Herrenberg
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23. Juni 1936. BM Schroth nach Herrenberg berufen - Weingärtner Frieß gestorben - Bezirksnotar Kunkel ernannt
Niederstetten, 23. Juni. (Berufung. - Verschiedenes.) Wie ein Lauffeuer durcheilte die Kunde unsere Stadt, daß Herr Bürgermeister Schroth lt. ministeriellem Beschluß als kommissarischer Bürgermeister nach Herrenberg berufen wurde. Diese Stelle mußte Herr Bürgermeister Schroth schon am gestrigen Montag antreten. Die Verwaltung unserer Gemeinde wird vorerst so geregelt, daß Bürgermeister Schroth Samstag und Sonntag hier die Geschäfte versieht und an den übrigen Tagen der stellv. Bürgermeister, Herr Fr. Melber, dieselben übernimmt. Am Donnerstag berief Bürgermeister Schroth eine Sitzung mit den Beigeordneten und Ratsherren zusammen, in welcher er offiziell seine Versetzung zur Kenntnis brachte. Von den Anwesenden wurde zum Ausdruck gebracht, daß Bürgermeister Schroth unserer Gemeinde erhalten bleiben möge. – Am Freitag, den 19. Juni starb der älteste Einwohner, Weingärtner Friedr. Frieß, im hohen Alter von 94 Jahren. Bei der Wahl am 29. März ließ es sich Herr Frieß nicht nehmen, zu Fuß zur Wahlurne zu gehen und seiner Pflicht zu genügen. – Obersekretär Kunkel von Heilbronn wurde zum Bezirksnotar in Niederstetten ernannt.
Der Franke, 23. 6. 1936
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24. Mai 1937. Verabschiedung von Bürgermeister Jakob Schroth
Abschiedsfeier für Bürgermeister Schroth
Niederstetten, 24. Mai. In einer am 14. Mai stattgefundenen Versammlung der Bürgermeister des Kreises Gerabronn haben dieselben von ihrem Kollegen, Bürgermeister Schroth-Niederstetten, welcher als Bürgermeister nach Herrenberg kommt, Abschied genommen. In einer Ansprache des Kreisleiters wurden die Verdienste des Scheidenden gewürdigt. Am gestrigen Abend hatte sich nun die Bevölkerung Niederstettens und besonders auch der Teilgemeinden in einer großen Zahl in die festlich geschmückten Turnhalle versammelt, um von ihrem Bürgermeister Abschied zu nehmen, Was Bürgermeister Schroth während seiner 20jährigen Tätigkeit als Amtsvorsteher von Niederstetten geleistet hat, kam in den zahlreichen Reden des Abends zum lebhaften Ausdruck, ebenso seine Verbundenheit und der seiner Familie mit der Bevölkerung. Landrat Wöhrle-Gerabronn und Kreisleiter Niklas-Riedbach waren erschienen, um den Dank abzustatten für die von Bürgermeister Schroth geleistete Arbeit als Kommunalbeamter und in dieser Eigenschaft als Kreisamtswalter der NSDAP. Zum äußeren Zeichen der Anerkennung seiner Verdienste um das Gemeindewohl überreichte der stellvertretende Bürgermeister Melber ein Gemälde, Niederstetten mit Aussicht auf das Schloß darstellend, von einem Heimatsohne, Kunstmaler Gehring-Stöckenburg. Studienrat Maier sprach für die Lehrer und dankte für die Initiative beim Bau der neuen Schule und übergab als kleines Zeichen des Dankes ein Bild der Schule. - Ortsgruppenleiter Thomas nahm in herzlichen Worten Abschied von seinem Parteigenossen. Herr Gräter-Hermuthausen und Direktor Roesler-Igelfingen sprachen für den Elektrizitäts-Gemeindeverband Ingelfingen-Hohebach und gedachten seiner als dem Gründer desselben. Aus dem gleichen Anlaß dankten die Vorstände der Weingärtnergenossenschaft und der Milchverwertung. Für das volle Verständnis und die entgegenkommende Förderung ihrer Belange dankten die Vorstände des Turn- und Männergesangvereins, sowie des Kyffhäuserbundes. Stadtpfleger Pflüger sprach für die städt. Angestellten und betonte das gute Einvernehmen und verständnisvolle Arbeiten mit ihrem Vorgesetzten. Bürgermeister Striffler-Vorbachzimmern hob die Verdienste des Scheidenden um das nachbarliche gute Einvernehmen in Schulfragen hervor. Stadtpfarrer Göltenboth sprach für die ev. Kirchengemeinde. Die ganze Feier wurde