Oberlehrer Wahl

Oberlehrer Wahl

  • 10. Dezember 1936. Oberlehrer Wahl verläßt Niederstetten

    Niederstetten, 10. Dez. (Abschied.) In den nächsten Tagen wird Oberlehrer Wahl mit seiner Familie Niederstetten verlassen, um nach 18jährigem Hiersein nach seiner neuen Wirkungsstätte Möhringen a. F. zu ziehen. Letzten Samstag versammelten sich daher seine Kollegen mit ihren Frauen hier im Melbersaal, um nochmals mit der scheidenden Familie zusammen zu sein und von ihr Abschied zu nehmen. In mehreren Ansprachen wurde seiner Verdienste um das Schulwesen hier und im ganzen Bezirk gedacht, aber auch der vielen schönen, im Kollegenkreis gemeinsam verlebten Stunden erinnerte man sich gerne, Der Abend wurde durch Musikvorträge und gemeinsam gesungene Lieder verschönt. — Tags daran ließ es sich auch die hiesige Stadtgemeinde nicht nehmen, von der allseitig geachteten Lehrerfamilie im dichtbeschten Postsaal Abschied zu nehmen. Herr Bürgermeister Schroth gedachte in längeren Ausführungen der scheidenden Familie. Er würdigte die gute Zusammenarbeit zwischen Schule und Rathaus und betonte, wie diese Zusammenarbeit immer schließlich zum Nutzen von Gemeinde und Schule sich ausgewirkt habe. - Zugleich gedachte er gerade des großen Fortschritts während der letzten Jahre auf dem Gebiete des Schulwesens in der hiesigen Stadt, wobei er erfreulicherweise die hiesigen Schulverhältnisse als vorbildlich bezeichnen konnte. Mit seinem Dank verband er die besten Wünsche für den neuen Wirkungskreis. In weiteren Ansprachen wurde Herrn Wahl der Dank für seine Mitarbeit ausgesprochen, die er immer gerne zur Verfügung gestellt halte, als Kollege, Organist, Dirigent des ev. Kirchenchors u. Mitarbeiter im DLV. Der ev. Kirchenchor umrahmte die Feier mit wohlgelungenen Chören. Zum Schluß dankte Herr Wahl allen für die dargebrachten Ehrungen und schilderte die Gründe, die ihn schweren Herzens zum Verlassen der hiesigen Stadt bewegten. Die besten Wünsche der ganzen Gemeinde begleiten die Familie Wahl in ihre neue Heimat.

    Der Franke, Nr. 288, 10. 12. 1936

  • 10. Mai 1932. Abendmusik des evangelischen Kirchenchors

    * Niederstetten, 10. Mai. Am Sonntag, 1. Mai, lud der evang. Kirchenchor zu einer geistlichen Abendmusik ein. Diese brachte eine Anzahl von Werken für Chor oder Instrumente von J. S. Bach und seinen Zeitgenossen bezw. Vorläufern. Es bedeutet zwar kein Entgegenkommen an den vielerorts noch herrschenden Zeitgeschmack, wenn man einen Abend nur mit alter Musik ausfüllt. Aber beim Chor spürte man doch deutlich, wie er mit innerer Wärme und Begeisterung sich dieser Musik hingab, und auch die Zuhörer empfanden etwas von der Kraft und Schönheit, die in den Werken dieser alten Musik steckt. Im Mittelpunkt stand das erst im Vorjahr wieder dem Staub der Lübecker Stadtbibliothek und damit der Vergessenheit entrissene, aber neu in deutscher Fassung herausgegebene Werk Dietrich Buxtehudes: „Lobet, Christen, euren Heiland“, eine Cantate für Chor, 2 Violinstimmen und Orgelbegleitung. Statt der herben und schweren Musik, wie wir sie sonst aus jener Zeit gewohnt sind, tritt uns hier eine außerordentlich lebendige und bewegte, ja liebliche Stimmführung entgegen. die durch die beigegebene Instrumentalbegleitung zu besonderer [?] Wirkung kam. Von den übrigen Chören sei besonders genannt [?] „Hinunter ist der Sonnenstein“ von Vulgius gedacht [?]. Das E moll-Konzert von J. S. Bach wurde von zwei Violinen und Orgel unter Weglassung des letzten Allegros dargeboten. Diese Musik ist freilich schwer verständlich und findet nicht leicht den Weg zu den Herzen des Hörers. Es ist [?] das dritte Mal in kurzer Zeit, daß wir in dieser Besetzung eine musikalische Feierstunde in unserer Kirche erleben durften. Dadurch ist uns der Weg zum Verständnis dieser Musik sehr erleichtert. Der Leiter des Abends, Herr Oberlehrer Wahl, spielte u. a. Präludium und Fuge in d-m. von J. S. Bach. auf der Orgel und zeigte sich dabei als Meister auf diesem Instrument. Der Abend war durch die Zusammenarbeit einigermusikalischer Kräfte aus Niederstetten und der Nachbarschaft, und zwar die Herren Oberlehrer Wahl, Stadtpfarrer Umfrid, Hauptlehrer Hauf und Hauptlehrer Ganzenmüller möglich geworden. Möge die innere Befriedigung darüber, der Gemeinde eine solch schöne Stunde musikalischer Andacht gebracht zu haben, dem Leiter des Abends und seinen Helfern sowie den Sängern und Sängerinnen der beste Dank sein!
    [Text teilweise nicht sicher lesbar]

    (Vaterlandsfreund, Nr. 108, 11. 5. 1932)

