Adolf Fleckenstein
Adolf Fleckenstein
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1. Mai 1934. Maifeier
Niederstetten, 7. Mai. 1. Mai, neuer Klang liegt in diesem Wort, ein Klang, den ihm unser Führer Adolf Hitler gab; Frühling liegt darin und Neuwerdung, nicht mehr Haß und Klassenkampf. Auch unser Städtchen beteiligte sich an der Feier des Tages unter der Leitung der Ortsgruppe der NSDAP. Am Vorabend des 1. Mai richtete das Zimmergewerbe den 18 Meter hohen, geschmückten Maibaum auf der Maiwiese (alter Turnplatz) auf, an welcher sich die Hitler-Jugend unter Führung des Geff. Fischer beteiligte. Der 1. Mai sah mit sonnigem Antlitz auf mit Fahnen und Tannengrün geschmückten Häuser und Plätze, legte sich mit Freude in jedes Menschenherz und lachte einem wieder aus strahlenden Augen der Menschen entgegen und fröhlich erklang der deutsche Gruß. Um 8 Uhr war Kirchgang für beide Konfessionen, um 9 Uhr Uebertragung der Jugendkundgebung aus Berlin unter dem Maibaum, an welcher sich sämtliche Schulen beteiligten. Von 12-15 Uhr war auf dem Marktplatz ein Standkonzert, welches von der Kreismusikkapelle unter Leitung seines Dirigenten Chormeister Fleckenstein, Bad Mergentheim, aufgeführt wurde. Pünktlich um 15 Uhr setzte sich der Festzug von der Hollenbacherstraße aus in Bewegung, voran die HJ., anschl. Abordnungen der PO., SA., MSA., SAR. u, NSKK., welcher die Kreismusikkapelle folgte. Die Mitte des Festzuges bildete ein blumenübersäter Wagen mit der Maikönigin und kleineren Mädchen, zur Seite ritt der Maigraf. Nun folgten in bunter Reihenfolge Handwerkergruppen mit Festwagen, ein Wagen des Bauernstandes, Beamtengruppe, Trachtengruppe, Wandergruppe und Turn- und Sportscharen, zusammengefaßt ein Bild wie es Niederstetten wohl noch nie gesehen hat, denn wer hätte es vor der Machtübernahme der NSDAP. gesehen, daß Bauern, Handwerker und Beamte so verbunden in einem Geiste marschieren, getragen von Sichverstehen und Einfügen. Auf der Festwiese angekommen, löste sich der Festzug auf und die Kreismusikkapelle und der Männergesangverein Niederstetten erfreuten die Festbesucher durch frische Weisen. In einer Ansprache wies Ortsgruppenleiter Thomas auf die Bedeutung des Tages hin und Bürgermeister Schroth überreichte im Namen des Innenministeriums Hofgartenarbeiter Weber für treue Dienste die silberne König Karl-Medaille. Nach der Uebertragung des Staatsaktes aus Berlin blieben die Besucher noch längere Zeit beim kühlen Naß, denn die Hitze des Tages war groß. Ab 20 Uhr war in der Turnhalle und im Löwensaal Tanzmusik.
