Fahnenweihe

Fahnenweihe

  • 16. Januar 1933, Aus der Geschichte des Turnvereins Niederstetten zu seinem 70jährigen Bestehen

    Aus der Geschichte des Turnvereins Niederstetten zu seinem 70jährigen Bestehen

    Zur Zeit der größten Not und Erniedrigung des deutschen Volkes, in den Jahren 18061812 begründete Friedrich Ludwig Jahn das deutsche Turnen. Aber dieses Turnen war ihm nur ein Mittel, um das deutsche Volk aus seiner Not zu befreien, es stark und wehrhaft zu machen. Deutsches Nationalbewußtsein wollte er wecken, deutsches Volkstum pflegen. Den damals regierenden Kreisen gingen aber die Turner in ihrem vaterländischen, freiheitlichen Eifer zu weit und so kam die Turnsperre der Jahre 1819-20. (Entstehung des Hallenturnens und damit des Geräteturnens, Zurückdrängung des volkstümlichen Turnens). Mit dem Turnen wurde die »Idee der persönlichen Freiheit«, aber auch der »deutschen Einheit« ins Volk getragen. Schwer enttäuscht waren die Turner, als das Jahr 1848 nicht die Einigung aller deutschen Stämme brachte. Immer stärker wurde der Ruf nach Einigung, immer leidenschaftlicher diesem Ziele zugestrebt. Es braucht uns deshalb nicht wundern, das im Jahr 1860, trotz vieler politischer und kleinstaatlicher Hemmungen unter Führung der Schwaben [Theodor] Georgii und [Karl] Kallenberg sich deutschgesinnte Männer, deutsche Turner zu einem starken Bund zusammenschlossen, der Deutschen Turnerschaft mit dem Zwecke, wie er im § 2 seiner Satzungen festgelegt ist. Eine Welle tiefster Begeisterung für diesen neuen Turnerbund brauste über alle deutschen Volksteile dahin und rief ein starkes Echo hervor. In diese Zeit, nämlich das Jahr 1862, fällt die Gründung des hies. Turnvereins. Ueber die ersten Jahre seines Bestehens finden wir keine Aufzeichnungen. Diese beginnen erst im Jahre 1864. Am 3. Juli 1864 fand zum erstenmal hier ein Gauturnfest statt, verbunden mit Fahnenweihe. Der Ausschuß des Vereins setzte sich zusammen aus dem Vorstand: Schwaderer, Schriftwart: Kohler, Turnwart: Rehnitz, Kassenwart: Burkert, passiver Ausschuß: C. Lüder, G. Kreutzmann sen., aktiver Ausschuß: Konditor Oechsler, Küfer Karl Hacht, Zeugwart: Mündlein. Der Monatsbeitrag betrug 4 Kreuzer. (Familien- und ortsgeschichtlich interessant sind auch die ersten Aufnahmen in den Vereinen: Gg. Meider, Schreiner, Specht, Schreiner, Herbert, Bierbrauer, Weber zur »Krone«, Scheer zum »Anker«, Metz, Bäcker, Liboswar, Färber, Haag, Steueraufseher) Die Turnkunst war natürlich noch nicht besonders entwickelt; es fehlten ja die notwendigsten Geräte dazu. Winters wurde in einem Saal geturnt. Der Turnbetrieb im Freien wurde im Frühjahr mit einem Anturnen eröffnet und im Herbst mit einem Abturnen beendigt. Strenge Disziplin herrschte im Verein. Schon die ersten Einträge verkündigen von einem Ausschluß wegen Nichtbeachtung der Statuten. Man war bestrebt, den Mitgliedern gesellschaftlich möglichst viel zu bieten. Gewisse Veranstaltungen: Verlosungen, Theatervorführungen, Maskenbälle und Tanzkränzchen kehrten immer wieder. Sehr großer Wert wurde auf gute Beziehungen zu benachbarten Vereinen gelegt. Jedes Jahr wurden verschiedene Turnfahrten zu Nachbarvereinen und zudem den Gauturnfesten durchgeführt. Zur Befreiung Schleswig-Holsteins leistete der Verein auch sein Teil: 25 Gulden wurden dem damaligen Vertreter des Schwäb. Turnerbundes – dem heutigen 11. Turnkreis – Buhn in Gmünd zur Verfügung gestellt. – Das Schwäb. Turnerbundesfest in Hall, 13.