Oberstetten

Oberstetten

  • 1. Februar 1939. Ortsbauernschaft - Rotes Kreuz - Berufswettkampf - Filmvorführungen

    Niederstetten, 1. Febr. Der Sprechabend der hiesigen Ortsbauernschaft, der am letzten Sonntag abend bei Melber stattfand, war besonders von Bauern der hiesigen Teilorte gut besucht. Hauptlehrer Betz von der hiesigen ländlichen Berufsschule führte einige Filme vor, die die notwendige ordnungsgemäße Behandlung des Stallmisters, sowie den Bau der Dunglegen behandelte. Nach den Filmen sprach Herr Betz über den Aufbau und über das Wollen der ländlichen Berufsschule. Das Thema war für die Anwesenden besonders interessant, weil die ländliche Berufsschule ja erst seit kurzer Zeit besteht und mancher sich noch keine Gedanken machte, warum diese Berufsschulung eingeführt wurde. Ortsbauernführer Melber sprach über die Einrichtung einer Gemeinschaftswaschküche. Die Aussprache zeigte, daß wohl Interesse für diese Einrichtung vorhanden ist, daß aber den Frauen bei der in nächster Zeit stattfindenden "Vorsitz" das "letzte Wort"“ in dieser Angelegenheit vorbehalten werden soll. Viel Interesse bestand für die Anschaffung eines gemeinschaftlichen Bulldoges. Der Ortsbauernführer wird in dieser Angelegenheit nähere Erkundigungen bis zum nächsten Sprechabend einziehen. Nach Erledigung verschiedener geschäftlicher Angelegenheiten konnte der Ortsbauernführer mit einem Sieg-Heil auf unsern Führer den anregend verlaufenden Sprechabend schließen. — Kreisbaumwart Bertele war am vergangenen Mittwoch hier, um akute Fragen im Obstbaum zu behandeln. Nachmittags fand ein lehrreicher und gut besuchter Umgang statt, bei dem der Kreisbaumwart an Hand von praktischen Beispielen manchem Obstzüchter gute Winke für die Zukunft mit auf den Weg gab. Abends fand im Anker eine Versammlung statt, in der Herr Bertele besonders über die Baumpflege, die Düngung und über die Schädlingsbekämpfung sprach. Die Aussprache zeigte, daß es im Obstbau, der bisher hier etwas stiefmütterlich behandelt| wurde, noch vieles zu tun gibt, besonders auch in der Schädlingsbekämpfung. Es ist zu hoffen, daß die hiesige Darlehenskasse den Entschluß faßt, neben der vorhandenen Motorspritze noch eine weitere selbstfahrende Motorspritze anzuschaffen. — In den letzten Tagen fand durch den Kreisführer des Roten Kreuzes, Herrn Landrat Dr. Wanner, die Uebernahme des bisherigen Halbzuges der Sanitätskolonne statt, Nach Meldung des Führers Schmidt u. des Arztes Dr. Heller, erfolgte eine Besichtigung des Lokals, der Einrichtungsgegenstände und der Gerätschaften, die zur Zufriedenheit ausfiel. Der Kreisführer ermahnte, auch im Kreis Mergentheim die Pflicht als Männer des Deutschen Roten Kreuzes zu tun. — Der Reichsberufswettkampf innerhalb des Reichsnährstandes wird hier für den Kreis Mergentheim durchgeführt. In einer stattgefundenen Sitzung wurde das Notwendige besprochen und die Vorbereitungen getroffen. Bei dem Wettkampf werden zusammen 140 männliche und weibliche Teilnehmer aus unserem Kreis antreten. Die Ortsbauernschaft wird dafür sorgen, daß den Teilnehmern am Tage des Wettkampfes unentgeltlich eine warme Mahlzeit verabreicht wird. – Die Filmvorführungen der NSDAP. erfreuen sich eines immer größeren Besuches. Bei der letzten Vorführung, die den humorvollen Film "Der Maulkorb" brachte, wurden Omnibusse eingesetzt, um auch den Einwohnern der umliegenden Ortschaften Gelegenheit u geben, hier die Filmveranstaltungen zu besuchen. Es zeigte sich, daß dies notwendig ist, denn wir konnten zahlreiche Besucher aus Oberstetten, Vorbachzimmern, Adolzhausen, Pfitzingen, Bronn, Herrenzimmern und Rüsselhausen bemerken. Die Veranstaltung war mit 500 Besuchern sehr gut besucht. — Der bekannte und immer sehr besuchte Lichtmeßmarkt, mit dem das "Dienstbotentreffen" verbunden ist, muß leider wegen der Maul- und Klauenseuche wieder ausfallen. Dieser Ausfall bedeutet für die hiesigen Geschäftsleute einen großen wirtschaftlichen Schaden.

