Rühling

Rühling

  • 24. Mai 1937. Verabschiedung von Bürgermeister Jakob Schroth

    Abschiedsfeier für Bürgermeister Schroth
    Niederstetten, 24. Mai. In einer am 14. Mai stattgefundenen Versammlung der Bürgermeister des Kreises Gerabronn haben dieselben von ihrem Kollegen, Bürgermeister Schroth-Niederstetten, welcher als Bürgermeister nach Herrenberg kommt, Abschied genommen. In einer Ansprache des Kreisleiters wurden die Verdienste des Scheidenden gewürdigt. Am gestrigen Abend hatte sich nun die Bevölkerung Niederstettens und besonders auch der Teilgemeinden in einer großen Zahl in die festlich geschmückten Turnhalle versammelt, um von ihrem Bürgermeister Abschied zu nehmen, Was Bürgermeister Schroth während seiner 20jährigen Tätigkeit als Amtsvorsteher von Niederstetten geleistet hat, kam in den zahlreichen Reden des Abends zum lebhaften Ausdruck, ebenso seine Verbundenheit und der seiner Familie mit der Bevölkerung. Landrat Wöhrle-Gerabronn und Kreisleiter Niklas-Riedbach waren erschienen, um den Dank abzustatten für die von Bürgermeister Schroth geleistete Arbeit als Kommunalbeamter und in dieser Eigenschaft als Kreisamtswalter der NSDAP. Zum äußeren Zeichen der Anerkennung seiner Verdienste um das Gemeindewohl überreichte der stellvertretende Bürgermeister Melber ein Gemälde, Niederstetten mit Aussicht auf das Schloß darstellend, von einem Heimatsohne, Kunstmaler Gehring-Stöckenburg. Studienrat Maier sprach für die Lehrer und dankte für die Initiative beim Bau der neuen Schule und übergab als kleines Zeichen des Dankes ein Bild der Schule. - Ortsgruppenleiter Thomas nahm in herzlichen Worten Abschied von seinem Parteigenossen. Herr Gräter-Hermuthausen und Direktor Roesler-Igelfingen sprachen für den Elektrizitäts-Gemeindeverband Ingelfingen-Hohebach und gedachten seiner als dem Gründer desselben. Aus dem gleichen Anlaß dankten die Vorstände der Weingärtnergenossenschaft und der Milchverwertung. Für das volle Verständnis und die entgegenkommende Förderung ihrer Belange dankten die Vorstände des Turn- und Männergesangvereins, sowie des Kyffhäuserbundes. Stadtpfleger Pflüger sprach für die städt. Angestellten und betonte das gute Einvernehmen und verständnisvolle Arbeiten mit ihrem Vorgesetzten. Bürgermeister Striffler-Vorbachzimmern hob die Verdienste des Scheidenden um das nachbarliche gute Einvernehmen in Schulfragen hervor. Stadtpfarrer Göltenboth sprach für die ev. Kirchengemeinde. Die ganze Feier wurde festlich umrahmt durch Darbietungen gesanglicher und musikalischer Art durch den Männergesangverein und die Kreismusikkapelle. Tiefbewegt dankte Bürgermeister Schroth allen Erschienenen und besonders den Rednern für ihre Beweise der Anerkennung seiner Arbeit und bemerkte, wie ungern er aus diesem seinem liebgewordenen Wirkungskreise scheide, sei ihm doch Niederstetten eine zweite Heimat geworden, mit der er auch durch Grund und Boden verbunden sei und bleiben werde. Die ihm dargebrachten Glückwünsche für sein und seiner Familie ferneres Wohlergehen erwiderte er für die ganze Einwohnerschaft .Am Abend zuvor fanden sich auch Aufsichtsrat und Vorstand der Landw.- und Gewerbebank Gerabronn bei Aufsichtsratsmitglied Marquardt z. "Krone", um mit dem scheidenden Herrn Bürgermeister Schroth noch im engeren Kreise etwas beisammen zu sein. Bei dieser Gelegenheit ergriff Bankvorstand Rühling das Wort, um namens der Genossenschaft Herrn Schroth für dessen Tätigkeit und Unterstützung als Vorstandsmitglied seit 1926 den wärmsten Dank zu sagen. Herr Rühling entwarf dabei auch einen recht interessanten Rückblick auf die Entwicklung der Genossenschaft und insbesondere der Filiale in Niederstetten. So ist die Zahl der Mitglieder in Niederstetten von 1923-1936 von 71 auf 203 gestiegen und die geführten Konten in Spareinlagen, laufender Rechnung und Darlehen von 217 auf 1511 angewachsen. In seiner Erwiderung betonte der Scheidende starke Verbundenheit mit der Genossenschaft, die er auch gerne als überzeugter Genossenschaftler aufrecht erhalten werde. Auch der Leiter der Bankfiliale in Niederstetten, Herr Willy Schuster brachte in herzlicher Weise seinen Dank für die schöne Zusammenarbeit mit Herrn Bürgermeister Schroth zum Ausdruck. Die an der Feier teilnehmenden Herren der Bank gaben dem Scheidenden ihre besten Wünsche für seinen neuen Wirkungskreis mit auf den Weg.

