Weingärtnergenossenschaft

Weingärtnergenossenschaft

  • 1. Oktober 1936. Heimattag und Erntedankfest

    Heimattag und Erntedankfest in Niederstetten
    Niederstetten, 30. Sept. Welch eigenartiger Klang liegt in den Worten Heimat, Vaterhaus, Heimaterde für uns Deutsche und wie tief sind sie in unserem Gemüt verankert. Als darunter die Stadt ihre Einladungen zum diesjährigen Heimattag ausgesandt hatte, folgten aus nah und fern etwa 300 Volksgenossen u. -genossinnen, die mit unserer Gemeinde durch Geburt verbunden sind, diesem Rufe, um ihre gemeinsame Heimat wieder zu sehen. Auch eine Feier des Jahrganges 1866 war mit dem Heimattag verbunden; die Fünfziger trafen sich schon am Samstag nachmittag bei einem Essen im Gasthaus Melber, zu welchem sich auch zu ihrer besonderen Freude ein Sohn unserer Stadt, Ministerialdirektor Dr. Dill, einstellte.
    Der Abend führte alle Gäste und Einwohner in der Turnhalle zu einer Feierstunde zusammen und die Halle reichte kaum aus, um alle Erschienenen zu fassen. Bürgerm. Schroth begrüßte die Anwesenden im Namen der Stadt und führte in seiner Rede aus, daß nun sechs Jahre seit dem letzten Heimattag verflossen seien. Viele, viele Söhne und Töchter der Stadt sind der Einladung gefolgt, leider mußten auch einige abschreiben, da sie entweder durch Krankheit oder aus beruflichen Gründen nicht kommen konnten, insbesondere auch Luftschiffkapitän Albert Sammt vom Luftschiff "Hindenburg", welcher wieder auf dem Wege nach Amerika ist. Ministerialdirektor Dr. Dill überbrachte Grüße des Innenministers und betonte in seiner Ausführung, daß er sich immer wieder freue, nach Niederstetten zu kommen, um alte, liebe Stätten aufzusuchen. In Erinnerung aus seiner Jugend kam so recht zum Ausdruck, wie tief auch bei ihm das Heimatgefühl verwurzelt ist. Diese Schollenverbundenheit wird besonders durch die Heimattage gepflegt und deshalb erfahren dieselben auch die volle Unterstützung des Nationalsozialismus. Die Kreiskapelle, der Männergesangverein, der BdM. und der Turnverein belebten den Abend durch wohlgelungene Darbietungen.
    Am Sonntag morgen machten die auswärtigen Gäste einen Rundgang durch die Stadt, bei welchem die in den letzten Jahren getroffenen baulichen Veränderungen besichtigt wurden, insbesondere auch die Kelter der Weingärtnergenossenschaft. Nachmittags 2 Uhr setzte sich von der Kelter aus ein Festzug zum Festplatz in Bewegung, der durch reichgeschmückte Ernte- und Winzerwagen verschönt war. Die Straßen waren voll von Besuchern aus den Nachbarorten und alles drängte nun zum Festplatze, woselbst Bürgermeister Schroth nach einer Begrüßungsansprache, in welcher er besonders auch die Anwesenheit von Kreisleiter Niklas hervorhob: an die bäuerlichen Gefolgschaftsmitglieder: Sofie Hein, Fritz Ehrmann, Marie Plank, Christian Sinner, Fritz Hütter und Wilhelm Gläß für langjährige treue Dienste (in einem Falle über 40 Jahre) Ehrenurkunden und Geschenke verteilte. Ferner verlas Herr Bürgermeister Schroth ein Telegramm des Fürsten Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg, das er aus Roggenburg sandte und in welchem er alle Gäste und Besucher des Heimattages und Erntedankfestes grüßte und viel Vergnügen wünschte. Ortsgruppenleiter Thomas sprach herzliche Worte des Gedenkens zum heutigen Feste. Die HJ. und BdM. führten Spiele und Tänze vor. Im Kaffeezelt und am Weinschank herrschte lebhafter Betrieb, sodaß die Zeit bis zum Winzertanz rasch verfloß und noch eine große Zuschauermenge bei diesem, von unseren Festen nicht mehr wegzudenkenden historischen Tanze anwesend sein konnte.

    Der Franke, Nr. 229, 1. 10. 1936

  • 13. September 1937. Situation in den Weinbergen

    Niederstetten, 13. Sept. Der Stand der hiesigen Weinberge ist ein ausgezeichneter. Dank der sorgsamen Pflege derselben, wie solche besonders von der hiesigen Weingärtnergenossenschaft angestrebt wird, sind die vor der Vollreife stehende Trauben, sowohl Schwarz- als Weißgewächse kerngesund und lassen einen recht guten Neuen erwarten. Die Lese wird, soweit es die Witterungsverhältnisse zulassen, so lange als irgend möglich hinausgeschoben; ihr Beginn wird noch bekanntgegeben.

