Wilhelm Bernheim
Wilhelm Bernheim
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22. April 1938. Beratungen mit Beigeordneten und Ratsherren
Niederstetten, 22, April. (Beratung mit den Beigeordneten und Ratsherren). Bisher wurde in der Pumpstation ein Rohölmotor verwendet, künftig wird zu Pumpzwecken der verbilligte Nachtstrom Verwendung finden. Zu diesem Zweck erfolgt der Einbau eines Ventilschalters mit Schnellschlußventil. Mit Rücksicht auf die Kosten, die durch den Milcherhitzungszwang entstehen, sucht die Milchverwertungsgenossenschaft um Nachlaß ihres Wasserzinses nach. Ein völliger Nachlaß des Wasserzinses ist nicht möglich, dagegen wird der angesetzte Wasserzins auf 50 Prozent ermäßigt. Nachdem die Wasserentnahme künftig eine geringere sein wird, kommt in Zukunft eine Ermäßigung des Wasserzinses nicht mehr in Frage. Die Zuführung der Wasserleitung in den Schulgarten wird genehmigt. In der Nachlaßsache H. Ney wird als Nachlaßpfleger Stadtpfleger Pflüger vorgeschlagen. Gegen die Errichtung einer Einfahrt von der Oberstettenerstraße zum Holzlagerplatz durch die Firma Gebrüder Jung wird nichts eingewendet. Der Wert des zu entfernenden Apfelbaumes wird auf 60 RM. festgesetzt. Die Abrechnung über die letzte Vorstellung der Landesbühne: "Kleiner Mann, ganz groß", wird bekanntgegeben. Die Vorstellung war mit über 500 Besuchern sehr gut besucht. Die NS.-Kulturgemeinde beabsichtigt, die Hälfte der Sitzplätze in der Turnhalle zu erhöhen und wird später nach Gründung des Besucherrings wegen einem Beitrag, der allerdings wieder zurückbezahlt wird, an die Stadtgemeinde herantreten. — Der Bürgermeister teilt mit, daß die Farreneinkaufskommission bei der Versteigerung in Hall einen Jungfarren um den Preis von 2020 RM. gekauft hat. — An dem Brunnen im Eichhof wird eine Pflasterung durchgeführt. Der von dem Juden Bernheimer früher gestiftete Brunnen bei der Apotheke (sogenannter Heimatbrunnen) verschandelt das Ortsbild, er wird deshalb in nächster Zeit entfernt und durch einen neuen Brunnen ersetzt. Soweit das Wasser des Röhrenbrunnens nicht für den neuen Brunnen benötigt wird, wird dasselbe der Milchverwertungsgenossenschaft zur Ergänzung ihrer Brunnenanlage zur Verfügung gestellt. — Anläßlich der Goldenen Hochzeit der Ehepaare Dod und Käser wird den Jubelpaaren das übliche Geschenk aus der Stadtkasse verwilligt. — Mit Wirkung vom 1. April d. Js. wird der Stundenlohn für Pferdegespanne wie folgt erhöht, Zweispänner von 1,10 RM. auf 1,30 RM,, Einspänner von 70 Pfg. auf 85 Pfg. — Der bisherige Führer der freiw. Feuerwehr, Ratsherr Streitberger, hat altershalber sein Amt als Oberbrandmeister niedergelegt. Der Bürgermeister spricht dem aus dem Amt Scheidenden den Dank der Stadtverwaltung aus. Als Nachfolger wird dem Oberamt vorgeschlagen der bisherige Brandmeister Ratsherr R. Knenlein, als dessen Stellvertreter der bisherige Löschmeister Alb. Kleinhanß, Sattlermeister. — Bürgersteuer — und Wasserzinsangelegenheiten.
