Friedrich Schiller

Friedrich Schiller

  • 26. März 1933, Schulentlaßfeier der evangelischen Volksschule

    Niederstetten, 3. April. Wie reden heute so viel von der Gemeinschaft und von dem einigenden Band, das uns alle umschlingen sollte. Da ist es besonders wohltuend, wenn man auf irgend einem Gebiet - wenn auch am kleinen Platz - das Ziel verwirklicht sieht. Das war am Sonntag, 26. März, bei der Entlassungsfeier der evangelischen Volksschule Niederstetten der Fall. Seit 13 Jahren hat sich diese Feier - alljährlich wiederkehrend und in steigendem Maße begrüßt - eingebürgert, so daß man von einer wirklichen Gemeinde sprechen kann, in welcher sich Eltern, Schüler und Freunde der Schule mit den Lehrern derselben verbunden fühlen. Ueber 400 Erwachsene hatten sich neben den 150 Kindern in der Turnhalle eingefunden. Der Schulvorstand, Herr Oberlehrer Wahl, wies in seiner Begrüßung darauf hin, daß man auch an einer Entlaßfeier sehen könne, was und in welchem Geist in einer Schule gearbeitet werde. Die Kleinsten, die es kaum erwarten konnten, zeigten zuerst ihre Kunst. Wie selig leuchteten ihre Augen, als sie in dem reizenden Frühlingsspiel "Der Frühling hat sich eingestellt", als Häslein und Vöglein springen und hüpfen, als Blümlein nicken, tanzen und singen durften! Wir Erwachsene selbst fühlten uns da wieder ins Kinderland zurückversetzt, wir empfanden wieder mit Kindern so rein, so unberechnet und natürlich. Die Mittelklasse führte uns ein Märchenspiel vor. Fröhlich singende Wandervögel ließen in uns die Erinnerung an die letzte Schülerwanderung in den Odenwald auftauchen. Eingeflochtene Reigen und Gesänge hörten wir zu unserer Ueberraschung erstmals von Schulflöten begleitet. Im Schulbericht erfuhren wir von der steigenden Raumnot der evangelischen Volksschule, die durch die Umschulung von Sichertshausen und den starken neueintretenden Jahrgang verursacht sei und der bald abgeholfen werden sollte. Dann gedachte der Schulvorstand auch des großen, schicksalhaften Geschehens unserer Tage, das uns eine neue, nationale Regierung gebracht. Er erinnerte daran, wie die Lehrer der Schule schon bisher ihr Ziel in der Erziehung: zum deutschen Menschen gesehen hätten. Vor 12 Jahren sei den Entlaßschülern zugerufen worden: Seid treu! Seid wahrhaftig! Seid deutsch! Seid opferbereit! Das gelte heute mehr als je. Das Wort "Gedenke, daß Du ein Deutscher bist!", das bei der nationalen Schulfeier am 18. März den Schülern mitgegeben worden ist, verpflichte zu ernstem Streben nach Verkörperung all der edlen Eigenschaften, die die bestem Deutschen im Lauf der Jahrhunderte gezeigt hätten. Unseres jetzigen Kultministers Prof. Mergenthalers Ruf an die Entlaßschüler im Sommergarten: "Ans Vaterland, ans teure schließ' dich an", sei den Schülern stets vor Augen gehalten worden. Dann stelle sich auch die rechte Vaterlandsliebe ein, aus der die Gesinnung entspringe, die notwendig sei, um die schweren Zukunftsaufgaben zu meistern. Ein Sprechchor gab in "Deutscher Glaube" von Filix [!] Fischer, unserer heißen Hoffnung auf den Wiederaufstieg unseres geliebten Vaterlandes ergreifenden Ausdruck. Dann wurde uns ein Einblick in das neue Musizieren in der Schule gegeben. Wir sahen etwa 20 Flötenspieler, die mit leuchtenden Augen ihre neue Kunst Eltern und Kameraden vorführen durften. Besonders beifällig wurde "Wilhelmus von Nassaue" aufgenommen. Es war ein schönes Bild einer Schulgemeinschaft, Schüler und Lehrer gemeinsam bei den Gesängen auf Flöten, Cello und Klavier musizieren zu sehen. Daß dieses neue Instrument, die Schulflöte, nicht nur eine Bereicherung der Schulmusik bedeutet, sondern auch Anregung zur besseren Pflege der häuslichen Musik gibt, wurde den Anwesenden klar. Die Menuette von Bach und Beethoven zeigten, daß sich auch Stücke unserer großen Musiker auf ihr darbieten lassen. Zum Schluß wurde die Apfelszene aus Schillers "Wilhelm Tell", von den Schülern des 6.-8. Schuljahres gespielt. Die starke Spannung, die bei Erwachsenen und Kindern bis zum Schluß anhielt, ließ uns die harte Knechtung der Schweizer miterleben. H. Bürgermeister Schroth dankte dann im Namen der Eltern und der Gemeinde den Herren Lehrern sowohl als auch den Schülern für den schönen Abend. Er gab letzteren Worte der Ermahnung mit auf den Lebensweg und betonte den Wert einer guten, bewußt deutschen Erziehung, im Hinblick auf die so notwendige deutsche Volksgemeinschaft. Er gab seiner Freude Ausdruck, daß dieser Abend fast die gesamte Elternschaft und viele Gäste alljährlich so einträchtig vereine. Der gemeinsame Gesang des Liedes "Kein schöner Land" beschloß erst um 11 Uhr die Feier.

