingssonne auf Menschen u. Fluren. Ueberall freudige Gesichter, begeisterte Jugend, gläubige, durch nichts in ihrem Vertrauen zu erschütternde Männer und Frauen; Fahnen grüßen, Girlanden und Wimpel überspannen die Straßen, auf denen der stellv. Gauleiter Schmidt mit seiner Begleitung durch die hohenlohisch-fränkische Heimat fährt. Von Hall kommend, wo er am Samstag mit Staatsrat Meinberg im überfüllten Neubausaal gesprochen hatte, traf er gegen 14 11 Uhr in
    Rot am See
    ein. Es war eine erhebende Feierstunde, als er inmitten zahlreicher Männer und Frauen unter freiem Himmel von den Dingen, die Deutschland und die Welt bewegen, aus gläubigem Herzen zu einer andächtig lauschenden Menge sprach. Spontan brach die Bevölkerung in ein Siegheil auf den Führer und Retter Deutschlands aus und dankbar klangen die Nationalhymnen in den Aether. Unter Heilrufen setzte sich die Fährt dann fort nach
    Brettach,
    dem Mittelpunkt der Landwehr. Fahnen an jedem Haus. Reitersturm, SA., SAR, SS., HJ., BdM. und NS.-Frauenschaft und Vereine hatten Aufstellung genommen. Ueber 500 Volksgenossen umsäumten den Platz. Marschmusik der Kreiskapelle leitete die Kundgebung ein, Gesang- und Chor der HJ. folgten u. nach dem Begrüßungschor des Gesangvereins hieß Ortsgruppenleiter Gehring den alten Kämpfer im Hohenlohischen herzlich willkommen. Begeistert empfangen spricht dann der stv. Gauleiter zu seinen Landsleuten. In klaren Linien legte der stv. Gauleiter den Sinn dieser Wahl und die Bedeutung des 29. März dar, der nicht nur eine Wende des deutschen, sondern des Geschickes der ganzen Welt bedeute. Er befaßte sich eingehend mit dem entscheidenden Schritt des Führers vom 7. März, geißelte in scharfen Worten die Haltung, die die ausländischen Staatsmänner stets deutschen Schritten und deutschen Vorschlägen gegenüber einnehmen und schälte überzeugend die Notwendigkeit der Wiedererrichtung der deutschen Souveränität im Rheingebiet heraus und zwar als Schutzwall gegen die Gefahr des Weltbolschewismus, der ganz Europa bedrohe. Diese Entscheidung habe gefällt werden müssen! Und wenn Adolf Hitler eine Entscheidung treffe, so stehe diese fest, jetzt u. in aller Zeit. Deutschlands Macht liege in seiner Einigkeit. Adolf Hitler sei der einzige Staatsmann, der wisse: Wenn er Ja sage, dann sage das ganze Volk Ja, u. wenn er Nein sage, dann sage das ganze Volk Nein! (stürmischer Beifall).
    Adolf Hitler ist heute der stärkste Mann in Europa, weil wir etwas haben, das stärker ist als alle Armeen der Welt. Wir haben ein einig Volk, einen einzigen Glauben und einen einzigen Führer. (Lang anhaltender stürmischer Beifall). Noch nie stand ein Mann vor solchen Entscheidungen, wie Adolf Hitler in den letzten Jahren. Wir haben wieder eine Armee und haben Waffen; wir sind nicht mehr wehrlos. Das größte ist aber, daß ihr deutschen, Menschen, wie ihr hier seid, zusammengeschweißt seid wie ein einziger Volk. Wir haben recht und deshalb sind wir so ruhig. Ueber dem Recht von Locarno steht das Lebensrecht des deutschen Volkes und dieses Lebensrecht ist vom Herrgott selbst gegeben worden. Wir verlangen, daß wir in deutschen Landen die alleinigen Herren sind. Er sprach diesen Menschen aus dem Herzen, als er ausrief: Wir wollen gleichberechtigt sein mit den andern Völkern, weil wir glauben, daß wir ein genau so fleißiges und tüchtiges Volk sind wie die andern Völker. Nach einem Rückblick auf die großen und einzig dastehenden Leistungen nat.-soz. Staatsführung, appellierte er an das deutsche Gewissen, am 29. März seine Pflicht zu tun. Und er kann die Gewißheit haben, daß die Landwehrgemeinden der Stimme ihres Herzens folgen werden. Wuchtig brausten die Lieder der Nation über den Platz. Ein Vorbeimarsch vor dem stellv. Gauleiter und dem Kreisleiter beendigte diese Kundgebung. Dann gings in die Vaterstadt Fr. Schmidts, nach
    Wiesenbach.
