Johann Sebastian Bach

Johann Sebastian Bach

  • 10. Mai 1932. Abendmusik des evangelischen Kirchenchors

    * Niederstetten, 10. Mai. Am Sonntag, 1. Mai, lud der evang. Kirchenchor zu einer geistlichen Abendmusik ein. Diese brachte eine Anzahl von Werken für Chor oder Instrumente von J. S. Bach und seinen Zeitgenossen bezw. Vorläufern. Es bedeutet zwar kein Entgegenkommen an den vielerorts noch herrschenden Zeitgeschmack, wenn man einen Abend nur mit alter Musik ausfüllt. Aber beim Chor spürte man doch deutlich, wie er mit innerer Wärme und Begeisterung sich dieser Musik hingab, und auch die Zuhörer empfanden etwas von der Kraft und Schönheit, die in den Werken dieser alten Musik steckt. Im Mittelpunkt stand das erst im Vorjahr wieder dem Staub der Lübecker Stadtbibliothek und damit der Vergessenheit entrissene, aber neu in deutscher Fassung herausgegebene Werk Dietrich Buxtehudes: „Lobet, Christen, euren Heiland“, eine Cantate für Chor, 2 Violinstimmen und Orgelbegleitung. Statt der herben und schweren Musik, wie wir sie sonst aus jener Zeit gewohnt sind, tritt uns hier eine außerordentlich lebendige und bewegte, ja liebliche Stimmführung entgegen. die durch die beigegebene Instrumentalbegleitung zu besonderer [?] Wirkung kam. Von den übrigen Chören sei besonders genannt [?] „Hinunter ist der Sonnenstein“ von Vulgius gedacht [?]. Das E moll-Konzert von J. S. Bach wurde von zwei Violinen und Orgel unter Weglassung des letzten Allegros dargeboten. Diese Musik ist freilich schwer verständlich und findet nicht leicht den Weg zu den Herzen des Hörers. Es ist [?] das dritte Mal in kurzer Zeit, daß wir in dieser Besetzung eine musikalische Feierstunde in unserer Kirche erleben durften. Dadurch ist uns der Weg zum Verständnis dieser Musik sehr erleichtert. Der Leiter des Abends, Herr Oberlehrer Wahl, spielte u. a. Präludium und Fuge in d-m. von J. S. Bach. auf der Orgel und zeigte sich dabei als Meister auf diesem Instrument. Der Abend war durch die Zusammenarbeit einigermusikalischer Kräfte aus Niederstetten und der Nachbarschaft, und zwar die Herren Oberlehrer Wahl, Stadtpfarrer Umfrid, Hauptlehrer Hauf und Hauptlehrer Ganzenmüller möglich geworden. Möge die innere Befriedigung darüber, der Gemeinde eine solch schöne Stunde musikalischer Andacht gebracht zu haben, dem Leiter des Abends und seinen Helfern sowie den Sängern und Sängerinnen der beste Dank sein!
    [Text teilweise nicht sicher lesbar]

    (Vaterlandsfreund, Nr. 108, 11. 5. 1932)

