Handwerkskammer Heilbronn

Handwerkskammer Heilbronn

  • 18. März 1931. Generalversammlung des Gewerbevereins - Bezirksnotar Kochendörfer gestorben

    () Niederstetten, 18. März. In der Schindwolf'schen Wirtschaft fand gestern abend die Generalversammlung des Gewerbevereins statt. Die Versammlung wies eine guten Besuch auf, aber mit Rücksicht auf die große Mitgliederzahl wäre es doch erwünscht, daß die Gewerbetreibenden ihrer Organisation ein größeres Interesse entgegenbrächten. Die Versammlung wurde vom Vorstand, Herrn. Bäckermeister Hirsch, eröffnet. Einleitend wies dann Herr Hirsch auf die Bedeutung der Handwerkswoche hin, bei welcher alle Stände, beim Reichspräsidenten angefangen, sich zusammentun, um dem Handwerk in seinem schweren wirtschaftlichen Kampfe zu helfen. Die Handwerkswoche soll durch geeignete Propaganda dazu helfen, das Handwerk zu heben. Durch sie soll auch die Regierung darauf aufmerksam gemacht werden, daß die Steuern und sozialen Lasten, welche auf dem Handwerk ruhen, gemindert werden müssen. Der Ansprache des Vorstandes folgte die Verlesung der Protokolle und des Kassenberichtes. Nachdem Vorstandschaft und Ausschuß erklärt hatten, eine Wiederwahl anzunehmen, wurde die Wiederwahl derselben durch Zuruf vollzogen. Dann fand die weitere, umfangreiche Tagesordnung Erledigung. Der Gewerbeschule wurde ein Beitrag zu ihrer Schlußfeier bewilligt. Auf eine Eingabe des Gewerbevereins Enzberg, mit Nachdruck auf eine Ermäßigung der diesjährigen Schätzungen hinzuwirken, wurde beschlossen, eine abwartende Stellung einzunehmen. Lebhaftes Interesse erweckten Mitteilungen über eine in Crailsheim stattgehabte Besprechung von Vertretern des Handwerkes (Schmiede, Wagner, Sattler) mit Vertretern der Landwirtschaft. Die letzteren verlangten einen allgemeinen Preisabbau von 20 Prozent. Diesem Verlangen konnte aber das Handwerk bei der Verschiedenheit der Arbeiten und dem in diesen Dingen schon jetzt in Berechnung gezogenen Preisabbau nicht entsprechen. Es wäre schließlich bei 10 Prozent fast zu einer Einigung gekommen, als durch eine Bemerkung eines Vertreters der Landwirtschaft die Verhandlungen scheiterten. Die Handwerkskammer Heilbronn berichtet ausführlich über eine neue Gründung innerhalb des württ. Handwerks, eines Landesverbandes des württ. u. hohenz. Handwerkes. Diese Gründung wurde nach diesem Bericht hauptsächlich von der Handwerkskammer Stuttgart, unter Beiseitesetzung der anderen Handwerkskammern und sonstiger wichtiger Handwerksorganisationen, in das Leben gerufen. Handwerkskammer Heilbronn nimmt eine ablehnende Haltung ein. Die Handwerkerkrankenkasse beschwert sich über die Konkurrenz anderer Krankenkassen. Von Mitgliederseite wurde verlangt, daß sich die Leistungen der Handwerkerkrankenkasse den privaten Krankenkassen anpassen solle. Insbesondere wurde verlangt, daß Mitglieder, bei Nichtanspruchnahme der Kasse Zurückvergütung erhalten. Der Betrag für Zahnhilfe sei nicht genügend. Kritik wurde auch an der Abholegebühr von 10 Pf. geübt.

    () Niederstetten, 18. März. In Ellwangen starb Herr Bezirksnotar Kochendörfer. Herr Kochendörfer war auch 12 Jahre hier als Notar tätig. Mit reichen Gaben des Geistes und des Herzens versehen, erwarb er sich hier hohe Achtung und erfreute er sich allseitiger Beliebtheit. Hr. Notar Kochendörfer wurde in seiner Heimat Michelbach a. L. zur letzten Ruhe gebettet.

    Vaterlandsfreund, Nr. 65, 19. 3. 1931

  • 24. März 1939. Tuchmachermeister Johann Zink beigesetzt

    Niederstetten, 24. März. Gestern Nachmittag brachte man einen unserer ältesten Mitbürger, den Tuchmachermeister Joh. Zink, zu Grabe. Mit ihm ist ein alter Handwerksmeister von uns gegangen, der in früheren Jahren sich selbstlos für die Belange des heimischen Gewerbe- und Handwerkerstandes einsetzte. Der Verstorbene war auch lange Jahre als Beauftragter für das Lehrlingswesen im Handwerkskammerbezirk Heilbronn tätig. Seine geistige Regsamkeit hat er sich his ins hohe Alter erhalten, was ihm durch seine körperliche Rüstigkeit möglich war. Mit größtem Interesse verfolgte er bis zur letzten Stunde seines Lebens die Geschehnisse unserer Zeit in der Heimatpresse und am Radio. Nun ruht er nach einer fast 86jährigen Lebensfahrt im Schoß der Heimaterde.

    Der Franke, 24. 3. 1939