    Der Franke, 1. 2. 1939

  • 10. Dezember 1931. Verkehrsunfall bei Oberstetten

    () Niederstetten, 10. Dez. Beim Ortseingang von Oberstetten her trug sich vorgestern in der hies. Hauptstraße ein glimpflich verlaufener Vérkehrsunfall zu. Ein etwa 4jähriges Kind wurde von einem Auto angefahren. Durch die mäßige Fahrgeschwindigkeit war es dem Fahrer möglich, fast augenblicklich zu halten und trug das Kind nur unbedeutende Verletzungen im Gesicht davon. Nach Aussage des Fahrers soll das unbewachte Kind direkt in das Auto hineingelaufen sein. Der Fahrer bemühte sich sofort um das Kind, brachte es seinen Eltern und erstattete selbst Anzeige von dem Unfall.

    Vaterlandsfreund, Nr. 289, 10. 12. 1931

  • 12. Oktober 1938. Anschluß Niederstetten an Kreis Bad Mergentheim

    Niederstetten, 12. Okt. Am 1. Oktober wurden die Stadtgemeinde Niederstetten und die Nachbargemeinden Oberstetten und Wildentierbach dem Kreis Bad Mergentheim angeschlossen. Aus diesem Anlasse kamen am Montag Mittag Landrat Dr. Wanner und Kreisleiter Seiz mit einer größeren Anzahl maßgebender Persönlichkeiten des Kreises in diese drei Orte zur Uebernahme. Nach dem Besuche von Oberstetten und Wildentierbach machten die Erschienenen, welche von Bürgermeister Weber, dem ersten Beigeordneten Melber und Ortsgruppenleiter Thomas begrüßt wurden, einen Rundgang durch unsere Stadt, an welchen sich die Besichtigung des Rathauses, der neuen Schule und der Kelter anschloß. Mit Befriedigung wurde seitens der Bevölkerung das Interesse der nunmehr vorgesetzten Behörden wahrgenommen. Wir hoffen u. wünschen, daß die neue Kreiseinteilung für unsere Stadt, welche die drittgrößte Gemeinde im Kreise Bad Mergentheim ist, von Nutzen sein möge.

    Der Franke, 12. 10. 1938

  • 15. August 1932. Verkehrsunfall Karl Limbacher

    () Niederstetten, 15. Aug. In den gestrigen Abendstunden ereignete sich in dem Weiler Könbronn bei Schrozberg ein furchtbarer Verkehrsunfall. K. Limbacher, gebürtig von Oberstetten, in Münster wohnhaft, fuhr mit seinem Motorrad die abschüssige Ortsstraße herab. In einem angehängten Beiwagen saßen fünf Kinder. Anscheinend war die Belastung zu stark, sodaß Limbacher die Herrschaft über das Rad verlor und in voller Fahrt auf das Küstner'sche Anwesen auffuhr. Die Folgen waren furchtbar. Limbacher und die fünf Kinder wurden schwerverletzt in das Krankenhaus nach Schrozberg gebracht, wo Limbacher heute früh um 1 Uhr bereits gestorben ist. Den betroffenen Familien wendet fich herzliche Teilnahme zu.

    * Von einem Augenzeugen erfahren wir noch: Der Aufprall auf die Hausecke muß ganz gewaltig gewesen sein. Große Blutlachen, abgerissene Dachrinnenstücke, die schwer beschädigte Neander-Maschine, dazwischen liegend mit furchtbaren Kopfverletzungen der unglückliche Fahrer und die fünf Kinder. Der rasch herbeigeeilte Arzt, Herr Dr. Kühner, legte die ersten Notverbände an und sorgte für die Ueberführung ins Krankenhaus. Den Kindern geht es mit Ausnahme eines Buben, der mit einer schweren Gehirnerschütterung darnieder liegt, verhältnismäßig ordentlich. Limbacher war Mühlenbauer in Münster bei Stuttgart.