    Der Franke, 24. 5. 1937

  • 29. Juli 1936. Kreisfeuerwehrtag

    Niederstetten 29. Juli. (Kreisfeuerwehrtag.) Am letzten Sonntag hielt der Bezirksfeuerwehrverband Gerabronn hier seinen Kreisfeuerwehrtag ab. Aus dem ganzen Kreise waren die Kommandanten der Ortsfeuerwehren erschienen, desgleichen größere Abteilungen der Feuerwehren Blaufelden, Bartenstein und Kirchberg; letztere mit ihrer Motorspritze. Die Tagung begann um 9 Uhr mit einer Sitzung des Ausschusses im Gasthaus zur "Post". Nach einem Vorbeimarsch der Feuerwehren vor Herrn Kreisfeuerlöschinspektor Kellermann-Gerabronn, begannen die Geräteübungen der freiwilligen Feuerwehr Niederstetten, welche durch disziplinierte Haltung u. exakte Ausführung ungeteilten Beifall der sehr zahlreichen Zuschauer erfuhr. Anschließend endigte eine Hauptübung bei einem angenommenen Brandobjekt, mit Unterstützung der Motorspritze Kirchberg, welche mit einem Hauptrohr und drei Nebenrohren arbeitete und ihr Wasser aus dem Vorbach holte. Auch für diese Uebung wurde großes Interesse gezeigt. Der Vormittag schloß mit der Vorführung einer Motorspritze durch die Magiruswerke Ulm a. D., welche abwechselnd mit Wasser und Schaum, sowie mit einem und sechs Rohren arbeitete. — Um 13 1/2 Uhr fand die Tagung in- der Turnhalle ihren Fortgang. Herr Kreisfeuerlöschinspektor Kellermann begrüßte die Anwesenden, worauf Herr Bürgermeister Schroth das Wort ergriff. Er betonte besonders auch, daß es dieses Jahr zehn Jahre seien, seit die freiw. Feuerwehr Niederstetten gegründet worden wäre und hätte die Feuerwehr im Jahre 1925 dreihundert Feuerwehrpflichtige gezählt, so wurde sie darauf auf 120 reduziert. In seinen weiteren Ausführungen berichtete Herr Bürgermeister Schroth über die Bandfälle dieser zehn Jahre, in welcher sich die freiw. Feuerwehr Niederstetten ganz hervorragend bewährt habe. Als besondere Ehrung für treue Pflichterfüllung konnte er dem Kommandanten Karl Streitberger das Verdienstkreuz überreichen. Herr Feuerlöschinspektor Kellermann erläuterte in einer längeren Ausführung die Einheitsfeuerwehr in ihrer Einteilung nach neuen Gesichtspunkten und führte als Beispiel die freiw. Feuerwehr Niederstetten an, welche schon vollständig als Einheitsfeuerwehr aufgestellt sei und ihre Uebungen in diesem Sinne heute ausgeführt habe. Bei der früheren Einteilung gab es Steiger-, Retter-, Schlauchleger-, Hydranten-, Spritzen- und Wachmannschaften, während heute jeder Feuerwehrmann an allen Geräten ausgebildet wird, um so überall eingesetzt werden zu können. Protokollführer Rühling-Gerabronn verlas die Berichte über die letzten Jahre und Kassenleiter Maurer gab Rechenschaftsbericht. Nun ergriff Obertruppmeister Müller vom Reichsluftschutzbund zu seinem Vortrag über: Luftschutz und Feuerwehr im Luftschutz, das Wort. Seine packenden Ausführungen brachten lebhaften Beifall und überzeugten die Zuhörer davon, daß der Luftschutz eine Lebensfrage für das deutsche Volk geworden ist, denn Deutschland sei das luftempfindlichste Land Europas und besonders für eine Zermürbung der Zivilbevölkerung durch Luftangriffe geeignet und darum der zivile Luftschutz, zu welchem jeder Deutsche und jede Deutsche verpflichtet sei, zum Schutze der Heimat und besonders wir auf dem Lande sind der Zerstörung der Ernährungsgrundlage ausgesetzt, denn im Ernstfalle wird jeder lebendwichtige Betrieb aus der Luft angegriffen werden. In seiner Rede erklärte Herr Müller die Kampfmittel in einem zukünftigen Kriege, besonders die Wirkungen der Brandbomben und in dieser Beziehung die Arbeit der Hausfeuerwehren und des Feuerwehrtrupps im Luftschutz. Mit einem dreifaden Sieg-Heil auf unseren Führer schloß die Tagung in der Turnhalle. — Unterdessen hatte sich vor der Turnhalle eine große Anzahl Volksgenossen versammelt, um die Luftschutzübungen unter der Leitung von Herrn Obertruppmeister Müller (Alarm, Angriff, Einsatz der Selbstschutzkräfte unter Verwendung der Luftschutzgemeinschaft), anzusehen. Die bei der Uebung eingesetzten Teilnehmer des ersten Luftschutzkurses in Niederstetten konnten hier zeigen, daß sie nicht umsonst diesen Kurs besucht hatten. Mit Gasmasken ausgerüstet, führten sie die ihnen gestellten Aufgaben bei einem angenommenen Luftangriff mit Ruhe und Sicherheit aus. Es folgte hieran noch die Vorführung von Brandsätzen und das Ablöschen eines mit leicht brennbaren Stoffen, wie Stroh und Reisig gefüllten Dachstockes, welches durch einen Brandsatz angezündet wurde. Lebhaftestes Interesse wurde allen diesen Vorführungen von Seiten der Zivilbevölkerung und der Feuerwehrleute entgegen gebracht.

    Der Franke, Nr. 174, 29. 7. 1936