    Der Franke, 14. 9. 1937

  • 14. April 1937. Meisterprüfung von Küfer Otto Blumenstock

    Niederstetten, 14. April. Der Küfer der hiesigen Weingärtner-Genossenschaft, Otto Blumenstock, hat in der letzten Woche die Meisterprüfung abgelegt und dieselbe mit einer sehr guten Gesamtnote bestanden, besonders was die Fachkenntnisse anbelangt. Wir gratulieren dem jungen Handwerksmeister herzlich.

    Der Franke, 14. 4. 1937

  • 14. November 1932. Gründung der Weingärtnergenossenschaft

    () Niederstetten, 14. Nov. Eine recht ansehnliche Versammlung von Weingärtnern von hier und den umliegenden Ortschaften füllte gestern den Löwensaal. Zwei Momente hatten anziehend gewirkt. Erstens der bedeutsame Punkt der Tagesordnung, welcher sich auf die Gründung einer Weingärtnergenossenschaft bezog. Dann die erfreuliche Tatsache, daß nach langer Zeit wieder einmal Herr Oekonomierat Mährlen, Vorstand der Weinbauschule Weinsberg, in der Mitte der Weingärtner weilen und aus seinen reichen Erfahrungen schöpfen wollte. - Auch unser Oberamtsvorstand Herr Landrat Wöhrle bekundete sein Interesse durch seine Anwesenheit. – Herr Bürgermeister Schroth eröffnete und begrüßte die Versammlung, die Redner, die Gäste und erteilte dann Herrn Oekonomierat Mährlen das Wort. Herr Oekonomierat Mährlen machte ungefähr folgende Ausführungen: „In der Schädlingsbekämpfung stehe der Weingärtner nicht mehr so verlassen da, wie früher. Die Fortschritte der Chemie und Technik kommen ihm zu Gute, und wenn alle Erfahrungen auf diesem Gebiete angewandt werden, kann man von der Rebe auch heute noch schöne Ernten und gute Renten erzielen. Die Frage, ob es zweckmäßig sei, in Württemberg den Weinbau auszudehnen, bejahte der Redner. Der württ. Weinbau werde von anderen deutschen Weinbaugebieten beneidet, besonders deshalb, weil der Württemberger gewöhnt ist, seine im Lande gebauten Weine zu trinken und gut zu bezahlen. Württemberg erzielt daher auch die besten Durchschnittspreise. Die württ. Weine genügen mengenmäßig für das Land nicht, es muß daher eingeführt werden. Aus diesem Grunde brauchen wir keine Angst haben, daß unsere Anbaufläche zu groß ist. In Niederstetten und Oberstetten gebe es noch viele brachliegende Stücke, welche sich zur Anpflanzung eignen. Für den Weinbau scheinen ohnedies bessere Zeiten zu kommen. Es ist die Möglichkeit vorhanden, daß Amerika „naß” wird, die Süßmostbereitung erschließt weiteren Absatz und auch die Beschickung des Marktes mit deutschen Trauben trägt dazu bei. - Gegen 12 Genossenschaften im Jahre 1904 zählt Württemberg heute 45 Weinbaugenossenschaften. Ursprünglich standen Wirte und Handel ihnen feindlich gegenüber. Nach und nach hat sich das Vertrauen der Käufer gefestigt, weil das Publikum den Wert einer guten und sauberen Behandlung unter der Kelter schätzen lernte. Ein großer Vorteil in schlechten Jahren liegt darin, daß die Genossenschaften den Wein besser lagern und die günstigste Zeit zum Verkauf wahrnehmen können. Bei der Neuanlage empfahl der Redner die hier im Allgemeinen eingeführten Sorten und sprach ein Wort für die „Riesling Sylvaner, Müller Thurgau", welche er als schnellwüchsige, gute Ernsten bringende Rebe empfahl. Wichtig sei die züchterische Auswahl durch Bezeichnung der besten Bestockung. Für das Emporbringen junger Reben sei es wichtig, daß sie bis in den Herbst hinein (bis zu 12 Mal) gespritzt werden. - Die Meinung unserer Altvordern – je mehr Stöcke, desto mehr Wein - ist falsch. Es ist besser, die Stöcke sitzen weiter und die Sonne hat Zutritt. Nicht die Stockzahl bringt den