  • 12. Mai 1934. Schulhauseinweihung

    Niederstetten, 12. Mai. (Schulhauseinweihung.) Endlich hat Niederstetten sein neues Schulhaus erhalten und dafür aber auch etwas von wirklichem Werte. In dem früheren fürstl. Fruchtspeicher, am Fuße des Schloßberges gelegen, schuf Baumeister Baumann-Niederstetten unter Wahrung des altertümlichen Charakters des Bauwerkes, (der angebaute Turm sieht unter Denkmalschutz) ein wirkliches Vorbild eines modernen Schulhauses. Rein äußerl. schon bietet sich ein Bild voller Harmonie und paßt sich vollkommen in seine Umgebung ein. Der Einweihung, welche um 14 Uhr mit einem Festzug vom Marktplatze eingeleitet wurde, wohnten sehr viele Gäste bei. Es waren Vertreter der Landesregierung erschienen: Der stellv. Gauleiter Schmidt, Ministerialdirektor Dr. Dill-Stuttgart; der Behörden: Regierungsrat Stümpfig-Stuttgart, Regierungsrat Frohmann-Stuttgart, Schulrat Seizinger-Hall, Prof. Dr. Seibold-Heilbronn, Landrat Wöhrle-Gerabronn, Kreisbauernführer Philipp-Wittenweiler, Kreisgeschäftsführer Walter-Blaufelden, die Fachschaft der Ortsvorsteher des Kreises Gerabronn, sowie der NS.-Lehrerbund Gerabronn und Bad Mergentheim. Die Einwohnerschaft nahm regsten Anteil, fahnengeschmückte Straßen; Feststimmung überall. Am Schulhausneubau angekommen, begrüßte Bürgermeister Schroth (dessen Initiative es in erster Linie auch zu verdanken ist, daß dieses Werk zustande kam) die Anwesenden und übergab die Schlüssel der neuen Schule Oberlehrer Wahl, welcher seinerseits in kurzen Worten die Entstehung des Baues erklärte, sowie die Einrichtung desselben. Für die Bauarbeiter trug Arbeiter Joh. Reis ein selbstverfaßtes Gedicht vor.

    Anschließend erfolge die Besichtigung der Schulräume, in welcher nun die evang. Volksschule, die Realschule und die Gewerbeschule in 5 modern eingerichteten Unterrichtsräumen untergebracht sind. Ferner sind vorhanden: Lehrmittel- und Lehrerzimmer, Aufenthaltsraum für die Schüler, Hauswirtschaftsküche und im Erdgeschoß ein großes Brausebad. Sämtliche Räume besitzen reichliches elektrisches Licht durch moderne Beleuchtungskörper, Zentralheizung, Radioanschluß und fließendes Wasser. Nach der Besichtigung setzten sich die Einweihungsfeierlichkeiten in der Turnhalle fort. Bürgermeister Schroth erklärte hier in einer längeren Rede den Sinn, Zweck und Ausführung des neuen Hauses, man spürte daraus, mit welcher Energie das Werk begonnen und durchgeführt wurde und daß es nur deshalb so wohlgelingen konnte, weil jeder der an dem Bau beschäftigten Handwerker und Arbeiter sein Bestes an Können gab und erst in zweiter Linie nach dem finanziellen Ergebnis ihres Fleißes fragten. Die Vertreter der Behörden beglückwünschten in Ansprachen die Stadtgemeinde zu ihrem neuen Schulhaus, denn es sei mit verhältnismäßig geringen Mitteln, (an der Leistung gemessen) ein Werk erstellt worden, das für Generationen unserer Jugend und damit Deutschlands Zukunft dient; denn Wissen ist Macht. Die Vorstände der in der Schule untergebrachten 3 Schulen gedachten in Reden der früheren Schulverhältnisse. Als Dank an die Regierung für die geleistete Beihilfe zum Gelingen des Wertes übergab nun Bürgermeister Schroth namens der Stadt an Ministerialdirektor Dr. Dill Ferienscheine für 5 SA.-Männer für je 14 Tage. Die eingelegten Pausen wurden von der Kreismusikkapelle ausgefüllt, welche wie immer lebhaften Beifall erntete.

    Der Franke, Nr. 113, 18. 5. 1934

  • 13. Mai 1930. Konzert des Gesangvereins - Vortrag zur Obstveredlung - Ausflug des Hausfrauenvereins

    () Niederstetten, 13. Mai. Am kommenden Sonntag findet in Bad Mergentheim unter Leitung des Herrn Chormeister Fleckenstein ein Konzert der Gesangvereine Bad Mergentheim-Lauda-Niederstetten statt. Gewissermaßen als Hauptprobe gab am Sonntag abend der hiesige Männergesangverein im Löwensaal ein Konzert. Wir wollen dem Mergentheimer Konzert durch diese Bosprechung nicht vorgreifen. Die Auswahl der Lieder (Männer- und gemischter Chor) und ihre Ausführung lassen den Schluß zu, daß das Mergentheimer Konzert ein musikalisches Ereignis für das ganze Hohenloher Frankenland werden wird. In der Folge des gestrigen Konzerts erfreute Herr Dr. Metzendorf-Mergentheim dis Zuhörer durch virtuose Harfenvorträge, die Barkarole aus Hofmanns Erzählungen wurde init Harfe, Violine und Klavier ausgezeichnet gespielt und Herr Chormeister Fleckenstein sang in gewohnter Vollendung Löweballaden: Die Begleitung hatte in liebenswürdiger Weise Herr Oberlehrer Wahl übernommen und vorzüglich durchgeführt.

