Gesangverein

Gesangverein

  • 13. Mai 1930. Konzert des Gesangvereins - Vortrag zur Obstveredlung - Ausflug des Hausfrauenvereins

    () Niederstetten, 13. Mai. Am kommenden Sonntag findet in Bad Mergentheim unter Leitung des Herrn Chormeister Fleckenstein ein Konzert der Gesangvereine Bad Mergentheim-Lauda-Niederstetten statt. Gewissermaßen als Hauptprobe gab am Sonntag abend der hiesige Männergesangverein im Löwensaal ein Konzert. Wir wollen dem Mergentheimer Konzert durch diese Bosprechung nicht vorgreifen. Die Auswahl der Lieder (Männer- und gemischter Chor) und ihre Ausführung lassen den Schluß zu, daß das Mergentheimer Konzert ein musikalisches Ereignis für das ganze Hohenloher Frankenland werden wird. In der Folge des gestrigen Konzerts erfreute Herr Dr. Metzendorf-Mergentheim dis Zuhörer durch virtuose Harfenvorträge, die Barkarole aus Hofmanns Erzählungen wurde init Harfe, Violine und Klavier ausgezeichnet gespielt und Herr Chormeister Fleckenstein sang in gewohnter Vollendung Löweballaden: Die Begleitung hatte in liebenswürdiger Weise Herr Oberlehrer Wahl übernommen und vorzüglich durchgeführt.

    () Niederstetten, 13. Mai. Als Abschluß des im Herbst hier stattgehabten Kurses hielt gestern Herr Oberbauinspektor Schweizer-Kupferzell hier einen Veredelungskurs ab. Am Abend hielt Herr Schweizer einen Vortrag im Gasthaus zum Hirschen, dem viele Interessenten beiwohnten. Herr Schweizer ging davon aus, daß das Endziel des Obstbaues die Zurückdrängung der ausländischen Einfuhr sein müsse. Zu den Obst einführenden Staaten gehören seit einiger Zeit auch die Balkanstaaten und Rußland. Seit drei Jahren werden aus Reichsmitteln dem Obstbau große Zuschüsse gewährt. Allein in Süddeutschland seien mit diesen Mitteln im Vorjahr 382 000 Umpfropfungen unterstützt worden. Die heutigen Baumbestände in Deutschland seien ungenügend. Man müsse die Systeme der Konkurrenz studieren und gleiche Ware auf den Markt bringen. Das Ausland sei uns durch sein kaufmännisches System überlegen. Der Redner verweist dann auf die in der Presse (auch in unserer Zeitung) bereits veröffentlichten Bedingungen zur Erlangung von Beihilfen. Es seien für Umpfropfen 75 000 M, für Obstabsatzorganisationen 285 000 M ausgegeben worden. Das Ziel des Obstbaues müssen die von der Landwirtschaftskammer angegebene Sortenvereinfachung sein. Aber nicht nur auf Tafeläpfel, sondern auch auf den richtigen Anbau von Zwetschgen soll das Augenmerk des Obstzüchters gerichtet sein. Mostbirnen sollen nur dahin gepflanzt werden, wo keine Aepfel gedeihen. Von großer Wichtigkeit sei das richtige Umpfropfen und das Spritzen der Bäume. Sorgfältige Behandlung und Sortierung des Obstes sei Grundbedingung. In Zukunft werde das Obst (Tafelobst) nur nach Stückzahl pro Kiste gehandelt werden und so der Wert der Qualität richtig zur Geltung kommen. In der Diskussion ergriff Herr Roll-Amlishagen, Vorstand des Bezirksobstbauvereins Gerabronn, das Wort. Er verlieh seiner Freude Ausdruck, daß die Landwirtschaftskammer dem Obstbau wehr Liebe entgegenbringe. Der Katalog seines Vaters habe noch 180 Apfelsorten und 150 Birnensorten enthalten. Das sei heute ein ungangbarer Weg. Herr Roll tadelte dann die falsche Behandlung des Obstes durch eine Genossenschaft, Dort wären die Gewürzluiken zwei Meter hoch aufgeschichtet gewesen. Die Sortiermaschine brauche zu viel Bedienung. Herr Lagerhausverwalter Glaser erbat Aufschluß über die den einzelnen Genossenschaften zugekommenen Beträge, da unsere Gegend leer ausgegangen sei. Herr Stadtschultheiß Schroth dankte dem Referenten und den Diskussionsrednern und schloß die Versammlung.

