Wermutshausen

Wermutshausen

  • 20. August 1933, Gemeinderatsbeschluß: Verbesserung der Schulraumsituation, Krankenhaus, Hilfsflugplatz, Straßenbau nach Wermutshausen, Schulhausbau, Straßenbau

    Niederstetten, 20. Aug. Einer der bedeutendsten Beschlüsse des Gemeinderats in seiner nunmehrigen Besetzung von sieben Nationalsozialisten und einem Hospitanten des Zentrums war der Einbau von Schulsälen in die seinerzeit erworbene Fürstl. Zehentscheune. Fast 50 Jahre schwebt hier schon die Frage eines Schulhausneubaues. Oft war es nicht Mangel ehrlichen Wollens, als vielmehr der leidige Zeitgeist einer liberalistischen Weltanschauung, der in seiner Engstirnigkeit selbst notwendige kulturelle Aufgaben in früheren wirtschaftlich guten Zeiten nicht zu lösen vermocht. Um d. nahezu unerträglichen Zustand der Schulraumverhältnisse auf alle Zeiten zu beseitigen, werden jetzt sechs Schulräume mit 60 bzw. 70 Quadratmeter Raum und einigen Nebenräumen in den riesigen Bau eingefügt und zwar so, daß das Bild des historischen Bauwerks nicht gestört wird. In diesen Räumen werden nun künftig sämtliche Klassen der Evang. Volks-, Real- und Gewerbeschule untergebracht. Mit der Lösung dieser Frage findet ein zweites Problem seine Verwirklichung: das freiwerdende alte Volksschulgebäude findet als Krankenhaus Verwendung, was keine größeren Umbauten verursacht. Damit findet eine alte, soziale und gerechte Forderung ihre Erfüllung. Neben der Behebung von Unzulänglichkeiten ließ sich der Gemeinderat auch vom Gesichtspunkt der Arbeitsbeschaffung leiten. Allgemeine Zustimmung fand ein Gesuch der Deutschen Lufthansa Berlin um pachtweise Ueberlassung einer Grundfläche von ca. 18 Morgen Wiesenfläche im Gewand "Große Heften" für Zwecke eines Hilfslandeplatzes für Flugzeuge. Als weiteres Projekt zur Arbeitsbeschaffung ist ein Straßenneubau nach dem 4 Km. entfernten Wermutshausen mit etwa 30 000 Tagewerken geplant. Mit der Durchführung dieses Straßenbaues würde ein längst gehegter Wunsch Wirklichkeit werden.

    (Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 194, 22. 8. 1933)

  • 5. Dezember 1935. Einweihung der Schulküche

    Niederstetten, 5. Dez. (Einweihung der Niederstettener Schulküche.) Noch ist es erst 1 1/2 Jahre her, seit Niederstetten Schulhauseinweihung feierte und schon wieder lud es zu einer Schulfeier ein: zur Eröffnung seiner hauswirtschaftlichen Fortbildungsschule. Auf die Anregung von Herrn Schulrat Weikert, der tatkräftig für die Forderungen des württ. Kultministeriums eintrat, Schulküchen zu errichten, war im Frühjahr durch den Zusammenschluß der acht Gemeinden Niederstetten, Oberstetten, Wildentierbach, Vorbachzimmern, Wermutshausen, Pfitzingen, Herrenzimmern, und Adolzhausen, der hauswirtschaftl. Schulverband gegründet worden. Da der Staat einen wesentlichen Teil der laufenden Kosten übernimmt und überdies die Lehrerin noch in Niederstetten und drei weiteren Orten Handarbeitsunterricht erteilt, kommen die Gemeinden finanziell sogar noch günstiger weg als bei der bisherigen Regelung. Im Oktober wurde eine Fachlehrerin bestellt, nachdem zuvor die räumlichen Veränderungen im alten Schulhaus getroffen waren. Hier erhalten nun seit kurzem die fortbildungsschulpflicht. Mädchen der Verbandsgemeinden, zusammen 75, in fünf Abteilungen, je einen Vormittag hauswirtschaftlichen Unterricht. Zur Eröffnung am letzten Montag waren neben den Bürgermeistern, Lehrern und Ratsherren sowie dem Ortsgruppenleiter der NSDAP., noch eine Anzahl Gäste erschienen, zur besonderen Freunde der Anwesenden auch Herr Schulrat Weikert.

    Nach der in nassem Schneetreiben vorgenommenen Flaggenhissung begann die Feier im künftigen Raum für den theoretischen Unterricht. Bürgermeister Schroth begrüßte die erschienenen Gäste. Er freute sich, sie heute hier zu sehen, wenn Niederstetten eben darangegangen sei, den letzten Schritt in seinem Schulwesen zu tun, auf dem es in einer langen Reihe von Jahren kaum mehr Aufgaben zu lösen gebe. Das alte Schulhaus sei nun nicht, wie ursprünglich geplant, ein Krankenhaus geworden, sondern habe sich als günstig erwiesen für die Schaffung einer Schulküche mit entsprechenden Nebenräumen. Er danke besonders Herrn Schulrat Weikert, der ihm mit Rat und Tat bei der Durchführung der Aufgabe, beigestanden, sowie den Vertretern der Verbandsgemeinden für ihr Verständnis. Dann übergab er die Schulküche mit Einrichtung dem Schulvorstand, Oberlehrer Wahl, mit der Bitte, sie in treue Obhut zu nehmen. Zum Schluß betonte Bürgermeister Schroth, wenn es mit der Gründung der neuen Schule so rasch gegangen sei, so sei das auch unserem nationalsozialistischen Staat zu danken, der sich tatkräftig für die beste Bildung unserer Jugend einsetze. Mit einem "Sieg-Heil" auf den Führer schloß er seine Ausführungen.

