Kreisgeschäftsführer Walter

Kreisgeschäftsführer Walter

  • 12. Mai 1934. Schulhauseinweihung

    Niederstetten, 12. Mai. (Schulhauseinweihung.) Endlich hat Niederstetten sein neues Schulhaus erhalten und dafür aber auch etwas von wirklichem Werte. In dem früheren fürstl. Fruchtspeicher, am Fuße des Schloßberges gelegen, schuf Baumeister Baumann-Niederstetten unter Wahrung des altertümlichen Charakters des Bauwerkes, (der angebaute Turm sieht unter Denkmalschutz) ein wirkliches Vorbild eines modernen Schulhauses. Rein äußerl. schon bietet sich ein Bild voller Harmonie und paßt sich vollkommen in seine Umgebung ein. Der Einweihung, welche um 14 Uhr mit einem Festzug vom Marktplatze eingeleitet wurde, wohnten sehr viele Gäste bei. Es waren Vertreter der Landesregierung erschienen: Der stellv. Gauleiter Schmidt, Ministerialdirektor Dr. Dill-Stuttgart; der Behörden: Regierungsrat Stümpfig-Stuttgart, Regierungsrat Frohmann-Stuttgart, Schulrat Seizinger-Hall, Prof. Dr. Seibold-Heilbronn, Landrat Wöhrle-Gerabronn, Kreisbauernführer Philipp-Wittenweiler, Kreisgeschäftsführer Walter-Blaufelden, die Fachschaft der Ortsvorsteher des Kreises Gerabronn, sowie der NS.-Lehrerbund Gerabronn und Bad Mergentheim. Die Einwohnerschaft nahm regsten Anteil, fahnengeschmückte Straßen; Feststimmung überall. Am Schulhausneubau angekommen, begrüßte Bürgermeister Schroth (dessen Initiative es in erster Linie auch zu verdanken ist, daß dieses Werk zustande kam) die Anwesenden und übergab die Schlüssel der neuen Schule Oberlehrer Wahl, welcher seinerseits in kurzen Worten die Entstehung des Baues erklärte, sowie die Einrichtung desselben. Für die Bauarbeiter trug Arbeiter Joh. Reis ein selbstverfaßtes Gedicht vor.

    Anschließend erfolge die Besichtigung der Schulräume, in welcher nun die evang. Volksschule, die Realschule und die Gewerbeschule in 5 modern eingerichteten Unterrichtsräumen untergebracht sind. Ferner sind vorhanden: Lehrmittel- und Lehrerzimmer, Aufenthaltsraum für die Schüler, Hauswirtschaftsküche und im Erdgeschoß ein großes Brausebad. Sämtliche Räume besitzen reichliches elektrisches Licht durch moderne Beleuchtungskörper, Zentralheizung, Radioanschluß und fließendes Wasser. Nach der Besichtigung setzten sich die Einweihungsfeierlichkeiten in der Turnhalle fort. Bürgermeister Schroth erklärte hier in einer längeren Rede den Sinn, Zweck und Ausführung des neuen Hauses, man spürte daraus, mit welcher Energie das Werk begonnen und durchgeführt wurde und daß es nur deshalb so wohlgelingen konnte, weil jeder der an dem Bau beschäftigten Handwerker und Arbeiter sein Bestes an Können gab und erst in zweiter Linie nach dem finanziellen Ergebnis ihres Fleißes fragten. Die Vertreter der Behörden beglückwünschten in Ansprachen die Stadtgemeinde zu ihrem neuen Schulhaus, denn es sei mit verhältnismäßig geringen Mitteln, (an der Leistung gemessen) ein Werk erstellt worden, das für Generationen unserer Jugend und damit Deutschlands Zukunft dient; denn Wissen ist Macht. Die Vorstände der in der Schule untergebrachten 3 Schulen gedachten in Reden der früheren Schulverhältnisse. Als Dank an die Regierung für die geleistete Beihilfe zum Gelingen des Wertes übergab nun Bürgermeister Schroth namens der Stadt an Ministerialdirektor Dr. Dill Ferienscheine für 5 SA.-Männer für je 14 Tage. Die eingelegten Pausen wurden von der Kreismusikkapelle ausgefüllt, welche wie immer lebhaften Beifall erntete.

    Der Franke, Nr. 113, 18. 5. 1934

  • 15. August 1936. Beerdigung Stadttierarzt Heinrich Eyßer

    Niederstetten, 15. Aug. Gestern wurde Herr Stadttierarzt Eyßer zu Grabe getragen, Er starb am Dienstag in Würzburg infolge seines vor 14 Tagen erlittenen Unfalles, durch welchen er mitten aus seinem besten Schaffen herausgerissen wurde. Wie beliebt und geachtet Herr Eyßer war, konnte man an dem großen Geleite zu seiner letzten Ruhestätte und der Fülle der Kranzspenden ersehen, ebenso kam dieses auch bei den zahlreichen Grabreden zum Ausdruck. Besonders eindrucksvoll war das Geleite von Seiten der Partei, da Stadttierarzt Eyßer stellv. Ortsgruppenleiter der NSDAP. war. Kreisleiter Niklas, Kreisgeschäftsführer Walter, die Amtsleiter und Ortsgruppenleiter des Kreises waren erschienen. Von Seiten der Ortsgruppe waren sämtliche Pol. Leiter, die SA., Motor-SA., HJ., die Kreismusikkapelle und der Kyffhäuserbund beim letzten Gange, um ihrem Parteigenossen und Kameraden die letzte Ehre zu erweisen. Der Männergesangverein sang feierliche Chöre. 26 Jahre war Herr Eyßer als Stadttierarzt in Niederstetten tätig. Einer der ersten Kämpfer für die Ideen unseres Führers Adolf Hitler ist mit ihm dahingegangen, aber wir werden ihn nicht vergessen.