Ertrag, sondern die Pflege. Die Pflege des Jungfeldes ist wichtig. Bei Verwendung von Torfmull muß dieser angefeuchtet werden. Der Kunstdüngung muß unbedingt Stalldüngung beigegeben werden. Am Schlusse seiner mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen, verlieh Herr Oekonomierat Mährlen der Hoffnung Ausdruck, daß die geplante Neugründung dem hiesigen Weinbau zum Segen gereichen möge. - Nach Worten des Dankes an Herrn Oekonomierat Mährlen, ging Herr Bürgermeister Schroth zum zweiten Teil der Tagesordnung über, Gründung der Weingärtnergenossenschaft. Die Gelegenheit, ein günstiges Objekt erwerben zu können, welches ohne zu große Kosten eingerichtet werden könne, mache diese zur Tagesfrage. Herr Bürgermeister Schroth begrüßte dann die Vertreter der umliegenden Orte und gab einen Ueberblick über die Vorgeschichte der Gründung. - Dann sprach Herr Dr. Glotz-Stuttgart, über die Kosten und Einrichtung einer Genossenschaft. Selbstverständlich müsse man sich darauf gefaßt machen, daß im Anfang manche Widerwärtigkeiten zu überstehen sind. Eine Genossenschaft habe auch nicht den Zweck, daß der Einzelne möglichst viel verdient, sondern, daß der Einzelne durch die Gesamtheit gehoben wird. Der Redner rechnet mit Einrichtungskosten von 50 000 RM. (einschl. Gebäude). Hierzu stellt die Zentralstelle ein Darlehen zu eineinhalb Prozent Zins im Betrage von 20 000 RM. zur Verfügung. 30 000 RM. wären anderwärts aufzunehmen. Es sei immer besser, die Rechnung im Voraus etwas ungünstiger anzunehmen. Es sei nötig, die Anteile nach der Größe der bebauten Fläche des einzelnen Mitgliedes einzuteilen, wobei auf das Ar 4,50 RM. Anteil kämen. Dieser Anteil brauche aber nicht auf einmal bezahlt werden, sondern würde in kleinen Beträgen nach und nach eingezogen, - Für das aufgenommene Kapital müs-se natürlich eine Sicherheit geleistet werden und diese liege in der Haftpflicht der Mitglieder. Damit kam der Redner zu der Frage der Form, in welcher die Genossenschaft gegründet wer-den solle. Von den 45 Genossenschaften in Württemberg sind 34 mit beschränkter Haftpflicht, 11 mit unbeschränkter Haftpflicht. Bei beschränkter Haftpflicht käme eine Summe von 9-12 RM. pro Ar in Betracht. Der Redner empfiehlt von seinem Standpunkt die „G, m. b. H." Für Verzinsung, Amortisation (Kapitalrückzahlung) und Betriebsabschreibungen wären im ersten Jahr RM. 7450.- erforderlich. Dieser Betrag würde von Jahr zu Jahr geringer wer-den und in absehbarer Feit wäre die Genossenschaft schuldenfrei. Die Kündigungsfrist der Mitglieder müsse ein Jahr sein. - Herr Dr. Klotz hatte seine Ausführungen durchaus nur auf das Sachliche eingestellt und gab klar und deutlich ein Bild von Rechten und Pflichten der Mitglieder und der verschiedenen Genossenschaftsformen. Lebhafter Beifall dankte ihm. - Nach dem Referat des Herrn Klotz kam die Gründung der „Weingärtnergenossenschaft Niederstetten m. u. H." zu stande. Die Wahlen ergaben: Vorstand: Bürgermeister Schroth, Rechner Bankfiilialvorstand Schuster. Damit hat sich ein wichtiger Vorgang in der Entwicklung unseres hiesigen Weinbaus vollzogen. Es muß gesagt werden, daß die Form der Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht in der Versammlung manche Bedenken entgegenstanden. Wir wollen aber hoffen, daß eine Haftpflicht nie in Frage komme und daß die neugegründete Genossenschaft allen Mitgliedern den erhofften Erfolg bringe.

    () Niederstetten, 14. Nov. In seiner letzten Sitzung setzte der Gemeinderat den Durchschnittspreis für den neuen Wein auf 147 RM. per 300 Liter (württ. Eimer) fest.