    () Niederstetten, 13. Mai. Unser Landw. Hausfrauenverein hat eine große „Expedition“ hinter sich. Mit vier Omnibussen machte der Verein bei Beteiligung von 90 Mitgliedern einen lehrreichen und genußreichen Ausflug. In Kupferzell fand die Haushaltungsschule eingehende Besichtigung. In Hall wurde das Diakonissenhaus und Schwachsinnigenheim besucht. Ferner wurde der sehenswerten Comburg ein Besuch abgestattet.

    Der Vaterlandsfreund, Nr. 111, 14. 5. 1930

  • 27. Mai 1933, Schlageter-Feier

    Niederstetten, 27. Mai. Zur Erinnerung an das heldenhafte Sterben des unerschrocken, mutigen Kämpfers für Recht, deutsche Freiheit und deutsche Ehre, Albert Leo Schlageter - die Stadt war aus diesem Anlaß reich beflaggt - veranstaltete die Ortsgruppe der NSDAP. eine würdige Schlageter-Feier. Es beteiligten sich daran[,] SA., HJ., der freiwillige Arbeitsdienst vom Lager Eichhof, der Gesangverein, die Sanitätskolonne sowie je eine Fahnensektion der übrigen Vereine und der größte Teil der hiesigen Bevölkerung. Kirchenglocken läuteten die Feier ein. Im Schein der Fackeln, unter den Klängen der Stadtkapelle, setzte sich ein langer Zug zum Kriegerdenkmal in Bewegung. Der Gesangverein eröffnete die Feier mit dem Chor: "Das Land meiner Väter". Nun ergriff der Führer der Ortsgruppe der NSDAP, Fr. Thomas, das Wort. Adolf Hitler wolle nicht, daß es den Toten des dritten Reiches gerade so gehe wie den Toten des Weltkrieges, daß ihre Heldentaten vergessen und nicht gewürdigt würden. Horst Wessels Geisterdivision, deren erster einer Albert Schlageter ist, soll nicht umsonst gekämpft haben. Die 10jährige Wiederkehr des Tages, an dem Albert Leo Schlageter auf der Golzheimer Heide starb, sei für uns eine Gelegenheit, ein neues Treuegelöbnis für die Helden des 3. Reiches abzulegen. In diesem Sinne legte er den für Schlageter gewidmeten Kranz nieder. Die Fahnen senkten sich und die Stadtkapelle stimmte das Lied vom guten Kameraden an. Mit dem Horst Wessel-Lied fand die Feier am Kriegerdenkmal ihren Abschluß. In geschlossenem Zug gings zurück zum Marktplatz, wo der Gesangverein unter Leitung von Chormeister Fleckenstein[,] noch verschiedene vaterländische Lieder in gewohnt vorzüglicher Weise zum Vortrag brachte.

    (Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 122, 29. 5. 19 1933, S. 4)

  • 4. Januar 1936. Winterkonzert des Gesangvereins "Liederkranz"

    Niederstetten, 4. Jan. Zum Abschluß der diesjahrigen Weihnachtsveranstaltungen trat der Gesangverein „Liederkranz“ mit seinem Winterkonzert auf den Plan. Das gut gewählte Programm brachte im ersten Teil etne Ehrung des Komponisten Friedrich Silcher, anläßlich seines 75. Todestages. Neben einer Reihe seiner bekannten Volkslieder gab Chormeister Fleckenstein ein kurzes Bild vom Leben und Schaffen Silchers. Eine angenehme Bereicherung erfuhr der erste Teil des Programms durch die verschiedenen Musikvorträge eines kleinen Orchesters und durch die Violinsoli mit Klavierbegleitung von Fräulein Rita Fleckenstein, die ein großes Können verrieten. Im zweiten Teil waren Männerchöre wie Attenhofers „Das deutsche Lied“ und Weinzierls „Heldenheimat“ u. a. im Wechsel mit Orchestermusik. Daß der Leiter des Konzerts, Herr Fleckenstein, gesanglich und musikalisch gut gewählt hatte, war aus dem großen Beifall der Zuhörer zu entnehmen. Die Leistung des Männerchores ist noch auf der früheren Höhe. Was nun noch zu Gehör gebracht wurde und nicht im Programm stand, wäre besser für einen Unterhaltungsabend, als für ein Konzert geeignet gewesen. Diese Begriffe dürfen nicht verwechselt werden, auch wenn teils dieser Wunsch besteht.