    Hier schlugen ihm besonders dankbare Herzen entgegen. Zu seinem Empfang hatte jedes Haus Flaggenschmuck angelegt. Die Wiesenbacher sind stolz auf ihren Sohn, das spürte man und das sah man allen Gesichtern an. Viel Worte zu sagen konnte sich der Vertraute des Führers ersparen. Auf seine Wiesenbacher kann kann er sich verlassen. Ueberall streckten sich ihm Hände zum Gruß entgegen, ein Händedruck, ein Verstehen und Versprechen. Kurz sprach er von dem Wunder der Volkwerdung, von der Größe der deutschen Einigkeit, um das uns die Welt beneidet. Es rentiert sich wieder in Deutschland zu leben und zu arbeiten. Jeder Einzelne ist ein Teil dieser Gemeinschaft. Wir dürfen stolz sein, daß wir diese Zeit miterleben und dem Führer dienen dürfen, in ihm grüßen wir unser Deutschland. In das Sieg-Heil und das Deutschland- und Horst Wessel-Lied stimmte die vielhundertköpfige Einwohnerschaft mit heller Begeisterung ein. Eine besondere Ovation brachte dem stellv. Gauleiter die Hitlerjugend und der Bund deutscher Mädel dar. Auf 7 Lastwagen verteilt, durchfuhren sie am Sonntag den Bezirk und warben in ihrer eindringlichen Art für den 29. März. Plötzlich tauchten sie auch vor dem Elternhaus in Wiesenbach auf und brachten nach Sprechchören ihrem stellv. Gauleiter eine herzliche Huldigung dar. Rasch war die Zeit verstrichen; unter Abschiedsgrüßen und Heilrufen setzte sich die Wagenkolonne wieder in Bewegung in Richtung Schrozberg. In
    Lindlein und Schmalfelden
    war kurzer Halt. Die Bauern begrüßten den stellv. Gauleiter. Kurz sprach er vom Sinn und der Bedeutung der Wahl zu ihnen: Er unterhält sich mit Bauern, Veteranen. Frauen und Kindern, und alle bestätigen sie ihm auf ihre treue Art mit leuchtenden Augen das restlose Vertrauen zum Führer und seinem Werk, und die Bereitschaft, sich bei der kommenden Wahl wie ein Mann hinter den Führer zu stellen. Rasch war
    Schrozberg
    erreicht. Die NS.-Formationen und eine Hundertschaft des Arbeitsdienstes hatte vor dem Ort Ausstellung genommen. Mit klingendem Spiel ging der Marsch zum Marstallgebäude zur Großkundgebung für den Führer. 600-700 Volksgenossen waren versammelt. Sprechchor, Musik und Liedtois leitete die Feierstunde ein, 6-700 Volksgenossen konnte Kreisleiter Niklas begrüßen. Mit Heilrufen und Händeklatschen wurde stellv. Gauleiter Schmidt empfangen. In zündender Rede riß er die Menschen zu Beifallsstürmen hin. Deutschland ist entschlossen, sich unter keinen Umständen als ein minderwertiges Volk behandeln zu lassen. Der formelle Beschluß des Völkerbundsrates läßt uns kalt, denn das Schicksal eines Volkes läßt sich nicht in starre Paragraphen einzwängen. Die Tat des Führers vom 7. März war eine grundlegende Entscheidung für den Frieden der Welt. Dieser Schritt war notwendig und nichts wird uns bestimmen können, ihn irgendwie wieder rückgängig zu machen. Die fremden Staatsmänner müssen endlich erkennen, daß das Deutschland des Führers nicht mehr das Deutschland der Novemberrepublik ist. Die Zeit der Diffamierung ist vorbei. Wenn die fremden Staatsmänner noch nicht begriffen haben, daß der Versailler Vertrag für Deutschland nur noch ein Fetzen Papier ist, so weiß es bei uns jedes Kind. Die Welt soll begreifen, daß wir im eigenen Land selbst Ordnung halten können. Wir brauchen hierzu keine fremden Soldaten. Wir stellen das Lebensrecht des deutschen Volkes höher als alle Paragraphenreiterei der Völkerbundsjuristen (stürm. Beifall). Mit Nachdruck betonte der Redner, daß in der Einheit und Geschlossenheit der deutschen Nation die stärkste Friedensgarantie liegt. Wenn Deutschland einig bleibt, dann können wir allen Stürmen ruhig entgegensehen. Jetzt ist es aus mit der Methode, auf Deutschland herumzutrampeln. Wir sind unter allen Umständen entschlossen, uns nicht einschüchtern zu lassen und unsere Freiheit, unsere Sicherheit und unsere Lebensrechte bis zum letzten zu verteidigen. Das ganze deutsche Volk ist heute zur Hausmacht des Führers Adolf Hitler geworden. Auch diese Kundgebung war ein einziges, machtvolles Bekenntnis zum Führer, zur Ehre und zur Gleichberechtigung der Nation, und der Redner war nur der Sprecher seiner Hörer, der das in Worte kleidete, was unausgesprochen jeder in seinem Herzen trägt. Nicht endenwollender Jubel beschloß diese machtvolle Kundgebung. Das Gelöbnis des Ortsgruppenführers Pg. Binder war ein Versprechen aller, am Wahltag die nationale Pflicht zu erfüllen. Nach einem Vorbeimarsch der Formationen setzte sich die Triumphfahrt fort.
    Oberstetten
    ließ es sich nicht nehmen, dem stellv. Gauleiter auf der Durchfahrt den Willkomm zu entbieten. Auch hier gläubige Menschen, fest entschlossen und dankbaren Herzens dem Führer zu folgen. In rascher Fahrt war