    Der Franke, Nr. 189, 15. 8. 1936

  • 7. Oktober 1935. Herbstfest

    Innenminister Dr. Schmid beim Niederstetter Herbstfest

    Niederstetten, 7. Okt. Das diesjährige Erntedank- und Herbstfest wurde durch den Festzug um 12 Uhr eingeleitet. Voraus das Jungvolk mit den Fanfaren und Landknechtstrommeln, dann HJ. und BDM. mit bändergeschmücktem Erntekranz, die Pol. Leiter, Abordnungen der SA., NSKK., Sanitätskolonne, Kyffhäuserbund, Männergesangverein und dann die Bauern in ihrer Arbeitskleidung mit Arbeitsgeräten. Zum Schlusse drei Festwagen: Ein Wagen mit Früchten des Feldes und Schnittern, ein Winzerwagen, vollbehangen mit köstlichen Trauben und ein Wagen mit Geräten zur Flachsgewinnung bis zum Spinnrad, von fleißigen Händen in Tätigkeit vorgeführt. Auf dem Festplatze angekommen, sprach Bürgermeister Schroth zu den sehr zahlreichen Anwesenden Worte des Dankes für alle die bäuerlichen Helfer und nicht zuletzt dem Bauern selbst für alle die Mühen des Jahres und der Vorsehung, daß wir ein Erntedankfest feiern können. Für langjährige treue Dienste einer Anzahl Gefolgschaftsmitglieder konnte Bürgermeister Schroth im Auftrage des Ortsbauernführers Ehrenurkunden und Geschenke übergeben.

    Da brach die herbstliche Sonne in wärmenden Strahlen durch das Grau des Himmels und mit offenen Herzen lauschten alle Festteilnehmer den Worten des Führers vom Bückeberg und spontan fielen die Zuhörer in den Beifall ein, der durch die Lautsprecheranlage drang, wenn besonders markante Sätze aus des Führers Munde erklangen. Ortsgruppenleiter Thomas sprach anschließend zu den Anwesenden und mit dankbarem Gefühle ertönte der Choral: „Nun danket alle Gott“, aus hunderten von Kehlen über den weiten Platz. Sprechchöre des JV., der HJ, und BDM. füllten den Nachmittag.

    Mittags war schon eine freudige Ueberraschung bekannt, geworden: Innenminister Dr. Schmid war erschienen und versprach gegen Abend nochmals zu kommen, da er am Nachmittag die Orte Riedbach und Brettheim aufsuchen wollte. Innenminister Dr. Schmid hielt sein Wort; kurz vor Beginn des Winzertanzes zeigten Fanfarenklänge sein Kommen an, in seiner Begleitung waren Landrat Wöhrle, Kreisleiter Niklas, Kreisgeschäftsführer Walter und Bürgermeister Wiedmann-Gerabronn. Nach Abschreiten der Front, der im Viereck aufgestellten Festzugteilnehmer, begrüßte Bürgerm. Schroth Innenminister Dr. Schmid und überreichte ihm als Willkommgruß einen Becher, gefüllt mit 1934er Niederstetter Weines und einen Korb einheimischer Früchte und Trauben. Innenminister Dr. Schmid bedankte sich in herzlichen Worten für die Gaben und trank auf das Wohl der Gemeinde. Den gesanglichen Darbietungen des Männergesangvereins und der Vorführung des Winzertanzes zollte der Minister lebhaften Beifall. Zum Schlusse wurde ein Hammeltanz aufgeführt, der aber unter dem Mangel der Beteiligung etwas litt, sodaß nur ein Geldpreis ausbezahlt werden konnte. Der Traubenmarkt fand lebhaften Anklang und restlosen Absatz der vorhandenen Vorräte. Ein Tanzabend in der Turnhalle brachte noch einen schönen Ausklang des Erntedankfestes. — Am Samstag Abend hatte sich der Jahrgang 1895 zu einer Vierzigerfeier im Saale des Gasthauses Melber zusammengefunden. Da auch viele auswärtige Schulkameraden der Einladung hierzu Folge geleistet halten, so kam eine frohe Stimmung beim Austausch alter Jugenderinnerungen auf. Altersgenosse Sattlermeister Gottlob Schmidt begrüßte die Erschienenen und gerade der in der Ferne weilenden Schulkameraden und derer, die nicht mehr unter den Lebenden sind. Bürgermeister Schroth gab in einer längeren Ausführung einen Ueberblick über die Entwicklung der Gemeinde in den letzten 25 Jahren und vieles war selbst für die hiesigen Anwesenden von Interesse, da man vieles schon wieder vergessen oder in manches keinen Einblick erhalten hatte. Zum festlichen Gepräge des Abends trug ein gut Teil Chormeister Fleckenstein mit Tochter bei durch ihre musikalischen Darbietungen, welche durch gesangliche Vorträge eines Doppelquartetts des Männergesangvereins abgelöst wurden. Zum Gedenken an die im Weltkriege gefallenen Kameraden und der sonst vom Tode ereilten Altersgenossen legten die Vierziger am Sonntagmorgen am Ehrenmale der Gefallenen einen Kranz nieder.

    Der Franke, Nr. 235, 8. 10. 1935