Ev. Kirchenchor
Ev. Kirchenchor
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10. Dezember 1936. Oberlehrer Wahl verläßt Niederstetten
Niederstetten, 10. Dez. (Abschied.) In den nächsten Tagen wird Oberlehrer Wahl mit seiner Familie Niederstetten verlassen, um nach 18jährigem Hiersein nach seiner neuen Wirkungsstätte Möhringen a. F. zu ziehen. Letzten Samstag versammelten sich daher seine Kollegen mit ihren Frauen hier im Melbersaal, um nochmals mit der scheidenden Familie zusammen zu sein und von ihr Abschied zu nehmen. In mehreren Ansprachen wurde seiner Verdienste um das Schulwesen hier und im ganzen Bezirk gedacht, aber auch der vielen schönen, im Kollegenkreis gemeinsam verlebten Stunden erinnerte man sich gerne, Der Abend wurde durch Musikvorträge und gemeinsam gesungene Lieder verschönt. — Tags daran ließ es sich auch die hiesige Stadtgemeinde nicht nehmen, von der allseitig geachteten Lehrerfamilie im dichtbeschten Postsaal Abschied zu nehmen. Herr Bürgermeister Schroth gedachte in längeren Ausführungen der scheidenden Familie. Er würdigte die gute Zusammenarbeit zwischen Schule und Rathaus und betonte, wie diese Zusammenarbeit immer schließlich zum Nutzen von Gemeinde und Schule sich ausgewirkt habe. - Zugleich gedachte er gerade des großen Fortschritts während der letzten Jahre auf dem Gebiete des Schulwesens in der hiesigen Stadt, wobei er erfreulicherweise die hiesigen Schulverhältnisse als vorbildlich bezeichnen konnte. Mit seinem Dank verband er die besten Wünsche für den neuen Wirkungskreis. In weiteren Ansprachen wurde Herrn Wahl der Dank für seine Mitarbeit ausgesprochen, die er immer gerne zur Verfügung gestellt halte, als Kollege, Organist, Dirigent des ev. Kirchenchors u. Mitarbeiter im DLV. Der ev. Kirchenchor umrahmte die Feier mit wohlgelungenen Chören. Zum Schluß dankte Herr Wahl allen für die dargebrachten Ehrungen und schilderte die Gründe, die ihn schweren Herzens zum Verlassen der hiesigen Stadt bewegten. Die besten Wünsche der ganzen Gemeinde begleiten die Familie Wahl in ihre neue Heimat.
Der Franke, Nr. 288, 10. 12. 1936
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10. Mai 1932. Abendmusik des evangelischen Kirchenchors
* Niederstetten, 10. Mai. Am Sonntag, 1. Mai, lud der evang. Kirchenchor zu einer geistlichen Abendmusik ein. Diese brachte eine Anzahl von Werken für Chor oder Instrumente von J. S. Bach und seinen Zeitgenossen bezw. Vorläufern. Es bedeutet zwar kein Entgegenkommen an den vielerorts noch herrschenden Zeitgeschmack, wenn man einen Abend nur mit alter Musik ausfüllt. Aber beim Chor spürte man doch deutlich, wie er mit innerer Wärme und Begeisterung sich dieser Musik hingab, und auch die Zuhörer empfanden etwas von der Kraft und Schönheit, die in den Werken dieser alten Musik steckt. Im Mittelpunkt stand das erst im Vorjahr wieder dem Staub der Lübecker Stadtbibliothek und damit der Vergessenheit entrissene, aber neu in deutscher Fassung herausgegebene Werk Dietrich Buxtehudes: „Lobet, Christen, euren Heiland“, eine Cantate für Chor, 2 Violinstimmen und Orgelbegleitung. Statt der herben und schweren Musik, wie wir sie sonst aus jener Zeit gewohnt sind, tritt uns hier eine außerordentlich lebendige und bewegte, ja liebliche Stimmführung entgegen. die durch die beigegebene Instrumentalbegleitung zu besonderer [?] Wirkung kam. Von den übrigen Chören sei besonders genannt [?] „Hinunter ist der Sonnenstein“ von Vulgius gedacht [?]. Das E moll-Konzert von J. S. Bach wurde von zwei Violinen und Orgel unter Weglassung des letzten Allegros dargeboten. Diese Musik ist freilich schwer verständlich und findet nicht leicht den Weg zu den Herzen des Hörers. Es ist [?] das dritte Mal in kurzer Zeit, daß wir in dieser Besetzung eine musikalische Feierstunde in unserer Kirche erleben durften. Dadurch ist uns der Weg zum Verständnis dieser Musik sehr erleichtert. Der Leiter des Abends, Herr Oberlehrer Wahl, spielte u. a. Präludium und Fuge in d-m. von J. S. Bach. auf der Orgel und zeigte sich dabei als Meister auf diesem Instrument. Der Abend war durch die Zusammenarbeit einigermusikalischer Kräfte aus Niederstetten und der Nachbarschaft, und zwar die Herren Oberlehrer Wahl, Stadtpfarrer Umfrid, Hauptlehrer Hauf und Hauptlehrer Ganzenmüller möglich geworden. Möge die innere Befriedigung darüber, der Gemeinde eine solch schöne Stunde musikalischer Andacht gebracht zu haben, dem Leiter des Abends und seinen Helfern sowie den Sängern und Sängerinnen der beste Dank sein!