    Niederstetten
    erreicht. Auch hier waren die NS.-Formationen zur Begrüßung angetreten. In der überfüllten Turnhalle empfängt den Redner die SS.-Kapelle Ellwangen, die am Abend ein Konzert gab. Ungeheure Spannung und Begeisterung herrscht. Nicht alle finden Einlaß in der Halle, die Rede wird durch Lautsprecher ins Freie übertragen. Begeisterung löst die Begrüßung durch den Kreisleiter aus. "Der Frontsoldat kennt den Krieg und erhält den Frieden". Dieser Satz auf dem großen Spruchband bildet auch hier den Kernpunkt der zündenden Ausführungen. Alle kennen die Marschrichtung, trotzdem sind sie da, die vielen Menschen. Durch ihre blose Anwesenheit bekunden sie heute und auf allen Kundgebungen jetzt schon ihre Stimme für Adolf Hitler. Wie in den vorangegangenen Versammlungen, so gibt der Redner auch hier in seiner groß angelegten Rede ein umfassendes Bild der heutigen weltpolitischen Lage und eine weittragende Schau der gegenwärtigen und zukünftigen Entwicklung der deutschen und europäischen Politik. Die Sprache des Volksmanns und Volksführers Adolf Hitler sei wohl den Diplomaten und Staatsmännern ein Aergernis, den Völkern aber eine aufrüttelnde Botschaft. Im Herzen Europa: stehe als Lenker eines 67-Millionen-Volkes ein Führer, der es ablehne, Diktator zu sein. Die drei Jahre seit der nat.soz. Machtergreifung seien von einzigartiger geschichtlicher Bedeutung und geben die Voraussetzungen ab für eine Entwicklung in die Jahrhunderte und Jahrtausende. Heute sei Deutschland und der Führer zum Garanten des europäischen Friedens u. der abendländ. Kultur überhaupt heraufgewachsen. Die Bannung der europäischen Gespensterfurcht sei nur durch die zusammengeballte Wucht des deutschen Volkswillens noch möglich. Der stellv. Gauleiter stellte in großen Zügen die gewaltigen, unvereinbaren Prinzipien heraus, die heute Europa und die Welt beherrschen: das völkische Prinzip der Blutsverbundenheit und das anarchische Prinzip des Weltbolschewismus. Dieses weltpolitische Entweder-oder sei eine Entscheidung, vor die jedes einzelne Volk als vor seine Lebensfrage gestellt werde. In der Schaffung der Einheit aller Deutschen auf der Grundlage der Bluts- u. Brotgemeinschaft sei die Grundlage für diese auf Jahrhunderte bestimmten Wirkungen gelegt. Die Erfüllung und die Sinngebung einer zweitausendjährigen unglückseligen und zerrissenen deutschen Geschichte liege heute vor Augen des gesamten Volkes, in dem der Allmächtige den Führer als sichtbaren Vollstrecker seines Willens dem deutschen Volke gesandt habe, den Führer, der die innerste Sehnsucht des ganzen Volkes erfülle.
    Mit tosendem Beifall wurden die Ausführungen Pg. Schmidt's über das Gesetz des gleichen Blutes, auf dem allein der Frieden Europas aufgebaut werden könne, aufgenommen und über den Begriff des ewigen Deutschland. Solange ein deutscher Bauer am Pflug, ein Arbeiter hinter der Werkbank stehe, solange Deutschlands Jugend singend über Wiesen und Felder marschiere, solange deutsche Mütter Kinder gebären, solange werden wir vom ewigen Deutschland sprechen. Deshalb sei sich jeder Deutsche seiner Pflicht am 29. März bewußt, auf daß die Welt sehe, daß es nichts Höheres, nichts Stärkeres gebe als ein einiges, freies Volk. Immer wieder wird die Menge zu Beifallskundgebungen hingerissen, als der Redner von den Großtaten der letzten 3 Jahre spricht, als er den Sieg der Saar, die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht streift. So werde, führt d. stellv. Gauleiter unter jubelndem Beifall aus, der 29. März 1936 eine gewaltige Manifestation des geschlossenen deutschen Volkswillens vor aller Welt sein, die dem Führer die Möglichkeit gibt, das deutsche Schicksal und damit das Schicksal Europas zu meistern. Die Nationalhymnen und nicht endenwollender Beifall beschloß die wahrhaft erhebende Kundgebung deutschen Volkswillens. Unter dem Beifall und Heilrufen verließ dann Pg. Schmidt den Bezirk, um abends in Weikersheim und Mergentheim zu den dortigen Volksgenossen zu sprechen. Es waren erhebende Stunden, diese Fahrt durch unsere Heimat, überall Begeisterung, freudige Einsatzbereitschaft und der Ausdruck großer Volksgemeinschaft. Unserem stellv. Gauleiter auch an dieser Stelle zusammenfassend aller Dank in einem Sieg-Heil.

