Hausfrauenverein

Hausfrauenverein

  • 13. Mai 1930. Konzert des Gesangvereins - Vortrag zur Obstveredlung - Ausflug des Hausfrauenvereins

    () Niederstetten, 13. Mai. Am kommenden Sonntag findet in Bad Mergentheim unter Leitung des Herrn Chormeister Fleckenstein ein Konzert der Gesangvereine Bad Mergentheim-Lauda-Niederstetten statt. Gewissermaßen als Hauptprobe gab am Sonntag abend der hiesige Männergesangverein im Löwensaal ein Konzert. Wir wollen dem Mergentheimer Konzert durch diese Bosprechung nicht vorgreifen. Die Auswahl der Lieder (Männer- und gemischter Chor) und ihre Ausführung lassen den Schluß zu, daß das Mergentheimer Konzert ein musikalisches Ereignis für das ganze Hohenloher Frankenland werden wird. In der Folge des gestrigen Konzerts erfreute Herr Dr. Metzendorf-Mergentheim dis Zuhörer durch virtuose Harfenvorträge, die Barkarole aus Hofmanns Erzählungen wurde init Harfe, Violine und Klavier ausgezeichnet gespielt und Herr Chormeister Fleckenstein sang in gewohnter Vollendung Löweballaden: Die Begleitung hatte in liebenswürdiger Weise Herr Oberlehrer Wahl übernommen und vorzüglich durchgeführt.

    () Niederstetten, 13. Mai. Als Abschluß des im Herbst hier stattgehabten Kurses hielt gestern Herr Oberbauinspektor Schweizer-Kupferzell hier einen Veredelungskurs ab. Am Abend hielt Herr Schweizer einen Vortrag im Gasthaus zum Hirschen, dem viele Interessenten beiwohnten. Herr Schweizer ging davon aus, daß das Endziel des Obstbaues die Zurückdrängung der ausländischen Einfuhr sein müsse. Zu den Obst einführenden Staaten gehören seit einiger Zeit auch die Balkanstaaten und Rußland. Seit drei Jahren werden aus Reichsmitteln dem Obstbau große Zuschüsse gewährt. Allein in Süddeutschland seien mit diesen Mitteln im Vorjahr 382 000 Umpfropfungen unterstützt worden. Die heutigen Baumbestände in Deutschland seien ungenügend. Man müsse die Systeme der Konkurrenz studieren und gleiche Ware auf den Markt bringen. Das Ausland sei uns durch sein kaufmännisches System überlegen. Der Redner verweist dann auf die in der Presse (auch in unserer Zeitung) bereits veröffentlichten Bedingungen zur Erlangung von Beihilfen. Es seien für Umpfropfen 75 000 M, für Obstabsatzorganisationen 285 000 M ausgegeben worden. Das Ziel des Obstbaues müssen die von der Landwirtschaftskammer angegebene Sortenvereinfachung sein. Aber nicht nur auf Tafeläpfel, sondern auch auf den richtigen Anbau von Zwetschgen soll das Augenmerk des Obstzüchters gerichtet sein. Mostbirnen sollen nur dahin gepflanzt werden, wo keine Aepfel gedeihen. Von großer Wichtigkeit sei das richtige Umpfropfen und das Spritzen der Bäume. Sorgfältige Behandlung und Sortierung des Obstes sei Grundbedingung. In Zukunft werde das Obst (Tafelobst) nur nach Stückzahl pro Kiste gehandelt werden und so der Wert der Qualität richtig zur Geltung kommen. In der Diskussion ergriff Herr Roll-Amlishagen, Vorstand des Bezirksobstbauvereins Gerabronn, das Wort. Er verlieh seiner Freude Ausdruck, daß die Landwirtschaftskammer dem Obstbau wehr Liebe entgegenbringe. Der Katalog seines Vaters habe noch 180 Apfelsorten und 150 Birnensorten enthalten. Das sei heute ein ungangbarer Weg. Herr Roll tadelte dann die falsche Behandlung des Obstes durch eine Genossenschaft, Dort wären die Gewürzluiken zwei Meter hoch aufgeschichtet gewesen. Die Sortiermaschine brauche zu viel Bedienung. Herr Lagerhausverwalter Glaser erbat Aufschluß über die den einzelnen Genossenschaften zugekommenen Beträge, da unsere Gegend leer ausgegangen sei. Herr Stadtschultheiß Schroth dankte dem Referenten und den Diskussionsrednern und schloß die Versammlung.

