Kath. Volksschule

Kath. Volksschule

  • 16. Januar 1930. Zuordnung der kath. Volksschule nach Heilbronn

    Niederstetten, 19. Jan. Die katholischen Volkschulen in Bartenstein und Niederstetten sind mit Wirkung vom 1. Januar ab vom Bezirksschulamt Ellwangen abgetrennt und dem Bezirkschulamt Heilbronn zugeteilt worden.

    Vaterlandsfreund, Nr. 13, 17. 1. 1930

  • 28. März 1930. Schlußfeier der Volksschule - Firma Friedrich Kießecker - Stadtbaumeister Baumann - Marktert'sches Anwesen

    () Niederstetten, 27. März. Am Dienstag abend beging die evangelische Volksschule in der Turnhalle ihre Schlußfeier. Der öffentlichen Einladung zufolge waren außer der fast vollzähligen evangelischen Gemeinde auch zahlreiche Vertreter der anderen beiden Konfessionen anwesend. Herr Oberlehrer Wahl entbot Schülern und Zuhörern den Willkommgruß. Er wolle an die Entlaßschüler nicht nochmals viele Mahnungen richten, durch die ganze Schulzeit hindurch hätten sie genug erhalten, welche sie, ins Leben tretend, beherzigen sollen. Der Herr Redner begrüßte die Zuhörerschaft und wies auf das notwendige Band zwischen Elternhaus und Schule hin. Schließlich beglückwünschte Herr Oberlehrer Wahl den Stadtvorstand und Gemeinderat zu dem endgültigen Beschluß ein Schulhaus zu bauen. Dann spielte sich vor den Zuhörern ein wechselreiches Programm ab. Von den Kleinsten an bis zu den Entlassungsschülern wechselten Gesang, Spiel und ernste und heitere Deklamationen. Den Höhepunkt bildete die Rezitation von Schillers Glocke in Einzelvorträgen und Sprechchören. Es ist erfreulich, daß wieder einmal ein Klassiker zu Wort kam. Die unvergängliche Schönheit des Schönsten deutschen Epos hat sich in der ausgezeichneten Wiedergabe gezeigt. — Entlaßfeiern sind keine Schulprüfungen. Und doch geben sie ein Bild des Geistes, welcher in einer Schule wohnt. Sie spiegeln das schöne Verhältnis zwischen Elternhaus und Schule wieder und sind für Eltern, Lehrer und Schüler eine langanhaltende Erinnerung. Das war alles im vollsten Maße bei der Schulfeier der evang. Volksschule der Fall. Nachdem auch die katholische Volksschule auf die Stadt übergegangen ist, dürfte es sich vielleicht empfehlen, in Zukunft für beide Volksschulen und die Realschule gemeinsame Feiern abzuhalten. Am Interesse der Allgemeinheit fehlt es gewiß nicht.

    () Niederstetten, 28. März. Im hiesigen Geschäftsleben hat sich eine bedeutende Umwandlung vollzogen. Die seit 40 Jahren bestehende Firma Friedrich Kießecker hat ihre Abteilung Getreidehandel und Kunstdünger an die Fränk.-Hohenlohesche Getreideverkaufsgenossenschaft in Niederstetten verkauft. Sicherem Vernehmen nach hat Herr Stadtbaumeister Baumann das Markert'sche Anwesen in der Bahnhofstraße käuflich erworben.

    Vaterlandsfreund, Nr. 74, 29. 3. 1930

  • 29. Dezember 1934. Advents- und Weihnachtsfeier der kath. Volksschule

    Niederstetten, 29. Dez. Am 8. Dezember waren in der katholischen Volksschule wieder, wie jedes Jahr, Seelsorger, Lehrer und Eltern mit Freunden und Gönnern versammelt, um mit den Kindern, die ihrer jährlichen Bescherung mit wahrem Glücksgefühl entgegensahen, eine ebenso würdige als wohlgelungene Advents- und St. Nikolausfeier zu begehen. Letzten Sonntag, 4. Adventssonntag, konnte der hiesige Löwensaal die Leute, groß und klein, kaum fassen, die wieder herbeigeeilt waren, der Weihnachtsfeier der kath. Diasporagemeinde anzuwohnen, Das Gesehene und Erlebte sollte die Erwartungen der weihnachtlich gestimmten Besucher bei weitem übertreffen. Ganz pünktlich konnte der H. H. Stadtpf. Mayer in begeisternd markanten Worten der Bedeutung der Abends gerecht werden, die in froher Feststimmung Erschienenen begrüßen und die Feier eröffnen. "Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind!” konnte er wohl geeignetere Worte finden, die in Sehnsucht nach dem Welterlöser harrenden Menschenherzen zu erschließen und vorzubereiten auf das Einleitungsstück des Abends: " Die frohe Botschaft von Bethlehem" von Ernst Solmsen. Fromm und erbauend erschollen die gemeinsam gesungenen Weihnachtsweisen durch den Saal, während in kurzen Bildern das Geschehen der heiligen Nacht an unserem Geiste vorüberzog. Mit gesteigerter Begeisterung ließen sich nun die Zuhörer in dem folgenden Weihnachtsspiel „Am Himmelstor“ von W. Bergander in den wahren Geist der heiligen Weihnacht einführen. Wie strahlten die Augen aller, als sie Petrus dem Goldflügelein zurufen hörten: Lausch, Liebes, ein heiliges Rufen hob an, die Glocken haben die Münder aufgetan u. rufen's in jauchzenden Worte von Ort zu Orten: Nun ist es Weihnacht wieder! Aufwachen Lieder, lang vergessen, die staunend von den schweren Lippen gleiten, ein jeder fühlt, was er als Kind besessen und jedem ist, als spräche seine Mutter wie vor Zeiten: „Nun ist es Weihnacht wieder." Allüberall geht's wie ein stilles Händereichen von Mensch zu Mensch. Und jeder fühlt als Uralt-Neues in sich werden den Glauben an des Lichtes Siegeszeichen und an den Sehnsuchtstraum: Friede auf Erden! Was nun folgte, muß man selbst erlebt und gesehen haben, um die weihevolle Stimmung und selige Weihnachtsfreude, die nun alle in ihren Bann schlug, zu ermessen. Rupprecht, die vielen Engelein, Wolkenkinder und Sternenbübchen, sie alle wetteiferten mit dem Petrus, den Alten, Armen, Verlassenen, Unbeachteten und Einsamen des Erdenlebens echte Weihnachtsseligkeit zu bringen. Haben die kath. Volksschule und der Kirchenchor alljährlich Proben ihres Könnens in gesteigerter Folge abgelegt, hier in diesem Stück haben sie wohl den Höhepunkt erreicht. Beim lustigen Schlußstück: „Warum der Weihnachtsmann dieses Jahr beinahe zu spät gekommen wäre", in zwei Aufzügen von E. Werkmeister, kamen die Kinder auf ihre Rechnung. Mit herzlichen Dankesworten beschloß der H. H. Stadtpfarrer d. in allen Teilen erfolgreich abgewickelte Feier. Nur allzubald forderte der Alltag wieder seine Rechte, ließ jedoch alle im Hochgefühl scheiden, eine selige Weihnacht erlebt zu haben.

    Der Franke, Nr. 303, 31. 12. 1934