Herbstfest
Herbstfest
-
1. Oktober 1931. Anzeige Herbstfest
Vaterlandsfreund, Nr. 229, 1. 10. 1931
-
2. November 1938. Herbstfest - Zeppelin - Brand im Pfarrhaus
Niederstetten, 2. Nov. Das am letzten Sonntag stattgefundene Herbstfest, welches infolge der vorgeschrittenen Jahreszeit nur im kleinen Rahmen veranstaltet wurde, war von den hiesigen Einwohnern und besonders von auswärtigen Gästen sehr gut besucht. Die Sitzgelegenheit in der Kelter hat nicht ausgereicht, um all die Besucher unterzubringen. Dem neuen und alten Wein wurde stark zugesprochen. Die Kellereien der Weingärtnergenossenschaft wurden wieder von hunderten auswärtigen Besuchern besichtigt und mit Befriedigung konnten sie an den Kostproben feststellen, daß der 1938iger Tropfen wieder ein guter Tropfen zu werden verspricht. – Für die Niederstettener war der Besuch des Luftschiffes "Graf Zeppelin" von ganz besonderer Freude, war es doch unser Heimatsohn und Ehrenbürger Kapitän Sammt, der die Führung des Luftschiffes hatte und der seiner Heimatgemeinde wieder einen Besuch abstattete. Direkt über Niederstetten hat das Schiff seine Flugrichtung geändert. Während das stolze Luftschiff über Niederstetten flog, durcheilte das Städtchen die Nachricht, daß das Pfarrhaus brennt. Ein Kaminbrand konnte dank dem schnellen Eingreifen der Nachbarn noch zu rechter Zeit gelöscht werden.
Der Franke, 2. 11. 1938
-
23. September 1929. Anzeige Herbstfest
Vaterlandsfreund, Nr. 224, 23. 9. 1929
-
24. September 1929. Hinweis auf Herbstfest
() Niederstetten, 24. Sept. Das Herbstfest am kommenden Sonntag wird vielen Einwohnern der engeren und weiteren Umgebung unserer Stadt Veranlassung geben, einige gemütliche Stunden hier zu verbringen. Den Mittelpunkt bildet wie alljährlich der historische Winzertanz. Die schönen Kostüme der Paare u. die fortwährend wechselnden Tanzbilder sind ungemein reizvoll. Bei Eintritt der Dunkelheit wird der Schloßberg in magischem Lichte erstrahlen.
Vaterlandsfreund, Nr. 226, 25. 9. 1929
-
24. September 1933, Herbstfest mit parteipolitischen Veranstaltungen
Weihetage in Niederstetten.
Niederstetten, 24. Sept. Eifrig rüstete in den letzten Tagen die Einwohnerschaft unseres Städtchens auf das Herbstfest, das gestern und heute hier stattfand und sich zu einer großen Kundgebung unserer nationalsozialistischen Bewegung gestaltete. Wohl noch nie hat unser Städtchen aber auch solchen Flaggenschmuck gezeigt als aus diesem Anlaß. Hakenkreuz- und schwarz-weiß-rote Fahnen beherrschten das Stadtbild. Als in den Abendstunden des Samstag aus allen Richtungen SA- und SS-Kolonnen unter den Klängen flotter Märsche in unsere Straßen einzogen und dem im Scheinwerferlicht prangenden Marktplatz zueilten, herrschte bald frohe Feststimmung. In den bereit gestellten Quartieren fanden die Ankommenden liebevolle Aufnahme. Im Laufe des Abends fanden verschiedene Sondertagungen statt. So im Parteilokal der NSDAP, dem Gasthof zum Ochsen, ein Amtswalterappell, der von Kreisleiter, Bürgermeister Stümpfig, geleitet wurde. Er erinnerte u. a. an das große Erlebnis der letzten Wochen, den Parteitag in Nürnberg. Ungeheures ist seit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus geleistet worden. Unser Bezirk habe zwar bei der letzten Wahl mit 72 Prozent für die NSDAP gestimmt, aber nicht alle Wähler seien echte Nationalsozialisten. Aufgabe der Ortsgruppen sei es, alle zu 100prozentigen Nationalsozialisten zu machen. Herauf begrüßte Bürgermeister Stümpfig den stellv. Gauleiter Fr. Schmidt, den alten Vorkämpfer der Bewegung in unserem Bezirk. Neben Fragen der Organisation kam Gauleiter Schmidt auch auf wirtschaftliche Fragen zu sprechen. Oberster Grundsatz sei hier die Beseitigung der Arbeitslosigkeit. Siedlung, Straßenbau u. dergl. ermöglichen es, den heutigen Stand der Arbeitslosigkeit den kommenden Winter über zu halten. Im Frühjahr soll dann der Generalangriff gegen die Arbeitslosigkeit einsetzen, sodaß wohl zu einem früheren Zeitpunkt, als der Führer selbst angesetzt habe, diese größte Uebel unserer Zeit in Deutschland beseitigt werden könne. Endlich kam Gauleiter Schmidt noch auf die politische Lage zu sprechen. Der Nationalsozialismus ist heule ganz im Besitze der Macht. Kampflos sind die politischen Gegner gewichen. Umsomehr könne nun an der inneren Festigung des Volkes in nationalsozialistischem Sinne gearbeitet werden.
