Feuerwehr

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  • 12. April 1932. Pferdefuhrwerk verunglückt. Übung der Freiwilligen Sanitätskolonne

    () Niederstetten, 12. April. Als heute abend ein schwer mit Kartoffeln beladenes Fuhrwerk aus dem Oberland von hier heimwärts fuhr und vor dem Städtchen kurz hielt, kam das Fuhrwerk rückwärts ins Rollen. Die Pferde konnten das Fuhrwerk nicht mehr halten und dasselbe stürzte mit dem darauf stehenden Fuhrmann in den an der Straße vorbeilaufenden Bachgraben. Fuhrmann und Ladung fielen in die Tiefe, während die Pferde auf der Straße stehen blieben. Der Fuhrmann erlitt mehrere, nicht leicht zu nehmende Verletzungen. Ein Mitglied der Sanitätskolonne legte den ersten Verband an. Der Verletzte mußte sich dann in ärztliche Behandlung begeben. Unfälle ähnlicher Art haben sich an dieser Stelle schon mehrmals zugetragen, ohne aber schlimme Folgen zu haben. Es dürfte sich, wenn wieder mehr Geld für öffentliche Arbeiten zur Verfügung steht, empfehlen, den Bachgraben in Röhren zu legen.

    * Niederstetten, 12. April. Mit der gestrigen Hauptübung der Freiw. Feuerwehr war eine Uebung der Freiwilligen Sanitätskolonne verbunden. Die schwierigen Aufgaben, die der Kolonnenarzt, Herr Dr. Dörr, seinen Leuten gestellt hatte, erforderten von diesen Aeußerstes an Können eines Sanitäters, was bei der Kritik der einzelnen Fälle durch den Arzt auch seine Bestätigung fand. Dieses erste öffentliche Ueben der Kolonne seit ihrer Prüfungsabnahme fand allgemeines Interesse und Anerkennung, was die Kolonne mit ihrem Arzt und besonders ihrem alten getreuen Führer, Herrn Wild sen. mit dieser Leistung auch wirklich verdient.

    (Vaterlandsfreund, Nr. 85, 13. 4. 1932)

  • 19. Februar 1930. Generalversammlung der Freiw. Feuerwehr. - Vorführung von Feuerlöschfahrzeugen

    () Niederstetten, 19. Febr. Am letzten Samstag fand im Saale des Gasthofes zum „Ochsen“ die Generalversammlung der Freiw. Feuerwehr statt. Herr Kommandant Karl Streitberger richtete an die Mannschaft herzliche Begrüßungsworte. Nach Verlesung des Tätigkeits- und Kassenberichtes wurde in die Beratungen eingetreten. Beschlossen wurde die Beschaffung von Dienströcken für die Hydrantenmannschaft. Kenntnis genommen wurde von einem Schreiben der Reichsbahn, nach welchem der hiesigen Feuerwehr zur Hilfeleistung bei Eisenbahnunfällen die Strecke Schrozberg-Weikersheim zugeteilt wurde. Ferner lag ein Schreiben der Firma Magirus-Ulm vor, welche mitteilte, daß sie am heutigen Tage ihre Motorspritzen und mechanischen Leitern vorführen werde. Die Generalversammlung war vom Geiste der Kameradschaft und der Nächstenhilfe getragen und verlief sehr harmonisch.

    () Niederstetten, 19. Febr. Seit Ford seine großen Automobilreklamezüge in die Welt sandte, hat das Wort „Karawane“ Weltbedeutung erlangt. Heute war hier eine „Magirus-Karawane“. Vier, dem Feuerlöschdienst dienende Gefährte, eines schöner als das andere, wurden von der Fabrik Magirus-Ulm vorgeführt. Zunächst war dies bei einer mechanischen Automobilleiter der Fall. Mit überraschender Schnelligkeit war die Spitze auf 20 Meter hochgeklettert und mancher unserer in Reih und Glied stehender Feuerwehrleute, erklärte offen, da steige er nicht hinauf. Ebenso leicht wurde die Leiter nach allen Seiten und in verschiedene Winkelhöhen gedreht. Alle Bewegungen waren fast elegant zu nennen. Selbstverständlich wurden alle Manöver durch Motorkraft bewirkt. Der Preis dieser schönen Leiter ist mit 18 000 M an sich nicht hoch, aber kleine Landgemeinden werden sich das schöne Gerät doch versagen müssen. Ferner fand eine „Goliath“- Kleinmotorspritze Vorführung. Es wurden einer bis vier Schläuche angelegt und die Leistung war erstaunlich. Die Motorspritze ruht auf einem Handwagen, welcher leicht transportabel ist und sich auch an andere Gefährte ankuppeln läßt. Der Preis der „Goliath“-Motorspritze mit Wagen stellt sich auf etwa 3 000 M. Bei den von der Landesfeuerkasse und der Korporation geleisteten Beiträgen, verbleibt für die Gemeinden nur ein kleiner Teil dieser Summe. Es ist also größeren Landgemeinden die Möglichkeit gegeben, dieses moderne Feuerlöschgerät anzuschaffen. Ein Vertreter der Firma Magirus gab über die technischen und finanziellen Einzelheiten erschöpfende Auskunft. Von hier aus fuhr die Magiruskarawane nach Weikersheim, wo sie gewiß auch Interesse gefunden hat.