    (Vaterlandsfreund, Nr. 268, 15. 11. 1932)

  • 14. Oktober 1936. Anzeige Neuer Wein der Weingärtner-Genossenschaft

     

    Der Franke, Nr. 240, 14. 10. 1936
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  • 15. Oktober 1938. Anzeige Weingärtner-Genossenschaft

     

    Der Franke, 15. 10. 1938
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  • 18. Januar 1939. Anzeige Weingärtner-Genossenschaft

     

    Der Franke, 18. 1. 1939
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  • 2. November 1938. Herbstfest - Zeppelin - Brand im Pfarrhaus

    Niederstetten, 2. Nov. Das am letzten Sonntag stattgefundene Herbstfest, welches infolge der vorgeschrittenen Jahreszeit nur im kleinen Rahmen veranstaltet wurde, war von den hiesigen Einwohnern und besonders von auswärtigen Gästen sehr gut besucht. Die Sitzgelegenheit in der Kelter hat nicht ausgereicht, um all die Besucher unterzubringen. Dem neuen und alten Wein wurde stark zugesprochen. Die Kellereien der Weingärtnergenossenschaft wurden wieder von hunderten auswärtigen Besuchern besichtigt und mit Befriedigung konnten sie an den Kostproben feststellen, daß der 1938iger Tropfen wieder ein guter Tropfen zu werden verspricht. – Für die Niederstettener war der Besuch des Luftschiffes "Graf Zeppelin" von ganz besonderer Freude, war es doch unser Heimatsohn und Ehrenbürger Kapitän Sammt, der die Führung des Luftschiffes hatte und der seiner Heimatgemeinde wieder einen Besuch abstattete. Direkt über Niederstetten hat das Schiff seine Flugrichtung geändert. Während das stolze Luftschiff über Niederstetten flog, durcheilte das Städtchen die Nachricht, daß das Pfarrhaus brennt. Ein Kaminbrand konnte dank dem schnellen Eingreifen der Nachbarn noch zu rechter Zeit gelöscht werden.

    Der Franke, 2. 11. 1938

  • 2. Oktober 1935. Anzeige Weingärtner-Genossenschaft. Weinlese

    Der Franke, Nr. 230, 2. 10. 1935
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  • 20. Januar 1937. Anzeige Weingärtner-Genossenschaft

     

    Der Franke, 20. 1. 1937
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  • 20. September 1935. Anerkennung für Weingärtnergenossenschaft

    Niederstetten, 20. Sept. Der hiesigen Weingärtnergenossenschaft wurde erfreulicherweise eine Anerkennung für die Güte ihres 1934er naturreinen Schillers dadurch zuteil, daß der Gebietsbeauftragte für Weine in Stuttgart 50 Flaschen dieses guten Tropfens für die Weinprobierstube der Landes-Bauernschaft auf dem Cannstatter Volksfest bestellt hat.

    Der Franke, Nr. 220, 19. [wohl: 20.] 9. 1935

  • 21. Dezember 1937. Anzeige Weingärtner-Genossenschaft

     

    Der Franke, 21. 12. 1937
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  • 23. Oktober 1935. Anzeige Niederstetter Genossenschaftswein

    Der Franke, Nr. 248, 23. 10. 1935
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  • 24. Mai 1937. Verabschiedung von Bürgermeister Jakob Schroth