-15. August 1865, wurde von 15 Mitgliedern besucht. – Durch den unglücklichen Bruderkrieg von 1866 wurde das turnerische Leben unterbrochen. Doch spendete der Verein auch für verwundete Soldaten. – Neues Leben brachte das Jahr 1867. 26 Mitglieder fuhren zum Gauturnfest nach Mergentheim. Turnwart Rehnitz besuchte das Landesturnfest in Aalen. Vom Schwäb. Turnerbund war ein Wanderturnlehrer anngestellt, um das Turnen hoch zu bringen. So fuhren mehrere Turner nach Gerabronn, »da Herr Turnlehrer Hösch dorthin kommt, um die Turner in ihrem Turnwesen zu fördern«. 1868 wurde Rehnitz zum Ehrenmitglied ernannt, um ihn als Turnlehrer zu erhalten. Er wird übrigens öfter als Gründer des Vereins genannt. In den folgenden Jahren fand häufiger Wechsel in den Vereinsämtern statt. 1869 beteiligte sich der Verein an der Bahneinweihung. 1871 veranstaltete er eine Siegesfeier, und zwar durch Zug zum Festplatz mit Musik, dort turnerische Vorführungen, abends Fackelzug. Wir können die freudige Stimmung bei dieser Siegesfeier verstehen, war doch der alte Turnerwunsch, ein einiges Deutschland, in Erfüllung gegangen. – 1873 wurde Bierbrauer Köhler zum Vorstand gewählt. Götz und Burkert wurden Ehrenmitglieder. Singübungen wurden regelmäßig abgehalten. – Die Vereinsfahne mußte im Jahr 1874 restauriert werden, und zwar zum 10jährigen Stiftungsfest (10 Jahre waren es sei der Anschaffung der Fahne), 8 Vereine nahmen an diesem Feste teil. 1875 wurden neue Statuten herausgegeben. (Ein Exemplar ist noch davon vorhanden). Fechten wurde in den Turnbetrieb aufgenommen, Leiter desselben war Steinmetz. – 1876 wurde der Mitbegründer und erste Vorsitzende des Vereins, Schwaderer, zum Ehrenmitglied ernannt. – Die Jahnfeier im Jahre 1878 nahm folgenden Verlauf: Zug zum Festplatz, Aufstellung in Kreisform, gemeinschaftliches Lied: Brüder reicht die Hand zum Bunde. Festrede, Freiübungen, Riegen- und Schauturnen, Turnspiele, abends gesellige Unterhaltung. Viel Leben brachte das Jahr 1880 in unser Städtchen. Dem Verein wurde die Durchführung des Gauturnfestes übertragen. Es fand am 4. und 5. Juli statt. Einheitliche Turnerjuppen wurden auf das Fest angeschafft. 16 Vereine waren vertreten, darunter auch Heilbronn, Stuttgart und Rothenburg. Es wurden 10 Preise im und 4 außer Gau sowie 7 Zöglingspreise verteilt. Am zweiten Tage machte der Himmel eine höchst unfreundlichen Miene – »indeß ein guter Humor hilft über Vieles hinweg und die Festgenossen wußten sich auch inmitten der Stadt an der Seite der Festdamen recht gemütlich zu tun«. Für die Gäste kam »Wallensteins Lager« in gelungener Weise zur Aufführung. In diesem Jahr wurde auch das Deutsche Turnfest in Frankfurt besucht. Für den wegziehenden Vorstand Köhler übernahm Berger die Vorstandschaft. Im darauffolgenden Jahr wurde eine Theaterbühne angeschafft. Sehr stark beteiligte sich der Verein an dem Gauturnfest in Mergentheim im Jahre 1882 (32 Mann). – 1885 wurden 30 Turnzeichen (Vereinsabzeichen) angeschafft. Wie stark mag wohl der Verein damals gewesen sein? Unerklärlich erscheint uns, warum der Verein aus dem Hohenloher Gau ausgetreten ist. Sollte ein neuer Gau, der sogen. Taubergau, gegründet werden, oder war es Unzufriedenheit darüber, dass der Verein turnerisch nicht hoch kam? – Im Jahr 1888 erfahren wir zum erstenmal etwas von einer Bestandserhebung: die Zahl der Vereinsmitglieder betrug 40, praktische Turner 20, davon sind 10 Zöglinge. Kreisbeitrag 3 M. Auch wurde der Wiedereintritt in den Hohenloher Gau beschlossen. 