    Der Franke, Nr. 70, 24. 3. 1936

  • 25. Juni 1933, Fest der Jugend

    * Niederstetten, 25. Juni. Beim "Fest der Jugend" herrschte in den frühen Morgenstunden auf unserer "Jahnwiese" munteres Treiben. Die ganze Schuljugend der Stadt war versammelt, die Schüler der Oberklasse zur Austragung der Wettkämpfe, die in zwei Altersklassen durchgeführt wurden, die Schüler der Grundschule zu fröhlichem Tummeln auf der Wiese. Sieger wurde je die 1. Altersklasse sowohl bei den Knaben wie bei den Mädchen. Für gute Einzelleistungen wurden außerdem noch Preise von Seiten der Stadt zur Verfügung gestellt. Der Nachmittag gehörte dem freiw. Arbeitsdienst vom Lager Eichhof. Neben turnerischen Wettkämpfen wurde ein Fußballspiel mit dem Sportverein ausgetragen. Mit einer Sonnenwendfeier am Abend fand das "Fest der Jugend" seinen Abschluß. Von der Adolf Hitler-Straße aus setze sich ein langer Zug, voran die H.-J., J.-V. und B. d. M. in Bewegung hinauf zur "Hohen Buche”, einem der höchsten Punkte auf der rechten Vorbachseite in der Umgebung von Niederstetten. Auf der Höhe angekommen, entzündeten SA-Männer d. aufgeschichteten Holzstoß. Mit den steigenden Flammen wuchs auch die Begeisterung der Jugend trotz strömenden Regens. In verschiedenen Feuersprüchen tat die Jugend kund, daß die Flamme ihre Symbol für Freiheit, Reinheit und Treue zum neuen deutschen Reich u. seinem Führer Adolf Hitler sei. Dieser Schwur klang aus in dem Lied "Flamme empor!" Darauf sprach der Standortführer der Hitlerjugend, Hermann Fischer, zur Jugend. Mit begeisterten Worten knüpfte er zunächst an den Brauch unserer Vorfahren an, d. Sonnenwende zu feiern. Wenn wir heute diese Sitte wieder aufgreifen, so müssen wir zunächst derer gedenken, die ihre Treue und Hingabe zum Vaterland mit der Tat bewiesen haben, nämlich derjenigen, die für Deutschland den Heldentod gestorben sind. Ihnen zu Ehren wurde das Lied vom guten Kameraden angestimmt. Nun fuhr Standortführer Fischer fort, wie die Flamme alles verzehre, so möge auch der letzte Rest undeutschen Geistes, des Geistes, der in den letzten 14 Jahren in unserem geliebten deutschen Vaterland geherrscht habe, vollends verzehrt werden. Die Jugend aber ermahne er, sich rein zu halten wie die Flamme, zu glühen für das neue Deutschland, dessen Träger sie einst sein werden. Ein Sieg-Heil auf unseren Reichspräsidenten von Hindenburg und unseren Führer Adolf Hitler leitete über zum Horst Wessel-Lied. Nach einem schönen Feuerreigen der Mädchen fand die Feier ihren Abschluß mit dem Deutschlandlied. Am erlöschenden Feuer wurden die Fackeln entzündet und in langem Fackelzug gings hinab zum Städtchen. Noch ein erhebendes Gefühl brachte der Rückmarsch. Auf benachbarten Höhen über dem Vorbachtal und in weiter Ferne, überall loderten Feuer, überall das gleiche Wollen der Jugend - ein neues deutsches Vaterland mit einer geeinigten Jugend!

    (Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 146, 27. 6. 1933, S. 3)

  • 27. April 1935. BDM-Lager eröffnet

    Niederstetten, 27. April. Heute nachmittag wurde ein Sommerlager des BDM.-Umschulungslagers Mistlau eröffnet. Das Lager befindet sih in einem Nebengebäude des fürstlichen Haltenbergstettener Schlosses. Anwesend waren Regierungsassessor Dr. Schulz-Gerabronn, Dr. Bareiß vom Arbeitsamt Bad Mergentheim, Kreisbauernführer Philipp, Bürgermeister Schroth, Ortsbauernführer Osiander und die Abteilungsleiterin, Frau Streitberger. Die Leiterin des Umschulungslagers Mistlau, Frl. Rieber, leitete die erste Flaggenhissung und sprach warme Worte an die Anwesenden. Die zurzeit im Lager befindlichen 18 Mädchen brachten unter der Leitung von Frl. Luß, der Leiterin des Lagers Niederstetten, verschiedene Lieder und Sprechchöre zu. Gehör. Anschließend sprach Bürgermeister Schroth und Kreisbauernführer Philipp. — Frau Josefine Kästle erhielt dieser Tage von einer Ente ein Ei, welches 123 Gramm wog.

    Der Franke, Nr. 100, 30. 4. 1935

  • 3. Februar 1938. Altenfeier - Selbstmordversuch eines jungen Mannes

    Niederstetten, 3. Febr. (Altenfeier). Die Stadtverwaltung hat die hiesigen "Alten", d. h. Einwohner, die 70 und mehr alt sind, am vergangenen Sonntag nachmittag in die Turnhalle zu einer Altenfeier eingeladen. Bürgermeister Weber konnte trotz des schlechten Wetters von 93 "Alten" 60 mit ihren Angehörigen begrüßen. Der BdM. führte ein leicht verständliches Theaterstück vor und verschönte die Feier mit Volkstänzen, während Frl. Huß mit ihren Harmonikaspielern den musikalischen Teil übernommen hatte. Zur Betreuung der "Alten" war die NS.-Frauenschaft da. Auch für das leibliche Wohl hatte die Stadtverwaltung gut gesorgt: Kaffee, Kuchen, Wein, Zigarren. Man schied voneinander mit dem Gedanken, daß es schön war und daß man bei der nächsten Altenfeier wieder dabei sein. will.  Am vergangenen Dienstag hat sich bei der Haltestelle im nahen Vorbachzimmern ein hier beschäftigter junger Mann vor die Lokomotive eines Personenzuges geworfen, um Selbstmord zu verüben. Er wurde jedoch lediglich am Fuß schwer verletzt.