    () Niederstetten, 13. Mai. Als Abschluß des im Herbst hier stattgehabten Kurses hielt gestern Herr Oberbauinspektor Schweizer-Kupferzell hier einen Veredelungskurs ab. Am Abend hielt Herr Schweizer einen Vortrag im Gasthaus zum Hirschen, dem viele Interessenten beiwohnten. Herr Schweizer ging davon aus, daß das Endziel des Obstbaues die Zurückdrängung der ausländischen Einfuhr sein müsse. Zu den Obst einführenden Staaten gehören seit einiger Zeit auch die Balkanstaaten und Rußland. Seit drei Jahren werden aus Reichsmitteln dem Obstbau große Zuschüsse gewährt. Allein in Süddeutschland seien mit diesen Mitteln im Vorjahr 382 000 Umpfropfungen unterstützt worden. Die heutigen Baumbestände in Deutschland seien ungenügend. Man müsse die Systeme der Konkurrenz studieren und gleiche Ware auf den Markt bringen. Das Ausland sei uns durch sein kaufmännisches System überlegen. Der Redner verweist dann auf die in der Presse (auch in unserer Zeitung) bereits veröffentlichten Bedingungen zur Erlangung von Beihilfen. Es seien für Umpfropfen 75 000 M, für Obstabsatzorganisationen 285 000 M ausgegeben worden. Das Ziel des Obstbaues müssen die von der Landwirtschaftskammer angegebene Sortenvereinfachung sein. Aber nicht nur auf Tafeläpfel, sondern auch auf den richtigen Anbau von Zwetschgen soll das Augenmerk des Obstzüchters gerichtet sein. Mostbirnen sollen nur dahin gepflanzt werden, wo keine Aepfel gedeihen. Von großer Wichtigkeit sei das richtige Umpfropfen und das Spritzen der Bäume. Sorgfältige Behandlung und Sortierung des Obstes sei Grundbedingung. In Zukunft werde das Obst (Tafelobst) nur nach Stückzahl pro Kiste gehandelt werden und so der Wert der Qualität richtig zur Geltung kommen. In der Diskussion ergriff Herr Roll-Amlishagen, Vorstand des Bezirksobstbauvereins Gerabronn, das Wort. Er verlieh seiner Freude Ausdruck, daß die Landwirtschaftskammer dem Obstbau wehr Liebe entgegenbringe. Der Katalog seines Vaters habe noch 180 Apfelsorten und 150 Birnensorten enthalten. Das sei heute ein ungangbarer Weg. Herr Roll tadelte dann die falsche Behandlung des Obstes durch eine Genossenschaft, Dort wären die Gewürzluiken zwei Meter hoch aufgeschichtet gewesen. Die Sortiermaschine brauche zu viel Bedienung. Herr Lagerhausverwalter Glaser erbat Aufschluß über die den einzelnen Genossenschaften zugekommenen Beträge, da unsere Gegend leer ausgegangen sei. Herr Stadtschultheiß Schroth dankte dem Referenten und den Diskussionsrednern und schloß die Versammlung.

    () Niederstetten, 13. Mai. Unser Landw. Hausfrauenverein hat eine große „Expedition“ hinter sich. Mit vier Omnibussen machte der Verein bei Beteiligung von 90 Mitgliedern einen lehrreichen und genußreichen Ausflug. In Kupferzell fand die Haushaltungsschule eingehende Besichtigung. In Hall wurde das Diakonissenhaus und Schwachsinnigenheim besucht. Ferner wurde der sehenswerten Comburg ein Besuch abgestattet.