    Vaterlandsfreund, Nr. 42, 20. 2. 1930

  • 22. April 1938. Beratungen mit Beigeordneten und Ratsherren

    Niederstetten, 22, April. (Beratung mit den Beigeordneten und Ratsherren). Bisher wurde in der Pumpstation ein Rohölmotor verwendet, künftig wird zu Pumpzwecken der verbilligte Nachtstrom Verwendung finden. Zu diesem Zweck erfolgt der Einbau eines Ventilschalters mit Schnellschlußventil. Mit Rücksicht auf die Kosten, die durch den Milcherhitzungszwang entstehen, sucht die Milchverwertungsgenossenschaft um Nachlaß ihres Wasserzinses nach. Ein völliger Nachlaß des Wasserzinses ist nicht möglich, dagegen wird der angesetzte Wasserzins auf 50 Prozent ermäßigt. Nachdem die Wasserentnahme künftig eine geringere sein wird, kommt in Zukunft eine Ermäßigung des Wasserzinses nicht mehr in Frage. Die Zuführung der Wasserleitung in den Schulgarten wird genehmigt. In der Nachlaßsache H. Ney wird als Nachlaßpfleger Stadtpfleger Pflüger vorgeschlagen. Gegen die Errichtung einer Einfahrt von der Oberstettenerstraße zum Holzlagerplatz durch die Firma Gebrüder Jung wird nichts eingewendet. Der Wert des zu entfernenden Apfelbaumes wird auf 60 RM. festgesetzt. Die Abrechnung über die letzte Vorstellung der Landesbühne: "Kleiner Mann, ganz groß", wird bekanntgegeben. Die Vorstellung war mit über 500 Besuchern sehr gut besucht. Die NS.-Kulturgemeinde beabsichtigt, die Hälfte der Sitzplätze in der Turnhalle zu erhöhen und wird später nach Gründung des Besucherrings wegen einem Beitrag, der allerdings wieder zurückbezahlt wird, an die Stadtgemeinde herantreten. — Der Bürgermeister teilt mit, daß die Farreneinkaufskommission bei der Versteigerung in Hall einen Jungfarren um den Preis von 2020 RM. gekauft hat. — An dem Brunnen im Eichhof wird eine Pflasterung durchgeführt. Der von dem Juden Bernheimer früher gestiftete Brunnen bei der Apotheke (sogenannter Heimatbrunnen) verschandelt das Ortsbild, er wird deshalb in nächster Zeit entfernt und durch einen neuen Brunnen ersetzt. Soweit das Wasser des Röhrenbrunnens nicht für den neuen Brunnen benötigt wird, wird dasselbe der Milchverwertungsgenossenschaft zur Ergänzung ihrer Brunnenanlage zur Verfügung gestellt. — Anläßlich der Goldenen Hochzeit der Ehepaare Dod und Käser wird den Jubelpaaren das übliche Geschenk aus der Stadtkasse verwilligt. — Mit Wirkung vom 1. April d. Js. wird der Stundenlohn für Pferdegespanne wie folgt erhöht, Zweispänner von 1,10 RM. auf 1,30 RM,, Einspänner von 70 Pfg. auf 85 Pfg. — Der bisherige Führer der freiw. Feuerwehr, Ratsherr Streitberger, hat altershalber sein Amt als Oberbrandmeister niedergelegt. Der Bürgermeister spricht dem aus dem Amt Scheidenden den Dank der Stadtverwaltung aus. Als Nachfolger wird dem Oberamt vorgeschlagen der bisherige Brandmeister Ratsherr R. Knenlein, als dessen Stellvertreter der bisherige Löschmeister Alb. Kleinhanß, Sattlermeister. — Bürgersteuer — und Wasserzinsangelegenheiten.