    Der Franke, Nr. 3, 4. 1. 1936

  • 6. Februar 1935. Hausangestellte Sofie Hain geehrt - Kriegsehrenkreuze übergeben

    Niederstetten, 6. Febr. Dieser Tage waren es 40 Jahre, daß die Hausangestellte Sofie Hain im Hause der Familie Streitberger becchäftigt ist. Es ist dies ein schöner Beweis des gegenseitigen Vertrauens und der Treue. — Am Samstag wurden in Verbindung mit einem Kameradschaftsabend des hiesigen Gesangvereins und der Chorleiter des Hohenlohe-Sängerkreises etwa 130 Kriegsehrenkreuze an ehemalige Frontsoldaten und an Hinterbliebene von Gefallenen in würdiger Weise übergeben. Herr Bürgerm. Schroth sprach einleitende Worte der Begrüßung und gedachte hiebei des Stifters des Ehrenkreuzes und der Gefallenen. Der erste Kreisführer Hummel erwiderte dankend und betonte besonders die Verbundenheit von Gesang und Soldat. Der Abend war durch Liedvorträge des "Liederkranzes" angenehm ausgestaltet.

    Der Franke Nr. 31, 6. 2. 1935

  • 7. Mai 1933, Gauversammlung des Hohenloher Sängerbundes in Niederstetten

    Niederstetten. Hier fand am letzten Sonntag [7. Mai] die Gauversammlung des Hohenloher Sängerbundes statt. Dieselbe wurde in gewandter, sicherer Weise von dem zweiten Vorsitzenden, Oberlehrer Hummel (Altenmünster) geleitet. Von den Gauvereinen waren 45 Vereine = 80 Prozent vertreten. Der Vorsitzende gab zunächst den Jahresbericht und erwähnte dabei das Frankfurter Sängerfest und als Festlichkeit innerhalb des Gaus die Fahnenweihe in Bartenstein. Der bisherige 1. Vorsitzende, Bürgermeister Striffler, wurde zum Ehrenmitglied ernannt; ebenso Oberlehrer König-Riedbach für 40jährige Dirigententätigkeit und einige Sänger für 40jährige aktive Sängerdienstzeit. 40 Mitglieder erhielten für 25jährige Mitgliedschaft die Ehrennadel des Schwäb. Sängerbundes. Kassierer Zink gab den Kassenbericht; da einige Vereine mit ihren Verpflichtungen noch im Rückstand sind, ergab sich heuer ein kleines Defizit. Das Vereinsvermögen blieb ungefähr auf bisheriger Höhe (1700 RM.). Dann wurde ein vom Vorsitzenden ausgearbeiteter Satzungsentwurf besprochen und im allgemeinen unverändert angenommen; derselbe tritt 1924 [1934] in Kraft. – Als Tagungsort für 1934 wurde Kirchberg a. J. bestimmt. – Sängerfestlichkeiten finden heuer statt: Sängertag in Mergentheim, Gartenfest in Riedbach zu Ehren des scheidenden Oberl. König, Sängertag in Schmalfelden. – Der Gesangverein Niederstetten verschönerte die Tagung durch einige schöne Chöre.

    (Vaterlandsfreund, Gerabronn , Nr. 105, 8. 5.1933, Seite 4)