1889, am 14.15. Juli, feierte man das 25jährige Stiftungsfest. Das Wetter war sehr ungünstig, doch konnte das Preisturnen durchgeführt werden. Die Festdamen stifteten ein Fahnenband. 16 Preise wurden verteilt, entsprechend der Zahl der Festdamen. G. Schneider, hier, erhielt den 9. Preis. Unter den 13 anwesenden Vereinen wird auch Vorbachzimmern genannt. Auf dem Gauturntag in Oehringen wurde die Wiederaufnahme in den Gau vollzogen. Damit beginnt eine neue Epoche für den Turnverein Niederstetten. Von der Unzulänglichkeit der hiesigen Turnverhältnisse überzeugt, wurde zum erstenmal im Jahr 1890 der Bau einer Turnhalle angeregt. Doch noch zwanzig Jahre sollte es dauern! Die Förderung des Turnens wurde nun mit Hochdruck betrieben. – So erhielt der Verein im Jahre 1891 einen eisernen Barren und hatte damit ein vielseitig und für alle Altersstufen verwendbares Gerät. Eine Voraussetzung für Leistungsturnen war dadurch erfüllt. Im Jahr darauf wurde ein eisernes Reck angeschafft. Zum Kreisturnfest und Kreisturntag in Hall ging Kreutzmann, der in diesem Jahr für den scheidenden Berger zum Vorstand gewählt wurde. – Das Gauturnfest 1893 in Mergentheim besuchten 18 Mann. Keppler wurde erster Turnwart. 1894 und in den folgenden Jahren fanden Umzüge und Maskenbälle in großartiger Aufmachung statt. (Kostüme von München). – 1895 war man dem Bau einer Turnhalle schon ziemlich nahe: Werkmeister Baumann legte einen Plan für eine Turnhalle vor, Ausschußmitglied Knenlein regte eine Verlosung (Lotterie) zugunsten einer Turnhalle an. Leider kam nichts zur Ausführung. – Als 3. zum Wettkampf unentbehrliches Gerät wurde ein Pferd angeschafft. Tatsächlich sind von diesem Zeitpunkt ab auch große turnerische Fortschritte gemacht worden: der Verein kann mit erfolgreichen Wetturnern und Musterriegen aufwarten. – 1896 beschloß man die Anschaffung einer neuen Fahne. Diese wurde von der Firma Neff, Biberach, um den Preis von ?300? Mark geliefert. Die Fahnenweihe war am 21. und 22. Juni. Am Vorabend des Festes war der Festplatz noch überschwemmt. Der Turnverein Weikersheim fragte an, ob das Fest überhaupt stattfindet. Jedoch besserte sich das Wetter am Sonntag, sodaß das Fest abgehalten werden konnte. Der hiesige Verein konnte sich mit seinen Leistungen sehen lassen: Abendschein erhielt den 4. Preis, Zimmer den 6. Zöglingspreis (trotzdem manch »älteres Haupt« unter den Zöglingen war). – Am Gauturnfest in Künzelsau nahmen 4 Wetturner teil. – 1898 wurde eine Altersriege gegründet. Schöne Erfolge brachte das Jahr 1900: Auf dem Gauturnfest in Backnang, das damals zum Hohenloher Gau hörte, erhielt den 5. Preis mit Kranz ?E.? Werner, den 6. Preis mit Kranz J. Abendschein, die Vereinsriege einen 1. Preis im Stärkeklasse 3. Die Riege setzte sich zusammen aus Keppler als Leiter, Zimmer, Gehring, ?Rey?, Grimm und Dietz. Heinlein stiftete einen Grundstock zum Turnhallebau. Gleicher Zeit ging ein Bittschreiben an geborene Niederstetten in London ab. – Weitere Geräte wurden 1901 angeschafft Auf dem der Gauturnfest in Schrozberg konnten folgende Preise errungen werden: Vereinsriege einen 1. Preis 3. Klasse. Einzelpreise: 5. Werner, 6. Abendschein, 12. Fr. Frei, 20. W. Zimmer, 21. K. Keppler. – 1902: Heinlein machte eine weitere Stiftung zum Turnhallebau. Das Gauturnfest fand hier am 20. und 21. Juli statt. Es waren etwa hundert Preisturner. Nahezu 2000 Eintrittskarten wurden verkauft und 500 Festbänder ausgegeben. Für diesen starken Besuch war der Platz viel zu klein. Zur Massenvorführungen wurden ?Stab?