    Abschiedsfeier für Bürgermeister Schroth
    Niederstetten, 24. Mai. In einer am 14. Mai stattgefundenen Versammlung der Bürgermeister des Kreises Gerabronn haben dieselben von ihrem Kollegen, Bürgermeister Schroth-Niederstetten, welcher als Bürgermeister nach Herrenberg kommt, Abschied genommen. In einer Ansprache des Kreisleiters wurden die Verdienste des Scheidenden gewürdigt. Am gestrigen Abend hatte sich nun die Bevölkerung Niederstettens und besonders auch der Teilgemeinden in einer großen Zahl in die festlich geschmückten Turnhalle versammelt, um von ihrem Bürgermeister Abschied zu nehmen, Was Bürgermeister Schroth während seiner 20jährigen Tätigkeit als Amtsvorsteher von Niederstetten geleistet hat, kam in den zahlreichen Reden des Abends zum lebhaften Ausdruck, ebenso seine Verbundenheit und der seiner Familie mit der Bevölkerung. Landrat Wöhrle-Gerabronn und Kreisleiter Niklas-Riedbach waren erschienen, um den Dank abzustatten für die von Bürgermeister Schroth geleistete Arbeit als Kommunalbeamter und in dieser Eigenschaft als Kreisamtswalter der NSDAP. Zum äußeren Zeichen der Anerkennung seiner Verdienste um das Gemeindewohl überreichte der stellvertretende Bürgermeister Melber ein Gemälde, Niederstetten mit Aussicht auf das Schloß darstellend, von einem Heimatsohne, Kunstmaler Gehring-Stöckenburg. Studienrat Maier sprach für die Lehrer und dankte für die Initiative beim Bau der neuen Schule und übergab als kleines Zeichen des Dankes ein Bild der Schule. - Ortsgruppenleiter Thomas nahm in herzlichen Worten Abschied von seinem Parteigenossen. Herr Gräter-Hermuthausen und Direktor Roesler-Igelfingen sprachen für den Elektrizitäts-Gemeindeverband Ingelfingen-Hohebach und gedachten seiner als dem Gründer desselben. Aus dem gleichen Anlaß dankten die Vorstände der Weingärtnergenossenschaft und der Milchverwertung. Für das volle Verständnis und die entgegenkommende Förderung ihrer Belange dankten die Vorstände des Turn- und Männergesangvereins, sowie des Kyffhäuserbundes. Stadtpfleger Pflüger sprach für die städt. Angestellten und betonte das gute Einvernehmen und verständnisvolle Arbeiten mit ihrem Vorgesetzten. Bürgermeister Striffler-Vorbachzimmern hob die Verdienste des Scheidenden um das nachbarliche gute Einvernehmen in Schulfragen hervor. Stadtpfarrer Göltenboth sprach für die ev. Kirchengemeinde. Die ganze Feier wurde festlich umrahmt durch Darbietungen gesanglicher und musikalischer Art durch den Männergesangverein und die Kreismusikkapelle. Tiefbewegt dankte Bürgermeister Schroth allen Erschienenen und besonders den Rednern für ihre Beweise der Anerkennung seiner Arbeit und bemerkte, wie ungern er aus diesem seinem liebgewordenen Wirkungskreise scheide, sei ihm doch Niederstetten eine zweite Heimat geworden, mit der er auch durch Grund und Boden verbunden sei und bleiben werde. Die ihm dargebrachten Glückwünsche für sein und seiner Familie ferneres Wohlergehen erwiderte er für die ganze Einwohnerschaft .Am Abend zuvor fanden sich auch Aufsichtsrat und Vorstand der Landw.- und Gewerbebank Gerabronn bei Aufsichtsratsmitglied Marquardt z. "Krone", um mit dem scheidenden Herrn Bürgermeister Schroth noch im engeren Kreise etwas beisammen zu sein. Bei dieser Gelegenheit ergriff Bankvorstand Rühling das Wort, um namens der Genossenschaft Herrn Schroth für dessen Tätigkeit und Unterstützung als Vorstandsmitglied seit 1926 den wärmsten Dank zu sagen. Herr Rühling entwarf dabei auch einen recht interessanten Rückblick auf die Entwicklung der Genossenschaft und insbesondere der Filiale in Niederstetten. So ist die Zahl der Mitglieder in Niederstetten von 1923-1936 von 71 auf 203 gestiegen und die geführten Konten in Spareinlagen, laufender Rechnung und Darlehen von 217 auf 1511 angewachsen. In seiner Erwiderung betonte der Scheidende starke Verbundenheit mit der Genossenschaft, die er auch gerne als überzeugter Genossenschaftler aufrecht erhalten werde. Auch der Leiter der Bankfiliale in Niederstetten, Herr Willy Schuster brachte in herzlicher Weise seinen Dank für die schöne Zusammenarbeit mit Herrn Bürgermeister Schroth zum Ausdruck. Die an der Feier teilnehmenden Herren der Bank gaben dem Scheidenden ihre besten Wünsche für seinen neuen Wirkungskreis mit auf den Weg.

    Der Franke, 24. 5. 1937

  • 29. Juli 1937. Betriebserweiterung der Weingärtnergenossenschaft

    Niederstetten, 29. Juli. (Betriebserweiterung.) Die hiesige Weingärtnergenossenschaft hat dieser Tage 3 große Glasemail-Weinlagertanks, hergestellt von der Firma Eisenhüttenwerk Thale AG, in Thale a. Harz, im Gewicht von je ca. 65 Zentner und insgesamt 60 000 Liter fassend, in einem Teil ihrer geräumigen Kellereien aufstellen lassen. Es kostete nicht geringe Mühe und Kraft, die umfangreichen Gefäße von der Bahn in den tiefen Kellerraum zu schaffen und von manchem Nörgler und Miesmacher wurde die Hinunterschaffung überhaupt für unmöglich gehalten, Die hiesige Firma Bernhard Jung und Söhne (Zimmergeschäft) war mit dem Transport von der Bahn in den Keller betraut und hat sich dieser überaus schwierigen Aufgabe mit größter Umsicht und Zuverlässigkeit, unter Führung des Herrn August Jung unterzogen. Die vorbildliche Zusammenarbeit von Meister und Gefolgschaft muß besonders hervorgehoben werden. Auch der Bauunternehmer, Herr Wilh. Feinauer mit Gefolgschaft haben viel zum Gelingen des schweren Werkes beigetragen, mußte doch die große Kellerstaffel vollständig herausgehauen werden, um die ca. 8 Meter langen und 2 Meter hohen Tanks unbeschädigt durch den unteren Kellerhals hindurchzubringen. Anscheinend sollen die Tanks weniger für die Lagerung des Weines bestimmt sein, sondern vor allem im Herbst als Auffanggefäße zur Unterbringung des neuen Weines direkt von der Kelter weg Verwendung finden, Bekanntlich werden die Kelter und Kellereien unserer Weingärtnergenossenschaft von fachmännischer Seite als mustergültig bezeichnet und der jetzt durchgeführte Einbau der 3 Tanks muß als weiterer Beweis für die tatkräftigen und fortschrittlichen Bestrebungen unserer Weingärtner gewertet werden, den Weinbau bezw. die Weinlagerung immer mehr zu vervollkommnen. Möge der Arbeit, Mühe und Sorge des unermüdlichen Vorstands Linder und seiner Gefolgschaftsmitglieder auch weiterhin der beste Erfolg beschieden sein!