    Der Franke, 23. 4. 1938

  • 28. Juli 1933, Hauptübung der Feuerwehr mit Ehrungen

    Níederstetten, 28. Juli. (Hauptübung der Feuerwehr). Am letzten Montag, den 24: Juli 1933, abends 6 Uhr, marschierte die Freiw. Feuerwehr der Stadtgemeinde Niederstetten in flottem Tempo zur Siedlung Albrechtshöhe (Bauernsiedlung Eichhof), wo zusammen mit dem Freiw. Arbeitsdienst und der Feuerwehr Ermershausen eine Hauptübung stattfand. Sofort nach Ankunft wurde ohne jede Vorbereitung alarmiert, daß in Siedlung I mit der angebauten Siedlung II Feuer ausgebrochen ist, welches durch den herrschenden starken Westwind die Siedlung III besonders gefährdete. Kommandant Streitberger erteilte sofort seine Befehle, welche von Kommandant-Stellvertreter Knenlein sofort an die einzelnen Züge weitergegeben und prompt ausgeführt wurden. Während die Gefahr des Brandobjektes der Siedlung I und II als beseitigt erklärt wurden, entstand durch Funkenflug in Siedlung VII Feuer. Bei der Brandstelle I blieb eine Feuerwache zurück, alle anderen verfügbaren Kräfte eilten zum neuen Brandherd. Es war eine besondere Freude, zu sehen, wie die Freiw. Feuerwehr Niederstetten, die Feuerwehr Ermershausen und der Freiw. Arbeitsdienst Hand in Hand arbeiteten und so die gestellten Aufgaben zur allgemeinen Zufriedenheit lösten. Nach 2stündiger harter Arbeit ertönte das Signal "Sammeln". Bürgermeister Schroth erklärte in einer Ansprache den Anwesenden Siedlern den Zweck der Uebung und gab ihnen zu verstehen, daß auch sie unter dem Schutz der gesamten Feuerwehr der Stadtgemeinde Niederstetten stehen.

    Hierauf ehrte Bürgermeister Schroth folgende Kameraden mit dem Feuerwehrverdienstehrenzeichen für 25jährige Dienstzeit: Kommandant-Stellvertreter Richard Knenlein, Feuerwehrmann Wilhelm Hofmann, Albert Kleinschrot, Johann Linder, Otto Reis. - Inzwischen hatte ein ungenannter Spender jedem Teilnehmer an der Uebung eine Flasche Bier gestiftet. Nach eigenen, vom Freiw. Arbeitsdienst vorgetragenen Liedern dankte Lagerführer Weinmann der Feuerwehr, daß durch diese Uebung seinem Wunsche Rechnung getragen worden sei und versprach, daß er bei nächster Gelegenheit mit seiner Mannschaft einer Uebung in der Stadtgemeinde Niederstetten beiwohnen werde. Ein kräftiges Heil Hitler beschloß die Uebung und die Feuerwehren marschierten mit frischem Gesang ihren Standorten zu.

    (Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 173, 28. 7. 1933, S. 4)

  • 30. April 1938. Wechsel in der Leitung der Feuerwehr

    Niederstetten, 30 April. (Feuerwehrversammlung). Am Donnerstagabend fand im Gasthaus von Fr. Streng die alljährliche Versammlung der Feuerwehr statt. Vor Beginn der Versammlung erfolgte nach einer kurzen Marschübung ein Vorbeimarsch vor dem letztmals amtierenden Führer der Wehr, Oberbrandmeister Streitberger. Im Lokal angekommen, begrüßte der Führer der Wehr alle Kameraden und den ebenfalls erschienenen Bürgermeister Weber. Der Schrift- und Kassenwart trug die Jahresprotokolle vor; es wurde ihm Entlastung erteilt. Der neu ernannte Führer der Wehr, Oberbrandmeister Knenlein, ergriff dann das Wort und schilderte in markanten Worten die Pflichten eines Feuerwehrmannes. Er hob hervor, daß die Pflichten eines Feuerwehrmannes denen eines Soldaten gleichzuachten sind. Sodann richtete er seine Worte an den aus dem Amt scheidenden Oberbrandmeister Streitberger. Warme Worte des Dankes übermittelte er ihm im Namen der ganzen Wehr und ernannte ihn in Anbetracht seiner großen Verdienste um die hiesige Wehr in seiner 36jährigen Feuerwehrdienstzeit zum Ehrenmitglied der Wehr. Auch Bürgermeister Weber sprach dem Oberbrandmeister Streitberger den Dank der Stadt für seine stets treuen und aufopfernden Dienste aus. In bewegten Worten dankte Oberbrandmeister Streitberger Kamerad Knenlein, Bürgermeister Weber und allen Kameraden der Wehr für die ihm zuteil gewordene Ehrung und die stete Bereitschaft der Mitarbeit und wünschte der Wehr ferneres segensreiches Arbeiten im Dienste der Schadenverhütung.

    Der Franke, 30. 4. 1938