    Der Vaterlandsfreund, Nr. 111, 14. 5. 1930

  • 26. März 1933, Schulentlaßfeier der evangelischen Volksschule

    Niederstetten, 3. April. Wie reden heute so viel von der Gemeinschaft und von dem einigenden Band, das uns alle umschlingen sollte. Da ist es besonders wohltuend, wenn man auf irgend einem Gebiet - wenn auch am kleinen Platz - das Ziel verwirklicht sieht. Das war am Sonntag, 26. März, bei der Entlassungsfeier der evangelischen Volksschule Niederstetten der Fall. Seit 13 Jahren hat sich diese Feier - alljährlich wiederkehrend und in steigendem Maße begrüßt - eingebürgert, so daß man von einer wirklichen Gemeinde sprechen kann, in welcher sich Eltern, Schüler und Freunde der Schule mit den Lehrern derselben verbunden fühlen. Ueber 400 Erwachsene hatten sich neben den 150 Kindern in der Turnhalle eingefunden. Der Schulvorstand, Herr Oberlehrer Wahl, wies in seiner Begrüßung darauf hin, daß man auch an einer Entlaßfeier sehen könne, was und in welchem Geist in einer Schule gearbeitet werde. Die Kleinsten, die es kaum erwarten konnten, zeigten zuerst ihre Kunst. Wie selig leuchteten ihre Augen, als sie in dem reizenden Frühlingsspiel "Der Frühling hat sich eingestellt", als Häslein und Vöglein springen und hüpfen, als Blümlein nicken, tanzen und singen durften! Wir Erwachsene selbst fühlten uns da wieder ins Kinderland zurückversetzt, wir empfanden wieder mit Kindern so rein, so unberechnet und natürlich. Die Mittelklasse führte uns ein Märchenspiel vor. Fröhlich singende Wandervögel ließen in uns die Erinnerung an die letzte Schülerwanderung in den Odenwald auftauchen. Eingeflochtene Reigen und Gesänge hörten wir zu unserer Ueberraschung erstmals von Schulflöten begleitet. Im Schulbericht erfuhren wir von der steigenden Raumnot der evangelischen Volksschule, die durch die Umschulung von Sichertshausen und den starken neueintretenden Jahrgang verursacht sei und der bald abgeholfen werden sollte. Dann gedachte der Schulvorstand auch des großen, schicksalhaften Geschehens unserer Tage, das uns eine neue, nationale Regierung gebracht. Er erinnerte daran, wie die Lehrer der Schule schon bisher ihr Ziel in der Erziehung: zum deutschen Menschen gesehen hätten. Vor 12 Jahren sei den Entlaßschülern zugerufen worden: Seid treu! Seid wahrhaftig! Seid deutsch! Seid opferbereit! Das gelte heute mehr als je. Das Wort "Gedenke, daß Du ein Deutscher bist!", das bei der nationalen Schulfeier am 18. März den Schülern mitgegeben worden ist, verpflichte zu ernstem Streben nach Verkörperung all der edlen Eigenschaften, die die bestem Deutschen im Lauf der Jahrhunderte gezeigt hätten. Unseres jetzigen Kultministers Prof. Mergenthalers Ruf an die Entlaßschüler im Sommergarten: "Ans Vaterland, ans teure schließ' dich an", sei den Schülern stets vor Augen gehalten worden. Dann stelle sich auch die rechte Vaterlandsliebe ein, aus der die Gesinnung entspringe, die notwendig sei, um die schweren Zukunftsaufgaben zu meistern. Ein Sprechchor gab in "Deutscher Glaube" von Filix [!] Fischer, unserer heißen Hoffnung auf den Wiederaufstieg unseres geliebten Vaterlandes ergreifenden Ausdruck. Dann wurde uns ein Einblick in das neue Musizieren in der Schule gegeben. Wir sahen etwa 20 Flötenspieler, die mit leuchtenden Augen ihre neue Kunst Eltern und Kameraden vorführen durften. Besonders beifällig wurde "Wilhelmus von Nassaue" aufgenommen. Es war ein schönes Bild einer Schulgemeinschaft, Schüler und Lehrer gemeinsam bei den Gesängen auf Flöten, Cello und Klavier musizieren zu sehen. Daß dieses neue Instrument, die Schulflöte, nicht nur eine Bereicherung der Schulmusik bedeutet, sondern auch Anregung zur besseren Pflege der häuslichen Musik gibt, wurde den Anwesenden klar. Die Menuette von Bach und Beethoven zeigten, daß sich auch Stücke unserer großen Musiker auf ihr darbieten lassen. Zum Schluß wurde die Apfelszene aus Schillers "Wilhelm Tell", von den Schülern des 6.-8. Schuljahres gespielt. Die starke Spannung, die bei Erwachsenen und Kindern bis zum Schluß anhielt, ließ uns die harte Knechtung der Schweizer miterleben. H. Bürgermeister Schroth dankte dann im Namen der Eltern und der Gemeinde den Herren Lehrern sowohl als auch den Schülern für den schönen Abend. Er gab letzteren Worte der Ermahnung mit auf den Lebensweg und betonte den Wert einer guten, bewußt deutschen Erziehung, im Hinblick auf die so notwendige deutsche Volksgemeinschaft. Er gab seiner Freude Ausdruck, daß dieser Abend fast die gesamte Elternschaft und viele Gäste alljährlich so einträchtig vereine. Der gemeinsame Gesang des Liedes "Kein schöner Land" beschloß erst um 11 Uhr die Feier.

     (Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 79, 4. 4. 1933, S. 3)

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    Wilhelmus von Nassaue
    vielleicht
    "Het Wilhelmus („Das Wilhelm[lied]“), auch Geusenhymne genannt, ist die Nationalhymne der Niederlande. Die von ihr abgeleitete Fassung De Wilhelmus („Der Wilhelm“) ist ferner die Hymne der großherzoglichen Familie des Großherzogtums Luxemburg." (Wikipedia)