-übungen gewählt. Die Leistungen waren vorzüglich. Vom hiesigen Verein erhielten Preise: 6Kpf. 13. Preis mit Kranz ?E? Werner 5-Kpf. 5, Preis mit Kranz J. Abendschein, Zöglinge: 12. E. Schäuffele, 14. W. Worn. Vereinsriege: 5. Preis zu Klasse 2 (Werner, Ziegler, Mündlein, Markert, Schultz, Jöchner, Horn). Dem Vorstand Kreutzmann wurde für 10jährige Vorstandschaft eine besondere Ehrung zu teil. Oberlehrer Botsch wurde zum Ehrenmitglied ernannt. – Das Deutsche Turnfest 1903 besuchten Kreutzmann, Keppler, Abend-schein, ?? Streitberger, Zimmer. (Streitberger turnte in der Gauriege mit). 1905 wird von der Gemeinde der Zimmerplatz als Turnplatz angewiesen. Auf dem Gauturnfest in Mergentheim erhielten Schroth und Streitberger einem Preis im 5-Kpf., W. Grupp einen Zöglingspreis. – Auf der Gauturnfahrt nach Hall im Jahre 1906 errangen Preise: Schroth den 2., ferner Streitberger, Amend und Abendschein. Ein Turnhallebaufinanzausschuß wurde gebildet. 1907 war das Gauturnfest in Crailsheim. Der Verein erhielt den 5. Kreis [Preis?] in Klasse 2. Einzelsieger waren 6-Kpf. Grupp, 5-Kpf. Schroth, Zöglinge: R. Knenlein und Fug. – Am Deutschen Turnfest in Frankfurt 1908 nahmen 5 Turner teil (Schroth, Abendschein, Grimm, Amend und Beck). In diesem Jahr wurde auch Ehrenmitglied Botsch begraben. 1909 wird Kreutzmann zum Ehrenvorstand ernannt, nachdem er 10 Jahre als Schriftwart und 17 Jahre als Vorstand tätig war und den Verein zielbewußt vorwärts geleitet hatte. Unter der Vorstandschaft seines Nachfolgers Grupp sollte das von ihm angeregte und geförderte Werk, die Erbauung einer Turnhalle, mit Erfolg gekrönt werden. Das Gauturnfest in Rot am See wurde von 12 Mann besucht. Nagel bekam den 8., Streitberger den 14. Preis. Der Besuch des Landesturnfestes in Heilbronn kam trotz eine aufgestellten Riege nicht zur Ausführung. Auf dem Gauturnfest in Gaildorf waren erfolgreich: K. Streitberger, Nagel, H. Grupp, R. Knenlein im 6-Kpf. und die Zöglinge Beck, Kleinhanß, Emmert und Jung. Der Turnhallebauausschuß setzte sich zusammen aus den Herren Grupp, Jacoby, Grimm, Wild, Werkmeister Baumann, Streitberger, Lay, Marquardt, Abendschein, Burkardt und Bahnmeister Bräckle. Eine Sammlungliste zirkulierte. Der Verein konnte über 6000 M verfügen. So wurde nun am 23. September 1910 beschlossen, den Bau einer Turnhalle auszuführen. Bahnmeister Bräckle arbeitet einen Bauplan aus: Kostenvoranschlag 9000 M, Ausmaße der Halle 20 x 10 Meter. Dieser Plan wird der Gemeinde mit der Bitte um Genehmigung und finanzieller Unterstützung vorgelegt. Der Gemeinderat bewilligt 4000 M, wenn ein Zeichensaal mit eingebaut wird. Es erfolgt nun eine gemeinschaftliche Ueberarbeitung des vorgelegten Planes durch Baumann und Bräckle. Alle Möglichkeiten zu finanzieller Werbung wurden ausgenützt z. B. Vertrieb der Lose der Pferdelotterie, Werbevorträge für die Turnhalle durch die Herren Dr. Otterbach, Kienle, Ebert. (Schluß folgt.)