Im Melber'schen Saal fand anschließend eine Tagung der NS-Frauenschaft statt, unter Leitung von Frau Eyßer. Frau Holborn, Mergentheim, Kreisleiter Stümpfig und Gauleiter Schmidt forderten die Frauen auf, tatkräftig am Wiederaufbau des Staates mitzuhelfen und demnächst das Winterhilfswerk der Regierung zu unterstützen.
Inzwischen hatte sich die Turnhalle bis zum letzten Platz gefüllt zum Kameradschaftsabend der SA und SS. Manch altem Kameraden konnte die Hand gedrückt werden. Auch hier sprachen Gauleiter Schmidt und Kreisleiter Stümpfig noch zu den Kameraden. Letzterer erzählte von der Weihe der Fahne des SS-Sturmes III/13 durch den Führer auf dem Nürnberger Parteitag. Gauleiter Schmidt erinnerte an die schweren Kämpfe, die mit seinem kleinen Häuflein Getreuer in den ersten Jahren des Kampfes im Bezirk auszuführen hatte. Die SA ist es auch heute noch, die den Willen des Führers durchzusetzen hat. Dazu gehört aber Pflichterfüllung, Treue und unbedingter Gehorsam jedes Einzelnen.
Erst durch den Zapfenstreich um 12 Uhr kehrte Ruhe ein in den Straßen des Städtchens.
(Fortsetzung folgt).
(Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 223, 25. 9. 1933, S. 4)
-
25. September 1937. Anzeige Herbstfest
Der Franke, 25. 9. 1937
(Vergrößern durch Anklicken des Bildes)index.php/presse/1937/1937-04-30
-
29. Oktober 1938. Anzeige Herbstfest
Der Franke, 29. 10. 1938
(Vergrößern durch Anklicken des Bildes) -
30. September 1929. Herbstfest
() Niederstetten, 30. Sept, Wenn die sommerliche Ernte eingeheimst ist und eine gute Ernte in den Weinbergen der Lese harrt, dann feiert der Niederstettener sein Herbstfest. Nicht als ob der Niederstettener Bauer und Gewerbetreibende besonders gerne über die Schnur haue. Es gibt wohl kaum einen mäßigeren Bürger wie den Niederstettener. Aber nach den vielen Mühen des Säens und Erntens lohnt es sich eine Stunde des Festes und der Einkehr zu feiern. Diesen Standpunkt betonte Herr Stadtschultheiß Schroth in seiner Festrede zum gestrigen Herbstfest. Außerdem führte Herr Stadtschultheiß Schroth aus, solle dieses Fest die Einigkeit aller Stände und Konfessionen in unserer Stadt bekunden. Der Redner dankte dann allen Einzelpersonen und Vereinen, welche sich um das Gelingen des Festes verdient gemacht hatten und begrüßte Se. Durchlaucht den Fürsten Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg. Auch für die Anwesenden „40er“ und besonders den Zeppeliningenieur, Herrn Albert Sammt hatte Herr Stadtschultheiß Schroth warme Worte der Begrüßung. Dann nahm das Fest, welches durch Wecken seitens der Stadtkapelle und einen Festzug eingeleitet wurde, seinen Verlauf. Vom Himmel strahlte hell und warm die Sonne, was besonders dem Wirtschaftszelt und dem Kaffeezelt (letzteres eingerichtet vom Landw. Hausfrauenverein) zu gute kam. Aber es war auch erfreulich, daß die vielen Darbietungen bei so schönem Wetter von statten gehen konnten. Zunächst bot der Männergesangverein eine Reihe schöner Weisen. Dann fand ein Handballspiel (Würzburg-Niederstetten) und ein Fußballspiel (Gerabronn-Niederstetten) statt. Kurz sei vermerkt, daß beide Spiele für Niederstetten negativ verliefen. Wie schon in den Vorjahren, so bildete auch in diesem Jahr der historische Winzertanz den Glanzpunkt des Festes. Den Tänzerinnen und Tänzern sowie dem Einpauker, Herrn Rich. Knenlein, machten die glänzende Durchführung alle Ehre. Nach Eintritt der Dunkelheit fand eine bengalische Schloßbeleuchtung statt. Fast anschließend an das Fest fand in der Turnhalle ein Festball statt, welcher einen schönen Abschluß des Festes bildete. Sehr viele Fremde hatte der gestrige Tag unserer Stadt zugeführt, ein Zeichen, daß unsere Stadt immer mehr zum beliebten Mittelpunkt eines weiten Kreises wird.