  • 27. April 1931. Konzert in der St. Jakobskirche

    () Niederstetten, 27. April. Das mit der Einweihung der neuen Orgel in der evangelischen Stadtpfarrkirche zu Sankt Jakob verbundene Kirchenkonzert hatte die Kirche mit einer ganz großen Anzahl von Zuhörern bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Interesse an den in Aussicht stehenden künstlerischen Genüssen hat auch recht viele Fremde hierhergeführt. — Einige Worte über die Orgel als Musikinstrument der Kirche. Das Alter der Orgel ist unbekannt. Jedenfalls geht ihr Ursprung auf verschiedene ähnlich geartete Instrumente des Altertums zurück. Die erste Orgel in ihrer heutigen Form wurde im Jahre 1312 durch einen Deutschen in Venedig erbaut. Lange war sie als Instrument zu kostbar, um allgemein verwendet zu werden. Erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurde ihr Gebrauch allgemeiner. Der Orgel in ihrer heutigen Gestalt und Einrichtung gebührt die Anerkennung, daß sie das größte und volltönendste aller Instrumente ist. Es ist daher auch zu verstehen, daß eine große Reihe klassischer Schöpfungen für Orgel aus der Geschichte der Musik hervorragen. — Die Vortragsfolge des Kirchenkonzertes unterscheidet zwei Reihen klassischer Komponisten, solche des 16. bis 17. Jahrhunderts und solche des 17. und 18. Jahrhunderts. Von den ersteren ist Schütz (von einem Zeitgenossen der Vater der deutschen Musik genannt), der bekannteste und produktivste. Unter den letzteren heben sich als gleichwertig und in ihren- Kompositionen höchstwertig Bach und Händel hervor. — Für die Sopransoli war Frau Meta Sindlinger-Heilbronn gewonnen worden. Ein wirklicher Gewinn. Denn die bis in die höchsten Lagen reine und volle Stimme wurde ihrer Aufgabe in begeisternder Weise gerecht. Frau Sindlinger sang geistliche Lieder und Arien von Bach und Händel. Der Kirchenchor trug Bach, Schein, Rosenmüller und Schütz vor. Der Choral wirkt besonders im Chor leicht starr und eintönig. Es ist Aufgabe der Sänger, der Komposition Leben einzuhauchen und das war das durch den ev. Kirchenchor unter seinem Dirigenten Herrn Oberlehrer Wahl überzeugend erreichte Ziel. Dabei war die Sprache klar und deutlich, das Einsetzen der Stimmen und die Tonhaltung ohne Tadel. — Der Vortrag der Kompositionen für Orgel war Herrn Studienrat Roos-Heilbronn übertragen. Er beherrschte das Instrument meisterhaft und verstand es, die Tonfülle der neuen Orgel zum Ausdruck zu bringen. Tiefen Eindruck machte auch die Komposition für Orgel (Herr Roos), 2 Violinen (die Herren Stadtpfarrer Umfried und Hauptlehrer Hauf) und Cello (Herr Oberlehrer Wahl) von Corelli. — Das Konzert fand in dem lebhaften Präludium für Orgel in G-Dur von Bach einen würdigen Abschluß. — Das in schönem Barock ausgeführte Aeußere der Orgel, der Rahmen ist mit Recht erhalten geblieben. Die ev. Gemeinde hatte ihre patriotische Pflicht erfüllt und während des Krieges ihre guten Zinnpfeifen gegen minderwertige Pfeifen ausgetauscht. Jetzt glänzt die Orgel wieder im Schmucke der in hochwertigem Material ausgeführten Pfeifen. Sowohl der Organist als auch die Gemeinde haben daran ihre Freude. Wir beglückwünschen die. Gemeinde zu dem neuen wohlgelungenen Werke.

    Vaterlandsfreund, Nr. 97, 28. 4. 1931

  • 28. März 1930. Schlußfeier der Volksschule - Firma Friedrich Kießecker - Stadtbaumeister Baumann - Marktert'sches Anwesen

    () Niederstetten, 27. März. Am Dienstag abend beging die evangelische Volksschule in der Turnhalle ihre Schlußfeier. Der öffentlichen Einladung zufolge waren außer der fast vollzähligen evangelischen Gemeinde auch zahlreiche Vertreter der anderen beiden Konfessionen anwesend. Herr Oberlehrer Wahl entbot Schülern und Zuhörern den Willkommgruß. Er wolle an die Entlaßschüler nicht nochmals viele Mahnungen richten, durch die ganze Schulzeit hindurch hätten sie genug erhalten, welche sie, ins Leben tretend, beherzigen sollen. Der Herr Redner begrüßte die Zuhörerschaft und wies auf das notwendige Band zwischen Elternhaus und Schule hin. Schließlich beglückwünschte Herr Oberlehrer Wahl den Stadtvorstand und Gemeinderat zu dem endgültigen Beschluß ein Schulhaus zu bauen. Dann spielte sich vor den Zuhörern ein wechselreiches Programm ab. Von den Kleinsten an bis zu den Entlassungsschülern wechselten Gesang, Spiel und ernste und heitere Deklamationen. Den Höhepunkt bildete die Rezitation von Schillers Glocke in Einzelvorträgen und Sprechchören. Es ist erfreulich, daß wieder einmal ein Klassiker zu Wort kam. Die unvergängliche Schönheit des Schönsten deutschen Epos hat sich in der ausgezeichneten Wiedergabe gezeigt. — Entlaßfeiern sind keine Schulprüfungen. Und doch geben sie ein Bild des Geistes, welcher in einer Schule wohnt. Sie spiegeln das schöne Verhältnis zwischen Elternhaus und Schule wieder und sind für Eltern, Lehrer und Schüler eine langanhaltende Erinnerung. Das war alles im vollsten Maße bei der Schulfeier der evang. Volksschule der Fall. Nachdem auch die katholische Volksschule auf die Stadt übergegangen ist, dürfte es sich vielleicht empfehlen, in Zukunft für beide Volksschulen und die Realschule gemeinsame Feiern abzuhalten. Am Interesse der Allgemeinheit fehlt es gewiß nicht.

    () Niederstetten, 28. März. Im hiesigen Geschäftsleben hat sich eine bedeutende Umwandlung vollzogen. Die seit 40 Jahren bestehende Firma Friedrich Kießecker hat ihre Abteilung Getreidehandel und Kunstdünger an die Fränk.-Hohenlohesche Getreideverkaufsgenossenschaft in Niederstetten verkauft. Sicherem Vernehmen nach hat Herr Stadtbaumeister Baumann das Markert'sche Anwesen in der Bahnhofstraße käuflich erworben.