    [Die Fortsetzung im vorliegenden Exemplar des »Vaterlandsfreunds« liegt leider nicht vor]

    (Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 12, 16. 1. 1933, S. 4)

  • 4. Juli 1934. Kreiskriegertag

    * Niederstetten, 4. Juli. (Kreiskriegertag.) Lachender Sonnenschein lag über dem Vorbachtal und reicher Flaggenschmuck grüßte die Festteilnehmer und Festbesucher, die aus dem ganzen Kreis und dem benachbarten Kreis Mergentheim zusammengeströmt waren, um Stunden der Kameradschaft zu erleben und gemeinsame Erinnerungen aus der aktiven Dienstzeit und der Zeit des großen Krieges auszutauschen. Besonders zahlreich haben die Kriegervereine der freundlichen Einladung des festgebenden Vereins Folge geleistet u. sehr früh schon belebten die ehemaligen Soldaten, die jetzige SAR. II, ordengeschmückt und die Hakenkreuzarmbinde tragend, die Straßen der Stadt. Den Auftakt des Kreiskriegertags bildete nach vorausgegangenem Wecken der feierliche Feldgottesdienst im fürstlichen Hofgarten. Anschließend hielt der Kreisleiter, Herr Oberförster Fritsch, im Beisein des politischen Referenten beim Stabe des Führers der SAR. II, Göhrum, mit den Vereinsführern eine Führerbesprechung; er betonte am Schlusse, daß, wenn am heutigen Tage sein Amt abläuft, er sich nicht verabschiede, da er nur in die Reihen der Kameraden zurücktrete, und wie bisher auch fernerhin der ihre bleibe. Auch ließ es sich Vereinsführer Kurz nicht nehmen, dem scheidenden Kreisführer Worte des Dankes zu sagen und besonders darauf hinzuweisen, wie notwendige Beanstandungen, stets mit Humor vorgebracht, nie zu kränken vermochten. So bestand zwischen Kreisführer und Vereinen stets ein herzliches Verhältnis. Inzwischen war die Kreiskapelle und die Standartenkapelle aufmarschiert, um unter der Leitung von Kapellmeister Fleckenstein-Bad Mergentheim auf dem Festplatz ein Standkonzert zu geben, das außerordentliche Begeisterung auslöste. Der Nachmittag war der Höhepunkt des Festes. 44 Vereine hatten sich zum Festzug aufgestellt. Voraus eine Reitergruppe alter Soldaten in ihren ehemaligen Uniformen. Da sah man wieder einmal die schmucken Ulanen, die Dragoner, die bayrischen Chevauxleger. Sicher und stolz saßen sie auf ihren Pferden, die Alten von der Reiterei. Ein prächtiges Bild boten die vielen neuen Kyffhäuser-Flaggen und die alten Krieger- und Veteranenvereins-Fahnen. Ein viele Hundert zählender Festzug bewegte sich unter flotter Marschmusik vom Schloß herab hinaus zum herrlich gelegenen Festplatz mit dem ansteigenden Schloßberg und dem wuchtigen Fürstenschloß im Hintergrund. Um die von den Fahnen des neuen Reiches flankierte Rednertribüne marschierten die Krieger, SA. und die H.J. zum Festakt auf. Herr Bürgermeister Schroth entbot dem Kriegertag den herzlichen Willkommgruß der Stadtgemeinde Niederstetten. Welche Wandlung hat sich doch vollzogen seit dem letzten Kriegertag vor 9 Jahren in Niederstetten. Freude u. Befriedigung löst die Tatsache aus, daß die nationale Erhebung den Krieger und Soldaten und die alten Soldatentugenden wieder zu Ehren kommen läßt. Sein besonderer Gruß galt dem Sohn der Stadt, Herrn Ministerialdirektor Dr. Dill, u. a. Gästen. Für den festgebenden Verein sprach Herr Richard Knenlein besonders herzliche Willkommworte. Er führte aus, daß sich die alten Soldaten des Kreises Gerabronn und der weiteren Umgebung zum ersten Male im Dritten Reich versammeln, aber mit dem stolzen Gefühl, daß unser Soldatentum zu Ehren und Achtung kam. Die Frontgeneration habe als Träger der Nation in Deutschlands größtem Kriege und in des Vaterlandes höchster Not besonderen Grund in echter, soldatischer Haltung mit der jüngeren Generation im braunen Kleid in Treue zu Volk u. Führer zu stehen. Die große Idee des Nationalsozialismus wurde im Schlamm der Schützengräben und aus den Wunden und dem Blute unserer gefallenen Kameraden geboren. Diese Schicksalsverbundenheit mit dem Frontkameraden Adolf Hitler ist den Soldaten des Krieges richtungweisend. Wie sie im Felde ihre Pflicht bis zum äußersten erfüllt haben, so tun sie dies auch im heutigen nationalsozialistischen Deutschland Adolf Hitlers. In prägnanter Form stellte der Kreisführer, Kam. Fritsch, die neuen Ziele und Aufgaben des Kyffhäuserbundes heraus, nachdem er den stellv. Landesführer Min.