Kreisbauernführer Philipp

Kreisbauernführer Philipp

  • 12. Mai 1934. Schulhauseinweihung

    Niederstetten, 12. Mai. (Schulhauseinweihung.) Endlich hat Niederstetten sein neues Schulhaus erhalten und dafür aber auch etwas von wirklichem Werte. In dem früheren fürstl. Fruchtspeicher, am Fuße des Schloßberges gelegen, schuf Baumeister Baumann-Niederstetten unter Wahrung des altertümlichen Charakters des Bauwerkes, (der angebaute Turm sieht unter Denkmalschutz) ein wirkliches Vorbild eines modernen Schulhauses. Rein äußerl. schon bietet sich ein Bild voller Harmonie und paßt sich vollkommen in seine Umgebung ein. Der Einweihung, welche um 14 Uhr mit einem Festzug vom Marktplatze eingeleitet wurde, wohnten sehr viele Gäste bei. Es waren Vertreter der Landesregierung erschienen: Der stellv. Gauleiter Schmidt, Ministerialdirektor Dr. Dill-Stuttgart; der Behörden: Regierungsrat Stümpfig-Stuttgart, Regierungsrat Frohmann-Stuttgart, Schulrat Seizinger-Hall, Prof. Dr. Seibold-Heilbronn, Landrat Wöhrle-Gerabronn, Kreisbauernführer Philipp-Wittenweiler, Kreisgeschäftsführer Walter-Blaufelden, die Fachschaft der Ortsvorsteher des Kreises Gerabronn, sowie der NS.-Lehrerbund Gerabronn und Bad Mergentheim. Die Einwohnerschaft nahm regsten Anteil, fahnengeschmückte Straßen; Feststimmung überall. Am Schulhausneubau angekommen, begrüßte Bürgermeister Schroth (dessen Initiative es in erster Linie auch zu verdanken ist, daß dieses Werk zustande kam) die Anwesenden und übergab die Schlüssel der neuen Schule Oberlehrer Wahl, welcher seinerseits in kurzen Worten die Entstehung des Baues erklärte, sowie die Einrichtung desselben. Für die Bauarbeiter trug Arbeiter Joh. Reis ein selbstverfaßtes Gedicht vor.

    Anschließend erfolge die Besichtigung der Schulräume, in welcher nun die evang. Volksschule, die Realschule und die Gewerbeschule in 5 modern eingerichteten Unterrichtsräumen untergebracht sind. Ferner sind vorhanden: Lehrmittel- und Lehrerzimmer, Aufenthaltsraum für die Schüler, Hauswirtschaftsküche und im Erdgeschoß ein großes Brausebad. Sämtliche Räume besitzen reichliches elektrisches Licht durch moderne Beleuchtungskörper, Zentralheizung, Radioanschluß und fließendes Wasser. Nach der Besichtigung setzten sich die Einweihungsfeierlichkeiten in der Turnhalle fort. Bürgermeister Schroth erklärte hier in einer längeren Rede den Sinn, Zweck und Ausführung des neuen Hauses, man spürte daraus, mit welcher Energie das Werk begonnen und durchgeführt wurde und daß es nur deshalb so wohlgelingen konnte, weil jeder der an dem Bau beschäftigten Handwerker und Arbeiter sein Bestes an Können gab und erst in zweiter Linie nach dem finanziellen Ergebnis ihres Fleißes fragten. Die Vertreter der Behörden beglückwünschten in Ansprachen die Stadtgemeinde zu ihrem neuen Schulhaus, denn es sei mit verhältnismäßig geringen Mitteln, (an der Leistung gemessen) ein Werk erstellt worden, das für Generationen unserer Jugend und damit Deutschlands Zukunft dient; denn Wissen ist Macht. Die Vorstände der in der Schule untergebrachten 3 Schulen gedachten in Reden der früheren Schulverhältnisse. Als Dank an die Regierung für die geleistete Beihilfe zum Gelingen des Wertes übergab nun Bürgermeister Schroth namens der Stadt an Ministerialdirektor Dr. Dill Ferienscheine für 5 SA.-Männer für je 14 Tage. Die eingelegten Pausen wurden von der Kreismusikkapelle ausgefüllt, welche wie immer lebhaften Beifall erntete.