    (Vaterlandsfreund, Nr. 189, 15. 8. 1932)

  • 15. August 1932. Verkehrsunfall Karl Limbacher, weiterer Bericht

    () Niederstetten, 15. Aug. Zu dem schweren Unglück in Könbronn erfahren wir noch Folgendes: Das schwere Verkehrsunglück, welches sich gestern Abend in Könbronn ereignet hat, hält alle Gemüter in Aufregung und der betroffenen Familie Limbacher zur oberen Mühle in Oberstetten wendet sich die allgemeine Teilnahme zu. Der Unfall hat sich wie folgt zugetragen. Karl Limbaher war kurze Zeit vor dem Unfall durch Könbronn bergaufwärts gefahren. Im Beiwagen seines Motorrades saßen zwei Kinder seines Bruders und drei andere Kinder. Die Straße durch Könbronn ist, wie allgemein bekannt, ganz besonders stark abschüssig. Limbacher fuhr wohl ziemlich schnell, ob er aber ein übermäßiges Tempo hatte, wird sich schwer sagen lassen. Es ist wohl möglich, daß ihm die starke Belastung des Beiwagens Bremsschwierigkeiten gemacht hat und daß er deshalb an die Seite der Straße fahren wollte. Dabei fuhr er mit voller Gewalt auf die Hausecke des Küstner'schen Anwesens, das letzte Haus in Könbronn. Die Wirkung des Anpralls war furchtbar. Der Fahrer wurde an das Haus geschleudert, alle Kinder wurden ebenfalls herausgeworfen. Karl Limbacher wurde so schwer verletzt, daß er noch in der Nacht nach dem Unfall den Geist aufgab. Die Kinder hatten meist ebenfalls schwere Verlegungen davongetragen und liegen alle im Krankenhaus Schrozberg. Ihr Befinden ist den Umständen entsprechend zufriedenstellend.

    (Vaterlandsfreund, Nr. 190, 16. 8. 1932)

  • 23. April 1933, Treffen der HJ-Gruppen Blaufelden, Gerabronn, Langenburg

    Die Hitler-Jugend marschiert!

    Am letzten Sonntag [23. 4.] veranstalteten die H.-J.-Gruppen Blaufelden, Gerabronn, Langenburg in Schrozberg, Oberstetten und Niederstetten jeweils einen Propagandamarsch mit anschließender Kundgebung. Etwas nach 2 Uhr nachmittags marschierten über 100 Hitler- und Jung-Volk-Jungens, zum größten Teil in Uniform, singend mit flatternden Fahnen durch die Straßen Schrozbergs, um sich dann im Halbkreis auf dem Marktplatz aufzustellen. Dort hielt H.J.-Führer Karl Hahn-Blaufelden vor mehreren hundert Menschen, eine zündende Ansprache. Hahn zeichnete ein Bild der heutigen Gruppierung der deutschen Jugend und rief die anwesende Jugend auf, gleich den hunderttausenden, die den Weg zu Hitler gefunden, auch einzutreten in die braunen Jugendbataillione und mitzuhelfen am Aufbau des neuen Reiches. Anschließend hielt Pg. Besser-Michelbach/Lücke eine kurze Ansprache, in der er vor allem die anwesenden Männer und Frauen aufforderte, unter Hitlers Fahnen zu treten. Mit einem kurzen Schlußwort Hahns fand die Kundgebung ihr Ende. Die H.J. und das J.V. fuhren dann, nachdem sie von der Schrozberger Jugend mit Blumensträußchen geschmückt worden waren, mit Autos nach Ober- und Niederstetten. Dort sprachen dann, ebenfalls nach Propagandamärschen, wieder vor hunderten von Menschen Kamerad Hahn und Pg. Besser über das Wollen und Wesen der H.J. Als nach diesen Kundgebungen die H.J. dann wieder heimwärts fuhr, trug ein jeder Junge in seinem Herzen das stolzen Bewußtsein: Wir sind heute wieder ein gut Stück vorwärts gekommen, eine große Zahl Neuaufnahmen und eine fanatisch begeisterte Jugend sind der Erfolg unserer Arbeit. Eine glänzende Rechtfertigung dieses Bewußtseins erfuhr die Blaufelder Hitler-Jugend, als sie auf dem Rückweg noch eine kurze Zeit in Schrozberg anhielt: Die aussteigenden Hitlerjungens wurden von einer Anzahl Mädchen im wahrsten Sinne des Wortes mit Blumensträußchen überschüttet. Sieg Heil! (L. St.)