Vaterlandsfreund, Nr. 231, 1. 10. 1929
-
30. September 1931. Ankündigung Herbstfest
() Niederstetten, 30. Sept. Am kommenden Sonntag findet ihr das alljährliche Herbstfest statt. Wie immer, wird es ein gemütliches Fest in einfachem Rahmen sein, so daß jedermann ohne große Aufwendungen zu machen einen schönen Tag erleben kann. Festzug, Darbietungen der Vereine, der historische Winzertanz, Schloßbeleuchtung und Festball werden immerhin viel Sehenswertes und Unterhaltenswertes bieten, sodaß Niederstettener und Fremde einen Genuß von dem Feste haben werden. Hoffentlich wird auch das Wetter sich bis dorthin bessern.
Vaterlandsfreund, Nr. 228, 30. 9. 1931
-
5. Oktober 1931. Bericht vom Herbstfest
() Niederstetten, 5. Okt. Das herrlichste Wetter war unserem Herbstfest beschieden. Da war es fast selbstverständlich, daß nicht nur der Niederstettener feierte, sondern daß ein großer Fremdenzuzug unsere Stadt belebte. Den Festzug, an welchem der Gemeinderat und alle Vereine teilnahmen, belebte die farbenprächtige Gruppe der Winzer und Winzerinnen und auch die „Fünfziger“ gingen als Ehrengäste mit dem Festzuge. Die Stadtkapelle (Rummler) spielte flott voraus. Auf dem Festplatz entbot Herr Bürgermeister Schroth den Willkommgruß der Stadt und der Vereine. Er wies auch auf das wachsende Heimatsgefühl hin und begrüßte damit die zum Fünfzigertag eingetroffenen zahlreichen Gäste. Es sei heute wohl keine Zeit Feste zu halten. Das Heimatsfest soll ein kein rauschendes Fest sein. Es soll alle Jahre den Abschluß der landwirtschaftlichen Arbeiten und auch der Arbeit in den Vereinen darstellen. Es sei heute kein Anlaß zu verzweifeln. Auch vor hundert Jahren waren schlimme, oft sogar noch schlimmere Zeiten als heute. Das Herbstfest soll nun alle Jahre die Einigkeit der Konfessionen und der Berufsstände in unserer Stadt bezeugen. Wenn wir an dieser Einigkeit festhalten, dann wird es uns gelingen uns und unsere Stadt in diesen gefahrvollen Zeiten durch [Textverlust] Weisen. Dann traten die Winzer zum Tanze an. Auch wer den Winzertanz schon ein- oder mehreremale gesehen hatte, war begeistert von dessen schöner Durchführung. Mit Eintritt der Nacht erstrahlte Schloß und Schloßberg in magischer Beleuchtung. Zum Festball vermochte die große Turnhalle kaum die große Zahl der Besucher zu fassen. So nahm das Fest in allen Teilen einen schönen und einträchtigen Verlauf.
Vaterlandsfreund, Nr. 233, 6. 10. 1931
-
6. Oktober 1931. Fünfzigerfeier
() Niederstetten, 6. Okt. Einen schönen und gemütvollen Auftakt zu unserem Herbstfest bildete die am Samstag abend im Melber'schen Saale abgehaltene „Fünfzigerfeier“. Von weit und breit waren die „81er“ gekommen, um mit ihren hiesigen Altersgenossen einen Tag der freudigen Erinnerung zu begehen. Herr Schreinermeister Meider hielt die Begrüßungsrede. Ein junges Mädchen trug folgenden, von Herrn Max Stern den „Fünfzigern“ gewidmeten Prolog vor:
Meistens ist des Lebens Mitten
Mit den „Fünfzig“ überschritten.