  • Braun, Hirsch gen. Hermann

    Geb. 27. 7. 1892 in Niederstetten
    Kaufmann
    Heirat: 19. 1. 1920 in Niederstetten
    Ehefrau: Clara geb. Braun, geb. 9. 3. 1895, gest. 1. 1959 in USA
    Eltern:
    Baruch Braun, geb. 24. 3. 1839, gest. 1919, fr. Metzger in Niederstetten
    Luise Adler, geb. 10. 2. 1854 in Gosemannsdorf, gest. 1938
    Kinder:
    Betty, geb. 26. 8. 1921. Seit 1943 mit Julius Abraham, Kaufmann in New York 33, 186th Street verheiratet u. dort wohnhaft.
    Teilnehmer Erster Weltkrieg. EK II
    Vereine: Turnverein u. Gesangverein
    Verhaftet Herbst 1937 KZ Welzheim 10 Tage. Nov. 1838 KZ Dachau 3 Wochen.
    Auswanderung mit Ehefrau Mai 1940 in die USA
    "Von 10. 11. - 25. 11. 1938 KL Welzheim
    - 30. 12. 1939 KL Dachau
    H. gab an, daß er anläßtlich des Judenpgroms am 25. 3. 1933 auf dem Rathaus in Niederstetten mit Stahlruten derart mißhandelt worden sei, daß ihm fast sämtliche Adern geplatzt seien. Seit dieser Zeit Nervenleiden und hoher Blutdruck"
    "Inhaber einer Fellhandlung in Niederstetten. Aufgabe des Geschäfts im Jahre 1938 aus rassischen Gründen. Jährl. durchschnittliches Bruttoeinkommen ca. 6500 RM. In USA Verdienst (nach eigenen Angaben): 1951 3580 $, 1954 4238 4, 1956 4819 $ u. 1957 4710 $"
    Wohnhaus Gebäude Nr. 237 in der langen Straße 105 qm 2 Stock Wohnhaus Brandversicheurngswert 9000 Rm. Steuerwert: 7200 RM
    Verkauf Frühjahr 1939 an Bahnwärter Köhler, Niederstetten, jetzt in Igersheim um 6500 RM verkauft. Am 9. 4. 1945 durch Kriegseinwirkung zerstört.
    "Genaue Auskunft über die Familie Hermann Braun kann Frl. Maria Dinkel, in Niederstetten, Frickentalstr. 6 geben. Sie war bei Braun Hausangstellte von 1920 bis 1940. Sie hat die ganze Schicksalszeit persönlich miterlebt.
    Hermann Braun war besonders tüchtiger Kaufmann u. gewandter Fellhändler. Er machte große Umsätze. Er war als Fellhändler und auch menschlich mit den Bürgern der Gemeinde nicht so verbunden wie sein Schwiegervater Max Braun. Seine wirtschaftlichen Verhältnisse waren geordnet, wie auch seine Fa. [?] Seine Fellhandlung betrieb er auf eigene Rechnung.
    Er ist am 1. 5. 1940 nach New York USA ausgewandert u. lebt jetzt noch dort.
    Seine Ehefrau ist am 7. 1. 1959 in New York gestorben."
    Adresse: Hermann Braun, 506 West 186 th Street, New York 33, N.Y.

    Quelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-156 ff.

  • Braun, Max

    Geb. 19. 12. 1865 in Niederstetten
    Fellhändler
    Heirat: 7. 5. 1894 in Crailsheim
    Ehefrau: Jette geb. Selling, geb. 26. 2. 1874 in Kolmberg
    Kinder:
    Clara, geb. 9. 3. 1895 in Niederstetten. Ehefrau des Hirsch gen. Hermann Braun, Fellhändler in Niederstetten, gest. 8. 1. 1957 in New York
    Auguste, geb. 28. 10. 1902 in Niederstetten, Ehefrau des Dr. med. Theodor Kron aus Cassel, jetzt wohnhaft in New York
    Deportation Juni 1941 nach Theresienstadt. Ehemann am 22. 9. 1942 u. Ehefrau am 21. 4. 1943 in Theresienstadt gestorben lt. Mitteilung des Standesamts Arolsen
    Teilnehmer Erster Weltkrieg
    Mitglied Turnverein u. Gesangverein
    "Betrieb zusammen mit s. Bruder Wolf eine Fellhandlung i. Niederstetten"
    1/2 am Gebäude Nr. 211 u. [?] 240 qm Wohnhaus und Magazingebäude an der langen Gasse in Niederstetten. Brandversicherungswert 5700.- M. Steuerwert ca. 5500 RM.
    Der Grundbesitz wurde durch Kriegseinwirkung vernichtet.
    Am 16. 2. 1955 hat Karl Melber, Bauer in Niederstetten das Ruinengrundstück von den Kindern u. Erben Clara Braun u. Dr. med. Auguste Kron, beide in New York zusammen mit 1/2 von des Wolf Braun um 1320 DM erworben
    "Als Bürgermeister der Gemeinde Niederstetten von 1917-1937 kannte ich, der ich für die Dokumentenstelle die Aufzeichnungen über die Schicksale der jüdischen Familien als Bürgermeister a. D. Schroth mache, auch die Familie Max Braun. Max Braun hat als Fellhändler sich [?] und fleißig seinem Beruf gewidmet. Er war verträglich u. hatte mit allen Mitbürgern gute Beziehungen. Er war durchaus [?] wie auch seine ganze Familie. Seine wirtschaftlichen Verhätnisse waren immer geordnet. Sein Fellhandel gemeinsam mit Wolf war sehr [?]. Der Fellhandel ging nach 1933 ständig zurück u. hat wohl bis 1938 ganz aufgehört, wie auch Frl. Maria Dinkel auf Seite 3 schon angegeben hat. Diese ist über die Familie Braun, bei der sie angestellt war bezw. bei der Tochter Clara Brau, geb. Braun Ehefrau des Hermann Braun gut orientiert. Die Eheleute Braun wurden im Juni 1941 nach Theresienstadt deportiert und sind lt. Mitteilung des Standesamts Arolsen Abt. I. der Ehemann am 22. 9. 1942 u. die Ehefrau am 21. 4. 1943 in Theresienstadt gestorben.
    Herr Hermann Emmert, Küferei und Weinhandlung hier Hauptstr. 4 hat die Familie Braun gut gekannt."
    Adresse; Fr. Auguste Kron-Braun, 1628 University Ave., Bronx, New York

    Quelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-162 ff.

  • Ehrenberg, Max

    Geb. 13. 1. 1895 in Creglingen
    Kaufmann
    Heirat: 12. 8. 1923 in Niederstetten
    Ehefrau: Berta geb. Thalheimer, geb. 3. 4. 1891 in Niederstetten
    Eltern:
    Gustav Ehrenberg, geb. 24. 3. 1865, gest. 17. 12. 1929
    Zionie geb. Oberndorfer, geb. 10. 2. 1862
    Kinder:
    Ruth, geb. 19. 5. 1927
    Vereine: [?] u. Gesangverein
    15. 11. - 12. 12. 1938 KZ Dachau ("Entlassung aufgrund seines Frontkämpfertums")
    Auswanderung mit Ehefrau und Tochter August 1939 über Antwerpen in die USA
    "Betrieb Handelsgeschäft mit Wein und Landesprodukten.
    Einkommen 1931/32 ca. 3000 RM jährlich
    1933 Rückgang auf RM 1300.-
    1935 noch einmal Anstief auf 3500.- RM
    Im Frühjahr 1939 Entzug der Handelserlaubnis.
    In USA:
    Arbeitet bei Fa. Chapin Owen, Co, Rochester
    Zuerst wegen seiner mangelnden Sprachkenntnisse als Lastwagenchauffeur, jetzt im Lagerhaus der Fa.
    Dego-Abgabe: 2500 RM."
    Gebäude Nr. 208, 230/2, 205 - 2072 qm. Wohnhaus und Scheune. Brandversicherungswert 16.560 RM. Steuerwert 13.000 RM.
    Am 3. 4. 1939 an Otto Blumenstock [?] Küfer in Niederstetten um 10.015 RM verkauft. Dieser ist im Kriege gefallen. Der Hausbesitz wurde am 9 4 1945 durch Kriegseinwirkung vernichtet. Das Ruinengrundstück wurde an Ehrenberg zurückerstattet, der es an [?] Jöchner um 1.360 RM wiederverkauft hat.
    "Herr Fritz Emmert, Kaufmann in Niederstetten Hauptstr. 4 u. Frl. Maria Dinkel, in Niederstetten, Frickentalstr. 6 können, falls nötig, noch weitere Aussagen über die Familie u. die wirtschaftlichen Verhältnisse machen.
    Ehrenberg kommt aus Creglingen u. hat in die Familie Thalheimer, Weinhandlung eingeheiratet. Er erweiterte das Geschäft durch eine Getreidehandlung. Er war ein tüchtiger Kauf- u. Geschäftsmann. Die familiären Verhältnisse waren harmonisch u. geordnet. Die Familie genoß allgemeine Achtung. Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren bis 1933 noch gut. Von da ab das Geschäft durch die nationalsozialistischen Einschränkungen immer mehr zurück u. lösten den Verkauf des Besitzes u. die Auswanderung der Familie nach U.S.A. aus.
    Die Familie wohnt in Rochester NY/USA. Die Eltern sind noch am Leben. Die Tochter hat sich dort verheiratet."
    Adresse: 103 Sylvan Road, Rochester 18, New York

    Quelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-176 ff.