    Der Franke, 4. 2. 1938

  • 3. Juni 1935. Durchführung der Reichssportwoche - Sommerfest des Männergesangvereins

    Niederstetten, 3. Juni. In Durchführung der Reichssportwoche zeigten die Turner, die HJ., Jungvolk, BDM. und Jungmädchen am gestrigen Sonntagnachmittag, nach einem Propagandamarsch durch die Stadt, auf dem Sportplatze Freiübungen, sämtliche Arten der Leichtathelik, sowie Spiele zur Ertüchtigung des Körpers. Mit diesen Vorführungen warben sie für den Sport, welcher Allgemeingut des deutschen Volkes werden muß. Da keine Höchstleitungen erzielt werden sollen, sondern nur an die Gesundheit des gesamten deutschen Volkes gedacht wird, so steht der Sport allen Altersstufen offen. Oberturnwart Keppler sprach als Beauftragter der Ortsgruppe der NSDAP. zu den zahlreichen Besuchern und seine Rede gipfelte in den Worten des Turnvaters Jahn, ein wahrhaft, wehrhaft Volk zu werden. — Gleichzeitig hielt der Männergesangverein sein Sommerfest auf dem angelegenen alten Turnplatz ab. Der Verein brachte unter der ganz vorzüglichen Leitung seines Dirigenten, Chormeister Fleckenstein-Bad Mergentheim, neueingeübte Lieder zum Vortrage und reicher Beifall belohnte die Sänger nach jedem Gesange.

    Der Franke, Nr. 128, 4. 6. 1935

  • 5. Mai 1936. Brief aus Niederstetten

    Brief aus Niederstetten
    Der April zeigte sich auch bei uns als ein ganz unwirtlicher Gast und richtete durch das kalte Wetter und den Schnee großen Schaden an den Obstbäumen an. Der Anfang des Wonnemonats war nicht gerade seinem Namen entsprechend, aber wir dürfen jetzt doch Hoffnung haben, daß er all das nachholt, was bis jetzt noch zurückblieb. — Einen schweren Unfall erlitt legte Woche eine Bauersfrau durch den Sturz von der Hühnerleiter, sie brach die Hand und erlitt Kopfverletzungen. — Die NS.-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" brachte mit der "Palette" einen genußreichen Abend, welcher leider sehr schlecht besucht war. Die Leistungen der Künstler waren über alles Lob erhaben und ernteten damit verdienten Beifall. Die Ansage von Max Maier-Naß, der auch die Leitung hatte, und die Kurzspiele erregte ununterbrochene Stürme der Heiterkeit, sodaß tatsächlich zwei Stunden Lachen die Parole wurde. Ganz besonders hervorgehoben verdienen die Tänze von Marg. Temi. — Der Nationalfeiertag zeigte unsere Stadt in reichem Fahnen- und Grünschmuck. Wenn auch das Wetter sehr zu wünschen übrig ließ, so wurde doch der Tag der Volksgemeinschaft würdig begangen, Der Festzug war überaus reichhaltig, kein Beruf fehlte mit einer Gruppe und den würdigen Symbolen des Handwerks. Besonders den Erstellern der Festwagen, die sinnvoll ausgeschmückt und besetzt waren, sei Dank gesagt, denn sie hatten keine Mühe gescheut, um den Festzug lebendig zu gestalten. Der Maikönig und die Maikönigin thronten stolz auf ihrem festlichen Wagen. — Ortsgruppenleiter Thomas hielt auf der Festwiese die Ansprache zum Gedenken des Tages und konnte drei Ehrenurkunden für besonders gute Leistungen im Reichsberufswettkampf an Marie Thürauf, Adolf Roth und Hans Weigel übergeben. Der BdM. führte um den prächtigen Maibaum Tänze und Reigen auf; die HJ. erfreute durch Spiele und Lieder. Die Kreismusikkapelle mit ihren flotten Weisen und der Männergesangverein mit volksnahen Chören wetteiferten miteinander, die zahlreichen Volksgenossen zu unterhalten. — Herr Flaschnermeister Georg Freier beging gestern seinen 80, Geburtstag. Wir wünschen ihm alles Gute und einen heiteren, gesunden Lebensabend.

    Der Franke, Nr.103, 5. 5. 1936

  • 7. Oktober 1935. Herbstfest

    Innenminister Dr. Schmid beim Niederstetter Herbstfest

    Niederstetten, 7. Okt. Das diesjährige Erntedank- und Herbstfest wurde durch den Festzug um 12 Uhr eingeleitet. Voraus das Jungvolk mit den Fanfaren und Landknechtstrommeln, dann HJ. und BDM. mit bändergeschmücktem Erntekranz, die Pol. Leiter, Abordnungen der SA., NSKK., Sanitätskolonne, Kyffhäuserbund, Männergesangverein und dann die Bauern in ihrer Arbeitskleidung mit Arbeitsgeräten. Zum Schlusse drei Festwagen: Ein Wagen mit Früchten des Feldes und Schnittern, ein Winzerwagen, vollbehangen mit köstlichen Trauben und ein Wagen mit Geräten zur Flachsgewinnung bis zum Spinnrad, von fleißigen Händen in Tätigkeit vorgeführt. Auf dem Festplatze angekommen, sprach Bürgermeister Schroth zu den sehr zahlreichen Anwesenden Worte des Dankes für alle die bäuerlichen Helfer und nicht zuletzt dem Bauern selbst für alle die Mühen des Jahres und der Vorsehung, daß wir ein Erntedankfest feiern können. Für langjährige treue Dienste einer Anzahl Gefolgschaftsmitglieder konnte Bürgermeister Schroth im Auftrage des Ortsbauernführers Ehrenurkunden und Geschenke übergeben.