Der Franke, Nr. 105, 8. 5. 1934
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26. Mai 1934. Generalversammlung des Männergesangvereins
Niederstetten, 26. Mai. Der Männergesangverein hielt am gestrigen Abend im Postsaal seine Generalversammlung ab. Die Sängerschar war dem Vereinsbericht zufolge am Laufe des Jahres sehr rührig. Besondere Höhepunkte waren die im Sommer und zur Weihnachtszeit veranstalteten Gesangskonzerte, bei denen d. Sänger jeweils glänzende Proben ihres Könnens ablegten, was der Verein insonderheit der sechsjährigen Arbeit des Chormeisters Fleckenstein zu danken hat. Der Kassier konnte noch einen bescheidenen Ueberschuß aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr auf neue Rechnung vortragen. Zu Ehrensängern wurden für über 25jährige Sängerzeit die Herren Fischer und Meider ernannt. Weiterhin wurden für über 25jährige Sängerzeit die Herren Emmert, Hermann, Hönig, Melber und Schneider Julius mit der silbernen Ehrennadel geehrt. Vom Vorsitzenden des Hohenloher Sängerkreises wurde der seitherige Vorstand Julius Schneider wieder ernannt, dieser wiederum berief seine bisherigen Mitarbeiter als Vorstands- und Beiratsmitglieder. Die Satzungen d. DSB. wurden für den Verein für verbindlich erklärt. Das Hauptziel der Sänger für diesen Sommer ist das Landessängerfest in Heilbronn, bei dem sie sich die Aufgabe gestellt haben, mit dem Chor „Matrosenblut“ von Neumann am Gesangswettstreit im gehobenen Volksgesang teilzunehmen. Möge ihre Mühe von gutem Erfolg begleitet sein. Auf Vorschlag des Vereinsvorstandes wird der seitherige Männergesangverein den Namen „Liederkranz" führen, und zwar mit der Begründung, daß vor über 90 Jahren in hiesiger Stadt ein Gesangverein unter diesem Namen ins Leben gerufen wurde, dessen Fahne dem heutigen Verein — der aus den beiden früheren Vereinen Liederkranz und Harmonie nach dem Weltkrieg gebildet wurde — noch voran weht, so daß es ein Akt der Pietät an längst Vergängenes ist. T[au]b[er]z[eitung].
Der Franke, Nr. 121, 29. 5. 1934
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26. Oktober 1931. Konzert des Stadtorchesters Bad Mergentheim
Niederstetten, 26. Okt. Das Stadtorchester Bad Mergentheim ist uns noch aus dem Vorjahr durch das Konzert mit klassischem Programm im bester Erinnerung. Gestern konzertierte dieses Orchester unter der Stadtführung Herren Adolf Fleckensteins wieder mit durchschlagendem Erfolg in der gut besuchten Turnhalle. Die Vortragsfolge war diesmal mehr auf das Volkstümliche eingestellt. Die prickelnde Musik Leow Jessels, Waldteufelsche Walzer, Liederpotpourris und Märsche von Dwor[?] wurden hinreißend gespielt. Durch den stürmischen Beifall wurde Herr Fleckenstein und sein Orchester zu mehreren Zugaben veranlaßt. Den Schluß der Veranstaltung bildete eine kleine Tanzunterhaltung.
Vaterlandsfreund, Nr. 251, 27. 10. 1931
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3. August 1931. Gartenfest des Männergesangvereins
() Niederstetten, 3. Aug. Der Männergesangverein nahm vorgestern Veranlassung in Form eines Gartenfestes auf dem alten Turnplatz der hiesigen Einwohnerschaft Proben seines Könnens zu geben. Mit Begleitung der Stadtkapelle Rummler zog der Verein zum Festplatz. Hier entwickelte sich rasch ein munteres Festtreiben. Unter der Leitung seines bewährten Chordirektors Herrn Fleckenstein-Mergentheim sang dann der Verein ernste und heitere Lieder, Gesänge, welche großes Können verlangten und Volkslieder. Ueberall erwiesen die Sänger und der Dirigent ihre auf hoher Stufe stehende Kunst. In den Pausen spielte die Stadtkapelle flotte Märsche und Tanzweisen und am Abend schwang die Jugend das Tanzbein auf dem Festplatz. Der schöne Gesang des Männergesangvereins und der schöne Festplatz mit seiner idyllischen Umgebung vereinigten sich, um dem Fest zu dem Gelingen zu verhelfen.