festlich umrahmt durch Darbietungen gesanglicher und musikalischer Art durch den Männergesangverein und die Kreismusikkapelle. Tiefbewegt dankte Bürgermeister Schroth allen Erschienenen und besonders den Rednern für ihre Beweise der Anerkennung seiner Arbeit und bemerkte, wie ungern er aus diesem seinem liebgewordenen Wirkungskreise scheide, sei ihm doch Niederstetten eine zweite Heimat geworden, mit der er auch durch Grund und Boden verbunden sei und bleiben werde. Die ihm dargebrachten Glückwünsche für sein und seiner Familie ferneres Wohlergehen erwiderte er für die ganze Einwohnerschaft .Am Abend zuvor fanden sich auch Aufsichtsrat und Vorstand der Landw.- und Gewerbebank Gerabronn bei Aufsichtsratsmitglied Marquardt z. "Krone", um mit dem scheidenden Herrn Bürgermeister Schroth noch im engeren Kreise etwas beisammen zu sein. Bei dieser Gelegenheit ergriff Bankvorstand Rühling das Wort, um namens der Genossenschaft Herrn Schroth für dessen Tätigkeit und Unterstützung als Vorstandsmitglied seit 1926 den wärmsten Dank zu sagen. Herr Rühling entwarf dabei auch einen recht interessanten Rückblick auf die Entwicklung der Genossenschaft und insbesondere der Filiale in Niederstetten. So ist die Zahl der Mitglieder in Niederstetten von 1923-1936 von 71 auf 203 gestiegen und die geführten Konten in Spareinlagen, laufender Rechnung und Darlehen von 217 auf 1511 angewachsen. In seiner Erwiderung betonte der Scheidende starke Verbundenheit mit der Genossenschaft, die er auch gerne als überzeugter Genossenschaftler aufrecht erhalten werde. Auch der Leiter der Bankfiliale in Niederstetten, Herr Willy Schuster brachte in herzlicher Weise seinen Dank für die schöne Zusammenarbeit mit Herrn Bürgermeister Schroth zum Ausdruck. Die an der Feier teilnehmenden Herren der Bank gaben dem Scheidenden ihre besten Wünsche für seinen neuen Wirkungskreis mit auf den Weg.Der Franke, 24. 5. 1937
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26. Juni 1936. Amtseinsatzung von Bürgermeister Schroth in Herrenberg
Niederstetten, 26. Juni. (Zur Amtseinsetzung von Bürgermeister Schroth in Herrenberg.) In der Mittwoch-Ausgabe haben wir bereits kurz über die Amtseinsetzung des Herrn Bürgermeister Schroth als kommissarischer Bürgermeister von Herrenberg berichtet.
In der bereits erwähnten Sitzung auf dem Herrenberger Rathaus, die vom 1. Beigeordneten, Stadtrat Rauch, mit Begrüßungsworten eröffnet wurde, ergriff, lt. Schw. Tgztg. zunächst Landrat Dr. Zeller das Wort und führte u. a. aus: "Schuld und Schicksal haben sich verflochten und uns vor harte Entscheidungen gestellt. So schmerzlich bewegt wir über die Ereignisse sind, so sehr sind wir auch Willens, als Männer über diese Dinge hinwegzukommen. Es gilt nun, Bilanz zu ziehen und von Neuem zu beginnen, Wenn ich nach reiflicher Ueberlegung für die Führung der Rathausgeschäfte einen Staatskommissar ernannt habe, so ist das nicht als Mißtrauen gegen die Stadt, sondern als freundliche Hilfe zu werten. Daß meine Maßnahme ein Akt der Fürsorge war, ist auch aus der Wahl der Persönlichkeit zu ersehen. Bürgermeister Jakob Schroth ist auf vielen Gebieten der Verwaltung eine erste Kraft. Zeugnisse hoher Behörden- und Parteidienststellen bezeichnen ihn als ausgezeichneten Bürgermeister und vorzüglichen Verwalter. Außer seinem Amt in Niederstetten verwaltet er das Aktuariat verschiedener Gemeinden, ist Verwaltungratsvorsitzender eines Elektrizitätsverbandes, maßgebender Mitarbeiter des dortigen Fleckviehzuchtverbandes und hat darüber hinaus auf mancherlei Gebieten zweckdienliche und reiche Arbeit geleistet. Ich habe von den vorgesetzten Behörden die vollste Bestätigung, daß Bürgermeister Schroth in d. Lage ist, die Prüfg. auf dem Rathause durchzuführen, die Amtsgeschäfte zu übernehmen und den Wagen wieder auf das rechte Geleise zu bringen.