    Der Franke, Nr. 113, 18. 5. 1934

  • 26. September 1933. Weihetage

    Weihetage in Niederstetten.
    Strahlender Himmel wölbte sich über der Feststadt, als in den frühen Morgenstunden der Weckruf der SA-Kapelle Blaufelden erschallte. Die braunen Sturmscharen sammelten sich und zogen vors Städtchen, um die Zeit bis zum Feldgottesdienst zu Uebungen, Appellen usw. zu benützen. Der Hofgarten gab einen würdigen Rahmen für den Festgottesdienst, der von Stadtvikar Leihenseder abgehalten wurde. Anschließend marschierten die SA-Abteilungen zum Eichhof. Für Zuschauer bei der Uebergabefeier war Pendelverkehr mit Autos eingerichtet worden, sodaß es jedermann möglich war, an dieser Feier teilzunehmen. Inzwischen waren auch die Vertreter der Regierung, Staatssekretär Waldmann und Ministerialrat Dr. Dill, sowie die Vertreter der "württ. Landessiedlung G. m. b. H." eingetroffen. Geschäftsführer Herter konnte die Feier mit der Begrüßung der Ehrengäste eröffnen. Er bat um gerechte Beurteilung des Siedlungswerkes. Es folgte nun ein ausführlicher Bericht über die Entstehung und Einteilung der Siedlung. Auf der 80 Hektar großen fürstlichen Domäne wurden 9 Siedlungsstellen geschaffen, und zwar 3 große Stellen mit je 43 Morgen und 6 kleinere Stellen mit je 30 Morgen Land. 25 Unternehmer und rund 100 Arbeiter waren beschäftigt. Die gesamten Kosten belaufen sich auf 165 000 RM., sodaß eine Siedlerstelle auf 23 400 RM. bezw. 16 000 RM. kommt. Mit dem Dank an alle Mitarbeiter übergab er dann den neuen Weiler in die Obhut der Stadt Niederstetten. Hierauf ergriff Bürgermeister Schroth das Wort. Im Namen der Stadt begrüßte er die hohen Gäste, insbesondere unseren Landsmann Ministerialdirektor Dr. Dill. Die gesamte Gemeinde sei stolz darauf, die erste württ. Bauernsiedlung, die ja für kommende Siedlungen als Muster gelte, zu besitzen und so auch am Wiederaufbauwerk Adolf Hitlers mitgearbeitet zu haben. Mit der Versicherung, die Siedlung gewissenhaft zu betreuen, übernahm Bürgermeister Schroth dieselbe in die Obhut der Stadt. Für seine Kollegen sprach der Siedler Hermann (v. d. Siedlungstelle IV). Der heutige Tag, an dem sie ihre neue Heimat übernehmen, sei für sie ein Ehrentag. Mit den Grundsätzen: "Einer für alle, alle für einen" und "Treue um Treue" wollen sie ihren neuen Lebensabschnitt beginnen. Landrat Wöhrle überbrachte die Glückwünsche des Bezirkes. Die Bevölkerungsziffern des Bezirks in den letzten Jahrzehnten streifend, begrüßte er es, daß dem flachen Lande wieder aufgeholfen werden sollte und daß bereits eine 2. Siedlung im Bezirk in Angriff genommen worden sei. Kreisbauernführer Philipp erinnerte an das Rettungswerk Adolf Hitlers, durch das es ja eigentlich erst möglich war, zu siedeln, das Volk wieder zurückzuführen zu Blut und Boden. Auch den 2. und 3. Bauernsöhnen muß wieder Gelegenheit zur Selbständigmachung gegeben sein. D. Haffa sprach im Auftrag des Landesarbeitsamts Südwestdeutschland. Darauf ergriff Staatssekretär Waldmann das Wort. Er übermittelte die Grüße des leider verhinderten Reichsstatthalters Murr. Als er heute morgen hierher fuhr, sei ihm der Unterschied zwischen Franken und Schwaben so recht zum Bewußtsein gekommen. Begeisterung und Freude sei den Bewohnern des Frankenlandes von den Gesichtern abzulesen gewesen. Dank der guten Vorarbeit von Gauleiter Schmidt und Bürgermeister Stümpfig sei das Hohenloher Land und besonders der Bezirk Gerabronn zu einer Hochburg der NSDAP. geworden. Die Hohenloher seien ja auch sehr zahlreich in der neuen Regierung vertreten. Im Rahmen der Arbeitsbeschaffung mußte auch bei uns in Württemberg der Gedanke der Siedlung aufgegriffen werden. Auf der Suche nach Siedlungsmöglichkeiten kam man auf den Eichhof. Er soll Mustersiedlung für unser Land sein. Hessen führe zur Zeit eine großzügige Landesplanung durch. Die werde vielleicht auch Vorbild für uns werden. Nur durch wirtschaftliche Stärkung kann unser Volk wieder zu seiner äußeren Freiheit gelangen. Ministerialdirektor Dr. Dill gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß er als geborener