[Text teilweise nicht sicher lesbar](Vaterlandsfreund, Nr. 108, 11. 5. 1932)
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24. April 1931. Orgeleinweihung in St. Jakob
() Niederstetten, 24. April. Der hiesigen evang. Gemeinde steht für den kommenden Sonntag ein besonderer Freudentag bevor, die Einweihung der neuen Orgel in der Stadtpfarrkirche zu St. Jakob. (Einzelheiten über das Werk und seine Erbauer behalten wir weiterer Berichterstattung vor). Mit der Orgeleinweihung ist ein Konzert verbunden, welches den Musikfreunden von hier und Umgebung weihevolle und genußreiche Stunden verspricht. Selbstversländlich steht die neue Orgel im Mittelpunkt des Programms. - Außer reinen Orgelkompositionen kommen aber auch zahlreiche Perlen der Instrumentalmusik und religiöse Lieder als Sopransolo zum Vortrag. Als Ausführende werden genannt: Frau Meta Sindlinger-Heilbronn, die Herren Studienrat Roos-Heilbronn, Stadtpfarrer Umfried, Oberlehrer Wahl, Hauptlehrer Hauf, ferner der evangelische Kirchenchor. Konzertbeginn: 2 3/4 Uhr nachmittags.
Vaterlandsfreund, Nr. 95, 25. 4. 1931
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4. März 1930. Maskenball des Turnvereins - Geistliche Abendmusik
() Niederstetten, 4. März. In der Turnhalle fanden die Fastnachtsveranstaltungen ihre Bekrönung durch einen Maskenball des Turnvereins, es war zugleich der Schluß. Auf der närrischen Fahnenweihe wurde geturnt und auch von den Turnerinnen ein temperamentvoller Tanz aufgeführt. Eine große Wahl wirklich schöner Masken brachte die närrische Note in den herrlich geschmückten Saal. Getanzt wurde viel und lange und in den Sekt- und Likörbuden war Gelegenheit zu beschaulicher Ruhe geboten, kein Wunder, daß die Alten den Jungen oft mit gutem Beispiel vorangingen. Alles in allem, es war sehr schön.
() Niederstetten, 4. März. Eine ernste gesangliche und musikalische Weihestunde bot gestern nachmittag der ev. Kirchenchor unter Mitwirkung hiesiger und auswärtiger musikalischer Kräfte mit einer geistlichen Abendmusik in der evangelischen Stadtpfarrkirche zu St. Jakob. Es ist fast selbstverständlich, daß der Klassiker der Kirchenmusik und besonders der Orgel, Johann Sebastian Bach einen hervorragenden Platz eingeräumt erhielt und daß mit ihm (Organo pleno Es-Dur) das Programm eingeleitet wurde. Auch im geistlichen Lied war Bach vertreten. Das Streichquartett spielte Mozart (Ave verum) und Corelli (Adagio). Der Kirchenchor sang geistliche Kompositionen verschiedener Klassiker. Der evangelische Kirchenchor unter Leitung des Herrn Oberlehrer Wahl zeigte sich von. seiner besten Seite. Harmonischer Zusammenklang der Stimmen, verbunden mit Stimmfestigkeit und guter Aussprache verhalfen ihm zu einem m a Erfolg. Die Instrumentalmusik wurde von den Herren Oberlehrer Wahl (Orgel), Stadtpfarrer Umfried-Niederstetten, Hauptlehrer Hauff-Herrenzimmern und Hauptlehrer Eßlinger-Adolzhausen vorgetragen — ohne zu übertreiben — meisterhaft. Gesang und Instrumentalmusik hinterließen eine tiefe Wirkung auf die Zuhörerschaft.
Vaterlandsfreund, Nr. 53, 5. 3. 1930