    Der Franke, 30. 7. 1937

  • 29. September 1937. Anzeige Weingärtnergenossenschaft

     

    Der Franke, 29. 9. 1937
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  • 3. August 1934. Weinbau

    Niederstelten, 3. Aug. Der Stand unserer Weinberge kann nicht nur als sehr gut, sond. als ausgezeichnet bezeichnet werden. Die Reben sind bis jetzt von jeder Krankheit verschont geblieben. Der Behang ist ein überaus reichlicher, sodaß, so Gott will, ein sehr seltener Jahrgang, sowohl in Qualität und Güte, als auch der Menge nach zu erwarten steht. Dies ist besonders auch mit Rücksicht auf die hier neugegründete Weingärtnergenossenschaft sehr zu begrüßen, welche durchaus fachmännisch geleitet und unter Ausnützung der schönen, geräumigen früheren Rentamtskellereien mit den modernsten Einrichtungen ausgestattet wird.

    Der Franke, Nr. 179, 4. 8. 1934

  • 30. April 1937. Anzeige Weingärtner-Genossenschaft, 1936er Wein

     

    Der Franke, 30. 4. 1937
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  • 7. November 1939. Anzeige Weingärtnergenossenschaft

     

    Der Franke, 7. 11. 1939
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  • 9. Oktober 1934. Kelterweihe mit Herbstfeier

    Kelterweihe mit Herbstfeier in Niederstetten

    Bei schönstem Herbstwetter beging die Stadtgemeinde Niederstetten am Sonntag die Einweihung der Kelteranlage der neugegründeten Weingärtnergenossenschaft. Wie die Tbztg. hierüber berichtet, gestaltete sich die Einweihung zu einer rechten Herbstfeier und zu einem freudigen festlichen Ereignis für die ganze Stadt und für alle, die von auswärts daran teilnahmen. Am Nachmittag um 2 Uhr bewegte sich vom Bahnhof aus ein Festzug durch die reich beflaggten Straßen zum schmucken Keltergebäude. Außer Musik, SA., HJ., BdM., Fliegersturm und Vereinen mit ihren Fahnen gaben Winzer und Winzerinnen und eine Bauernhochzeit in Hohenloher Tracht beim Festzug ein recht farbenreiches Gepräge. Auch Festwagen, eine Weinkelterei und eine Heckenwirtschaft darstellen, wurden mitgeführt.

    Auf dem Festplatze begrüßte Bürgermeister Schroth im Namen der Stadt und der Weingärtnergenossenschaft die Teilnehmer am Feste herzlich. Er begrüßte insbesondere die Herren Vertreter der Regierung und Behörden und der Firmen, die am Bau und der Einrichtung der Keltereianlage beteiligt waren, Wirtschaftsminister Lehnich, Landesbauernführer Arnold und Stabsleiter Jäckle mit anderen Herren der Regierung seien mit dem Kreisbauernführer schon am Samstag nachmittag hier gewesen, um die Einrichtung zu besichtigen u. ihre Glückwünsche zu überbringen. Wegen anderer Verpflichtungen könnten sie an der heutigen Feier leider nicht teilnehmen. Die Herren haben auch die neue Schule besichtigt und sprachen sich über diese sowohl, als über die Keltereinanlage sehr anerkennend aus.