    (Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 95, 25. 4. 1933, S. 3)

  • 24. März 1936. Propagandafahrt des stv. Gauleiters Schmidt

    Auf der Nordostfahrt des stv. Gauleiters durch den Bezirk
    Friedrich Schmidt begeistert 2500 Volksgenossen des Kreises Gerabronn

    * Gerabronn, 23. März. Erwachen - Aufbruch einer Nation! Vom wolkenlosen Himmel strahlt warme Frühlingssonne auf Menschen u. Fluren. Ueberall freudige Gesichter, begeisterte Jugend, gläubige, durch nichts in ihrem Vertrauen zu erschütternde Männer und Frauen; Fahnen grüßen, Girlanden und Wimpel überspannen die Straßen, auf denen der stellv. Gauleiter Schmidt mit seiner Begleitung durch die hohenlohisch-fränkische Heimat fährt. Von Hall kommend, wo er am Samstag mit Staatsrat Meinberg im überfüllten Neubausaal gesprochen hatte, traf er gegen 14 11 Uhr in
    Rot am See
    ein. Es war eine erhebende Feierstunde, als er inmitten zahlreicher Männer und Frauen unter freiem Himmel von den Dingen, die Deutschland und die Welt bewegen, aus gläubigem Herzen zu einer andächtig lauschenden Menge sprach. Spontan brach die Bevölkerung in ein Siegheil auf den Führer und Retter Deutschlands aus und dankbar klangen die Nationalhymnen in den Aether. Unter Heilrufen setzte sich die Fährt dann fort nach
    Brettach,
    dem Mittelpunkt der Landwehr. Fahnen an jedem Haus. Reitersturm, SA., SAR, SS., HJ., BdM. und NS.-Frauenschaft und Vereine hatten Aufstellung genommen. Ueber 500 Volksgenossen umsäumten den Platz. Marschmusik der Kreiskapelle leitete die Kundgebung ein, Gesang- und Chor der HJ. folgten u. nach dem Begrüßungschor des Gesangvereins hieß Ortsgruppenleiter Gehring den alten Kämpfer im Hohenlohischen herzlich willkommen. Begeistert empfangen spricht dann der stv. Gauleiter zu seinen Landsleuten. In klaren Linien legte der stv. Gauleiter den Sinn dieser Wahl und die Bedeutung des 29. März dar, der nicht nur eine Wende des deutschen, sondern des Geschickes der ganzen Welt bedeute. Er befaßte sich eingehend mit dem entscheidenden Schritt des Führers vom 7. März, geißelte in scharfen Worten die Haltung, die die ausländischen Staatsmänner stets deutschen Schritten und deutschen Vorschlägen gegenüber einnehmen und schälte überzeugend die Notwendigkeit der Wiedererrichtung der deutschen Souveränität im Rheingebiet heraus und zwar als Schutzwall gegen die Gefahr des Weltbolschewismus, der ganz Europa bedrohe. Diese Entscheidung habe gefällt werden müssen! Und wenn Adolf Hitler eine Entscheidung treffe, so stehe diese fest, jetzt u. in aller Zeit. Deutschlands Macht liege in seiner Einigkeit. Adolf Hitler sei der einzige Staatsmann, der wisse: Wenn er Ja sage, dann sage das ganze Volk Ja, u. wenn er Nein sage, dann sage das ganze Volk Nein! (stürmischer Beifall).
    Adolf Hitler ist heute der stärkste Mann in Europa, weil wir etwas haben, das stärker ist als alle Armeen der Welt. Wir haben ein einig Volk, einen einzigen Glauben und einen einzigen Führer. (Lang anhaltender stürmischer Beifall). Noch nie stand ein Mann vor solchen Entscheidungen, wie Adolf Hitler in den letzten Jahren. Wir haben wieder eine Armee und haben Waffen; wir sind nicht mehr wehrlos. Das größte ist aber, daß ihr deutschen, Menschen, wie ihr hier seid, zusammengeschweißt seid wie ein einziger Volk. Wir haben recht und deshalb sind wir so ruhig. Ueber dem Recht von Locarno steht das Lebensrecht des deutschen Volkes und dieses Lebensrecht ist vom Herrgott selbst gegeben worden. Wir verlangen, daß wir in deutschen Landen die alleinigen Herren sind. Er sprach diesen Menschen aus dem Herzen, als er ausrief: Wir wollen gleichberechtigt sein mit den andern Völkern, weil wir glauben, daß wir ein genau so fleißiges und tüchtiges Volk sind wie die andern Völker. Nach einem Rückblick auf die großen und einzig dastehenden Leistungen nat.-soz. Staatsführung, appellierte er an das deutsche Gewissen, am 29. März seine Pflicht zu tun. Und er kann die Gewißheit haben, daß die Landwehrgemeinden der Stimme ihres Herzens folgen werden. Wuchtig brausten die Lieder der Nation über den Platz. Ein Vorbeimarsch vor dem stellv. Gauleiter und dem Kreisleiter beendigte diese Kundgebung. Dann gings in die Vaterstadt Fr. Schmidts, nach
    Wiesenbach.