-Dir. Dr. Dill, der trotz der besonderen politischen Lage sich in Stuttgart freigemacht hatte, um einige Stunden in seiner Heimat bei den Kameraden zu verbringen, Herrn Landrat Wöhrle, Herrn Reg.-Rat Stümpfig, Herrn Kreisleiter Nicklas und die beiden Standartenführer der SAR. II, Herrn Major Engelhardt von Hall u. Herrn Stud.-Rat Pfannkuch von Mergentheim, begrüßt hatte. Herr Fritsch wies auf den Tag hin, an dem die Neugliederung des Deutschen Reichskriegerbundes Kyffhäuser und die Neugliederung des Landesverbandes Südwest in Kraft trete, was mit dem heutigen Tag zusammenfalle. Er wies weiter darauf hin, der Besonderheit des Tages, da es in Deutschland hart auf hart gehe, eingedenk zu sein und den Tag würdig zu begehen, sich aber am Zusammensein mit den alten Kameraden zu freuen in dem festen Bewußtsein, hier in gleichgesinnten Kreisen zu weilen, denen Gehorsam dem Führer, Disziplin u. Opfersinn oberste Pflicht sei. — Anschließend stellten sich die Standartenführer Engelhardt und Pfannkuch ihren Kameraden vor und erboten restlosen Einsatz und verständnis- und vertrauensvolle Mitarbeit. — Namens der Kreisleitung der NSDAP. hob dann stellv. Kreisleiter Nicklas die begeisterte Einsatzbereitschaft der Frontsoldaten hervor, wenn es auch nach dem Verrat von 1918 schien, als ob alle Opfer vergebens gewesen wären, so ist es der Frontsoldat Adolf Hitler gewesen, der nach 14jährigem, aussichtslos erscheinendem und schwerstem Kampf das neue Deutschland der Ehre und Freiheit geschaffen hat. Ihm allein ist es zu danken, wenn erst jetzt die riesigen Opfer an bestem deutschen Blut im Weltkrieg und in der Kampfzeit einen Sinn bekommen haben. Herr Min.-Dir. Dr. Dill überbrachte sodann als 2. Landesführer die Grüße des leider am Erscheinen verhinderten Exz. v. Maur. Er gab seiner Freude Ausdruck, an diesem Feste teilnehmen zu können, das in eine Zeit besonderer Bedeutung falle. Kaum seien wenige Tage vorbei, da wir die Flaggen im Gedenken an das schamlose Diktat von Versailles auf Halbmast setzten. Heute stehen wir aber wieder in einer Zeit, da die Kriegervereine es nicht mehr nötig hätten, ihre Fahnen verstecken zu müssen. Dem deutschen Frontsoldaten ist seine Ehre wiedergegeben und fast alle maßgebenden Stellen sind von ehemaligen Soldaten und Kriegsteilnehmern besetzt worden. Er würdigte sodann die Person des neuen Bundesführers, den er als echten Frontsoldaten herausstellte. Das Verhältnis zwischen SA. und SAR. zeichnete er dahin, daß die in der SA. zusammengeschlossene Jugend den Alten den revolutionären Geist bringe, sie könne aber von den Aelteren die Lebenserfahrung lernen und sie schulde den alten Soldaten Ehrerbietung. Nur der, der einmal gehorchen gelernt habe, könne erst einmal befehlen. Seine weiteren Ausführungen widmete er den Toten des Weltkrieges und der nat. Revolution. Sie sind es, die Nationalsozialisten und alte Frontkämpfer zusammenhalten müssen. Im Geiste marschieren sie in unseren Reihen mit. Die Fahnen senkten sich beim Lied vom guten Kameraden. Im Auftrag des Landesführers weihte sodann Herr Min.-Dir. Dr. Dill mit der ehrwürdigen alten u. verwitterten Fahne Niederstettens die neuen Kyffhäuserflaggen. Mit einem ernsten Appell an die Fahnenträger schloß er seine von tiefem Ernst getragenen Ausführungen. Spontan fielen dann die Festteilnehmer auf das von Kreisführer Fritsch auf Führer und Vaterland ausgebrachte Sieg Heil ein. — Der offizielle Teil war beendet und unter schattigen Bäumen fanden sich dann die Kameraden zum frohen Zusammensein. Besondere Ueberraschung und Freude löste der von den Burschen und Mädchen unter Leitung von Vereinsführer Knenlein in den malerischen Kostümen aufgeführte historische Winzertanz aus. Lange noch blieben die Festteilnehmer bei frischer Marschmusik beieinander. Für die Einheimischen und solche, die keinen allzugroßen Heimweg hatten, war abends noch gesellige Unterhaltung auf dem mit Scheinwerfern beleuchteten Festplatz. Alle Teilnehmer werden gerne an den schönen Kreiskriegertag in Niederstetten zurückdenken. Dem veranstaltenden Verein, insbesondere seinem Führer und seinem Mitarbeiterstab, Dank und Anerkennung.