  • Kahn, Max

    Geb. 22. 11. 1895 in Niederstetten
    Metzger
    Heirat: 2. 8. 1926 in Niederstetten
    Ehefrau: Johanna geb. Hänlein, geb. 2. 12. 1905 in Pappenheim
    Kinder:
    Siegbert, geb. 9. 8. 1927 in Niederstetten, für tot erklärt 8. 5. 1945
    Gertrud, geb. 28. 4. 1933 in Niederstetten, für tot erklärt 8. 5. 1945
    Deportiert mit Familie 27. 11. 1941 nach Riga
    Teilnehmer Erster Weltkrieg
    Mitglied Turnverein u. Gesangverein
    "Betrieb in Niederstetten eine Metzgerei mit einem Jahreseinkommen von RM 2500.- Geschäft ging seit April 1933 stark zurück und wurde Ende 1935 eingestellt. Lebte bis zur Deportation vom Vermögen."
    Wohnhaus mit Metzgerei u. Scheuer Nr. 13 Bahnhofstraße. 2 a 50qm. Brandversicherungswert 7500 RM. Steuerwert 6000 RM
    14. 7. 1939 an Malermeister Wilhelm Dod in Niederstetten um 7000 RM verkauft. Nach dem Rückerstattungsgesetz ist ein Vergleich hierüber mit den Erben Steven Siegfried Kahn erfolgt.
    "Laut Auskunft von Maria Dinkel hat Kahn schon ab 1935 nicht mehr geschlachtet, sondern hat als Taglöhner bei der Stadtgemeinde gearbeitet, um leben zu können."
    "Frl. Maria Dinkel, Niederstetten, Frickentalstr. 6 und die Nachbarn der Familie Max Kahn Wilhelm Friedrich, Schuhmachermeister; Otto Baumann, Baumeister u. Messerschmied [Heinrich] Schönemann können erforderlichenfalls Auskünfte geben.
    Schon die Eltern Seligmann Kahn, Eheleute, die beide gestorben sind, haben diese Metzgerei betrieben. Auf den Tod des Vaters 1908 übernahm die Witwe u. Mutter mit dem Sohn den Betrieb u. führten ihn bis 1926. Von da ab übernahm der Sohn Max Kahn mit seiner Frau denselben. Max war ein fleißiger und geachteter Mann, wie auch seine Frau. Er hat den Metzgergeruf erlernt u. hat sich wirtschaftlich so viel er konnte, sich erhalten. Da Niederstetten damals durchschnittlich 6-7 Metzgereien hatte, hatte Kahn schwer zu tun, sich durchzusetzen. Es blieb deshalb das Geschäft klein u. [schlecht lesbare Passage}. Das Verhältnis zu den Mitbürgern war gut."

    Quelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-205ff.

  • Kirchheimer, Max

    Geb. 30. 1. 1884 in Hollenbach
    Textilkaufmann
    Heirat: 16. 6. 1913 in Niederstetten
    Ehefrau: Zilli geb. Rosenthal, geb. 28. 11. 1888 in Laudenbach
    Kinder:
    Rosa, geb. 23. 3. 1914 in Niederstetten, verh. 29. 8. 1935 mit Siegfried Heidelberger, Landwirt in Mergentheim. Ausgewandert nach Palästina 1935.
    Else, geb. 2. 1. 1916 in Niederstetten 1934 nach USA ausgewandert
    Herbert Dümmler, "unehelicher Sohn, Mischling"
    Mitglied Turnverein, Gesangverein
    12. 11. 1938 - 12. 12. 1938 im KZ Dachau inhaftiert
    Gebäude Nr. 205. 2,85 ar Wohnhaus, Stall u. [?] in der Bahnhofstraße. Brandversicherungswert 12.580 M. Steuerwert 10.300 M.
    Verkauf 29. 10. 1940/10. 6. 1941 an Martin Groß, Zimmermeister u. Ehefrau Hermine geb. Schmieg in Niederstetten, um 9.000 RM. Rückerstattung ist durch Vergleich erfolgt."
    "Fräulein Maria Dinkel, Niederstetten kann, falls erforderlich, weitere Auskunft über die Familie Max Kirchheimer geben.
    Die Eheleute Kirchheimer haben nach ihrer Verheiratung im Geb. Nr. 205 der Bahnhofstraße hier ein Textilgeschäft mittleren Umfangs betrieben. Der Ehemann ging meistens noch auf Hausierhandel u. die Ehefrau versah den Laden, der infolge seiner Lage keine Starke Frequenz hatte. Die Eheleute lebten stets in bescheidenen Verhältnissen. Der Ehemann war gelernter Kaufmann. Die wirtschaftlichen Verhältnisse ware nicht günstig. Von 1933 ab ganz ungünstig u. wirkten sich immer schlimmer aus, sodaß zuletzt eine trostlose Lage Platz gegriffen hatte, die mit der Deportation am 26. 4. 1942 nach Izbica Polen endete, wo sie umkamen."
    Deportiert 26. 4. 1942 von hier nach Izbica. Beide Eheleute sind dort umgekommen
    "Max Kirchheimer betrieb in Niederstetten ein kleines Ladengeschäft."
    Adresse: Elsie Risch, 1266 Grand concourse, Bronx 56, New York