    Da brach die herbstliche Sonne in wärmenden Strahlen durch das Grau des Himmels und mit offenen Herzen lauschten alle Festteilnehmer den Worten des Führers vom Bückeberg und spontan fielen die Zuhörer in den Beifall ein, der durch die Lautsprecheranlage drang, wenn besonders markante Sätze aus des Führers Munde erklangen. Ortsgruppenleiter Thomas sprach anschließend zu den Anwesenden und mit dankbarem Gefühle ertönte der Choral: „Nun danket alle Gott“, aus hunderten von Kehlen über den weiten Platz. Sprechchöre des JV., der HJ, und BDM. füllten den Nachmittag.

    Mittags war schon eine freudige Ueberraschung bekannt, geworden: Innenminister Dr. Schmid war erschienen und versprach gegen Abend nochmals zu kommen, da er am Nachmittag die Orte Riedbach und Brettheim aufsuchen wollte. Innenminister Dr. Schmid hielt sein Wort; kurz vor Beginn des Winzertanzes zeigten Fanfarenklänge sein Kommen an, in seiner Begleitung waren Landrat Wöhrle, Kreisleiter Niklas, Kreisgeschäftsführer Walter und Bürgermeister Wiedmann-Gerabronn. Nach Abschreiten der Front, der im Viereck aufgestellten Festzugteilnehmer, begrüßte Bürgerm. Schroth Innenminister Dr. Schmid und überreichte ihm als Willkommgruß einen Becher, gefüllt mit 1934er Niederstetter Weines und einen Korb einheimischer Früchte und Trauben. Innenminister Dr. Schmid bedankte sich in herzlichen Worten für die Gaben und trank auf das Wohl der Gemeinde. Den gesanglichen Darbietungen des Männergesangvereins und der Vorführung des Winzertanzes zollte der Minister lebhaften Beifall. Zum Schlusse wurde ein Hammeltanz aufgeführt, der aber unter dem Mangel der Beteiligung etwas litt, sodaß nur ein Geldpreis ausbezahlt werden konnte. Der Traubenmarkt fand lebhaften Anklang und restlosen Absatz der vorhandenen Vorräte. Ein Tanzabend in der Turnhalle brachte noch einen schönen Ausklang des Erntedankfestes. — Am Samstag Abend hatte sich der Jahrgang 1895 zu einer Vierzigerfeier im Saale des Gasthauses Melber zusammengefunden. Da auch viele auswärtige Schulkameraden der Einladung hierzu Folge geleistet halten, so kam eine frohe Stimmung beim Austausch alter Jugenderinnerungen auf. Altersgenosse Sattlermeister Gottlob Schmidt begrüßte die Erschienenen und gerade der in der Ferne weilenden Schulkameraden und derer, die nicht mehr unter den Lebenden sind. Bürgermeister Schroth gab in einer längeren Ausführung einen Ueberblick über die Entwicklung der Gemeinde in den letzten 25 Jahren und vieles war selbst für die hiesigen Anwesenden von Interesse, da man vieles schon wieder vergessen oder in manches keinen Einblick erhalten hatte. Zum festlichen Gepräge des Abends trug ein gut Teil Chormeister Fleckenstein mit Tochter bei durch ihre musikalischen Darbietungen, welche durch gesangliche Vorträge eines Doppelquartetts des Männergesangvereins abgelöst wurden. Zum Gedenken an die im Weltkriege gefallenen Kameraden und der sonst vom Tode ereilten Altersgenossen legten die Vierziger am Sonntagmorgen am Ehrenmale der Gefallenen einen Kranz nieder.

    Der Franke, Nr. 235, 8. 10. 1935

  • 9. Oktober 1934. Kelterweihe mit Herbstfeier

    Kelterweihe mit Herbstfeier in Niederstetten

    Bei schönstem Herbstwetter beging die Stadtgemeinde Niederstetten am Sonntag die Einweihung der Kelteranlage der neugegründeten Weingärtnergenossenschaft. Wie die Tbztg. hierüber berichtet, gestaltete sich die Einweihung zu einer rechten Herbstfeier und zu einem freudigen festlichen Ereignis für die ganze Stadt und für alle, die von auswärts daran teilnahmen. Am Nachmittag um 2 Uhr bewegte sich vom Bahnhof aus ein Festzug durch die reich beflaggten Straßen zum schmucken Keltergebäude. Außer Musik, SA., HJ., BdM., Fliegersturm und Vereinen mit ihren Fahnen gaben Winzer und Winzerinnen und eine Bauernhochzeit in Hohenloher Tracht beim Festzug ein recht farbenreiches Gepräge. Auch Festwagen, eine Weinkelterei und eine Heckenwirtschaft darstellen, wurden mitgeführt.