    Hier schlugen ihm besonders dankbare Herzen entgegen. Zu seinem Empfang hatte jedes Haus Flaggenschmuck angelegt. Die Wiesenbacher sind stolz auf ihren Sohn, das spürte man und das sah man allen Gesichtern an. Viel Worte zu sagen konnte sich der Vertraute des Führers ersparen. Auf seine Wiesenbacher kann kann er sich verlassen. Ueberall streckten sich ihm Hände zum Gruß entgegen, ein Händedruck, ein Verstehen und Versprechen. Kurz sprach er von dem Wunder der Volkwerdung, von der Größe der deutschen Einigkeit, um das uns die Welt beneidet. Es rentiert sich wieder in Deutschland zu leben und zu arbeiten. Jeder Einzelne ist ein Teil dieser Gemeinschaft. Wir dürfen stolz sein, daß wir diese Zeit miterleben und dem Führer dienen dürfen, in ihm grüßen wir unser Deutschland. In das Sieg-Heil und das Deutschland- und Horst Wessel-Lied stimmte die vielhundertköpfige Einwohnerschaft mit heller Begeisterung ein. Eine besondere Ovation brachte dem stellv. Gauleiter die Hitlerjugend und der Bund deutscher Mädel dar. Auf 7 Lastwagen verteilt, durchfuhren sie am Sonntag den Bezirk und warben in ihrer eindringlichen Art für den 29. März. Plötzlich tauchten sie auch vor dem Elternhaus in Wiesenbach auf und brachten nach Sprechchören ihrem stellv. Gauleiter eine herzliche Huldigung dar. Rasch war die Zeit verstrichen; unter Abschiedsgrüßen und Heilrufen setzte sich die Wagenkolonne wieder in Bewegung in Richtung Schrozberg. In
    Lindlein und Schmalfelden
    war kurzer Halt. Die Bauern begrüßten den stellv. Gauleiter. Kurz sprach er vom Sinn und der Bedeutung der Wahl zu ihnen: Er unterhält sich mit Bauern, Veteranen. Frauen und Kindern, und alle bestätigen sie ihm auf ihre treue Art mit leuchtenden Augen das restlose Vertrauen zum Führer und seinem Werk, und die Bereitschaft, sich bei der kommenden Wahl wie ein Mann hinter den Führer zu stellen. Rasch war
    Schrozberg
    erreicht. Die NS.-Formationen und eine Hundertschaft des Arbeitsdienstes hatte vor dem Ort Ausstellung genommen. Mit klingendem Spiel ging der Marsch zum Marstallgebäude zur Großkundgebung für den Führer. 600-700 Volksgenossen waren versammelt. Sprechchor, Musik und Liedtois leitete die Feierstunde ein, 6-700 Volksgenossen konnte Kreisleiter Niklas begrüßen. Mit Heilrufen und Händeklatschen wurde stellv. Gauleiter Schmidt empfangen. In zündender Rede riß er die Menschen zu Beifallsstürmen hin. Deutschland ist entschlossen, sich unter keinen Umständen als ein minderwertiges Volk behandeln zu lassen. Der formelle Beschluß des Völkerbundsrates läßt uns kalt, denn das Schicksal eines Volkes läßt sich nicht in starre Paragraphen einzwängen. Die Tat des Führers vom 7. März war eine grundlegende Entscheidung für den Frieden der Welt. Dieser Schritt war notwendig und nichts wird uns bestimmen können, ihn irgendwie wieder rückgängig zu machen. Die fremden Staatsmänner müssen endlich erkennen, daß das Deutschland des Führers nicht mehr das Deutschland der Novemberrepublik ist. Die Zeit der Diffamierung ist vorbei. Wenn die fremden Staatsmänner noch nicht begriffen haben, daß der Versailler Vertrag für Deutschland nur noch ein Fetzen Papier ist, so weiß es bei uns jedes Kind. Die Welt soll begreifen, daß wir im eigenen Land selbst Ordnung halten können. Wir brauchen hierzu keine fremden Soldaten. Wir stellen das Lebensrecht des deutschen Volkes höher als alle Paragraphenreiterei der Völkerbundsjuristen (stürm. Beifall). Mit Nachdruck betonte der Redner, daß in der Einheit und Geschlossenheit der deutschen Nation die stärkste Friedensgarantie liegt. Wenn Deutschland einig bleibt, dann können wir allen Stürmen ruhig entgegensehen. Jetzt ist es aus mit der Methode, auf Deutschland herumzutrampeln. Wir sind unter allen Umständen entschlossen, uns nicht einschüchtern zu lassen und unsere Freiheit, unsere Sicherheit und unsere Lebensrechte bis zum letzten zu verteidigen. Das ganze deutsche Volk ist heute zur Hausmacht des Führers Adolf Hitler geworden. Auch diese Kundgebung war ein einziges, machtvolles Bekenntnis zum Führer, zur Ehre und zur Gleichberechtigung der Nation, und der Redner war nur der Sprecher seiner Hörer, der das in Worte kleidete, was unausgesprochen jeder in seinem Herzen trägt. Nicht endenwollender Jubel beschloß diese machtvolle Kundgebung. Das Gelöbnis des Ortsgruppenführers Pg. Binder war ein Versprechen aller, am Wahltag die nationale Pflicht zu erfüllen. Nach einem Vorbeimarsch der Formationen setzte sich die Triumphfahrt fort.
    Oberstetten