Der Franke, 23. 4. 1938
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27. Januar 1930. Bericht vom Vortrag Albert Sammt
() Niederstetten, 27. Jan. Gestern abend wiederholte Herr Bordingenieur Albert Sammt vom Zeppelinbau Friedrichshafen in der Turnhalle seinen Vortrag, über welchen wir bereits ausführlich berichtet haben. Eine glänzende Versammlung war zusammengekommen, um seinem Berichte zu lauschen, die Turnhalle war dicht gefüllt, mehr als 500 Personen waren zu zählen. Unser Ehrenbürger, Herr Fabrikant Wilhelm Bernheim aus St. Gallen, war eigens zu dieser Veranstaltung hierher gereist. Herr Stadtschultheiß Schroth begrüßte die Versammlung und verlieh dem Wunsche Ausdruck, daß sich dieser Abend im Verein mit Herrn Sammt und Hrn. Bernheim zu einem wahren Familienabend der großen Familie, der Bürgerschaft, gestalten möge. Dann begrüßte Herr Stadtschultheiß Schroth Herrn Albert Sammt. Beim Herbstfest habe dieser versprochen, Niederstetten zu überfliegen, er habe Wort gehalten. Er habe versprochen im Winter uns mit seinem Vortrag zu erfreuen, er habe wieder Wort gehalten. Diese Einlösung gegebenen Versprechens sei eines echten deutschen Mannes würdig. Deutsch seien auch die Taten, auf welche unser Landsmann stolz sein dürfe. Doch habe ihm sein Erfolg vor jedem Stolz und jeder Selbstüberhebung bewahrt. [?] an Herrn Wilhelm Bernheim richtete Herr Stadtschultheiß Schroth herzliche Worte der Begrüßung und dankte ihm für das Wohlwollen, welches er jederzeit seiner Heimatstadt bewiesen habe. Im weiteren Verlauf des Abends sprach noch Herr Max Stern. Er schilderte den Drang nach Beherrschung der Luft, welcher seit [Hunderten?] von Jahren der Menschheit inne wohne und [?] nun Wirklichkeit geworden sei. Weiter gab er seiner Freude Ausdruck, daß unser Ehrenbürger unsere Stadt nicht nur mit seinem Rat, sondern auch seiner Tat unterstütze. Als Vertreter der heimischen Presse freue er sich immer, wenn er von seinen Landsleuten Gutes und Schönes berichten dürfe. Im Schlußwort dankte Hr. Schultheiß Schroth dem Herrn Sammt für sein [herr?]lichen Vortrag. Der Männergesangverein unter der Leitung seines erprobten Dirigenten, Herrn Chormeister Fleckenstein-Mergentheim, verschönte den Abend durch [?] Gesänge. Mit dem Deutschlandlied schloß die schöne und erhebend verlaufene Veranstaltung.
[Einige Worte im Falz nicht entzifferbar]Vaterlandsfreund, Nr. 22, 28. 1. 1930
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4. Januar 1925. Ehrenbürgerschaft für Wilhelm Bernheim
( ) Niederstetten, 4. Jan. Der Gemeinderat ernannte Herrn Wilhelm Bernheim in St. Gallen zum Ehrenbürger unserer Stadt. Herr Bernheim, ein geborener Niederstettener, hat in schwerer Zeit durch zahlreiche nennenswerte Wohltaten seine treue Heimatliebe bewiesen und diese Ehre wohl verdient.
Tauber-Zeitung, 5. 1. 1925
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Bernheim-Brunnen ("Heimatbrunnen")
Bernheim-Brunnen
Aus: 650 Jahre Stadt Niederstetten
(Vergrößern durch Anklicken des Bildes)Der Inschrift zufolge wurde der Brunnen 1927 errichtet, der Platz am Brunnen wurde nach seinem Stifter Wilhelm Bernheim Bernheimplatz benannt.
"Der von dem Juden Bernheimer [Wilhelm Bernheim] früher gestiftete Brunnen bei der Apotheke (sogenannter Heimatbrunnen) verschandelt das Ortsbild, er wird deshalb in nächster Zeit entfernt und durch einen neuen Brunnen ersetzt." (Der Franke, 23. 4. 1938, Beratung mit den Beigeordneten und Ratsherren)
"Die Beratung der Entwürfe für den neuen Brunnen bei der Apotheke und der örtlichen Besichtigung ergab, daß der Wasserauslauf in seiner geringen Höhe nicht berücksichtigt wurde. Die endgültige Beschlußfassung wurde daher zurückgestellt." (Der Franke, 16. 8. 1938, Beratung mit den Beigeordneten und Ratsherren)
"Die Modelle für den Brunnen bei der Apotheke werden besichtigt. Als geeignet wird das von Gewerbelehrer Reiber hier gewählt. Die Ausführung der Arbeit wird dem Bildhauermeister Seelig-Laudenbach übertragen." (Der Franke, 1. 10. 1938, Beratung mit den Beigeordneten und Ratsherren)
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Bernheim, Wilhelm

© Günther Emig
18. 2. 1874 Nagelsberg - 15. 12. 1953 St. Gallen
Kaufmann
Eltern:
Lazarus Bernheim, geb. 22. 1. 1837 in Laupheim, 1872-1878 Lehrer in Nagelsberg, von 1878 bis 1901 Lehrer in Niederstetten
Sophie geb. Bernheim, geb. 23. 10. 1836Nachkommen von Lazarus Bernheim, pdf-Datei
Seit 11. 2. 1904 wohnhaft in St. Gallen
Heirat 1934 mit Josefa Narnhammer, geb. 28. 4. 1893
1921 Schweizer Staatsbürgerschaft unter Beibehaltung der württ. Staatsbürgerschaft
Lt. Steueramt St. Gallen Vermögen 150.000 Fr.
1924 Niederstettener Ehrenbürger, Ehrenbürgerrecht 1933 (oder danach?) aberkannt, Antrag auf Erneuerung der Ehrenbürgerschaft vom Niederstettener Stadtrat mit Schreiben vom 28. 6. 2022 abgelehntInzwischen erschienen: Günther Emig, Albert Sammt (1889–1982) und Wilhelm Bernheim (1874–1953), zwei Niederstettener Ehrenbürger. In: Württembergisch Franken. Herausgegeben vom Historischen Verein für Württembergisch Franken. Band 107. Schwäbisch Hall 2023, S. 281-296
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