  • 26. März 1933, Schulentlaßfeier der evangelischen Volksschule

    Niederstetten, 3. April. Wie reden heute so viel von der Gemeinschaft und von dem einigenden Band, das uns alle umschlingen sollte. Da ist es besonders wohltuend, wenn man auf irgend einem Gebiet - wenn auch am kleinen Platz - das Ziel verwirklicht sieht. Das war am Sonntag, 26. März, bei der Entlassungsfeier der evangelischen Volksschule Niederstetten der Fall. Seit 13 Jahren hat sich diese Feier - alljährlich wiederkehrend und in steigendem Maße begrüßt - eingebürgert, so daß man von einer wirklichen Gemeinde sprechen kann, in welcher sich Eltern, Schüler und Freunde der Schule mit den Lehrern derselben verbunden fühlen. Ueber 400 Erwachsene hatten sich neben den 150 Kindern in der Turnhalle eingefunden. Der Schulvorstand, Herr Oberlehrer Wahl, wies in seiner Begrüßung darauf hin, daß man auch an einer Entlaßfeier sehen könne, was und in welchem Geist in einer Schule gearbeitet werde. Die Kleinsten, die es kaum erwarten konnten, zeigten zuerst ihre Kunst. Wie selig leuchteten ihre Augen, als sie in dem reizenden Frühlingsspiel "Der Frühling hat sich eingestellt", als Häslein und Vöglein springen und hüpfen, als Blümlein nicken, tanzen und singen durften! Wir Erwachsene selbst fühlten uns da wieder ins Kinderland zurückversetzt, wir empfanden wieder mit Kindern so rein, so unberechnet und natürlich. Die Mittelklasse führte uns ein Märchenspiel vor. Fröhlich singende Wandervögel ließen in uns die Erinnerung an die letzte Schülerwanderung in den Odenwald auftauchen. Eingeflochtene Reigen und Gesänge hörten wir zu unserer Ueberraschung erstmals von Schulflöten begleitet. Im Schulbericht erfuhren wir von der steigenden Raumnot der evangelischen Volksschule, die durch die Umschulung von Sichertshausen und den starken neueintretenden Jahrgang verursacht sei und der bald abgeholfen werden sollte. Dann gedachte der Schulvorstand auch des großen, schicksalhaften Geschehens unserer Tage, das uns eine neue, nationale Regierung gebracht. Er erinnerte daran, wie die Lehrer der Schule schon bisher ihr Ziel in der Erziehung: zum deutschen Menschen gesehen hätten. Vor 12 Jahren sei den Entlaßschülern zugerufen worden: Seid treu! Seid wahrhaftig! Seid deutsch! Seid opferbereit! Das gelte heute mehr als je. Das Wort "Gedenke, daß Du ein Deutscher bist!", das bei der nationalen Schulfeier am 18. März den Schülern mitgegeben worden ist, verpflichte zu ernstem Streben nach Verkörperung all der edlen Eigenschaften, die die bestem Deutschen im Lauf der Jahrhunderte gezeigt hätten. Unseres jetzigen Kultministers Prof. Mergenthalers Ruf an die Entlaßschüler im Sommergarten: "Ans Vaterland, ans teure schließ' dich an", sei den Schülern stets vor Augen gehalten worden. Dann stelle sich auch die rechte Vaterlandsliebe ein, aus der die Gesinnung entspringe, die notwendig sei, um die schweren Zukunftsaufgaben zu meistern. Ein Sprechchor gab in "Deutscher Glaube" von Filix [!] Fischer, unserer heißen Hoffnung auf den Wiederaufstieg unseres geliebten Vaterlandes ergreifenden Ausdruck. Dann wurde uns ein Einblick in das neue Musizieren in der Schule gegeben. Wir sahen etwa 20 Flötenspieler, die mit leuchtenden Augen ihre neue Kunst Eltern und Kameraden vorführen durften. Besonders beifällig wurde "Wilhelmus von Nassaue" aufgenommen. Es war ein schönes Bild einer Schulgemeinschaft, Schüler und Lehrer gemeinsam bei den Gesängen auf Flöten, Cello und Klavier musizieren zu sehen. Daß dieses neue Instrument, die Schulflöte, nicht nur eine Bereicherung der Schulmusik bedeutet, sondern auch Anregung zur besseren Pflege der häuslichen Musik gibt, wurde den Anwesenden klar. Die Menuette von Bach und Beethoven zeigten, daß sich auch Stücke unserer großen Musiker auf ihr darbieten lassen. Zum Schluß wurde die Apfelszene aus Schillers "Wilhelm Tell", von den Schülern des 6.-8. Schuljahres gespielt. Die starke Spannung, die bei Erwachsenen und Kindern bis zum Schluß anhielt, ließ uns die harte Knechtung der Schweizer miterleben. H. Bürgermeister Schroth dankte dann im Namen der Eltern und der Gemeinde den Herren Lehrern sowohl als auch den Schülern für den schönen Abend. Er gab letzteren Worte der Ermahnung mit auf den Lebensweg und betonte den Wert einer guten, bewußt deutschen Erziehung, im Hinblick auf die so notwendige deutsche Volksgemeinschaft. Er gab seiner Freude Ausdruck, daß dieser Abend fast die gesamte Elternschaft und viele Gäste alljährlich so einträchtig vereine. Der gemeinsame Gesang des Liedes "Kein schöner Land" beschloß erst um 11 Uhr die Feier.

     (Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 79, 4. 4. 1933, S. 3)

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    Wilhelmus von Nassaue
    vielleicht
    "Het Wilhelmus („Das Wilhelm[lied]“), auch Geusenhymne genannt, ist die Nationalhymne der Niederlande. Die von ihr abgeleitete Fassung De Wilhelmus („Der Wilhelm“) ist ferner die Hymne der großherzoglichen Familie des Großherzogtums Luxemburg." (Wikipedia)

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