    Auf dem Festplatze begrüßte Bürgermeister Schroth im Namen der Stadt und der Weingärtnergenossenschaft die Teilnehmer am Feste herzlich. Er begrüßte insbesondere die Herren Vertreter der Regierung und Behörden und der Firmen, die am Bau und der Einrichtung der Keltereianlage beteiligt waren, Wirtschaftsminister Lehnich, Landesbauernführer Arnold und Stabsleiter Jäckle mit anderen Herren der Regierung seien mit dem Kreisbauernführer schon am Samstag nachmittag hier gewesen, um die Einrichtung zu besichtigen u. ihre Glückwünsche zu überbringen. Wegen anderer Verpflichtungen könnten sie an der heutigen Feier leider nicht teilnehmen. Die Herren haben auch die neue Schule besichtigt und sprachen sich über diese sowohl, als über die Keltereinanlage sehr anerkennend aus.

    Bürgermeister Schroth gab dann ein Bild über die Entstehung der Genossenschaft und den Bau und die Einrichtung der Keltereianlage und führte dazu u. a. aus: Die Genossenschaft wurde bereits im Jahre 1932 theoretisch gebildet. Sie konnte aber ihre praktische Tätigkeit deshalb nicht aufnehmen, weil der für die Einrichtung einer Kelter notwendige Keller- und sonstige Gebäuderaum fehlte und weil der Neubau einer Kelter für die am Rande des Weinbaugebiets gelegene Genossenschaft zu hohe Kosten und damit ein zu hohes Risiko verursacht hätte. Mit der Einrichtung dieser Kelter konnten wir nicht nur dem langgehegten Wunsche der Weingärtnergenossenschaft Rechnung tragen, sondern es ging damit auch ein wesentlicher Teil der Forderung des dritten Reichs und unseres Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler in Erfüllung. dadurch, daß wir mit diesem Bau zur Arbeitsbeschaffung wesentlich beitrugen. In der Gründungsversammlung 1932 hat insbesondere unser allverehrter Herr Landesökonomierat Mährlen aus seiner reichen Berufs- und Lebenserfahrung im Weinbau heraus es verstanden, die Herzen unserer Weingärtner für eine Genossensaft zu gewinnen. In der sich daran anschließenden Aussprache drehte es sich hauptsächlich darum, ob eine Genossenschaft mit beschränkter oder unbeschränkter Haftpflicht errichtet werden soll. Die große Mehrheit entschied sich für die letztere Form. Nachdem nun die Genossenschaft als solche gegründet und die Verwaltungsorgane berufen waren, konnte an ernstliche Kaufsverhandlungen gegangen werden. Diese wurden dann im Verlauf des Jahres 1933 mit dem fürstlichen Rentamt hier getätigt, und es kam im Frühjahr 1934 zum Abschluß des Kaufvertrags um den Kaufpreis von 15 000 RM für Gebäude und Keller. Als auf 1. 5. ds. Js. die seitherigen Pächter von Scheune u. Keller die Räume um großen Teil freigemacht hatten, gingen Vorstand und Aufsichtsrat dazu über, die Einrichtung der Genossenschaft zu beschaffen. Es würden deshalb von den in Betracht kommenden, uns bekannten, führenden Firmen unter dankbarer Unterstützung der Bauernberatungsstelle des Verbandes landw. Genossenschaften die erforderlichen Maschinen und Einrichtungsgegenstände vergeben. Die Maischbottiche, soweit sie neu sind, wurden von den hiesigen Küfermeistern geliefert. Eine Hauptfrage der Einrichtung war sodann die Beschaffung des Faßraums. Auch hier haben wir wohl das für unsere Verhältnisse geeignetste und finanziell günstigste Angebot vorgezogen. Die sonstige bauliche Einrichtung sowohl des Kelter- als auch des Kellerraums lag in den Händen von Herrn Baumeister Baumann hier und wurde zu unserer vollsten Zufriedenheit in gemeinsamer Arbeit gelöst. Allen denjenigen, welche an diesem Kelterbau in irgend einer Form sich beteiligt haben, sage ich hiermit namens der Weingärtnergenossenschaft für ihre durchweg vorzügliche Arbeitsleistung herzlichen Dank, besonders auch den sämtlichen an diesem Bau beschäftigten Arbeitern. Ihnen wollten wir an Stelle des sonst üblichen Richtschamuses, da es sich ja um keinen Neubau handelt, von unserem sorgfältigst sortierten, naturreinen "Niederstetter" je einen Schoppen gratis verabreichen. Dank sage ich besonders noch allen den Mitgliedern der Genossenschaft und ihrer Organe, die sich während des Baues, während der Kelterzeit und auch jetzt noch manche Unannehmlichkeiten gefallen lassen mußten, voran unserem Vorstand Linder.