Vaterlandsfreund, Nr. 179, 4. 8. 1931
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3. Januar 1931. Weihnachtskonzert des Männergesangvereins
() Niederstetten, 3. Jan. Weihnachtskonzert des Männergesangvereins Niederstetten. Mitwirkende: Bariton: Oberlehrer Wahl, Stadtorchester Bad Mergentheim, Männer- und Frauenchor des Vereins. Leitung: Chormeister Adolf Fleckenstein. Die glänzend erleuchtete Turnhalle ist dicht besetzt, die Bühne trägt einfachen grünen Schmuck, Im Hintergrund symbolisieren zwei beleuchtete Tannenbäume die Weihnachtszeit. Das ist der äußere Rahmen des Konzertes, welches wohl für alle Zuhörer ein inneres Erleben geworden ist. Im Mittelpunkt der Vortragsfolge stand die Cantate „Die heilige Nacht“ von Gade für Bariton, gemischten Chor und Orchester. Die einfach poetische Schilderung der Weihnacht drückt sich in den Chören der Seraphim und der Hirten aus. Ueber beide erhaben und doch beide verbindend erklingt der Gesang des Seraphs. Kein poetischer Ueberschwang des Textes. Aber der einfache Gesang der Hirten und der himmelerhebende Gesang der Seraphim, das prophetische Mahnen des Seraphs, alle noch gehoben durch die: gewaltigen Töne der Begleitmusik, verbinden sich zu einem Musikwerk, dessen Eindruck auf die Hörer nicht nur von einem kurzen Augenblick ist. Ernst begann die Vortragsfolge — der Seemann feiert in der Fremde Weihnacht. Dem folgte das Gellertsche Gebet in der Komposition von Beethoven. (Männerchor mit Orchesterbegleitung). Der großen Kantate folgte das gemütvolle Straßburglied aus des Knaben Wunderhorn in der Komposition von Kienzl, das Leid des aus Heimweh desertierten Soldaten tief ergreifend darstellend. Dann kamen Männerchöre, welche von der Heimat, der ersten Liebe und dem pfeifenden Vöglein erzählten — feinsinnig führte die Vortragsfolge in eine gehoben heitere Stimmung. Die gemischten Chöre „Wie's daheim war" und „Der Spielmann“ ließen in manchen Augen Tränen emporquillen, aber in dem sinnreichen und lustigen Lied „Die Gedanken sind frei“, kam, fortgerissen durch die flotte Melodie alles wieder in gute Stimmung. Es ist nicht möglich, jedes einzelne Lied zu nennen. Das Stadtorchester Bad Mergentheim spielte den „Calif von Bagdad“ (Ouverture), das „Intermezzo u. die Bacarole“ aus „Hofmanns Erzählungen“ und eine Folge aus dem „Dreimädelhaus“. Eine Kritik erübrigt sich. Gesanglich war hier dergleichen noch nicht geboten worden, umso erstaunlicher, wenn wir Sänger und Sängerinnen betrachten, alle im Alltagsberuf stehende fleißige Menschen, denen die Kunst des Gesanges kein Beruf, sondern nur Erholung ist. Und diese Sänger und Sängerinnen vermochte ihr Stabführer zu solcher künstlerischer Höhe zu führen. Hut ab von dem Stabführer, Hrn. Chordirigenten Fleckenstein, Hut ab vor den Sängerinnen und Sängern. Besonderer Dank und Anerkennung gebührt Herrn Oberlehrer Wahl dafür, daß er seine schöne Stimme für das Baritonsolo (Seraph) zur Verfügung gestellt hatte und für die meisterhafte Durchführung seiner Aufgabe. Ebenso stand der musikalische Teil des Konzertes künstlerisch hoch. Tadellos war das Zusammenwirken zwischen Orchester und Chören. Noch vieles wäre im Einzelnen zu sagen und zu loben. Herr Vorstand Julius Schneider begrüßte die Festversammlung. Wohl, so führte er aus, sei von einem Uebermaß an Weihnachtsfeiern abgeraten worden, aber Weihnachten ohne ein Lied sei gar nicht auszudenken. Wenn auch die Zeiten ernst seien, so gelte doch immer noch das Wort Cäsar Flaischlins: Sonne im Herzen und ein frisches Lied dazu, vermögen den Menschen zu erheben. Dem Konzert schloß sich ein Ball an. Besonders sei noch die flotte Abwicklung des Programmes, als allgemein angenehm empfunden, hervorgehoben. Während der Festlichkeit überreichte Herr Vorstand Schneider den langjährigen Mitgliedern des Vereines, Herren Friseur Wild und Kaufmann Kießecker sen., die Ehrenmitgliedsurkunde.