    Vaterlandsfreund, Nr. 74, 29. 3. 1930

  • 3. Januar 1931. Weihnachtskonzert des Männergesangvereins

    () Niederstetten, 3. Jan. Weihnachtskonzert des Männergesangvereins Niederstetten. Mitwirkende: Bariton: Oberlehrer Wahl, Stadtorchester Bad Mergentheim, Männer- und Frauenchor des Vereins. Leitung: Chormeister Adolf Fleckenstein. Die glänzend erleuchtete Turnhalle ist dicht besetzt, die Bühne trägt einfachen grünen Schmuck, Im Hintergrund symbolisieren zwei beleuchtete Tannenbäume die Weihnachtszeit. Das ist der äußere Rahmen des Konzertes, welches wohl für alle Zuhörer ein inneres Erleben geworden ist. Im Mittelpunkt der Vortragsfolge stand die Cantate „Die heilige Nacht“ von Gade für Bariton, gemischten Chor und Orchester. Die einfach poetische Schilderung der Weihnacht drückt sich in den Chören der Seraphim und der Hirten aus. Ueber beide erhaben und doch beide verbindend erklingt der Gesang des Seraphs. Kein poetischer Ueberschwang des Textes. Aber der einfache Gesang der Hirten und der himmelerhebende Gesang der Seraphim, das prophetische Mahnen des Seraphs, alle noch gehoben durch die: gewaltigen Töne der Begleitmusik, verbinden sich zu einem Musikwerk, dessen Eindruck auf die Hörer nicht nur von einem kurzen Augenblick ist. Ernst begann die Vortragsfolge — der Seemann feiert in der Fremde Weihnacht. Dem folgte das Gellertsche Gebet in der Komposition von Beethoven. (Männerchor mit Orchesterbegleitung). Der großen Kantate folgte das gemütvolle Straßburglied aus des Knaben Wunderhorn in der Komposition von Kienzl, das Leid des aus Heimweh desertierten Soldaten tief ergreifend darstellend. Dann kamen Männerchöre, welche von der Heimat, der ersten Liebe und dem pfeifenden Vöglein erzählten — feinsinnig führte die Vortragsfolge in eine gehoben heitere Stimmung. Die gemischten Chöre „Wie's daheim war" und „Der Spielmann“ ließen in manchen Augen Tränen emporquillen, aber in dem sinnreichen und lustigen Lied „Die Gedanken sind frei“, kam, fortgerissen durch die flotte Melodie alles wieder in gute Stimmung. Es ist nicht möglich, jedes einzelne Lied zu nennen. Das Stadtorchester Bad Mergentheim spielte den „Calif von Bagdad“ (Ouverture), das „Intermezzo u. die Bacarole“ aus „Hofmanns Erzählungen“ und eine Folge aus dem „Dreimädelhaus“. Eine Kritik erübrigt sich. Gesanglich war hier dergleichen noch nicht geboten worden, umso erstaunlicher, wenn wir Sänger und Sängerinnen betrachten, alle im Alltagsberuf stehende fleißige Menschen, denen die Kunst des Gesanges kein Beruf, sondern nur Erholung ist. Und diese Sänger und Sängerinnen vermochte ihr Stabführer zu solcher künstlerischer Höhe zu führen. Hut ab von dem Stabführer, Hrn. Chordirigenten Fleckenstein, Hut ab vor den Sängerinnen und Sängern. Besonderer Dank und Anerkennung gebührt Herrn Oberlehrer Wahl dafür, daß er seine schöne Stimme für das Baritonsolo (Seraph) zur Verfügung gestellt hatte und für die meisterhafte Durchführung seiner Aufgabe. Ebenso stand der musikalische Teil des Konzertes künstlerisch hoch. Tadellos war das Zusammenwirken zwischen Orchester und Chören. Noch vieles wäre im Einzelnen zu sagen und zu loben. Herr Vorstand Julius Schneider begrüßte die Festversammlung. Wohl, so führte er aus, sei von einem Uebermaß an Weihnachtsfeiern abgeraten worden, aber Weihnachten ohne ein Lied sei gar nicht auszudenken. Wenn auch die Zeiten ernst seien, so gelte doch immer noch das Wort Cäsar Flaischlins: Sonne im Herzen und ein frisches Lied dazu, vermögen den Menschen zu erheben. Dem Konzert schloß sich ein Ball an. Besonders sei noch die flotte Abwicklung des Programmes, als allgemein angenehm empfunden, hervorgehoben. Während der Festlichkeit überreichte Herr Vorstand Schneider den langjährigen Mitgliedern des Vereines, Herren Friseur Wild und Kaufmann Kießecker sen., die Ehrenmitgliedsurkunde.