Landrat Dr. Zeller forderte sodann Beigeordnete, Ratsherren und die Beamtenschaft Herrenbergs zu treuer Unterstützung des neuen Stadtoberhauptes auf und verwies diese darauf auf den Diensteid. Nach der Einsetzung dankte Bürgermeister Schroth für die freundliche Begrüßung und das große Vertrauen, das ihm von den Herrenbergern entgegengebracht wird. "Wenn ich dem Ruf nach Herrenberg Folge geleistet habe", so sagte er u. a, "so kostet mich das zunächst eine Ueberwindung. Ich bin in meiner Gemeinde schon fast 20 Jahre als Stadtvorstand tätig und mit ihr so verwurzelt, daß es mir schwer fiel, dem Ruf meiner vorgesetzten Behörde Folge zu leisten.
Ich habe mir aber gesagt, daß ich deren Vertrauen nicht ausschlagen darf und daß ich als Nationalsozialist verpflichtet bin, dahin zu gehen, wo man mich braucht und wohin ich gestellt werde. Ich werde dabei so handeln, wie es mein Gewissen mir vorschreibt, wie es dem Interesse der Allgemeinheit förderlich ist und ihr zum Wohle und Segen gereicht. Ich bin willens, wie von jeher denen zu dienen, die mir das Vertrauen schenken und mich erkoren haben. Ich bitte auch, die Bezeichnung Staatskommissar nicht als eine Art Staatsanwalt oder Strafdirektor zu deuten. Ich fasse im Gegenteil mein neues Amt so auf, wie wenn es mir durch das Vertrauen der Bürgerschaft übertragen wäre. Ich gebe Ihnen daher die volle Versicherung, daß ich mich des Vertrauens, das Ihr Landrat in mich gesetzt hat, würdig zeigen werde. Ich werde alles daran setzen, das Amt wieder so in Ordnung bringen, wie es der Wunsch aller ist.
Es werden allerdings dabei harte Maßnahmen notwendig werden und ich werde an manche Angelegenheit scharf herangehen, doch nicht so, daß Maß und Ziel überschritten wird und ohne Nachteile für einzelne oder die Gesamtheit, sondern nach dem Grundsatz ausgleichender Gerechtigkeit. Ich erwarte und hoffe, daß die Beamtenschaft des Rathauses mir treu zur Seite steht und mir mit offenem Blick und offenem Herzen entgegenkommt. Auch die Herren Beigeordneten und Ratsherren bitte ich, mir alle Angelegenheiten mitzuteilen, die von Wert sind, eine Gemeinschaftsarbeit bis ins Letzte hinaus zu leisten. So werden wir es dann erreichen, daß die Wunden der letzten Tage bald vernarbt sein werden.
Nach weiteren Worten der Begrüßung und der Zusicherung treuer Mitarbeit und Gefolgschaft von seiten des ersten Beigeordneten und des Stadtpflegers Huppenbauer wandte sich Landrat Dr. Zeller noch an die Bürgerschaft, die er um Vertrauen und Verständnis für die kommenden Maßnahmen des neuen Bürgermeisters bat.Der Franke, Nr. 147, 27. 6. 1936
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7. Dezember 1936. 50. Geburtstag von Bürgermeister Jakob Schroth
Niederstetten, 7. Dez. Dieser Tage wurde Bürgermeister Schroth 50 Jahre alt. Der größte Teil seines beruflichen Wirkens war bis jetzt der Stadtgemeinde Niederstetten gewidmet. An die 20 Jahre amtiert er nun in hiesiger Gemeinde als Stadtvorstand. Der Gemeinderat hat darum in seiner Sitzung am Samstag Veranlassung genommen, in einfacher, schlichter Feierstunde im blumengeschmückten Rathaussaal seinem Bürgermeister unter Würdigung seiner Verdienste in der Gemeinde seine Glückwünsche darzubringen. Es wurde dabei erwähnt, daß er einer unseres Blutes und unserer Art sei. Neben dem, daß Bürgermeister Schroth das allgemeine Vertrauen und die Wertschätzung der ganzen Gemeinde genieße, verbänden ihn auch Bande freundschaftlicher Art von Jugend her. Es besteht darum in hiesiger Gemeinde der Wunsch, daß die kommissarische Tätigkeit unseres Bürgermeisters, die er nun schon seit fünf Monaten in Herrenberg auszuüben hat, in Bälde ihr Ende finden möge, damit er seiner verwaisten Heimatgemeinde wieder voll und ganz dienen könne. Bürgermeister Schroth dankte in bewegten Worten für die ihm zuteil gewordene Ehrung. Im Anschluß hieran machte er dann noch Ausführungen über seine derzeitige Amtstätigkeit. Ueber seine künftige Verwendung wird demnach höheren Orts verfügt.
Der Franke, Nr. 285, 7. 12. 1936