Vaterlandsfreund, Nr. 3, 5. 1. 1931
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3. März 1931. Sparvorschlag Abschaffung kleine Real- und Lateinschulen - Konzert des Stadtorchesters Mergentheim
() Niederstetten 3. März. Zu den von der Landbevölkerung mit größter Entrüstung aufgenommenen Sparvorschlägen des Herrn Sparkommissars gehört die vorgeschlagene Aufhebung einer großen Reihe von kleinen Real- und Lateinschulen auf dem Lande. Ein großer Teil dieser Schulen verdankt ihr Entstehen privater Initiative, es war der Drang nach Wissen und Bildung auf dem Lande vorhanden und das Land strebte darnach, mit den Städtern auf eine Bildungsstufe zu kommen, damit der Städter den Landbewohner nicht wie früher als „Dummen Bauern“ ansehen möge. Der Besuch dieser Schulen war immer gut. Handwerker, Landwirte, Beamte, kurz alle Bevölkerungskreise schickten ihre Kinder in viele Schulen. Die Schulen wurden meistens von den Gemeinden übernommen, welche sie auch bis heute noch unterhalten. Der Staat trägt nur 40 Prozent am Lehrergehalt. Die Folgen der Einrichtung dieser Schulen waren ausgezeichnete. Der Durchschnittsbildungsstand der Landeinwohner wurde gehoben und bot eine gute Grundlage für das Verständnis der deutschen Literatur, der Geschichte, der Naturwissenschaften, letzteres besonders durch den Unterricht in Physik und Chemie. Denn diese Fächer bilden die Grundlage für das Verständnis der modernen, technischen Kultur. Die gehobene Bildung führte durch den Sprachunterricht auch in das Geistesleben anderer Völker. Dabei hat das Land keineswegs den Zudrang zu den Universitäten besonders gesteigert. Die meisten Schüler gehörten dem Mittelstand an, ihre Eltern konnten das nötige Geld für das Abitur an auswärtigen Schulen und das folgende Universitätsstudium nicht aufbringen. Sie wollten ihren Söhnen lediglich eine gute Bildungsgrundlage schaffen und gaben sie dann in bürgerliche Berufe oder den mittleren Beamtenstand. Immerhin konnte ein kleiner Prozentsatz auch studieren und sich den freien Berufen oder dem höheren Beamtenstand zuwenden. Aber den meisten der letztgenannten Gruppe wäre das Studium unmöglich gewesen, wenn sie nicht die ersten drei oder vier Klassen der Real bezw. Lateinschule ohne gewisse Kosten hätten besuchen können. Dies soll nun alles mit einem Male aufhören. Die kleinen Real- und Lateinschulen sollen aufgehoben werden. Die erste schlimme Folge wäre eine geistige Verarmung des Landes. Wie die kleinen Realschulen einen geistigen Fortschritt brachten, so wäre bei ihrer Aufhebung der geistige Rückschritt unausbleiblich. Es wäre den Bauern u. Gewerbetreibenden, sowie den niederbesoldeten Beamten schon unmöglich, ihren Kindern eine gehobene Bildung