    Bürgermeister Schroth gab dann ein Bild über die Entstehung der Genossenschaft und den Bau und die Einrichtung der Keltereianlage und führte dazu u. a. aus: Die Genossenschaft wurde bereits im Jahre 1932 theoretisch gebildet. Sie konnte aber ihre praktische Tätigkeit deshalb nicht aufnehmen, weil der für die Einrichtung einer Kelter notwendige Keller- und sonstige Gebäuderaum fehlte und weil der Neubau einer Kelter für die am Rande des Weinbaugebiets gelegene Genossenschaft zu hohe Kosten und damit ein zu hohes Risiko verursacht hätte. Mit der Einrichtung dieser Kelter konnten wir nicht nur dem langgehegten Wunsche der Weingärtnergenossenschaft Rechnung tragen, sondern es ging damit auch ein wesentlicher Teil der Forderung des dritten Reichs und unseres Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler in Erfüllung. dadurch, daß wir mit diesem Bau zur Arbeitsbeschaffung wesentlich beitrugen. In der Gründungsversammlung 1932 hat insbesondere unser allverehrter Herr Landesökonomierat Mährlen aus seiner reichen Berufs- und Lebenserfahrung im Weinbau heraus es verstanden, die Herzen unserer Weingärtner für eine Genossensaft zu gewinnen. In der sich daran anschließenden Aussprache drehte es sich hauptsächlich darum, ob eine Genossenschaft mit beschränkter oder unbeschränkter Haftpflicht errichtet werden soll. Die große Mehrheit entschied sich für die letztere Form. Nachdem nun die Genossenschaft als solche gegründet und die Verwaltungsorgane berufen waren, konnte an ernstliche Kaufsverhandlungen gegangen werden. Diese wurden dann im Verlauf des Jahres 1933 mit dem fürstlichen Rentamt hier getätigt, und es kam im Frühjahr 1934 zum Abschluß des Kaufvertrags um den Kaufpreis von 15 000 RM für Gebäude und Keller. Als auf 1. 5. ds. Js. die seitherigen Pächter von Scheune u. Keller die Räume um großen Teil freigemacht hatten, gingen Vorstand und Aufsichtsrat dazu über, die Einrichtung der Genossenschaft zu beschaffen. Es würden deshalb von den in Betracht kommenden, uns bekannten, führenden Firmen unter dankbarer Unterstützung der Bauernberatungsstelle des Verbandes landw. Genossenschaften die erforderlichen Maschinen und Einrichtungsgegenstände vergeben. Die Maischbottiche, soweit sie neu sind, wurden von den hiesigen Küfermeistern geliefert. Eine Hauptfrage der Einrichtung war sodann die Beschaffung des Faßraums. Auch hier haben wir wohl das für unsere Verhältnisse geeignetste und finanziell günstigste Angebot vorgezogen. Die sonstige bauliche Einrichtung sowohl des Kelter- als auch des Kellerraums lag in den Händen von Herrn Baumeister Baumann hier und wurde zu unserer vollsten Zufriedenheit in gemeinsamer Arbeit gelöst. Allen denjenigen, welche an diesem Kelterbau in irgend einer Form sich beteiligt haben, sage ich hiermit namens der Weingärtnergenossenschaft für ihre durchweg vorzügliche Arbeitsleistung herzlichen Dank, besonders auch den sämtlichen an diesem Bau beschäftigten Arbeitern. Ihnen wollten wir an Stelle des sonst üblichen Richtschamuses, da es sich ja um keinen Neubau handelt, von unserem sorgfältigst sortierten, naturreinen "Niederstetter" je einen Schoppen gratis verabreichen. Dank sage ich besonders noch allen den Mitgliedern der Genossenschaft und ihrer Organe, die sich während des Baues, während der Kelterzeit und auch jetzt noch manche Unannehmlichkeiten gefallen lassen mußten, voran unserem Vorstand Linder.