    () Niederstetten, 13. Mai. Unser Landw. Hausfrauenverein hat eine große „Expedition“ hinter sich. Mit vier Omnibussen machte der Verein bei Beteiligung von 90 Mitgliedern einen lehrreichen und genußreichen Ausflug. In Kupferzell fand die Haushaltungsschule eingehende Besichtigung. In Hall wurde das Diakonissenhaus und Schwachsinnigenheim besucht. Ferner wurde der sehenswerten Comburg ein Besuch abgestattet.

    Der Vaterlandsfreund, Nr. 111, 14. 5. 1930

  • 24. März 1930. Vortrag über "neuzeitliche Ernährung"

    () Niederstetten, 24. März. Einen sehr interessanten Vortrag über „Neuzeitliche Ernährung“ bot gestern der Landw. Hausfrauenverein seiner Mitgliedschaft. Gehalten wurde der Vortrag von Frl. Hopfinger von der württ. Landwirtschaftskammer. Frau Stadttierarzt Eysser begrüßte die gut besuchte Versammlung und die Referentin und erteilte der letzteren das Wort. Mit Rücksicht darauf, daß die Presse in den letzten Jahren so viel von neuzeitlicher Ernährung gebracht hat, was durch zu große Fachlichkeit verhindert hat, dem Laien ein Bild zu geben, wie er sein Leben in Einklang mit der Forschung bringen kann, geben wir einen ausführlichen Bericht. Fräulein Hopfinger führte ungefähr aus: Es ist schwierig, das Wesen der neuzeitlichen Ernährung zu erfassen und auf die jeweiligen Verhältnisse einzustellen, weil nicht einmal bewiesen ist, daß sie durchaus richtig ist. Menschen, die sich unvermittelt auf Rohkost einstellen, sind erkrankt, Kranke dagegen sind gesundet. Die neuzeitliche Ernährung muß daher vom Standpunkt eines gesunden Ausgleichs im menschlichen Körper betrachtet werden. Was hat nun die alte Ernährungsweise angestrebt und was will die neue Ernährungsweise? Früher war gut und viel Essen die Hauptsache. Eiweiß, Fett, Stärke und Zucker waren die Hauptbestandteile der Nahrung. Wir brauchen das Eiweiß, es ist unersetzlich, deshalb brauchen wir auch immer Fleisch und Eier. Ebenso brauchen wir Fett, Zucker und Stärke, denn sie unterstützen den notwendigen Verbrennungsprozeß im Körper und erzeugen nicht nur Wärme, sondern auch Kraft. Diese Stoffe brauchen wir also alle, weil sie Wärme u. Kraft erzeugen. Sie kommen aus dem Tierreich. Man kann sich durch sie erhalten, aber erhalten und gesund erhalten sind zweierlei Dinge. Im Zuviel sind diese Stoffe schädlich und erzeugen Harnsäureüberschuß, welcher die Ursache vieler Krankheiten (Gicht, Ischias, Ausschläge) ist. Sie erzeugen viele chronische Krankheiten, deren Hauptursache die Aufnahme von zu viel tierischem Eiweiß ist. Die Aerzte verordnen dann eine Diät ohne Fleisch und ohne Kochsalz. Zu diesen Krankheiten gehört auch die chronische Verstopfung, an welcher viel mehr Leute kranken als bekannt ist. Deshalb werden auch 70 Prozent aller Krankheiten als Ernährungskrankheiten angesehen. Nun gibt es eine neue Richtung, welche sagt, „überhaupt kein tierisches Eiweiß und nur Rohkost“. Da aber der Mensch gekochte Kost gewohnt ist, erleidet er dadurch mitunter Schaden. Deshalb wäre eine zu plötzliche Umstellung falsch, es sei denn, man würde schon beim Kinde mit dieser Kost beginnen. Was strebt nun die neue Ernährungsweise an und was ist zur Gesunderhaltung nötig? Neben den zuerst genannten Aufbausubstanzen brauchen wir Gesunderhaltungsstoffe. Das sind zunächst die Vitamine. Auch in unserer bisherigen Kost waren sie enthalten, aber nicht in genügendem Maße. Beim Obstessen wird von der Frucht aufgesogene Sonnenkraft frei. Vitamin ist dann von der Frucht aufgesogene Sonnenkraft, welche im Körper wirksam wird. Erhaltungsstoffe kommen aus dem Tierreich, Gesundheitsstoffe aus dem Pflanzenreich. Dann sind die Basen zur Gesunderhaltung notwendig. Sie bringen mit, was die böse Harnsäure im Körper ausgleicht. Nach gutem Essen Obst, welches das zuviel zu sich genommene Eiweiß ausgleicht. Viel Obst und Gemüse sollen roh gegessen werden, denn die Vitamine gehen beim Kochen verloren. Das Gleiche trifft auf die Basen zu. Dann hat der Körper 16 Mineralbaustoffe, welche in bescheidener Menge im Körper sind, deren Fehlen oder Minderung aber schwere organische Störungen hervorrufen. Einige seien genannt. Das Fehlen des Jod ist Ursache des Cretinismus, während ein zuviel die Basedowsche Krankheit erzeugt und krankhafte Steigerung der geistigen Leistungen mit