Nürnberg
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24. September 1933, Herbstfest mit parteipolitischen Veranstaltungen
Weihetage in Niederstetten.
Niederstetten, 24. Sept. Eifrig rüstete in den letzten Tagen die Einwohnerschaft unseres Städtchens auf das Herbstfest, das gestern und heute hier stattfand und sich zu einer großen Kundgebung unserer nationalsozialistischen Bewegung gestaltete. Wohl noch nie hat unser Städtchen aber auch solchen Flaggenschmuck gezeigt als aus diesem Anlaß. Hakenkreuz- und schwarz-weiß-rote Fahnen beherrschten das Stadtbild. Als in den Abendstunden des Samstag aus allen Richtungen SA- und SS-Kolonnen unter den Klängen flotter Märsche in unsere Straßen einzogen und dem im Scheinwerferlicht prangenden Marktplatz zueilten, herrschte bald frohe Feststimmung. In den bereit gestellten Quartieren fanden die Ankommenden liebevolle Aufnahme. Im Laufe des Abends fanden verschiedene Sondertagungen statt. So im Parteilokal der NSDAP, dem Gasthof zum Ochsen, ein Amtswalterappell, der von Kreisleiter, Bürgermeister Stümpfig, geleitet wurde. Er erinnerte u. a. an das große Erlebnis der letzten Wochen, den Parteitag in Nürnberg. Ungeheures ist seit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus geleistet worden. Unser Bezirk habe zwar bei der letzten Wahl mit 72 Prozent für die NSDAP gestimmt, aber nicht alle Wähler seien echte Nationalsozialisten. Aufgabe der Ortsgruppen sei es, alle zu 100prozentigen Nationalsozialisten zu machen. Herauf begrüßte Bürgermeister Stümpfig den stellv. Gauleiter Fr. Schmidt, den alten Vorkämpfer der Bewegung in unserem Bezirk. Neben Fragen der Organisation kam Gauleiter Schmidt auch auf wirtschaftliche Fragen zu sprechen. Oberster Grundsatz sei hier die Beseitigung der Arbeitslosigkeit. Siedlung, Straßenbau u. dergl. ermöglichen es, den heutigen Stand der Arbeitslosigkeit den kommenden Winter über zu halten. Im Frühjahr soll dann der Generalangriff gegen die Arbeitslosigkeit einsetzen, sodaß wohl zu einem früheren Zeitpunkt, als der Führer selbst angesetzt habe, diese größte Uebel unserer Zeit in Deutschland beseitigt werden könne. Endlich kam Gauleiter Schmidt noch auf die politische Lage zu sprechen. Der Nationalsozialismus ist heule ganz im Besitze der Macht. Kampflos sind die politischen Gegner gewichen. Umsomehr könne nun an der inneren Festigung des Volkes in nationalsozialistischem Sinne gearbeitet werden.
Im Melber'schen Saal fand anschließend eine Tagung der NS-Frauenschaft statt, unter Leitung von Frau Eyßer. Frau Holborn, Mergentheim, Kreisleiter Stümpfig und Gauleiter Schmidt forderten die Frauen auf, tatkräftig am Wiederaufbau des Staates mitzuhelfen und demnächst das Winterhilfswerk der Regierung zu unterstützen.
Inzwischen hatte sich die Turnhalle bis zum letzten Platz gefüllt zum Kameradschaftsabend der SA und SS. Manch altem Kameraden konnte die Hand gedrückt werden. Auch hier sprachen Gauleiter Schmidt und Kreisleiter Stümpfig noch zu den Kameraden. Letzterer erzählte von der Weihe der Fahne des SS-Sturmes III/13 durch den Führer auf dem Nürnberger Parteitag. Gauleiter Schmidt erinnerte an die schweren Kämpfe, die mit seinem kleinen Häuflein Getreuer in den ersten Jahren des Kampfes im Bezirk auszuführen hatte. Die SA ist es auch heute noch, die den Willen des Führers durchzusetzen hat. Dazu gehört aber Pflichterfüllung, Treue und unbedingter Gehorsam jedes Einzelnen.
Erst durch den Zapfenstreich um 12 Uhr kehrte Ruhe ein in den Straßen des Städtchens.
(Fortsetzung folgt).
(Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 223, 25. 9. 1933, S. 4)
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Braun, Haja Silber geb. Adler
Geb. 10. 2. 1854 in Gossmannsdorf
Hausfrau
Heirat: 9. 4. 1888 in Niederstetten
Ehemann: Baruch, geb. 24. 3. 1834 in Niederstetten, gest. 18. 8. 1919
"Frau Haja Silber Braun geb. Adler war in III. Ehe mit ihrem hier 1919 verstorbenen Ehemann Baruch Braun, ?gew? Metzgers verheiratet. Die Eheleute betrieben hier ein ? ? Metzgerei mittleren Umfangs. Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren geordnet. Sie lebten in bescheidenen Verhältnissen u. waren von ihren Mitbürgern geachtet. In dieser Ehe wurden 3 lebende Kinder geboren u. zwar:
1) Hirsch genannt Hermann Braun geb. 27. 7. 1892 - siehe besonderen Fragebogen -
2) Betty geb. 3. 9. 1894 verh. seit 17. 5. 1920 mit Fritz Neuburger Metzger in Niederstetten. Diese ist am 2. 6. 1921 zu Nürnberg gestorben.
3) Gerda geb. 8. 6. 1896 hier, seit 1. 6. 1919 verheiratet mit Bernhard Selling in Lehrburg Kreis Ansbach - s. bes. blauen Fragebogen -"Quelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten,http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-154 f.
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Neuburger, Fritz
Geb. 4. 5. 1894 in Buttenwiesen
Metzger
Heirat:
1. Betty geb. Braun, 5. 9. 1894 - 2. 6. 1921 in Nürnberg
2. Cerry geb. Adler, 22. 6. 1922 in Goßmannsdorf, geb. 10. 1. 1894
Kinder:
Sigmund, geb. 17. 2. 1921
Martin, geb. 18. 9. 1923
Auswanderung 6. 3. 1935 New York
Mitglied Turnverein
Mißhandelt 25. 3. 1933Quelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-306 ff.