Einen Tag sucht sich der Geist
Auszuruhen da zumeist.
Rück- und Ausblick will er halten
Was in unseres Lebens Walten
Gut war — war Erfolg gekrönt —
Was das Dasein uns verschönt.
Auch was uns im Leid erregt
Die Gedanken dann bewegt. —
Wie wir eint die Schulbank drückten —
Und wir dann ins Leben rückten.
Wie der Lehrling angefangen —
Die Gesellenzeit vergangen —
Bis nach altem, rechtem Brauch
Selbst wir wurden Meister auch.
(Und nach diesem Lebenslauf
Bauet jeder Stand sich auf).
Oder wie im Haufe drinnen
Schulte sich der Mädchen Sinnen,
Bis, nach Kindes Tanz und Spiel
Strebt ihr Sinn nach höh'rem Ziel.
Bis dann in den zarten Banden,
Wir uns in die Ehe fanden.
(Oder wie wir nach Belieben
Ledig und allein geblieben).
Die Gedanken gehen weiter —
Ehetage, ernst und heiter,
Treten ins Erinnern ein.
Und wir schaffen für ihr Glück,
Eh' wirs denken sind sie flügg.
Dann des Krieges Grauen — Beben,
Und des Nachkriegs schwer Erleben —
Alles will bedacht wohl sein
Stellen sich die Fünfzig ein.
Eines von den größten Uebeln
Aber ist allein zu grübeln.
Schöner ist's, dem Freund zu lauschen
Und Erinnerung auszutauschen.
Dazu, ferne Schwestern, Brüder
Luden euch zur Heimat wieder
Treue Freunde. — Eurem Kommen
Bieten herzlich wir Wilkommen.
Auch euch Freunden, die hier leben
Froher Willkomm sei gegeben.
Dieser Stunden froher Reigen
Soll uns allen innig zeigen,
Daß, wie in der Jugend Tagen,
Unsre Herzen einig schlagen.
Jugend laßt heraufbeschwören,
Von der Jugend laßt uns hören!
Was ihr trachtet — sprechet — treibt —
Laßt uns in die Augen schauen!
Hebt die Gläser, Männer, Frauen!
(Vorbachtäler gibt's ja noch)
Jahrgang Einundachtzig Hoch!Den Kernpunkt des Abends bildete ein vorzüglicher Vortrag des Herrn Bürgermeister Schroth über "Niederstetten in den letzten 50 Jahren". Herr Bürgermeister Schroth ging von der Bevölkerungsbewegung jener Zeit aus, deren zahlreiche Geburten er im Vergleich zu unserer Zeit stellte. Dann gab der Redner ein genaues Bild aller wichtigen Vorkommnisse seit jener Zeit. Neubauten, Straßen und Wasserbauten, Ueberschwemmungen, Weinjahre, gute und schlechte, Stadtschultheißenwahlen, Kriegszeiten, Wasserleitungsbau, Vereinsleben und viele andere im Leben der Stadt wichtige Ereignisse fanden Erwähnung. Kein Wunder, daß den alten Niederstettenern, welche zum Teil viele Jahrzehnte ihre Heimat ferngeblieben waren, das Herz in alter Liebe zur Heimat warm wurde. – Herr Schlossermeister Fischer verlas viele eingegangene Schreiben von "50ern", welche verhindert waren, zu kommen. Auch aus dem Ausland waren Kundgebungen von Heimattreue, zum Teil begleitet von wertvollen Geldgeschenken, eingelaufen. Ein musikalisches u. gesangliches Programm, sowie der gemeinschaftliche Gesang von Heimatliedern verschönte den Abend und schwer wurde den Teilnehmern das Auseinandergehen. Alle Teilnehmer aber werden den Samstag als schöne Erinnerung noch lange nicht vergessen.