zukommen zu lassen, geschweige denn, ihre Kinder studieren zu lassen. Die Landbevölkerung ist als Steuerquelle gewiß nicht zu verachten. Wenn wir ab und zu lesen, was der Staat auf jeden Tübinger Studenten oder jeden Studenten an der Technischen Hochschule zubezahlt, dann wissen wir auch, daß die Landbevölkerung ihr wohlgerüttelt Maß daran bezahlt. Die Landbevölkerung bezahlt an Kulturaufgaben, welche ihr in nichts zu gute kommen wie z. B. an dem Landestheater in Stuttgart. Das alles muß sein. Aber es muß auch sein, daß der Landbevölkerung ihre geistigen Güter gewahrt bleiben und daß nicht durch Sparmaßnahmen Bildung, Studium und Beamtenstellen noch mehr als bisher ein Privilegium der Stadtbevölkerung werden. Zudem würde eine Aufhebung einer kleinen Realschule keine Ersparnis, sondern eine große wirtschaftliche Mehrausgabe, eine neue Last für die Landbevölkerung bedeuten, wenn sie ihren Kindern doch eine höhere Bildung zu Teil werden lassen wollten. Eine Realschule mit etwa dreißig Schülern bedeutet im Durchschnitt für eine Landgemeinde eine Etatausgabe von etwa 5000 M. Müßten nun diese 30 Schüler vielleicht nach einer 40 Kilometer entfernten Schule täglich mit der Bahn fahren und dort sich verpflegen, so bedeutet dies für jeden Schüler einen Mindestaufwand von 700 M jährlich, es wäre also ein Gesamtaufwand von 21 000 M vorhanden. Dann wäre noch folgender Umstand zu beachten: Das Kind eines Bauern kann wohl täglich drei oder vier oder fünf Kilometer nach dem Ort einer kleinen Realschule und heimwärts zurücklegen. Es kann aber nicht diesen Weg machen und noch 40 Kilometer weit fahren, weil es, um zu den Frühzügen zu kommen, fast mitten in der Nacht aufstehen müßte und spät abends erst wieder heimkäme. Die Aufhebung der kleinen Real- und Lateinschulen auf dem Lande ist daher gleichbedeutend mit dem Ausschluß des größten Teiles der Landbevölkerung von einer gehobenen Bildung. Auch die Stadtbevölkerung wird diese Benachteiligung des Landes nicht wünschen. Hoffentlich läßt die Regierung daher diese Anregung des Sparkommissars von vornherein unter den Tisch fallen und bemüht nicht erst den Landtag damit. Ein Landtag aber, welcher einer derartigen Maßnahme zustimmen würde, hätte sich die Sympathien der Ländbevölkerung aller Stände dauernd verscherzt.
() Niederstetten, 3. März. Kommenden Sonntag findet ein Konzert des Stadtorchesters Mergentheim in der Turnhalle statt; Stabführung Herr Fleckenstein. Schon der Name des Dirigenten bürgt für ein sorgfältig ausgewähltes Programm und für künstlerisch hochstehende Musik. Sowohl die Einwohner unserer Stadt als auch der Umgebung mögen sich diese gute Gelegenheit zu einem seltenen künstlerischen Genuß nicht entgehen lassen.