    Vaterlandsfreund, Nr. 3, 5. 1. 1931

  • 31. März 1931. Schulentlaßfeier der ev. Volksschule

    () Niederstetten, 31. März. Die Zeiten, in welchen der Lehrer der gefürchtete Schultyrann war, liegen weit hinter uns. Das zeigte sich bei der vorgestrigen Schulentlassungsfeier der evang. Volksschule sehr deutlich. Unter Leitung des Herrn Oberlehrer Wahl kam eine Vortragsfolge zur Abwicklung, welche nur mit viel Mühe u. Liebe seitens der Lehrkräfte den Kindern beigebracht sein konnte. Der erste Teil der Vortragsfolge trug den Titel „Neuer Frühling ist gekommen“. In Gesang, Deklamation und Reigen wurde der weltbeglückende Frühling in Natur und im Leben der Völker gepriesen. Zwei Gesamtspiele waren eingefügt: „Abenteuer im Walde" und „Wettrennen zwischen Hasen und Swinegel". Das reizende, wunderbar gefällige und natürliche Spiel der zum Teil den ersten, zum Teil späteren Schuljahren angehörigen Mädchen und Knaben fand begeisterte Aufnahme. Der zweite Teil der Vortragsfolge trug den Titel "Von Wertarbeit in alter und neuer Zeit“. „In Wort und Lied fehlten da nicht des Handwerksburschen Wanderlust bis zum modernen Lied der Arbeit. Auch des grausigen Geschehens bei den großen Bergwerksunglücken war in dem Sprechchor "Der Tod im Schacht" gedacht worden. Das Gedicht Adalbert von Chamissos "Der rechte Barbier“ fand in origineller Weise szenische Wiedergabe. Alle die kleinen und großen Kinder machten ihre Sache ausgezeichnet, man fühlte, daß ihnen mit den Worten auch der Geist der einzelnen Dinge nahegebracht worden war. Die Herren Oberlehrer Wahl und Hauptlehrer Hauff-Herrenzimmern erfreuten die Zuhörer durch klassische Musik auf Klavier und Violine. Die Begrüßungsrede hielt Herr Oberlehrer Wahl, welcher einer großen Zuhörerschaft, darunter vielen auswärtigen Lehrern den Willkommgruß entbieten konnte. Er wies darauf hin, daß auch heute, in der Zeit des ausgeprägtesten Berechtigungswesens, die Volksschule noch eine wichtige Mission zu erfüllen habe. Zum guten Glück hätten sich bei dem Sparkommissar das Kultusministerium und andere maßgebende Behörden schützend vor die Volksschule gestellt. Die Schule wurde im vergangenen Jahr von 135 Schülern besucht, im kommenden Jahr werden es etwa 150 Schüler sein. Herr Bürgermeister Schroth dankte namens der Elternschaft Herrn Oberlehrer Wahl für den schönen Abend und dem Lehrkörper der evang. Volksschule für alle Mühe, welche die Lehrer unter dem Jahre mit den Kindern haben und für die vollkommene Pflichterfüllung, welche die Lehrer beseelt. Alle Anordnungen für den Abend waren nur zu loben. Die Kinder wie die Erwachsenen waren alle sehr gut untergebracht, es herrschte mustergiltige Ordnung, die Vortragsreihe wurde flott durchgeführt. Die Kinder fühlten sich stolz in ihren Rollen, die Eltern freuten sich der Leistungen ihrer Kinder und alle Teilnehmer an der Feier sonnten sich am Glücke der Jugend. So schloß die Feier mit einem glücklichen Akkorde.

    Vaterlandsfreund, Nr. 76, 1. 4. 1931

  • 4. März 1930. Maskenball des Turnvereins - Geistliche Abendmusik

    () Niederstetten, 4. März. In der Turnhalle fanden die Fastnachtsveranstaltungen ihre Bekrönung durch einen Maskenball des Turnvereins, es war zugleich der Schluß. Auf der närrischen Fahnenweihe wurde geturnt und auch von den Turnerinnen ein temperamentvoller Tanz aufgeführt. Eine große Wahl wirklich schöner Masken brachte die närrische Note in den herrlich geschmückten Saal. Getanzt wurde viel und lange und in den Sekt- und Likörbuden war Gelegenheit zu beschaulicher Ruhe geboten, kein Wunder, daß die Alten den Jungen oft mit gutem Beispiel vorangingen. Alles in allem, es war sehr schön.

    () Niederstetten, 4. März. Eine ernste gesangliche und musikalische Weihestunde bot gestern nachmittag der ev. Kirchenchor unter Mitwirkung hiesiger und auswärtiger musikalischer Kräfte mit einer geistlichen Abendmusik in der evangelischen Stadtpfarrkirche zu St. Jakob. Es ist fast selbstverständlich, daß der Klassiker der Kirchenmusik und besonders der Orgel, Johann Sebastian Bach einen hervorragenden Platz eingeräumt erhielt und daß mit ihm (Organo pleno Es-Dur) das Programm eingeleitet wurde. Auch im geistlichen Lied war Bach vertreten. Das Streichquartett spielte Mozart (Ave verum) und Corelli (Adagio). Der Kirchenchor sang geistliche Kompositionen verschiedener Klassiker. Der evangelische Kirchenchor unter Leitung des Herrn Oberlehrer Wahl zeigte sich von. seiner besten Seite. Harmonischer Zusammenklang der Stimmen, verbunden mit Stimmfestigkeit und guter Aussprache verhalfen ihm zu einem m a Erfolg. Die Instrumentalmusik wurde von den Herren Oberlehrer Wahl (Orgel), Stadtpfarrer Umfried-Niederstetten, Hauptlehrer Hauff-Herrenzimmern und Hauptlehrer Eßlinger-Adolzhausen vorgetragen — ohne zu übertreiben — meisterhaft. Gesang und Instrumentalmusik hinterließen eine tiefe Wirkung auf die Zuhörerschaft.