Niederstettener der Uebergabe des Eichhofes, auf dem er schon als Kind spielte, beiwohnen dürfe. Eine herrliche Anlage sei aus dem früher so einsamen Hof geworden. sein Dank galt dem tatkräftigen Bürgermeister von Niederstetten und dem Freiwilligen Arbeitsdienst, der hier etwas Vorbildliches geschaffen hätte. Siedeln sei eine Schicksalsfrage des deutschen Volkes. Durch die Besiedelung des deutschen Ostens werden die Polen bei ihren Ausdehnungsbestrebungen nach Westen einen starken Wall deutscher Bauern finden. Er grüßte auch im Namen des Innenministers die 9 Siedler, auf die er ein Sieg-Heil ausbrachte. Nach Direktor Jäckle, der die Grüße und Wünsche des dienstlich verhinderten Landesbauernführers überbrachte, ergriff unter stürmischen Beifallkundgebungen der stellvertr. Gauleiter Schmidt das Wort. Der Hohenloher Bauer marschiere immer an der Spitze z. B. einst im Bauernkrieg, heute in der Bewegung Adolf Hitlers. Deshalb hatte der Hohenloher Bauer auch ein gewisses Vorrecht, die erste württembergische Siedlung zu bekommen, er habe auch als erster alte Parteipfähle zum Wanken gebracht. Der Nationalsozialismus sorgt dafür, daß die bäuerliche Existenz gesichert sei. Auch württ. Bauernsöhne sollen bei den 15 000 Siedlungsstellen im Norden und Osten des Reichs entsprechende Berücksichtigung finden. Ein Volk kann nur leben, wenn es einen gesunden Bauernstand hat. Deshalb ist beim Bauer [?] ständische Vertretung durchgeführt worden. Er [?] ein Sieg-Heil auf den schwäbischen Bauern aus. Bürgermeister Schroth dankte allen Rednern und allen, die an der ersten württ. Bauernsiedlung mitgeholfen haben. Voll Zuversicht wollen wir kommenden Zeiten entgegensehen. Mit dem Deutschlandlied fand die Feier ihren Abschluß. Es folgte nun ein Rundgang durch die Siedlung. Eine dichte Menschenmenge wartete inzwischen auf dem Marktplatz auf die Weihe des Horst-Wessel-Brunnens, die Kreisleiter Stümpfig vornahm. Niederstetten gleiche einer neu erwachten Stadt. Ueberall sehe man frohe Gesichter, buntes Leben herrsche in den reich beflaggten Straßen, die nach den Führern des dritten Reiches benannt seien und deren eine ab heute ab den Namen des württ. Führers Wilhelm Murr trage. Auch die Hülle dieses Brunnens möge nun fallen, der den Namen Horst Wessels trage. Durch sein Opfer sei neues Leben in unser Volk gekommen. Von jedem Einzelnen müsse dieselbe Hingabe verlangt werden. Dann übergab Kreisleiter Stümpfig den Brunnen in die Obhut der Stadt. Das Horst Wessellied klang über den Marktplatz. Bürgermeister Schroth dankte dem Kreisleiter für die Uebergabe des Brunnens. Im Sinne Wessels soll er gepflegt u. behütet werden. Pg. Kraushaar, der erste Leiter der hiesigen Ortsgruppe d er NSDAP, wandte sich an die Jugend. Wer den Brunnen schändet, schändet Blut und Boden. Nach dem Lied "Deutscher Glaube" schritt Bürgermeister Schroth zur Ehrung unseres Reichsstatthalters. Als Gegenleistung für die beiden Wahrzeichen, Eichhofsiedlung und heute Wessel-Brunnen, die unserer Stadt heute geschenkt worden seien, wurde Reichsstatthalter Murr zum Ehrenbürger der Stadt ernannt und die künstlerisch ausgeführte Ehrenurkunde an dessen Stellvertreter, Staatssekretär Waldmann, übergeben. Bürgermeister Schroth brachte ein Sieg-Heil auf unseren schwäbischen Führer aus. Die Feier klang mit dem Deutschlandlied aus Am Nachmittag war ein eindrucksvoller Propagandamarsch durch die Straßen der Stadt. 1500 Mann SS, SA, HJ und der freiw. Arbeitsdienst nahmen daran teil. Auf der Jahnwiese erfolgte der Aufmarsch. Es folgte zunächst eine Gefallenengedenkfeier. Kreisleiter Stümpfig eröffnete dann den Kreismitglieder-Kongreß [?] der Spitze z. B. einst im Bauernkrieg, heute in der [?]stellv. Gauleiter Schmidt und Ministerialrat Dr. Dill sprachen über die wichtigsten Aufgaben des nationalsozialistischen Staates. Den Abschluß der Feierlichkeiten bildete die Landung eines Segelflugzeuges, das von Ing. Höges Ingelfingen gesteuert wurde und der historische Winzertanz unter Leitung von Rich. Knenlein. Der Winzertanz fand die besondere Aufmerksamkeit der vielen Zuschauer.

