Manfred Traub

Manfred Traub

  • 24. November 1932. Leserbrief zur Totengedenkfeier

    Eingesandt
    (Außer Verantwortung der Redaktion).
    Zur Totengedenkfeier in Niederstetten. Bei der Totengedenkfeier in Niederstetten ereigneten sich Zwischenfälle, die wegen ihrer Einzigartigkeit einer breiten Oeffentlichkeit nicht vorenthalten werden dürfen. Als Unterzeichneter, der im Auftrag der nat.-soz. Ortsgruppe einen Kranz am Heldendenkmal niederlegte, in seinen Ausführungen neben den Gefallenen des Weltkriegs auch der ermordeten S.A.-Kameraden gedachte, ohne jedoch irgendwelche polemische Wendungen gegen Persönlichkeiten oder Parteien zu gebrauchen, wurde er von jüdischer Seite offenbar in provozierender Absicht wiederholt durch laute Zurufe unterbrochen. Statt daß nun Herr Bürgermeister Schroth die Zwischenrufer auf das Ungebührliche ihres Tuns aufmerksam gemacht und sie des Platzes verwiesen hätte, machte er sich deren Ansicht zu eigen und wußte nichts besseres zu tun, als den Redner andauernd durch Zwischen-Bemerkungen am Weiterreden zu hindern. Nicht nur die nat.-soz. Bewegung, das ganze nationale Deutschland gedachte am Totensonntag der von Marxisten gemordeten 400 S.A.-Leute in der Ueberzeugung, daß es in erster Linie ihnen zu verdanken ist, daß die Welle des Bolschewismus nicht unser Vaterland überflutete. In Niederstetten sollte dies unmöglich gemacht werden, obwohl - wie ausdrücklich bemerkt werden muß - die Erlaubnis zu sprechen, von keinerlei Bedingungen abhängig gemacht worden war. Im Oberamtsbezirk Gerabronn verfügt die NSDAP. über die absolute Mehrheit, die nationalen Parteien vereinigen 90 Prozent aller Stimmen auf ihre Listen. Herr Bürgermeister Schroth hat durch sein Verhalten die Gefühle der Mehrheit aufs tiefste verletzt.
    Wildentierbach, den 29. Nov. 1932.
    cand. phil. Manfred Traub.

    (Vaterlandsfreund, Nr. 276, 24. 11. 1932)

  • 29. November 1932. Replik auf den Leserbrief zur Totengedenkfeier

    Eingesandt.
    (Außer Verantwortung der Redaktion.)
    Zum Abdruck im „Vaterlandsfreund.”
    Auf den Artikel des G. cand. phil. Traub im „Vaterlandsfreund” Nummer 276 fühlen wir uns der Oeffentlichkeit gegenüber verpflichtet, folgende Feststellungen zu machen: Bei der am letzten Sonntag in Niederstetten stattgefundenen Gedenkfeier handelte es sich um eine von der Stadtverwaltung für die Gesamtgemeinde veranstaltete Gefallenenehrung, an welcher erstmals eine, von auswärts eigens diesem Zweck hiehergekommene NS.-Gruppe in Uniform teilnahmen. Die Feier war in der bisher üblichen Weise geplant und wäre auch ohne Störung verlaufen, wenn nicht von dem NS.-Redner das Politische hereingezogen worden wäre. Das Kriegerdenkmal in Niederstetten ist doch wohl der im Weltkrieg gefallenen Niederstettener Söhne wegen errichtet worden und nicht etwa zur Erinnerung an die in Saalschlachten oder sonstwie um ihrer politischen Ueberzeugung willen ums Leben gekommenen Nationalsozialisten, Kommunisten oder Reichsbannerleute. Da die im Krieg Gefallenen für ihr und unser aller Vaterland gefallen sind und nicht für eine politische Partei, wollten weder die Angehörigen der Gefallenen, noch die Kriegsteilnehmer, noch die Gesamtgemeinde eine Verbindung dieser Gefallenen mit politischen Parteien. Wenn Herr Bürgermeister Schroth, dem nat.-soz. Redner in ruhiger und wenig auffälliger Form ganz kurz darauf hinwies, nicht politisch zu werden - wozu er als Leiter dieser Feier verpflichtet war - so hatte er hiebei die einmütige Mehrheit der Bürgerschaft hinter sich. Der Hinweis, daß das Oberamt Gerabronn sehr stark rechts gewählt habe, ist hier durchaus am falschen Platz: es sollte nicht eine Feier für das Oberamt, sondern für die Gemeinde Niederstetten sein. Diese wünschte dafür den bisherigen unpolitischen Rahmen. Die politischen Außerungen des nat.-soz. Redners störten den Ernst der Feier empfindlich, so daß sich nicht nur politisch Andersdenkende, sondern insbesondere die Angehörigen der Gefallenen, aber auch ganz rechts stehende Bürger in ihren Gefühlen verletzt fühlten. Einer besonderen Totenehrung durch eine NS.-Gruppe wäre wohl nichts in den Weg gelegt worden.
    Eine Anzahl Niederstettener Bürger.
    *) Damit schließen wir die Aussprache. Weitere Einsendungen bitten wir zu unterlassen. Die Schriftlg.

    (Vaterlandsfreund, Nr. 280, 29. 11. 1932)

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