    http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-245

  • Reis, Otto

    Geb. 2./5. 5. 1889 in Niederstetten
    Weinhändler
    Heirat: 
    28. 10. 1929 in Schwabach, Mina geb. Feuchtwanger, geb. 23. 9. 1903 in Schwabach
    17. 4. 1946 in New York, Eva Else geb. Seelig, geb. 9. 2. 1906
    Kinder:
    Emil, geb. 11. 9. 1930 in Niederstetten
    Walter, geb. 13. 1. 1932 in Niederstetten
    Julius, geb. 5. 11. 1935 in Würzburg
    Bertha Flora, geb. 5. 3. 1947 in Philadelphia Pa.
    Auswanderung des Ehemanns August 1940 USA
    Deportation der Ehefrau u. Kinder nach KZ Riga und seither verschollen.
    Auf Antrag des Ehemannes erfolgte durch rechtskräftigen Bewschluß des Amtsgerichts Bad Mergentheim am 14. 12. 1946 die Toderklärung auf 31. 12. 1945
    Teilnehmer Erster Weltkrieg
    Mitglied Turnverein u. Gesangverein
    "Übernahm die Weingrosshandlung von seinem Vater, sie war eine der bedeutendsten im Gebiet von Bad Mergentheim. Jahreseinkommen etwa RM 8000 . Betrieb Ende Mai 1938 eingestellt.
    In den USA Arbeiter. 1941 unter $ 1000,- 1942 $ 1200,- 1943 $ 1600, 1944-1950 über $ 2000,- 1951-1953 um $ 3000.-
    Seit Okt. 1957 erhielt er Berufsschadensrente (gehobener Dienst) rückwirkend ab 1. 11. 1953. War damals bereits erwerbsunfähig.
    Witwe und Waise erhalten jetzt hieraus die zustehenden Renten."
    In Niederstetten Wohnhaus Gebäude Nr. 232, jetzt Nr. 23. [...] Brandvers. 22.800 M. Steuerertrag 18500 M.
    Zwangsenteignung und Verkauf 7. 12. 1942 Stadtgemeinde Niederstetten durch Oberfinanzpräsident Stuttgart und im Auftrag Finanzamt Mergentheim.
    "Maria Dinkel, Frickentalstraße 6 und Landwirt und Nachbar Albert Weber + Frau können allenfalls Aussagen machen.
    Otto Reis besaß hier eine gut geleitete u. gut gesunde Weinhandlung. Er war ein fleißiger, umsichtiger und sparsamer Geschäftsmann, der allgemeines Ansehen u. Achter unter seinen Mitbürgern genoß.
    Seine Familienverhältnisse waren sehr geordnet. Es war eine der besten und angesehensten Familien. Otto Reis war ausgebildeter Kaufmann. Er befindet sich jetzt in Philadephia. - USA - u. hat sich dort wiederverheiratet."

    Quelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-360 ff.