    Vaterlandsfreund, 26. 9. 1933

  • 27. April 1935. BDM-Lager eröffnet

    Niederstetten, 27. April. Heute nachmittag wurde ein Sommerlager des BDM.-Umschulungslagers Mistlau eröffnet. Das Lager befindet sih in einem Nebengebäude des fürstlichen Haltenbergstettener Schlosses. Anwesend waren Regierungsassessor Dr. Schulz-Gerabronn, Dr. Bareiß vom Arbeitsamt Bad Mergentheim, Kreisbauernführer Philipp, Bürgermeister Schroth, Ortsbauernführer Osiander und die Abteilungsleiterin, Frau Streitberger. Die Leiterin des Umschulungslagers Mistlau, Frl. Rieber, leitete die erste Flaggenhissung und sprach warme Worte an die Anwesenden. Die zurzeit im Lager befindlichen 18 Mädchen brachten unter der Leitung von Frl. Luß, der Leiterin des Lagers Niederstetten, verschiedene Lieder und Sprechchöre zu. Gehör. Anschließend sprach Bürgermeister Schroth und Kreisbauernführer Philipp. — Frau Josefine Kästle erhielt dieser Tage von einer Ente ein Ei, welches 123 Gramm wog.

    Der Franke, Nr. 100, 30. 4. 1935

  • 29. Januar 1934. Bezirksversammlung der landwirtschaftlichen Genossenschaften

    Niederstetten. Am Montag, den 29. Jan. 1934, fand unter dem Vorsitz von Gutsbesitzer Marquardt-Crailsheim die jährliche Bezirksversammlung der landwirtschaftlichen Genossenschaften des Bezirkes Gerabronn in Niederstetten im „Ochsen" statt, an welcher 64 Vertreter von 33 Genossenschaften teilnahmen. Als Gäste waren anwesend: Kreisbauernführer Philipp u. Landesökonomie-Rat Hege.

    Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden sprach Verbandsdirektor König-Stuttgart vom Württembergischen Landesverband landwirtschaftlicher Genossenschaften über die Zukunftsaufgaben der landwirtschaftlichen Genossenschaften. Nach einer kurzen Einleitung, in welcher er über die wunderbare Tatsache der Einigung unseres Bauernstandes im Dritten Reiche und über die günstige Aufwärtsentwicklung unserer Wirtschaft sprach und in welcher er insbesondere auch das wiedergekehrte Vertrauen unserer Bevölkerung und den neuerstarkten Mut zur Aufbauarbeit hervorhob, ging er zunächst auf die Organisation des Reichsnährstandes ein und schilderte im Rahmen desselben die Bedeutung der Hauptabteilung III des Reichsnährstandes der landwirtschaftlichen Genossenschaften für die Zukunftsarbeit an der Wiedererstarkung des Bauernstandes. Bei dem großen Anteil, den die Genossenschaften an der wirtschaftlichen Festigung und Erhaltung der Selbständigkeit des Nährstandes haben, darf es in Zukunft kein Abseitsstehen Einzelner mehr geben. Er behandelte dann in eingehender Weise die Zukunftsaufgaben der Darlehenskassenvereine und zwar zunächst das Einlage- und Kreditgeschäft und betonte herbei, daß die Aufgaben der Darlehenskassenvereine nicht der Befriedigung des Realkredits, sondern des Betriebskredits (Personalkredits) liegen. Voraussetzung hiefür sei einerseits die weitgehende Erfassung der flüssigen Betriebsmittel, was wieder als Voraussetzung die Festigung des Vertrauens der Einleger zur Darlehenskasse habe. Grundlage hiefür sei nicht nur die Gewähr, die die Reichsregierung bezüglich der Unantastbarkeit unserer Währung biete, sondern auch das Vertrauen, das eine einwandfreie Geschäftsführung gebe. Diese wieder bestünde nicht nur in Zuverlässigkeit und Redlichkeit und in der Schweigepflicht der Organe, sondern auch in der vorsichtigen Beurteilung der Sicherheitsfragen und der persönlichen Eigenschaften des Kreditnehmers. Insbesondere müsse eine durchgreifende Erziehungsarbeit im Hinblick auf die Hebung der Schuldnermoral durchgeführt werden. Der Einleger müsse neben der Sicherheit auch die Gewähr dafür haben, daß er über seine Einlagen im Bedarfsfalle verfügen könne. In der Richtung der Liquidität seien im letzten Jahre sehr beachtliche Fortschritte bei den Genossenschaften aufzuweisen.

    Im Zusammenhange mit dem Einlagegeschäft streifte er die Einrichtung des Erbhofsparbuches, das für die Kinder der Erbhofbauern von größter Wichtigkeit sei. Von ausschlaggebender Bedeutung für die Förderung des Nährstandes sei die Förderung des Bezugwesens und dies wieder ausschließlich unter dem Gesichtspunkte der Steigerung der Rentabilität der Betriebe und der Förderung des Absatzwesens, das künftig die Hauptaufgabe der Genossenschaften sei. Dort wo keine größeren genossenschaftlichen Absatzeinrichtungen bestünden, müßte der Absatz der Erzeugnisse der Ackerwirtschaft von den Darlehenskassenvereinen aufgegriffen und ausgebaut werden. Neben dem Absatz der Erzeugnisse der Milchwirtschaft, die durch eine großzügige Organisation des Reichsnährstandes durch die Errichtung des Milchwirtschaftsverbandes und des Molkereiverbandes für die Zukunft gesichert werde, seien z. Zt. in Vorbereitung Maßnahmen zur Organisation des Eierabsatzes und des weiteren Ausbaues des Viehabsatzes. Sämtliche landwirtschaftlichen Erzeugnisse müßten so erfaßt werden, daß sie auf möglichst kurzem Wege dem Verbraucher zugeführt würden mit dem Endziel, ohne eine Verteuerung für den Verbraucher bessere und. stabile Preise dem Landwirt zu sichern. Es gelte, dem Nährstand dazu zu verhelfen, wieder Herr auf eigener Scholle zu sein und diese Aufgaben könnten nur in tatkräftiger und selbstloser Mitarbeit sämtlicher Angehöriger des Nährstandes erreicht werden. Es gilt, das Programm des Führers in die Tat umzusetzen. Genossenschaftsarbeit sei praktischer Nationalsozialismus, wer sie fördert, dient demselben und unserem Volke, wer abseits steht oder sie gar stört, schädigt seinen Stand und das Volksganze. Ein neuer Geist müsse in den Genossenschaften und ihren Mitgliedern einkehren, der wahrhaft nationalsozialistische Geist, welcher in all seinen Auswirkungen die Volksgemeinschaft, das Wohl des Ganzen vorne anstellt.