    Vaterlandsfreund, Nr. 53, 5. 3. 1930

  • 5. Dezember 1935. Einweihung der Schulküche

    Niederstetten, 5. Dez. (Einweihung der Niederstettener Schulküche.) Noch ist es erst 1 1/2 Jahre her, seit Niederstetten Schulhauseinweihung feierte und schon wieder lud es zu einer Schulfeier ein: zur Eröffnung seiner hauswirtschaftlichen Fortbildungsschule. Auf die Anregung von Herrn Schulrat Weikert, der tatkräftig für die Forderungen des württ. Kultministeriums eintrat, Schulküchen zu errichten, war im Frühjahr durch den Zusammenschluß der acht Gemeinden Niederstetten, Oberstetten, Wildentierbach, Vorbachzimmern, Wermutshausen, Pfitzingen, Herrenzimmern, und Adolzhausen, der hauswirtschaftl. Schulverband gegründet worden. Da der Staat einen wesentlichen Teil der laufenden Kosten übernimmt und überdies die Lehrerin noch in Niederstetten und drei weiteren Orten Handarbeitsunterricht erteilt, kommen die Gemeinden finanziell sogar noch günstiger weg als bei der bisherigen Regelung. Im Oktober wurde eine Fachlehrerin bestellt, nachdem zuvor die räumlichen Veränderungen im alten Schulhaus getroffen waren. Hier erhalten nun seit kurzem die fortbildungsschulpflicht. Mädchen der Verbandsgemeinden, zusammen 75, in fünf Abteilungen, je einen Vormittag hauswirtschaftlichen Unterricht. Zur Eröffnung am letzten Montag waren neben den Bürgermeistern, Lehrern und Ratsherren sowie dem Ortsgruppenleiter der NSDAP., noch eine Anzahl Gäste erschienen, zur besonderen Freunde der Anwesenden auch Herr Schulrat Weikert.

    Nach der in nassem Schneetreiben vorgenommenen Flaggenhissung begann die Feier im künftigen Raum für den theoretischen Unterricht. Bürgermeister Schroth begrüßte die erschienenen Gäste. Er freute sich, sie heute hier zu sehen, wenn Niederstetten eben darangegangen sei, den letzten Schritt in seinem Schulwesen zu tun, auf dem es in einer langen Reihe von Jahren kaum mehr Aufgaben zu lösen gebe. Das alte Schulhaus sei nun nicht, wie ursprünglich geplant, ein Krankenhaus geworden, sondern habe sich als günstig erwiesen für die Schaffung einer Schulküche mit entsprechenden Nebenräumen. Er danke besonders Herrn Schulrat Weikert, der ihm mit Rat und Tat bei der Durchführung der Aufgabe, beigestanden, sowie den Vertretern der Verbandsgemeinden für ihr Verständnis. Dann übergab er die Schulküche mit Einrichtung dem Schulvorstand, Oberlehrer Wahl, mit der Bitte, sie in treue Obhut zu nehmen. Zum Schluß betonte Bürgermeister Schroth, wenn es mit der Gründung der neuen Schule so rasch gegangen sei, so sei das auch unserem nationalsozialistischen Staat zu danken, der sich tatkräftig für die beste Bildung unserer Jugend einsetze. Mit einem "Sieg-Heil" auf den Führer schloß er seine Ausführungen.

    Oberlehrer Wahl brachte als Schulvorstand und im Namen des Ortsschulrats allen, die zur Gründung und Einrichtung der neuen Schulküche beigetragen hatten, den Dank zum Ausdruck, besonders Herrn Schulrat Weikert, aber auch den Vertretern der Gemeinden mit ihrem Vorsitzenden, Herrn Bürgermeister Schroth, sowie der Ministerialabteilung für die Volksschulen für die finanzielle Mithilfe. Schon vor sechs Jahren hätten die Lehrer des Bezirks Gerabronn die Gründung hauswirtschaftlicher Schulverbände angestrebt. Was damals nicht erreicht werden konnte, sei heute, im Reich Adolf Hitlers, fast mühelos gegangen. Dann übernahm Oberlehrer Wahl die Schulküche aus den Händen der Stadtverwaltung in die Obhut der Schule und übergab sie der ersten Fachlehrerin der neuen Schule, Fr. Meißner, mit der Bitte um schonende Behandlung. Die neue Schule möge auch künftig ein Schmuckkästlein bleiben. Den Schülerinnen sagte er, wenn sie als Hausfrauen und Mütter später das Gelernte in der kleinsten Zelle, in der Familie, zur Anwendung brächten und ihre Pflicht dort treu erfüllen, dann hätten sie das Höchste geleistet, was man von ihnen verlangen könne und müsse, nämlich Dienst am Volk.

    Herr Schulrat Weikert sprach ausführlicher über Aufgaben und Ziele der hauswirtschaftlichen Fortbildungsschulen. Er betonte, welche gewaltige volkswirtschaftliche Bedeutung die deutsche Hausfrau habe, durch deren Hände der größte Teil des Volkseinkommens fließt. Die Frau könne im Schurz mehr aus dem Haus tragen, als der Mann im Schubkarren hereinführen. Deshalb sei es Pflicht der Gemeinden und des Staates, die weibliche Jugend für ihre späteren Hausfrauenpflichten gut vorzubereiten. In humorv. Weise wußte er darzulegen, wie das harmonische Zusammenleben in der Ehe, eben auch von äußeren Dingen abhänge und wie gute hausfrauliche Fähigkeiten im Kochen und Wirtschaften unter allen Umständen gute Vorbedingungen für die Gründung eines geordneten Hausstandes seien. Wer in dieser Schule viel lerne und es dann daheim verwirkliche, der leiste seine Pflicht innerhalb der Volksgemeinschaft. Anschließend fand die Besichtigung der neues Räume statt, der sich noch eine kleine Nachfeier in der "Post" anschloß. So hat nun Niederstetten den Schlußstein in sein Schulwesen eingefügt. Mit Stolz kann es auf das Geschaffene auf diesem Gebiet blicken. Möge auch dieser letzte Schritt, geradeso wie dies beim Schulhausneubau der Fall war, anregend wirken und zur Nacheiferung zwingen. Möge aus der neuen Schule sich ein reicher Segensstrom ergießen in Familie und Gemeinden, zum Wohle unseres heranwachsen den Geschlechts!

    Der Franke, Nr. 286, 7. 12. 1935