  • Schloßberger, Leopold

    Geb. 6. 3. 1896 in Hollenbach
    Viehhändler
    Mitgliedschaft: Gesangverein u. Turnverein
    Mißhandelt 25. 3. 1933
    9. 11. - 29. 11. 1938 Schutzhaft in Mergentheim u. Dachau
    Heirat: 15. 5. 1941
    Ehefrau: Emma Schlossberger, geb. Moos, geb. 23. 6. 1906
    Auswanderung 1938 oder 1940 nach New York
    Gest. 24. 3. 1958 in New York
    Witwe: Emma Schlossberger, 530 W 163 rd. Str. New York 32, NY
    "Den von ihm betriebenen Viehhandel in Niederstetten musste er aus Gründen der Rasse 1938 aufgeben.
    Vorverfolgungseinkommen ca. 2000 RM.
    USA: Arbeiter (Packer) bei verschiedenen Firmen in New York. Verdienst zwischen 10 u. 20 Dollar wöchentlich.
    Seit 56 völlig arbeitslos. Wurde von seiner Frau unterhalten."
    Wirtschaftliche Verhältnisse nach Berufsverbot: ganz darniederliegend.
    "Leopold Schloßberger ist der Sohn des Viehhändlers Julius Schloßberger. Er war ledig u. betrieb auf eigene Rechnung einen Viehhandel. Er hat als Viehhändler bei seinem Vater gelernt. Er war klein von Gestalt. Aber gewandt im Handel. Seine Handelsart hat bei den Bauern, von denen er Vieh in der Umgebung hier kaufte, oftmals Kritik u. Mißfallen hervorgerufen. Er war trotzdem geachtet u. hat hier ein gutes Ansehen genossen. Hermann Emmert, Küfer u. Weinhändler hier hat ihn gut gekannt u. kann, falls nötig weitere Aussagen machen. Ebenso Marie Dinkel, als Rentnerin Frickentalstraße 6, hier.
    Seine wirtschaftlichen Verhältnisse waren geordnet u. auch sein Verhältnis zu seinen Mitbürgern. Er ist, nachdem der Viehhandel nach 1933 immer weniger wurde, im Jahre 1938 nach U.S.A. augewandert."

    Quelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-410 ff.

  • Stern, Max

    Geb. 18. 5. 1878 in Niederstetten
    Kaufmann
    Gemeinderat
    Heirat: 1. 6. 1906 in Michelbach/Lücke
    Gest. 10. 12. 1943 in New York
    Ehefrau: Rosa geb. Landauer, geb. in Michelbach/Lücke 13. 6. 1878
    Kinder:
    Theodor, geb. 7. 4. 1907 in Niederstetten
    Justin, 3. 5. 1908 in Niederstetten
    Bruno, 17. 3. 1912 in Niederstetten
    Auswanderung 28. 11. 1938 mit Ehefrau nach USA
    Mitgliedschaften: Gesangverein und Turnverein
    Adresse der Witwe 1964: 155 Aubudon Avenue, New York, N.Y.
    "Herr Stern betrieb in Niederstetten in Geschäft in Häute, Leder u. Farbwaren. Das Jahreseinkommen wird mit ca. 4 - 5000.- RM angegeben.
    Laut Schreiben des Bürgermeisteramts Niederstetten vom 4. 7. 1955 (/36) erhielt jedoch Max Stern schon vor 1933 und auch nachhher Unterstützungen seitens einer jüdischen Wohlfahrtsorganisation. Sein Einkommen war demnach gering."
    Besitzer einer Warenhandlung (Essig, Colonialwaren und Felle.)
    Verkauf am 6. 10. 1938 an Albert Kleinhanß, Sattlermeister in Niederstetten um 5.500 RM. Rückerstattung ist durch Vergleich 3. 8. 1950 erfolgt.
    Wirtschaftliche Verhältnisse: ganz schlecht und darniederliegend.
    "Herr Albert Kleinhanß, Sattlermeister hier, kann als Nachbar und Käufer der Gebäude, falls nötig, weitere Aussagen machen.
    Max Stern war als kaufmännisch ausgebildeter u. intelligenter Mann eine allgemein geachtete und angesehene Persönlichkeit. Er bekleidete bis zur nationalsozialistischen Erhebung das Amt eines Gemeinderats der Stadt Niederstetten.
    Sein Geschäft war mittlerenm Umfangs. Er verkaufte im Laden Essig, Petroleum, Benzin, Gewürze, Zigarren u. a., sodann hatte er eine Fellfalzerei im Hintergebäude eingerichtet. Ferner hat er sich auch schriftstellerisch bestätigt. Sein Verhältnis zu seinen Mitbürgern war gut.
    Nach seiner Auswanderung nach New-York ist er im Jahre 1960 dort verstorben.
    Die Witwe Stern lebt heute noch dort."

    Quelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-449 ff.