sich bringt. Eisen ist ein Grundstoff des Blutes. Fehlt Eisen, so kommt zu wenig Sauerstoff in den Körper, die Bleichsucht ist die Folge. Die Alten sagen, „Alles was in der Natur grün ist; wird im Körper rot. Also durch das Essen von vielem grünen Naturerzeugnis bekommt der Körper Eisen und das ist leichter verdaulich als jede Mixtur. Ein dritter Baustein des Körpers ist der Kalk. Fehlt der Kalk zum Beispiel dem Säugling, so leidet der Aufbau des Knochengerüstes und führt zur englischen Krankheit. Skrophulose u. a. Es heißt also — hie Erhaltungsstoffe — hie Gesundheitsstoffe. Müssen wir nun in unserer Ernährungsweise alles anders machen? Nein, denn wir haben auch bis jetzt schon vieles recht gemacht. Nur in einigen Dingen müssen wir bessern. Wir müssen mehr uns der vegetarischen Nahrung zuwenden. Der Apfel z. B. enthält Eisen und Sauerstoff (gegen Blutarmut und Asthma), Phosphor (ebenfalls eine Gegenwirkung gegen viele Krankheiten), Zellstoff, welcher der Körperreinigung dienlich ist. Pfarrer Kneipp sagte schon: „Sauerkraut, Aepfel und Rettige sind die Putzfrauen des Körpers. Die Birne enthält Kalk (zum Knochenbau), die Kirsche enthält blutbildendes, leichtverdauliches Pflanzeneiweiß. Die Traube enthält Basen (gegen Rheumatismus). Auch für den mäßigen Genuß von Alkohol (ausgenommen natürlich bei Kindern) wußte die Rednerin ein gutes Wörtlein zu sagen. Die Brombeere und Heidelbeere sind gut gegen Durchfall und alle Beeren wirken drüsenreinigend. Die Himbeere wirft besonders der Skropholose und Rachitis entgegen. Letzere Krankheiten, welche auf dem Mangel an Kalk beruhen, erfordern auch besonders viel Gemüse. Die Preiselbeere enthält Schwefel und ist gut gegen Blasen- und Nierenleiden. Die Wacholderbeere dient der Körperreinigung, Rhabarber wirkt gegen Rheumatismus. Ein altes Sprichwort sagt: „Wer sich an Wachholder, Sauerrampfer und Rettiche hält, bleibt frei von Krebs und eitrigen Geschwüren. Nüsse enthalten das feine Nervenöl, Eiweiß und Fett. Gemüse, Bohnen, Linsen u. Erbsen bringen dem Körper Eiweiß, Gurke und Rettich sind basenreich. Die Gurke ist durch Einreiben auch der Hauttätigkeit förderlich und war ein beliebtes Schönheitsmittel der alten Römerinnen. Nicht hoch genug einzuschätzen ist die Kartoffel. Sie bildet nebst Milch und Bauernbrot die Urkraft des Bauern. Sie ist leicht verdaulich, entleidet nie und enthält, wenn auch wenig, Eiweiß. Der Knoblauch ist ein gutes Mittel gegen Würmer und sonstige Parasiten des Körpers und wirkt förderlich auf den Stoffwechsel. Das hohe Alter mancher Balkanstämme wird auf den häufigen Genuß von Knoblauch zurückgeführt. Rotkraut ist gut für die Nieren. Dies trifft auch auf den Kürbis, die Sellerie und den Spargel zu. Sauerkraut (möglichst in rohem Zustand genossen, ferner nicht zu sauer einmachen, nicht zu oft kochen) enthält Milchsäure, welche der Darmtuberkulose entgegenwirkt. Zwiebel, roh wie Aepfel gegessen, reinigen Drüsen, sie enthalten Jod. Rettich enthält viele anregende und reinigende Stoffe, gelbe Rüben enthalten Vitamine. Tomaten sind basenreich. Spinat und alles Grüne sind besonders vitaminhaltig. In der Küche müssen die Gemüsesuppen vorgezogen werden, der Wert der Fleischsuppen wird überschätzt. Als Gewürze sollen mehr und mehr wieder wie früher Küchenkräuter angebaut werden. Gemüse müssen zur Erhaltung der Geschmacks- und Gesundheitsstoffe weniger abgewellt und mehr gedünstet werden. Als Essig soll nur reiner Most- oder Weinessig verwendet werden, keine Essenz. Kinder sollen bis zum 6. Lebensjahre wegen der damit verbundenen Reizzustände wenig Fleisch und keine Eier bekommen, dagegen viel Hauskäse, Rahm, Tomaten. Obst muß in viel größerer Vielseitigkeit in Küche und als Rohkost Verwendung finden. Dann sollen als wichtige Zusätze zur Kost Honig und Zucker (letzterer in brauner, unraffinierter Form) erwähnt sein. Grundsatz der Ernährung muß sein, daß das, was dem Körper durch raffinierte Ernährung verloren geht, durch Gemüse und Obst wieder ersetzt werden muß. Der ganze Vortrag fand durch klare, übersichtliche Darstellung und logischen Aufbau den einmütigen Beifall aller Damen. Frl. Hopfinger hat sich damit den großen Dank unseres Landw. Hausfrauenvereins erworben. Der Vortrag wurde durch eine Reihe schöner Lichtbilder unterstützt.