    Oberlehrer Wahl brachte als Schulvorstand und im Namen des Ortsschulrats allen, die zur Gründung und Einrichtung der neuen Schulküche beigetragen hatten, den Dank zum Ausdruck, besonders Herrn Schulrat Weikert, aber auch den Vertretern der Gemeinden mit ihrem Vorsitzenden, Herrn Bürgermeister Schroth, sowie der Ministerialabteilung für die Volksschulen für die finanzielle Mithilfe. Schon vor sechs Jahren hätten die Lehrer des Bezirks Gerabronn die Gründung hauswirtschaftlicher Schulverbände angestrebt. Was damals nicht erreicht werden konnte, sei heute, im Reich Adolf Hitlers, fast mühelos gegangen. Dann übernahm Oberlehrer Wahl die Schulküche aus den Händen der Stadtverwaltung in die Obhut der Schule und übergab sie der ersten Fachlehrerin der neuen Schule, Fr. Meißner, mit der Bitte um schonende Behandlung. Die neue Schule möge auch künftig ein Schmuckkästlein bleiben. Den Schülerinnen sagte er, wenn sie als Hausfrauen und Mütter später das Gelernte in der kleinsten Zelle, in der Familie, zur Anwendung brächten und ihre Pflicht dort treu erfüllen, dann hätten sie das Höchste geleistet, was man von ihnen verlangen könne und müsse, nämlich Dienst am Volk.

    Herr Schulrat Weikert sprach ausführlicher über Aufgaben und Ziele der hauswirtschaftlichen Fortbildungsschulen. Er betonte, welche gewaltige volkswirtschaftliche Bedeutung die deutsche Hausfrau habe, durch deren Hände der größte Teil des Volkseinkommens fließt. Die Frau könne im Schurz mehr aus dem Haus tragen, als der Mann im Schubkarren hereinführen. Deshalb sei es Pflicht der Gemeinden und des Staates, die weibliche Jugend für ihre späteren Hausfrauenpflichten gut vorzubereiten. In humorv. Weise wußte er darzulegen, wie das harmonische Zusammenleben in der Ehe, eben auch von äußeren Dingen abhänge und wie gute hausfrauliche Fähigkeiten im Kochen und Wirtschaften unter allen Umständen gute Vorbedingungen für die Gründung eines geordneten Hausstandes seien. Wer in dieser Schule viel lerne und es dann daheim verwirkliche, der leiste seine Pflicht innerhalb der Volksgemeinschaft. Anschließend fand die Besichtigung der neues Räume statt, der sich noch eine kleine Nachfeier in der "Post" anschloß. So hat nun Niederstetten den Schlußstein in sein Schulwesen eingefügt. Mit Stolz kann es auf das Geschaffene auf diesem Gebiet blicken. Möge auch dieser letzte Schritt, geradeso wie dies beim Schulhausneubau der Fall war, anregend wirken und zur Nacheiferung zwingen. Möge aus der neuen Schule sich ein reicher Segensstrom ergießen in Familie und Gemeinden, zum Wohle unseres heranwachsen den Geschlechts!

    Der Franke, Nr. 286, 7. 12. 1935

  • 7. Januar 1933, Geplante Straße nach Wermutshausen

    () Niederstetten, 7. Jan. Die Gelegenheit, größere öffentliche Arbeiten mit Unterstützung des Reiches zwecks Arbeitsbeschaffung durchzuführen, hat die Stadtverwaltung veranlaßt, dem Gemeinderat den seit Jahren dringend notwendigen Straßenbau nach Wermutshausen zur Beratung vorzulegen. Der Gemeinderat hat einstimmig beschlossen, die Vorarbeiten in Bearbeitung zu geben. Auch die Gemeinde Wermutshausen wird die Weiterführung bis Wermutshausen durchführen. Dabei ergibt sich, wie aus Bevölkerungskreisen der in Betracht kommenden Orte angeregt wird, die Möglichkeit, eine größer angelegte Verbindung zwischen Niederstetten und Creglingen durchzuführen. Diese Verbindung wäre für alle daran liegenden Orte von größer Wichtigkeit. Die neue Strecke würde von Wermutshausen unweit Rinderfeld vorbeigehen und von dort nach Neubronn und Niederrimbach verlaufen. Die letzteren beiden Orte sind bis jetzt nicht gut mit Verkehrsstraßen bedacht. Da ein großer Grunderwerb kaum in Frage kommt, und es sich also hauptsächlich um Arbeit handelt, so wäre die Anerkennung dieser Arbeit als Notstandsarbeit nicht in Frage gestellt. Ein rascher Entschluß der beteiligten Stellen wäre sehr zu wünschen.

    (Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 6, 9. 1. 1933, S. 4)