    ließ es sich nicht nehmen, dem stellv. Gauleiter auf der Durchfahrt den Willkomm zu entbieten. Auch hier gläubige Menschen, fest entschlossen und dankbaren Herzens dem Führer zu folgen. In rascher Fahrt war
    Niederstetten
    erreicht. Auch hier waren die NS.-Formationen zur Begrüßung angetreten. In der überfüllten Turnhalle empfängt den Redner die SS.-Kapelle Ellwangen, die am Abend ein Konzert gab. Ungeheure Spannung und Begeisterung herrscht. Nicht alle finden Einlaß in der Halle, die Rede wird durch Lautsprecher ins Freie übertragen. Begeisterung löst die Begrüßung durch den Kreisleiter aus. "Der Frontsoldat kennt den Krieg und erhält den Frieden". Dieser Satz auf dem großen Spruchband bildet auch hier den Kernpunkt der zündenden Ausführungen. Alle kennen die Marschrichtung, trotzdem sind sie da, die vielen Menschen. Durch ihre blose Anwesenheit bekunden sie heute und auf allen Kundgebungen jetzt schon ihre Stimme für Adolf Hitler. Wie in den vorangegangenen Versammlungen, so gibt der Redner auch hier in seiner groß angelegten Rede ein umfassendes Bild der heutigen weltpolitischen Lage und eine weittragende Schau der gegenwärtigen und zukünftigen Entwicklung der deutschen und europäischen Politik. Die Sprache des Volksmanns und Volksführers Adolf Hitler sei wohl den Diplomaten und Staatsmännern ein Aergernis, den Völkern aber eine aufrüttelnde Botschaft. Im Herzen Europa: stehe als Lenker eines 67-Millionen-Volkes ein Führer, der es ablehne, Diktator zu sein. Die drei Jahre seit der nat.soz. Machtergreifung seien von einzigartiger geschichtlicher Bedeutung und geben die Voraussetzungen ab für eine Entwicklung in die Jahrhunderte und Jahrtausende. Heute sei Deutschland und der Führer zum Garanten des europäischen Friedens u. der abendländ. Kultur überhaupt heraufgewachsen. Die Bannung der europäischen Gespensterfurcht sei nur durch die zusammengeballte Wucht des deutschen Volkswillens noch möglich. Der stellv. Gauleiter stellte in großen Zügen die gewaltigen, unvereinbaren Prinzipien heraus, die heute Europa und die Welt beherrschen: das völkische Prinzip der Blutsverbundenheit und das anarchische Prinzip des Weltbolschewismus. Dieses weltpolitische Entweder-oder sei eine Entscheidung, vor die jedes einzelne Volk als vor seine Lebensfrage gestellt werde. In der Schaffung der Einheit aller Deutschen auf der Grundlage der Bluts- u. Brotgemeinschaft sei die Grundlage für diese auf Jahrhunderte bestimmten Wirkungen gelegt. Die Erfüllung und die Sinngebung einer zweitausendjährigen unglückseligen und zerrissenen deutschen Geschichte liege heute vor Augen des gesamten Volkes, in dem der Allmächtige den Führer als sichtbaren Vollstrecker seines Willens dem deutschen Volke gesandt habe, den Führer, der die innerste Sehnsucht des ganzen Volkes erfülle.
    Mit tosendem Beifall wurden die Ausführungen Pg. Schmidt's über das Gesetz des gleichen Blutes, auf dem allein der Frieden Europas aufgebaut werden könne, aufgenommen und über den Begriff des ewigen Deutschland. Solange ein deutscher Bauer am Pflug, ein Arbeiter hinter der Werkbank stehe, solange Deutschlands Jugend singend über Wiesen und Felder marschiere, solange deutsche Mütter Kinder gebären, solange werden wir vom ewigen Deutschland sprechen. Deshalb sei sich jeder Deutsche seiner Pflicht am 29. März bewußt, auf daß die Welt sehe, daß es nichts Höheres, nichts Stärkeres gebe als ein einiges, freies Volk. Immer wieder wird die Menge zu Beifallskundgebungen hingerissen, als der Redner von den Großtaten der letzten 3 Jahre spricht, als er den Sieg der Saar, die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht streift. So werde, führt d. stellv. Gauleiter unter jubelndem Beifall aus, der 29. März 1936 eine gewaltige Manifestation des geschlossenen deutschen Volkswillens vor aller Welt sein, die dem Führer die Möglichkeit gibt, das deutsche Schicksal und damit das Schicksal Europas zu meistern. Die Nationalhymnen und nicht endenwollender Beifall beschloß die wahrhaft erhebende Kundgebung deutschen Volkswillens. Unter dem Beifall und Heilrufen verließ dann Pg. Schmidt den Bezirk, um abends in Weikersheim und Mergentheim zu den dortigen Volksgenossen zu sprechen. Es waren erhebende Stunden, diese Fahrt durch unsere Heimat, überall Begeisterung, freudige Einsatzbereitschaft und der Ausdruck großer Volksgemeinschaft. Unserem stellv. Gauleiter auch an dieser Stelle zusammenfassend aller Dank in einem Sieg-Heil.