    Vaterlandsfreund, Nr. 70, 25. 3. 1930

  • 26. Januar 1931. Tanzkurs-Schlußball - Generalversammlung des Turnvereins - Erste-Hilfe-Vortrag

    () Niederstetten, 26. Jan. Ueber einen Schlußball eines Tanzkurses berichten wir im allgemeinen nicht. Wenn ein Tanzkurs aber 23 Paare hat und diese 23 Paare andere 92 Paare aus allen Teilen der Bürgerschaft zum Schlußball einladen, dann wird dieser Schlußball auch für eine kleine Stadt ein gesellschaftliches Ereignis. Das war denn auch der am Samstag stattgehabte Schlußball der Tanzschule Geiger-Mergentheim in den Löwensälen. An der Mitteltafel ein Kranz lieblicher Jugend, gehoben durch die zahlreichen Sträuße herrlicher Blumen, rings herum die Ballmütter und Ballväter und noch viele tanzlustige Jugend. Die jungen Leute zeigten auch, daß sie vorzüglich tanzen gelernt hatten — ihr erstes Debut auf dem Parkett (eigentlich Pitch-pin) der Gesellschaft verlief recht erfolgreich u. hoffentlich gelingt es ihnen auf dem Parkett des Lebens ebenso erfolgreich zu werden. Der Jugend gehört ja die Zukunft. Erfreulich war auch zu sehen, daß der alte Walzer wieder hoch in Ehren steht. Herr Oberndörfer-Sichertshausen begrüßte recht nett die Gäste, das Tanzlehrerehepaar Greiner-Geiger, die Tanzschüler des Tanzkurses „Liebeswalzer“ und überreichte dem Tanzlehrerehepaar ein schönes Geschenk. Die Musik stellte Herr Fleckenstein-Mergentheim und er wirkte selbst mit. Daß das eine gute und keine gewöhnliche Tanzmusik war, kann man sich denken. Von allen Stücken sei nur die glänzend gespielte Francaise aus der „Fledermaus“ genannt.