    Der Franke, Nr. 152, 4. 7. 1934

    SAR: SA-Reserve?

  • 7. Mai 1933, Gauversammlung des Hohenloher Sängerbundes in Niederstetten

    Niederstetten. Hier fand am letzten Sonntag [7. Mai] die Gauversammlung des Hohenloher Sängerbundes statt. Dieselbe wurde in gewandter, sicherer Weise von dem zweiten Vorsitzenden, Oberlehrer Hummel (Altenmünster) geleitet. Von den Gauvereinen waren 45 Vereine = 80 Prozent vertreten. Der Vorsitzende gab zunächst den Jahresbericht und erwähnte dabei das Frankfurter Sängerfest und als Festlichkeit innerhalb des Gaus die Fahnenweihe in Bartenstein. Der bisherige 1. Vorsitzende, Bürgermeister Striffler, wurde zum Ehrenmitglied ernannt; ebenso Oberlehrer König-Riedbach für 40jährige Dirigententätigkeit und einige Sänger für 40jährige aktive Sängerdienstzeit. 40 Mitglieder erhielten für 25jährige Mitgliedschaft die Ehrennadel des Schwäb. Sängerbundes. Kassierer Zink gab den Kassenbericht; da einige Vereine mit ihren Verpflichtungen noch im Rückstand sind, ergab sich heuer ein kleines Defizit. Das Vereinsvermögen blieb ungefähr auf bisheriger Höhe (1700 RM.). Dann wurde ein vom Vorsitzenden ausgearbeiteter Satzungsentwurf besprochen und im allgemeinen unverändert angenommen; derselbe tritt 1924 [1934] in Kraft. – Als Tagungsort für 1934 wurde Kirchberg a. J. bestimmt. – Sängerfestlichkeiten finden heuer statt: Sängertag in Mergentheim, Gartenfest in Riedbach zu Ehren des scheidenden Oberl. König, Sängertag in Schmalfelden. – Der Gesangverein Niederstetten verschönerte die Tagung durch einige schöne Chöre.

    (Vaterlandsfreund, Gerabronn , Nr. 105, 8. 5.1933, Seite 4)

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