Vaterlandsfreund, Nr. 52, 4. 3. 1931
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4. Juli 1934. Kreiskriegertag
* Niederstetten, 4. Juli. (Kreiskriegertag.) Lachender Sonnenschein lag über dem Vorbachtal und reicher Flaggenschmuck grüßte die Festteilnehmer und Festbesucher, die aus dem ganzen Kreis und dem benachbarten Kreis Mergentheim zusammengeströmt waren, um Stunden der Kameradschaft zu erleben und gemeinsame Erinnerungen aus der aktiven Dienstzeit und der Zeit des großen Krieges auszutauschen. Besonders zahlreich haben die Kriegervereine der freundlichen Einladung des festgebenden Vereins Folge geleistet u. sehr früh schon belebten die ehemaligen Soldaten, die jetzige SAR. II, ordengeschmückt und die Hakenkreuzarmbinde tragend, die Straßen der Stadt. Den Auftakt des Kreiskriegertags bildete nach vorausgegangenem Wecken der feierliche Feldgottesdienst im fürstlichen Hofgarten. Anschließend hielt der Kreisleiter, Herr Oberförster Fritsch, im Beisein des politischen Referenten beim Stabe des Führers der SAR. II, Göhrum, mit den Vereinsführern eine Führerbesprechung; er betonte am Schlusse, daß, wenn am heutigen Tage sein Amt abläuft, er sich nicht verabschiede, da er nur in die Reihen der Kameraden zurücktrete, und wie bisher auch fernerhin der ihre bleibe. Auch ließ es sich Vereinsführer Kurz nicht nehmen, dem scheidenden Kreisführer Worte des Dankes zu sagen und besonders darauf hinzuweisen, wie notwendige Beanstandungen, stets mit Humor vorgebracht, nie zu kränken vermochten. So bestand zwischen Kreisführer und Vereinen stets ein herzliches Verhältnis. Inzwischen war die Kreiskapelle und die Standartenkapelle aufmarschiert, um unter der Leitung von Kapellmeister Fleckenstein-Bad Mergentheim auf dem Festplatz ein Standkonzert zu geben, das außerordentliche Begeisterung auslöste. Der Nachmittag war der Höhepunkt des Festes. 44 Vereine hatten sich zum Festzug aufgestellt. Voraus eine Reitergruppe alter Soldaten in ihren ehemaligen Uniformen. Da sah man wieder einmal die schmucken Ulanen, die Dragoner, die bayrischen Chevauxleger. Sicher und stolz saßen sie auf ihren Pferden, die Alten von der Reiterei. Ein prächtiges Bild boten die vielen neuen Kyffhäuser-Flaggen und die alten Krieger- und Veteranenvereins-Fahnen. Ein viele Hundert zählender Festzug bewegte sich unter flotter Marschmusik vom Schloß herab hinaus zum herrlich gelegenen Festplatz mit dem ansteigenden Schloßberg und dem wuchtigen Fürstenschloß im Hintergrund. Um die von den Fahnen des neuen Reiches flankierte Rednertribüne marschierten die Krieger, SA. und die H.J. zum Festakt auf. Herr Bürgermeister Schroth entbot dem Kriegertag den herzlichen Willkommgruß der Stadtgemeinde Niederstetten. Welche Wandlung hat sich doch vollzogen seit dem letzten Kriegertag vor 9 Jahren in Niederstetten. Freude u. Befriedigung löst die Tatsache aus, daß die nationale Erhebung den Krieger und Soldaten und die alten Soldatentugenden wieder zu Ehren kommen läßt. Sein besonderer Gruß galt dem Sohn der Stadt, Herrn Ministerialdirektor Dr. Dill, u. a. Gästen. Für den festgebenden Verein sprach Herr Richard Knenlein besonders herzliche Willkommworte. Er führte aus, daß sich die alten Soldaten des Kreises Gerabronn und der weiteren Umgebung zum ersten Male im Dritten Reich versammeln, aber mit dem stolzen Gefühl, daß unser Soldatentum zu Ehren und Achtung kam. Die Frontgeneration habe als Träger der Nation in Deutschlands größtem Kriege und in des Vaterlandes höchster Not