    Nun muß ich Ihnen noch darüber Aufschluß geben, was unsere Anlage gekostet hat und wie sie finanziert wurde. Das Gebäude mit Keller kostete uns, wie bereits erwähnt, 15 000 RM., die maschinelle Anlage einschließlich Maischschläuche 12 000 RM., der Faßraum und die Bottiche 14 000 RM., und der sonstige durch bauliche Veränderungen, Anlage der Zufahrt, des Ablieferungsraums usw. notwendige Aufwand beträgt 9.—10 00 RM. (derselbe ist noch nicht ganz abgerechnet), so daß sich also die Gesamtkosten der Genossenschaft, wie vorgesehen, auf ca. 50 000 RM. belaufen, deren Finanzierung in folgender Weise sichergestellt wurde: von der Zentralstelle für die Landwirtschaft bewilligter und bereits bezahlter Kredit aus Reichsweingärtnerkrediten 20 000 RM. Hiefür sei der Zentralstelle ganz besonderer Dank gesagt. Sie hat den Löwenanteil am Verdienst des Zustandekommens unserer Genossenschaft und ihres Kelterbaues. Aus Reichsmitteln wurden 5 000 RM. als Zuschuß verwilligt, welcher bereits bezahlt ist. Rest mit 25 000 RM. wurde durch die Genehmigung eines Kredits in dieser Höhe durch die Landwirtschafts- und Gewerbebank Gerabronn finanziert. Die Genossenschaft hofft mit dieser Lösung ihren Mitgliedern und dem Niederstetter Weinboa gedient zu haben und in Zukunft dadurch zu dienen, daß sie durch sorgfältigste Behandlung der Trauben und des Weins die harte Arbeit und Mühe des Weingärtners durch Erzielung besserer Preise lohnt. Das Jahr 1934 war uns zur Verwirklichung dieser Absicht zugetan und wir sind überzeugt, daß alle diejenigen. welche von unserer Genossenschaft ihre Weinbedürfnisse befriedigen, ständige Kunden werden. Auch können wir im Hinblick auf die verhältnismäßig günstige finanzielle Lösung des ganzen Baues mit Ruhe in die Zukunft blicken. Möge allezeit so wie bisher Gottes Segen auf dem Werke ruhen. Heil Hitler!

    Die Anwesenden sangen dann das von der Musik intonierte Horst Wessel- und das Deutschlandlied. Darnach überbrachte Landrat Wöhrle die Glückwünsche des Kreises. Er bezeichnete den heutigen Tag der Kelterweihe als einen Merkstein in der Geschichte des Weinbaus des Kreises Gerabronn, wünschte, daß die Weinbaufläche noch weiter zunehme und der Weinbau mit der Genossenschaft weiterhin wachse, blühe und gedeihe. Ein Vertreter der Faßlieferfirma überbrachte ebenfalls beste Glückwünsche und erklärte, daß sich die Weingärtnergenossenschaft Niederstetten mit ihrer modernen und guten Einrichtung den großen Genossenschaften am Rhein und in der Pfalz ebenbürtig zur Seite stellen könne. Die ganze Stadtgemeinde dürfe mit der Genossenschaft stolz sein auf diese Anlage. — Johann Reiß brachte dann ein von ihm selbst verfaßtes Gedicht zum Vortrag mit humorvollem Inhalt über die Weingärtnergenossenschaft und die Einrichtung der Kelterei . In seiner Schlußansprache hob Bürgermeister Schroth noch hervor, daß man den Gedanken, mit der Kelterei-Anlage auch die Milchverwertung zu verbinden, fallen ließ, da sich ja Milch und Wein nicht gut vertragen. Er wies dann noch darauf hin, daß sich erst jetzt nach Einrichtung der Genossenschaftskelterei gezeigt habe, wie bedeutend der Weinbau in und bei Niederstetten doch ist. Niederstetten hat eine Weinanbaufläche von rund 80 Hektar. Zu diesem Jahre erhielt die Genossenschaft annähernd 1 500 Hektoliter Wein. Dabei erklären die Weingärtner, daß man nicht einmal einen starken halben Herbst hatte. Man habe außerdem begründete Hoffnung, daß noch neue Flächen mit Wein bepflanzt werden; man beabsichtige auch Drahtanlagen zu machen. Der Weingärtnergenossenschaft von Niederstetten gehören bis heute 118 Weingärtner aus den Gemeinden Niederstetten mit Eichhof, Oberstetten, Pfitzingen und Wildentierbach an. Zum Schluß wünscht der Herr Bürgermeister noch einige frohe Stunden beim Niederstettener Neuen, her an alle Gäste heute 100gradig ausgeschenkt werde. An den Tischen und Bänken, die um und im Kellereigebäude aufgestellt waren, wurde dann auch der vorzügliche Niederstetter ausgiebig probiert. Mit großem Interesse besichtigte in Teil des Publikums die prächtige und moderne Kellerei-Einrichtung und den geräumigen schönen Keller mit den vielen großen Fässern, die bis zu 50 Hektoliter Wein fassen, der – dank der vorzüglichen Einrichtung der Kelterei – nach Graden sortiert (amtlich festgestellte höchste Gradzahl 105,6) eingelagert werden konnte. Mit dem Winzertanz, der um halb 5 Uhr wohlgelungen zur Vorführung kam, wurde den Festteilnehmern eine weitere Freude bereitet. Die Jugend machte am Abend vom Tanze ausgiebigen Gebrauch. So gestaltete sich die Keltereinweihung zu einer frohen Herbstfeier, an die alle Teilnehmer gerne zurückdenken werden.

    Der Franke, Nr. 235, 9. 10. 1934

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