Vaterlandsfreund, Nr. 234, 7. 10. 1931
-
7. Oktober 1935. Herbstfest
Innenminister Dr. Schmid beim Niederstetter Herbstfest
Niederstetten, 7. Okt. Das diesjährige Erntedank- und Herbstfest wurde durch den Festzug um 12 Uhr eingeleitet. Voraus das Jungvolk mit den Fanfaren und Landknechtstrommeln, dann HJ. und BDM. mit bändergeschmücktem Erntekranz, die Pol. Leiter, Abordnungen der SA., NSKK., Sanitätskolonne, Kyffhäuserbund, Männergesangverein und dann die Bauern in ihrer Arbeitskleidung mit Arbeitsgeräten. Zum Schlusse drei Festwagen: Ein Wagen mit Früchten des Feldes und Schnittern, ein Winzerwagen, vollbehangen mit köstlichen Trauben und ein Wagen mit Geräten zur Flachsgewinnung bis zum Spinnrad, von fleißigen Händen in Tätigkeit vorgeführt. Auf dem Festplatze angekommen, sprach Bürgermeister Schroth zu den sehr zahlreichen Anwesenden Worte des Dankes für alle die bäuerlichen Helfer und nicht zuletzt dem Bauern selbst für alle die Mühen des Jahres und der Vorsehung, daß wir ein Erntedankfest feiern können. Für langjährige treue Dienste einer Anzahl Gefolgschaftsmitglieder konnte Bürgermeister Schroth im Auftrage des Ortsbauernführers Ehrenurkunden und Geschenke übergeben.
Da brach die herbstliche Sonne in wärmenden Strahlen durch das Grau des Himmels und mit offenen Herzen lauschten alle Festteilnehmer den Worten des Führers vom Bückeberg und spontan fielen die Zuhörer in den Beifall ein, der durch die Lautsprecheranlage drang, wenn besonders markante Sätze aus des Führers Munde erklangen. Ortsgruppenleiter Thomas sprach anschließend zu den Anwesenden und mit dankbarem Gefühle ertönte der Choral: „Nun danket alle Gott“, aus hunderten von Kehlen über den weiten Platz. Sprechchöre des JV., der HJ, und BDM. füllten den Nachmittag.
Mittags war schon eine freudige Ueberraschung bekannt, geworden: Innenminister Dr. Schmid war erschienen und versprach gegen Abend nochmals zu kommen, da er am Nachmittag die Orte Riedbach und Brettheim aufsuchen wollte. Innenminister Dr. Schmid hielt sein Wort; kurz vor Beginn des Winzertanzes zeigten Fanfarenklänge sein Kommen an, in seiner Begleitung waren Landrat Wöhrle, Kreisleiter Niklas, Kreisgeschäftsführer Walter und Bürgermeister Wiedmann-Gerabronn. Nach Abschreiten der Front, der im Viereck aufgestellten Festzugteilnehmer, begrüßte Bürgerm. Schroth Innenminister Dr. Schmid und überreichte ihm als Willkommgruß einen Becher, gefüllt mit 1934er Niederstetter Weines und einen Korb einheimischer Früchte und Trauben. Innenminister Dr. Schmid bedankte sich in herzlichen Worten für die Gaben und trank auf das Wohl der Gemeinde. Den gesanglichen Darbietungen des Männergesangvereins und der Vorführung des Winzertanzes zollte der Minister lebhaften Beifall. Zum Schlusse wurde ein Hammeltanz aufgeführt, der aber unter dem Mangel der Beteiligung etwas litt, sodaß nur ein Geldpreis ausbezahlt werden konnte. Der Traubenmarkt fand lebhaften Anklang und restlosen Absatz der vorhandenen Vorräte. Ein Tanzabend in der Turnhalle brachte noch einen schönen Ausklang des Erntedankfestes. — Am Samstag Abend hatte sich der Jahrgang 1895 zu einer Vierzigerfeier im Saale des Gasthauses Melber zusammengefunden. Da auch viele auswärtige Schulkameraden der Einladung hierzu Folge geleistet halten, so kam eine frohe Stimmung beim Austausch alter Jugenderinnerungen auf. Altersgenosse Sattlermeister Gottlob Schmidt begrüßte die Erschienenen und gerade der in der Ferne weilenden Schulkameraden und derer, die nicht mehr unter den Lebenden sind. Bürgermeister Schroth gab in einer längeren Ausführung einen Ueberblick über die Entwicklung der Gemeinde in den letzten 25 Jahren und vieles war selbst für die hiesigen Anwesenden von Interesse, da man vieles schon wieder vergessen oder in manches keinen Einblick erhalten hatte. Zum festlichen Gepräge des Abends trug ein gut Teil Chormeister Fleckenstein mit Tochter bei durch ihre musikalischen Darbietungen, welche durch gesangliche Vorträge eines Doppelquartetts des Männergesangvereins abgelöst wurden. Zum Gedenken an die im Weltkriege gefallenen Kameraden und der sonst vom Tode ereilten Altersgenossen legten die Vierziger am Sonntagmorgen am Ehrenmale der Gefallenen einen Kranz nieder.
Der Franke, Nr. 235, 8. 10. 1935