    Der Franke, Nr. 70, 24. 3. 1936

  • 5. Dezember 1935. Einweihung der Schulküche

    Niederstetten, 5. Dez. (Einweihung der Niederstettener Schulküche.) Noch ist es erst 1 1/2 Jahre her, seit Niederstetten Schulhauseinweihung feierte und schon wieder lud es zu einer Schulfeier ein: zur Eröffnung seiner hauswirtschaftlichen Fortbildungsschule. Auf die Anregung von Herrn Schulrat Weikert, der tatkräftig für die Forderungen des württ. Kultministeriums eintrat, Schulküchen zu errichten, war im Frühjahr durch den Zusammenschluß der acht Gemeinden Niederstetten, Oberstetten, Wildentierbach, Vorbachzimmern, Wermutshausen, Pfitzingen, Herrenzimmern, und Adolzhausen, der hauswirtschaftl. Schulverband gegründet worden. Da der Staat einen wesentlichen Teil der laufenden Kosten übernimmt und überdies die Lehrerin noch in Niederstetten und drei weiteren Orten Handarbeitsunterricht erteilt, kommen die Gemeinden finanziell sogar noch günstiger weg als bei der bisherigen Regelung. Im Oktober wurde eine Fachlehrerin bestellt, nachdem zuvor die räumlichen Veränderungen im alten Schulhaus getroffen waren. Hier erhalten nun seit kurzem die fortbildungsschulpflicht. Mädchen der Verbandsgemeinden, zusammen 75, in fünf Abteilungen, je einen Vormittag hauswirtschaftlichen Unterricht. Zur Eröffnung am letzten Montag waren neben den Bürgermeistern, Lehrern und Ratsherren sowie dem Ortsgruppenleiter der NSDAP., noch eine Anzahl Gäste erschienen, zur besonderen Freunde der Anwesenden auch Herr Schulrat Weikert.