     (Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 79, 4. 4. 1933, S. 3)

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    Wilhelmus von Nassaue
    vielleicht
    "Het Wilhelmus („Das Wilhelm[lied]“), auch Geusenhymne genannt, ist die Nationalhymne der Niederlande. Die von ihr abgeleitete Fassung De Wilhelmus („Der Wilhelm“) ist ferner die Hymne der großherzoglichen Familie des Großherzogtums Luxemburg." (Wikipedia)

  • 28. März 1930. Schlußfeier der Volksschule - Firma Friedrich Kießecker - Stadtbaumeister Baumann - Marktert'sches Anwesen

    () Niederstetten, 27. März. Am Dienstag abend beging die evangelische Volksschule in der Turnhalle ihre Schlußfeier. Der öffentlichen Einladung zufolge waren außer der fast vollzähligen evangelischen Gemeinde auch zahlreiche Vertreter der anderen beiden Konfessionen anwesend. Herr Oberlehrer Wahl entbot Schülern und Zuhörern den Willkommgruß. Er wolle an die Entlaßschüler nicht nochmals viele Mahnungen richten, durch die ganze Schulzeit hindurch hätten sie genug erhalten, welche sie, ins Leben tretend, beherzigen sollen. Der Herr Redner begrüßte die Zuhörerschaft und wies auf das notwendige Band zwischen Elternhaus und Schule hin. Schließlich beglückwünschte Herr Oberlehrer Wahl den Stadtvorstand und Gemeinderat zu dem endgültigen Beschluß ein Schulhaus zu bauen. Dann spielte sich vor den Zuhörern ein wechselreiches Programm ab. Von den Kleinsten an bis zu den Entlassungsschülern wechselten Gesang, Spiel und ernste und heitere Deklamationen. Den Höhepunkt bildete die Rezitation von Schillers Glocke in Einzelvorträgen und Sprechchören. Es ist erfreulich, daß wieder einmal ein Klassiker zu Wort kam. Die unvergängliche Schönheit des Schönsten deutschen Epos hat sich in der ausgezeichneten Wiedergabe gezeigt. — Entlaßfeiern sind keine Schulprüfungen. Und doch geben sie ein Bild des Geistes, welcher in einer Schule wohnt. Sie spiegeln das schöne Verhältnis zwischen Elternhaus und Schule wieder und sind für Eltern, Lehrer und Schüler eine langanhaltende Erinnerung. Das war alles im vollsten Maße bei der Schulfeier der evang. Volksschule der Fall. Nachdem auch die katholische Volksschule auf die Stadt übergegangen ist, dürfte es sich vielleicht empfehlen, in Zukunft für beide Volksschulen und die Realschule gemeinsame Feiern abzuhalten. Am Interesse der Allgemeinheit fehlt es gewiß nicht.

    () Niederstetten, 28. März. Im hiesigen Geschäftsleben hat sich eine bedeutende Umwandlung vollzogen. Die seit 40 Jahren bestehende Firma Friedrich Kießecker hat ihre Abteilung Getreidehandel und Kunstdünger an die Fränk.-Hohenlohesche Getreideverkaufsgenossenschaft in Niederstetten verkauft. Sicherem Vernehmen nach hat Herr Stadtbaumeister Baumann das Markert'sche Anwesen in der Bahnhofstraße käuflich erworben.

    Vaterlandsfreund, Nr. 74, 29. 3. 1930

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