    Zu Punkt 2 der Tagesordnung sprach sodann über die Maßnahmen zur Entschuldung des Bauernstandes Direktor Pfeiffer-Stuttgart, von der Landw. Genossenschafts-Zentralkasse. Nach einleitenden Worten, in welchen ein kurzer Rückblick auf die Entwicklung der Geld- und Finanzverhältnisse seit 1931 gegeben wurde und in welchen mit Befriedigung festgestellt wurde, daß sich eine Erleichterung auf dem Geldmarkte feststellen lasse, die allerdings vorläufig sich nur in einer größeren Liquidität, aber nicht in der Möglichkeit neuer Kreditgewährung auswirke, stellte er fest, daß die Hoffnung durchaus begründet sei, nach welcher in nicht allzu ferner Zeit die Kreditbedürfnisse der Wirtschaft eine bessere Befriedigung finden können. Diese Besserung ließe sich unschwer als Folge der Maßnahmen der Reichsregierung feststellen. Das Vertrauen zur deutschen Wirtschaft und zur deutschen Währung sei wiedergekehrt. Auch ließe sich bereits eine sichtbare Besserung der Schuldnermoral feststellen. Der Berichterstatter ging sodann auf die Frage des landwirtschaftlichen Schuldenregelungsgesetzes ein und führte zunächst die Grundgedanken des Gesetzes aus, wobei er darauf hinwies, daß dieses Gesetz, nicht wie die Allgemeinheit annehme, dazu da sei, blindlings Schulden zu streichen; vielmehr sei der Kernpunkt vor allem darin zu suchen, daß die Schulden im Wege der Umwandlung in langfristige, unkündbare Tilgungsdarlehen zu mäßigem Zinssatze umgewandelt werden, damit der Landwirt allmählich von seinen Schuldenfesseln befreit werde. Damit wolle das Gesetz erreichen, was der Bauernführer Reichsminister Darre sich als Hauptziel gesetzt habe, zu schaffen: „Freie Bauern auf freier Scholle"! Im weiteren schilderte der Berichterstatter die Handhabung des Gesetzes und legte dar, in welcher Weise die Anträge zu stellen seien. Er empfahl, dieselben zum Zwecke der Vorbearbeitung über eine Entschuldungsstelle dem Amtsgericht einzureichen. Anschließend erklärte er die von der Entschuldungsstelle der Zentralkasse entworfenen Antragsformulare. Sodann besprach er die verschiedenen Arten der Schuldenregelung, das Selbstentschuldungsverfahren, das förmliche Schuldenregelungsverfahren und das Entschuldungsverfahren mit Forderungskürzung (Zwangsvergleichsverfahren). Es erübrige sich, daß der Antragsteller sich irgend eines Rechtsberaters bediene, wodurch ihm nur unnötige Kosten erwachsen. Vielmehr könne er kostenlose Auskunft durch die Amtsgerichte, die Entschuldungsstellen, Kreisbauernführer, Bürgermeisterämter und Ortsbauernführer erhalten. Seine weiteren Ausführungen betrafen den Begriff des landwirtschaftlichen Betriebes. Wer als landwirtschaftlicher Betriebsunternehmer angesprochen werden könne und welcher Betrieb im Sinne des Gesetzes als landwirtschaftlicher Betrieb anzusehen sei. Eine außerordentlich wichtige Rolle spiele in diesem Gesetz die Mündelsicherheitsgrenze, die 2/3 des errechneten Betriebswertes betrage. Er teilte sodann mit, daß die Entschuldungsstelle der Landw. Genossenschafts-Zentralkasse gegen eine zu niedrige Festsetzung der Betriebswerte vorstellig geworden sei und gab die Gegenvorschläge der Zentralkasse auch für Betriebe mit Einheitswerten unter 10 000.- RM. bekannt. Seine weiteren Darlegungen bezogen sich auf die Höhe der Zinssätze nach Eröffnung des Entschuldungsverfahrens, auf die Umwandlung der kündbaren Hypotheken in Tilgungsgrundpfandrechte und auf die Möglichkeit einer Barablösung. Er wies weiter darauf hin, daß laut Gesetz der Gläubiger einer mündelsicheren Hypothekenforderung, die vor dem 13. Juli 1931 entstanden sei, jederzeit verlangen könne, daß seine Forderung von einer Pfandbriefanstalt übernommen werde. Er behandelte sodann die Rangfolge der Forderungs- und Tilgungsarten und teilte mit, daß mit Eröffnung des Entschuldungsverfahrens ein weitgehender Vollstreckungsschutz verbunden sei. Die Eröffnung des Entschuldungsverfahrens werde mit Festsetzung der Forderungsanwendungen jeweils am Dienstag im Staatsanzeiger bekanntgegeben.

    An die beiden hochinteressanten Referate schloß sich eine lebhafte Aussprache an, in welcher eine Reihe von Fragen, die die erstatteten Referate und den Geschäftsbetrieb der Genossenschaften betrafen, besprochen wurden und zu welchen seitens der Referenten Stellung genommen wurde.

    Der Franke, Nr. 27, 2. 2. 1934