Stuttgart

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  • 17. Juni 1939. Hauptversammlung der Landw. Bezugs- u. Verwertungsgenossenschaft

    Niederstetten, 17. Juni. (Hauptversammlung der Landw. Bezugs- und Verwertungsgenossenschaft Niederstetten). Die Hauptversammlung des hiesigen Lagerhauses fand am vergangenen Sonntag im Gasthaus zum "Löwen" statt. Vorsteher Osiander-Sichertshausen eröffnete die Versammlung und konnte 200 erschienene Mitglieder aus den umliegenden Gemeinden begrüßen. Er wies darauf hin, daß die heutige Hauptversammlung zwei Geschäftsjahre zu erledigen hätte, nachdem im vergangenen Jahr wegen der Maul- und Klauenseuche die Hauptversammlung hatte ausfallen müssen. Geschäftsführer Schürger gab den Bericht über die Geschäftsjahre 1936/37 und 1937/38 bekannt, ebenso die Bilanzen für die beiden Jahre. Dem Bericht ist zu entnehmen, daß sich der Umsatz Jahr für Jahr gesteigert hat. Der Gesamtumsatz betrug im Jahr 1937/38 rund 2,96 Millionen, der Warnumsatz bei 43 000 Dz. 710 000 Mk. Die Zahl der Mitglieder beträgt rund 500. Die Bilanz schließt mit einem Gewinn von 5700 Mark ab, für beide Geschäftsjahre werden je 5 Prozent Dividende ausgeworfen, der Rest wird dem Reservefond zugewiesen. Die Berichte und die Bilanzen werden von der Hauptversammlung für gut geheißen und den Verwaltungsorganen wird Entlastung erteilt. Die ausscheidenden Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder werden wiedergewählt. Der Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Otto Osiander-Sichertshausen (Vorsteher), K. Streitberger-Niederstetten (stellv. Vorst.), Bernhard Schmieg-Ochsental, Wilhelm Markert-Pfitzingen, Adolf Thürrauch-Adolzhausen, Heinrich Schürger-Niederstetten. Dem Aufsichtsrat gehören an: K. Löber-Ermershausen (Vors.), J. Hörner-Herrenzimmern (Stellv.), Joh. Haag-Oberstetten, L. Klein-Hirchbronn, K. Schaffert-Reichertswiesen, F. Scheuermann-Herbsthausen, A. Hammel-Vorbachzimmern, Friedr. Münz-Hollenbach, Al. Jakob-Zaisenhausen, R. Beck-Wildentierbach, E. Ziegler-Gütbach, W. Abendschein-Eichswiesen, J. Lüllig-Simprechtshausen, A. Schneider-Riedbach, Friedr. Albrecht-Wittmersklingen. Unter Punkt Verschiedenes fand eine Aussprache über Sacklieferung, Gerstenablieferung, Kartoffeldämpfkolonne usw. statt. Beschlossen wurde, daß zwischen der Heu- und Getreideernte das Lagerhaus einen Sonderzug nach Stuttgart es Besuch der Reichsgartenschau laufen läßt. Vorsteher Osiander sprach zum Schluß dem Geschäftsführer, den Angestellten und den Arbeitern sowie allen Mitgliedern den Dank für ihre im Interesse der Genossenschaft geleistete Arbeit aus, er bat die Mitglieder alles daran zu setzen, daß auch künftighin eine gute Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und den Mitgliedern herrschen möge wie dies bisher der Fall war zum Segen der Genossenschaft. Mit einem Sieg-Heil auf den Führer und Reichskanzler schloß der Vorsteher die anregend verlaufene Hauptversammlung.

    Der Franke, 17. 6. 1939

  • Baumann, Mina geb. Kirchheimer

    Geb. 1. 7. 1891 in Hollenbach
    Heirat: 30. 6. 1931
    Ehemann: Otto Baumann, Baumeister in Niederstetten, "nicht jüdischer Abstammung"
    1944 oder 15. 2. 1945 Deportation nach Theresienstadt
    1945 Rückkehr nach Niederstetten, lebte bis 1960 in Niederstetten mit ihrem Ehemann zusammen, danach getrennt lebend
    1960 oder 1961 Auswanderung in die USA (New York)
    1961 oder 1962 Rückkehr nach Bad Friedrichshall-Jagstfeld oder Stuttgart
    Gest. 10. 3. 1962, Heilanstalt Weinsberg (Kreislaufstörung)
    Ununterbrochener Wohnsitz in Niederstetten: 1898-1960
    Vater: Abraham Kirchheimer
    Mutter: Ricke Kirchheimer geb Schlossberger
    Schwester: Elsie Joffe, New York
    "In dem kleinen Städtchen Niederstetten mit etwa 1800 Einwohnern sei sie schon im Jahre 1931 als Jüdin vielen Schikanen, Aufregungen ausgesetzt gewesen. Ihr Ehemann – Architekt – habe beruflich deshalb außerordentlich große Schwierigkeiten und Existenzsorgen gehabt. 1938 sei er wegen seiner Ehe mit einer Jüdin nicht in die Kammer der bildenden Künste (Reichskulturkammer) aufgenommen worden und hätte daher seinen Beruf als Architekt nicht ausführen können."
    Entschädigung wegen erlittener Haft 300 DM
    Entschädigung für Heilverfahrenskosten 362,35 DM
    Entschädigung für "weitere" Heilverfahrenskosten 120 DM
    Entschädigung Körperschadensrente
    ab 1. 9. 1952 mit 61.-
    ab 1. 11. 1953 bis März 1962 100 DM
    Zahlung einer Soforthilfe 6000 DM
    "Die Ehe Baumann - Kirchheimer war anfänglich durchaus harmonisch. Mit Beginn der nationalsozialistischen Bewegung 1933 begannen sich Störungen in der Ehe bemerkbar zu machen, sodaß immer mehr ein Auseinanderleben zunahm, was sich soweit ausdrückte, daß jeder Ehepartner seinen eigenen Weg ging, obwohl sie im gleichen Hause wohnten. Dieser unerträglichen Zustand führte dann 1960 zur Trennung der Ehegatten ohne Auflösung der Ehe und einer Unterhaltsrentenabfindung durch freiwilligen Vertragsabschluß. Hierauf reiste die Ehefrau zu Verwandten nach U.S,A. Sie kehrte aber bald wieder zurück nach Stuttgart u. starb dann 10.3.1962 in der Heilanstalt Weinsberg. Frau Gertrud Fexer geb. Greiß, Witwe, Bahnhofstraße in Niederstetten, hat die Ehefrau Baumann genau gekannt, wenn evt. weitere Angaben über die Persönlichkeit erforderlich sind."
    Adresse: Elsie Joffe, 1266 Grand Concourse, Bronx 56, New York

    Quelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-139 ff.

  • Braun, Sofie gen. Saly, geb. Wiesenbacher

    Geb. 7. 9. 1878 in Niederstetten
    Heirat: 29. 5. 1900 in Niederstetten
    Ehemann: Samuel Braun, geb. 18. 1. 1870, gest. 20. 11. 1932
    Kinder:
    Auguste, geb. 15. 3. 1903, verh. seit 19. 6. 1921 mit Sally Leiter, geb. 15. 3. 1903, Fabrikant in Söflingen, jetzt in New York
    Umzug Frühjahr 1939 nach Stuttgart
    13. 9. 1939 - Ende Nov. 1939 Inhaftierung in Landesstrafanstalt Bruchsal u. KZ Ravensbrück.
    "Führte nach dem Tod ihres Mannes die Fellhandlung Samuel Braun in Niederstetten fort.
    August 1934 Geschäftsaufgabe infolge der Boykottmaßnahmen
    Jahreseinkommen bis dahin etwa 4000.- RM
    In USA von Schwiegersohn u. Tochter (1 Jahr vorher ausgewandert) unterstützt.
    Juva [Judenvermögensabgabe] angeblich 17500 RM."
    Wohnhaus Gebäude Nr. 225 u 214 B (Schuppen) 158 qm in der Ledergasse in Niederstetten. Brandversicherungswert 10000 M. Steuerwert 8000 M.
    8. 5. 1940 an Otto Bauer, Kaufmann hier um 6000 RM. Am 9. 4. 45 durch Kriegseinwirkung zerstört. Das Ruinengrundstück wurde von der Stadtgemeide 1953 um 5000 DM erworben - Rückerstattung!
    "Witwe Braun 1938 nach U.S.A. freiwillig ausgewandert zu ihrer Tochter Auguste Leiter"
    "Samule Braun und seine Ehefrau Sofie genannt Saly Braun geb. Wiesenbacher sind beide in Niederstetten geboren und aufgewachsen. u. Braun lernte als Kaufmann u. wurde in tüchtiger Fellhändler. Er betrieb [?] Fellhandlung in Niederstetten. Seine Ehefrau unterstützte ihn im Beruf und war eine tüchtige Hausfrau. Auf den Tod des Ehemannes im Jahr 1932 führte die Witwe das Geschäft bis zur Auflösung bezw. ihrer Auswanderung 1938 nach New York weiter. Die einzige Tochter ist mit Lally Leiter, Fabrikant in Söflingen bei Ulm verheiratet u. wohnt jetzt in New York."
    Ausgewandert Januar 1940 in die USA, in New York gest. am 15. 7. 1956 in Jackson Heights NY

    Quelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-168 ff.

  • Jakobowitz, Jenny

    Geb. 11. 4. 1890 in Niederstetten
    Stenotypistin
    verh. 27. 10. 1910 in Stuttgart, geschieden 1932
    Ehemann: Stefan Jakobowitz, Bankier in Stuttgart
    Umzug 1935 nach Niederstetten
    Auswanderung allein August 1939 nach England, Mai 1940 in die USA
    Adresse: 25 Fort Washington Ave. New York 32, N.Y.

    Quelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-186 ff.

  • Roberg, Alexander

    Geb. 2. 3. 1914 in Berlichingen
    Lehrer und Kantor
    Heirat: 20. 12. 1938
    Ehefrau: Ilse Sybille geb. Herz, geb. 20. 3. 1915
    Kinder:
    Esther Henriette, geb. 11. 3. 1942
    Leah Helene, geb. 7. 5. 1944
    Menachem Ezra, geb. 22. 2. 1947
    Umzug 1937 nach Stuttgart
    Auswanderung 1940 USA mit Ehefrau
    Adresse: 4301 Sturtevant, Detroit, Mich., USA
    "Besuch der Israelit. Lehrerbildungsanstalt Würzburg.
    1933 Reifezeugnis mit besonderer Befähigung zur Erteilung von Religionsunterricht.
    1933-1937 Jüd. Lehrer in Niederstetten
    1937-1940 Lehrer und Kantor an der jüd. Schule Stuttgart.
    DEgo-Abgabe: RM 1200,,-
    Seit Okt. 40 bei den Hebrew Schools in Detroit tätig."

    [DEGO-Abgabe siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Dego-Abgabe]

    Quelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-366 ff.