besonderen Grund in echter, soldatischer Haltung mit der jüngeren Generation im braunen Kleid in Treue zu Volk u. Führer zu stehen. Die große Idee des Nationalsozialismus wurde im Schlamm der Schützengräben und aus den Wunden und dem Blute unserer gefallenen Kameraden geboren. Diese Schicksalsverbundenheit mit dem Frontkameraden Adolf Hitler ist den Soldaten des Krieges richtungweisend. Wie sie im Felde ihre Pflicht bis zum äußersten erfüllt haben, so tun sie dies auch im heutigen nationalsozialistischen Deutschland Adolf Hitlers. In prägnanter Form stellte der Kreisführer, Kam. Fritsch, die neuen Ziele und Aufgaben des Kyffhäuserbundes heraus, nachdem er den stellv. Landesführer Min.-Dir. Dr. Dill, der trotz der besonderen politischen Lage sich in Stuttgart freigemacht hatte, um einige Stunden in seiner Heimat bei den Kameraden zu verbringen, Herrn Landrat Wöhrle, Herrn Reg.-Rat Stümpfig, Herrn Kreisleiter Nicklas und die beiden Standartenführer der SAR. II, Herrn Major Engelhardt von Hall u. Herrn Stud.-Rat Pfannkuch von Mergentheim, begrüßt hatte. Herr Fritsch wies auf den Tag hin, an dem die Neugliederung des Deutschen Reichskriegerbundes Kyffhäuser und die Neugliederung des Landesverbandes Südwest in Kraft trete, was mit dem heutigen Tag zusammenfalle. Er wies weiter darauf hin, der Besonderheit des Tages, da es in Deutschland hart auf hart gehe, eingedenk zu sein und den Tag würdig zu begehen, sich aber am Zusammensein mit den alten Kameraden zu freuen in dem festen Bewußtsein, hier in gleichgesinnten Kreisen zu weilen, denen Gehorsam dem Führer, Disziplin u. Opfersinn oberste Pflicht sei. — Anschließend stellten sich die Standartenführer Engelhardt und Pfannkuch ihren Kameraden vor und erboten restlosen Einsatz und verständnis- und vertrauensvolle Mitarbeit. — Namens der Kreisleitung der NSDAP. hob dann stellv. Kreisleiter Nicklas die begeisterte Einsatzbereitschaft der Frontsoldaten hervor, wenn es auch nach dem Verrat von 1918 schien, als ob alle Opfer vergebens gewesen wären, so ist es der Frontsoldat Adolf Hitler gewesen, der nach 14jährigem, aussichtslos erscheinendem und schwerstem Kampf das neue Deutschland der Ehre und Freiheit geschaffen hat. Ihm allein ist es zu danken, wenn erst jetzt die riesigen Opfer an bestem deutschen Blut im Weltkrieg und in der Kampfzeit einen Sinn bekommen haben. Herr Min.-Dir. Dr. Dill überbrachte sodann als 2. Landesführer die Grüße des leider am Erscheinen verhinderten Exz. v. Maur. Er gab seiner Freude Ausdruck, an diesem Feste teilnehmen zu können, das in eine Zeit besonderer Bedeutung falle. Kaum seien wenige Tage vorbei, da wir die Flaggen im Gedenken an das schamlose Diktat von Versailles auf Halbmast setzten. Heute stehen wir aber wieder in einer Zeit, da die Kriegervereine es nicht mehr nötig hätten, ihre Fahnen verstecken zu müssen. Dem deutschen Frontsoldaten ist seine Ehre wiedergegeben und fast alle maßgebenden Stellen sind von ehemaligen Soldaten und Kriegsteilnehmern besetzt worden. Er würdigte sodann die Person des neuen Bundesführers, den er als echten Frontsoldaten herausstellte. Das Verhältnis zwischen SA. und SAR. zeichnete er dahin, daß die in der SA. zusammengeschlossene Jugend den Alten den revolutionären Geist bringe, sie könne aber von den Aelteren die Lebenserfahrung lernen und sie schulde den alten Soldaten Ehrerbietung. Nur der, der einmal gehorchen gelernt habe, könne erst einmal befehlen. Seine weiteren Ausführungen widmete er den Toten des Weltkrieges und der nat. Revolution. Sie sind es, die Nationalsozialisten und alte Frontkämpfer zusammenhalten müssen. Im Geiste marschieren sie in unseren Reihen mit. Die Fahnen senkten sich beim Lied vom guten Kameraden. Im Auftrag des Landesführers weihte sodann Herr Min.