    Nach der in nassem Schneetreiben vorgenommenen Flaggenhissung begann die Feier im künftigen Raum für den theoretischen Unterricht. Bürgermeister Schroth begrüßte die erschienenen Gäste. Er freute sich, sie heute hier zu sehen, wenn Niederstetten eben darangegangen sei, den letzten Schritt in seinem Schulwesen zu tun, auf dem es in einer langen Reihe von Jahren kaum mehr Aufgaben zu lösen gebe. Das alte Schulhaus sei nun nicht, wie ursprünglich geplant, ein Krankenhaus geworden, sondern habe sich als günstig erwiesen für die Schaffung einer Schulküche mit entsprechenden Nebenräumen. Er danke besonders Herrn Schulrat Weikert, der ihm mit Rat und Tat bei der Durchführung der Aufgabe, beigestanden, sowie den Vertretern der Verbandsgemeinden für ihr Verständnis. Dann übergab er die Schulküche mit Einrichtung dem Schulvorstand, Oberlehrer Wahl, mit der Bitte, sie in treue Obhut zu nehmen. Zum Schluß betonte Bürgermeister Schroth, wenn es mit der Gründung der neuen Schule so rasch gegangen sei, so sei das auch unserem nationalsozialistischen Staat zu danken, der sich tatkräftig für die beste Bildung unserer Jugend einsetze. Mit einem "Sieg-Heil" auf den Führer schloß er seine Ausführungen.

    Oberlehrer Wahl brachte als Schulvorstand und im Namen des Ortsschulrats allen, die zur Gründung und Einrichtung der neuen Schulküche beigetragen hatten, den Dank zum Ausdruck, besonders Herrn Schulrat Weikert, aber auch den Vertretern der Gemeinden mit ihrem Vorsitzenden, Herrn Bürgermeister Schroth, sowie der Ministerialabteilung für die Volksschulen für die finanzielle Mithilfe. Schon vor sechs Jahren hätten die Lehrer des Bezirks Gerabronn die Gründung hauswirtschaftlicher Schulverbände angestrebt. Was damals nicht erreicht werden konnte, sei heute, im Reich Adolf Hitlers, fast mühelos gegangen. Dann übernahm Oberlehrer Wahl die Schulküche aus den Händen der Stadtverwaltung in die Obhut der Schule und übergab sie der ersten Fachlehrerin der neuen Schule, Fr. Meißner, mit der Bitte um schonende Behandlung. Die neue Schule möge auch künftig ein Schmuckkästlein bleiben. Den Schülerinnen sagte er, wenn sie als Hausfrauen und Mütter später das Gelernte in der kleinsten Zelle, in der Familie, zur Anwendung brächten und ihre Pflicht dort treu erfüllen, dann hätten sie das Höchste geleistet, was man von ihnen verlangen könne und müsse, nämlich Dienst am Volk.

    Herr Schulrat Weikert sprach ausführlicher über Aufgaben und Ziele der hauswirtschaftlichen Fortbildungsschulen. Er betonte, welche gewaltige volkswirtschaftliche Bedeutung die deutsche Hausfrau habe, durch deren Hände der größte Teil des Volkseinkommens fließt. Die Frau könne im Schurz mehr aus dem Haus tragen, als der Mann im Schubkarren hereinführen. Deshalb sei es Pflicht der Gemeinden und des Staates, die weibliche Jugend für ihre späteren Hausfrauenpflichten gut vorzubereiten. In humorv. Weise wußte er darzulegen, wie das harmonische Zusammenleben in der Ehe, eben auch von äußeren Dingen abhänge und wie gute hausfrauliche Fähigkeiten im Kochen und Wirtschaften unter allen Umständen gute Vorbedingungen für die Gründung eines geordneten Hausstandes seien. Wer in dieser Schule viel lerne und es dann daheim verwirkliche, der leiste seine Pflicht innerhalb der Volksgemeinschaft. Anschließend fand die Besichtigung der neues Räume statt, der sich noch eine kleine Nachfeier in der "Post" anschloß. So hat nun Niederstetten den Schlußstein in sein Schulwesen eingefügt. Mit Stolz kann es auf das Geschaffene auf diesem Gebiet blicken. Möge auch dieser letzte Schritt, geradeso wie dies beim Schulhausneubau der Fall war, anregend wirken und zur Nacheiferung zwingen. Möge aus der neuen Schule sich ein reicher Segensstrom ergießen in Familie und Gemeinden, zum Wohle unseres heranwachsen den Geschlechts!

    Der Franke, Nr. 286, 7. 12. 1935

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