    () Niederstetten, 26. Jan. Der Turnverein hielt gestern im Melber'schen Saale seine Generalversammlung ab. In Hinsicht auf die Größe und Bedeutung des Vereins wäre eine bessere Beteiligung zu wünschen gewesen. Wohl zum ersten Male war auch die Frauenriege vertreten. Herr Vorstand Streitberger begrüßte die Versammlung und gedachte der Toten des Vereins. Der Jahresbericht des Schriftführers gab ein schönes Bild von erfolgreichem turnerischen Schaffen des Vereines und von gelungenen gesellschaftlichen Veranstaltungen. Der Bericht des Kassierers zeigte, daß der Verein auch finanziell gut gearbeitet hat. Besonders durch die Durchführung der Wirtschaft in eigener Regie konnte ein weiterer Teil der Bauschulden abgetragen werden, Aus den Berichten der Turnwarte ist hervorzuheben: Die Zahl der Jugendturner hat sich nach der letzten Jugendveranstaltung fast verdoppelt. Es wird über mangelnde Beteiligung seitens der aktiven Turner an den Turnstunden geklagt. Der Oberturnwart bemerkte sehr richtig, daß wer turnt, dies nicht dem Verein, sondern sich selbst zu Liebe tut. Die Wahlen ergaben: 1. Vorstand: Streitberger, 2. Vorstand: Hauptlehrer Gerheißer (neu), Kassier: Rüger, Schriftführer: Kreutzmann, Oberturnwart: Kleinhanß, Turnwart: Stadtpfleger Pflüger, Jugendturnwart: Keppler, Frauenturnwart Kleinhanß. Hr. Vorstand Streitberger dankte für die Wiederwahl und dankte zugleich allen Funktionären, der Wirtschaftskommission und den Damen des Vereines, welche sich dieser zur Verfügung gestellt hatten. In der sich anschließenden Aussprache regte Oberturnwart A. Kleinhanß an, die Monatsversammlungen sollten durch gebotene geistige Darbietungen auf turnerischen und allgemeinen Gebieten anregender gestaltet werden. Herr Bürgermeister Schroth regte an, durch Schaffung eines Aufenthaltsraumes mit guter Lesegelegenheit, Gelegenheit zu musikalischer Betätigung und sonstiger geistiger Anregung die Jugend von der Straße fernzuhalten. Die Versammlung nahm einen harmonischen Verlauf.

    () Niederstetten, 26. Jan. Der landw. Hausfrauenverein hatte gestern einen Vortragsabend im Postsaale veranstaltet. Frl. Siebert von der württ. Landwirtschaftskammer hielt einen Lichtbildervortrag über „Erste Hilfe bei Unglücksfällen“. Der Vortrag war durch eine Reihe erklärender Lichtbilder unterstützt. Der Besuch war nicht sehr zahlreich.

    Vaterlandsfreund, Nr. 21, 27. 1. 1931

  • 30. September 1929. Herbstfest

    () Niederstetten, 30. Sept, Wenn die sommerliche Ernte eingeheimst ist und eine gute Ernte in den Weinbergen der Lese harrt, dann feiert der Niederstettener sein Herbstfest. Nicht als ob der Niederstettener Bauer und Gewerbetreibende besonders gerne über die Schnur haue. Es gibt wohl kaum einen mäßigeren Bürger wie den Niederstettener. Aber nach den vielen Mühen des Säens und Erntens lohnt es sich eine Stunde des Festes und der Einkehr zu feiern. Diesen Standpunkt betonte Herr Stadtschultheiß Schroth in seiner Festrede zum gestrigen Herbstfest. Außerdem führte Herr Stadtschultheiß Schroth aus, solle dieses Fest die Einigkeit aller Stände und Konfessionen in unserer Stadt bekunden. Der Redner dankte dann allen Einzelpersonen und Vereinen, welche sich um das Gelingen des Festes verdient gemacht hatten und begrüßte Se. Durchlaucht den Fürsten Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg. Auch für die Anwesenden „40er“ und besonders den Zeppeliningenieur, Herrn Albert Sammt hatte Herr Stadtschultheiß Schroth warme Worte der Begrüßung. Dann nahm das Fest, welches durch Wecken seitens der Stadtkapelle und einen Festzug eingeleitet wurde, seinen Verlauf. Vom Himmel strahlte hell und warm die Sonne, was besonders dem Wirtschaftszelt und dem Kaffeezelt (letzteres eingerichtet vom Landw. Hausfrauenverein) zu gute kam. Aber es war auch erfreulich, daß die vielen Darbietungen bei so schönem Wetter von statten gehen konnten. Zunächst bot der Männergesangverein eine Reihe schöner Weisen. Dann fand ein Handballspiel (Würzburg-Niederstetten) und ein Fußballspiel (Gerabronn-Niederstetten) statt. Kurz sei vermerkt, daß beide Spiele für Niederstetten negativ verliefen. Wie schon in den Vorjahren, so bildete auch in diesem Jahr der historische Winzertanz den Glanzpunkt des Festes. Den Tänzerinnen und Tänzern sowie dem Einpauker, Herrn Rich. Knenlein, machten die glänzende Durchführung alle Ehre. Nach Eintritt der Dunkelheit fand eine bengalische Schloßbeleuchtung statt. Fast anschließend an das Fest fand in der Turnhalle ein Festball statt, welcher einen schönen Abschluß des Festes bildete. Sehr viele Fremde hatte der gestrige Tag unserer Stadt zugeführt, ein Zeichen, daß unsere Stadt immer mehr zum beliebten Mittelpunkt eines weiten Kreises wird.

    Vaterlandsfreund, Nr. 231, 1. 10. 1929