-Dir. Dr. Dill mit der ehrwürdigen alten u. verwitterten Fahne Niederstettens die neuen Kyffhäuserflaggen. Mit einem ernsten Appell an die Fahnenträger schloß er seine von tiefem Ernst getragenen Ausführungen. Spontan fielen dann die Festteilnehmer auf das von Kreisführer Fritsch auf Führer und Vaterland ausgebrachte Sieg Heil ein. — Der offizielle Teil war beendet und unter schattigen Bäumen fanden sich dann die Kameraden zum frohen Zusammensein. Besondere Ueberraschung und Freude löste der von den Burschen und Mädchen unter Leitung von Vereinsführer Knenlein in den malerischen Kostümen aufgeführte historische Winzertanz aus. Lange noch blieben die Festteilnehmer bei frischer Marschmusik beieinander. Für die Einheimischen und solche, die keinen allzugroßen Heimweg hatten, war abends noch gesellige Unterhaltung auf dem mit Scheinwerfern beleuchteten Festplatz. Alle Teilnehmer werden gerne an den schönen Kreiskriegertag in Niederstetten zurückdenken. Dem veranstaltenden Verein, insbesondere seinem Führer und seinem Mitarbeiterstab, Dank und Anerkennung.
Der Franke, Nr. 152, 4. 7. 1934
SAR: SA-Reserve?
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5. Februar 1934. Musikkapelle des Kreises und der Ortsgruppe der NSDAP. Konzertbericht
Niederstetten, 5. Febr. (Konzert der Musikkapelle des Kreises und der Ortsgruppe Niederstetten.) Die neugegründete Kreismusikkapelle veranstaltete am Sonntag in der Turnhalle unter Leitung von Chormeister Fleckenstein, Bad Mergentheim, ihr erstes Konzert. Das Konzert nahm mit militärischer Pünktlichkeit seinen Anfang mit drei flott gespielten Märschen. Die in das Programm eingeflochtenen Gesangsvorträge des Männergesangvereins Niederstetten, ebenfalls unter der bewährten Leitung seines Chormeisters Fleckenstein, weiteten das Konzert zu einem vollen Erfolge aus, was sich auch äußerlich durch den spontanen Beifall, den die Vortragenden erzielten und durch die wiederholten Hervorrufe, auswies. Ortsgruppenleiter Fr. Thomas begrüßte in einer Ansprache die seiner Einladung so überaus zahlreich gefolgten Volks- und Parteigenossen und deutete darauf hin, wie die Kreismusikkapelle entstanden sei aus der Sturmkapelle Oberstetten, zum Danke für ihre geleistete Arbeit in den Kampfjahren, auf besonderen Wunsch des stellv. Gauleiters Schmidt. Zum Gedenken des ersten Jahrestages der Machtübernahme der nationalsozialistischen Bewegung sangen die Anwesenden das Deutschland- und das Horst Wessel-Lied. Den Besuchern des Konzertes, besonders auch den vielen Gästen aus nah und fern, wird der Abend lange Zeit in Erinnerung bleiben und gerne werden sie den ferneren Einladungen zu Konzertbesuchen der Kreismusikkapelle Folge leisten. Als letzte Programmnummer folgte eine Tanzunterhaltung. Auch hier bewies die Kapelle ihr Können und lud damit zahlreiche Tanzlustige zu längerem Verweilen ein.
Der Franke, Nr. 30, 6. 2. 1934
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Fleckenstein, Adolf
3. 4. 1891, Würzburg
Dirigent, Musiklehrer, 1934 Leiter der Stadtkapelle Bad Mergentheim
Spruchkammerakte
Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 902/16 Bü 663Amerikanische Interniertenkartei
Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 904/2 Nr 16258