    Nun muß ich Ihnen noch darüber Aufschluß geben, was unsere Anlage gekostet hat und wie sie finanziert wurde. Das Gebäude mit Keller kostete uns, wie bereits erwähnt, 15 000 RM., die maschinelle Anlage einschließlich Maischschläuche 12 000 RM., der Faßraum und die Bottiche 14 000 RM., und der sonstige durch bauliche Veränderungen, Anlage der Zufahrt, des Ablieferungsraums usw. notwendige Aufwand beträgt 9.—10 00 RM. (derselbe ist noch nicht ganz abgerechnet), so daß sich also die Gesamtkosten der Genossenschaft, wie vorgesehen, auf ca. 50 000 RM. belaufen, deren Finanzierung in folgender Weise sichergestellt wurde: von der Zentralstelle für die Landwirtschaft bewilligter und bereits bezahlter Kredit aus Reichsweingärtnerkrediten 20 000 RM. Hiefür sei der Zentralstelle ganz besonderer Dank gesagt. Sie hat den Löwenanteil am Verdienst des Zustandekommens unserer Genossenschaft und ihres Kelterbaues. Aus Reichsmitteln wurden 5 000 RM. als Zuschuß verwilligt, welcher bereits bezahlt ist. Rest mit 25 000 RM. wurde durch die Genehmigung eines Kredits in dieser Höhe durch die Landwirtschafts- und Gewerbebank Gerabronn finanziert. Die Genossenschaft hofft mit dieser Lösung ihren Mitgliedern und dem Niederstetter Weinboa gedient zu haben und in Zukunft dadurch zu dienen, daß sie durch sorgfältigste Behandlung der Trauben und des Weins die harte Arbeit und Mühe des Weingärtners durch Erzielung besserer Preise lohnt. Das Jahr 1934 war uns zur Verwirklichung dieser Absicht zugetan und wir sind überzeugt, daß alle diejenigen. welche von unserer Genossenschaft ihre Weinbedürfnisse befriedigen, ständige Kunden werden. Auch können wir im Hinblick auf die verhältnismäßig günstige finanzielle Lösung des ganzen Baues mit Ruhe in die Zukunft blicken. Möge allezeit so wie bisher Gottes Segen auf dem Werke ruhen. Heil Hitler!

    Die Anwesenden sangen dann das von der Musik intonierte Horst Wessel- und das Deutschlandlied. Darnach überbrachte Landrat Wöhrle die Glückwünsche des Kreises. Er bezeichnete den heutigen Tag der Kelterweihe als einen Merkstein in der Geschichte des Weinbaus des Kreises Gerabronn, wünschte, daß die Weinbaufläche noch weiter zunehme und der Weinbau mit der Genossenschaft weiterhin wachse, blühe und gedeihe. Ein Vertreter der Faßlieferfirma überbrachte ebenfalls beste Glückwünsche und erklärte, daß sich die Weingärtnergenossenschaft Niederstetten mit ihrer modernen und guten Einrichtung den großen Genossenschaften am Rhein und in der Pfalz ebenbürtig zur Seite stellen könne. Die ganze Stadtgemeinde dürfe mit der Genossenschaft stolz sein auf diese Anlage. — Johann Reiß brachte dann ein von ihm selbst verfaßtes Gedicht zum Vortrag mit humorvollem Inhalt über die Weingärtnergenossenschaft und die Einrichtung der Kelterei . In seiner Schlußansprache hob Bürgermeister Schroth noch hervor, daß man den Gedanken, mit der Kelterei-Anlage auch die Milchverwertung zu verbinden, fallen ließ, da sich ja Milch und Wein nicht gut vertragen. Er wies dann noch darauf hin, daß sich erst jetzt nach Einrichtung der Genossenschaftskelterei gezeigt habe, wie bedeutend der Weinbau in und bei Niederstetten doch ist. Niederstetten hat eine Weinanbaufläche von rund 80 Hektar. Zu diesem Jahre erhielt die Genossenschaft annähernd 1 500 Hektoliter Wein. Dabei erklären die Weingärtner, daß man nicht einmal einen starken halben Herbst hatte. Man habe außerdem begründete Hoffnung, daß noch neue Flächen mit Wein bepflanzt werden; man beabsichtige auch Drahtanlagen zu machen. Der Weingärtnergenossenschaft von Niederstetten gehören bis heute 118 Weingärtner aus den Gemeinden Niederstetten mit Eichhof, Oberstetten, Pfitzingen und Wildentierbach an. Zum Schluß wünscht der Herr Bürgermeister noch einige frohe Stunden beim Niederstettener Neuen, her an alle Gäste heute 100gradig ausgeschenkt werde. An den Tischen und Bänken, die um und im Kellereigebäude aufgestellt waren, wurde dann auch der vorzügliche Niederstetter ausgiebig probiert. Mit großem Interesse besichtigte in Teil des Publikums die prächtige und moderne Kellerei-Einrichtung und den geräumigen schönen Keller mit den vielen großen Fässern, die bis zu 50 Hektoliter Wein fassen, der – dank der vorzüglichen Einrichtung der Kelterei – nach Graden sortiert (amtlich festgestellte höchste Gradzahl 105,6) eingelagert werden konnte. Mit dem Winzertanz, der um halb 5 Uhr wohlgelungen zur Vorführung kam, wurde den Festteilnehmern eine weitere Freude bereitet. Die Jugend machte am Abend vom Tanze ausgiebigen Gebrauch. So gestaltete sich die Keltereinweihung zu einer frohen Herbstfeier, an die alle Teilnehmer gerne zurückdenken werden.

    Der Franke, Nr. 235, 9. 10. 1934