Winzertanz
Winzertanz
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1. Oktober 1936. Heimattag und Erntedankfest
Heimattag und Erntedankfest in Niederstetten
Niederstetten, 30. Sept. Welch eigenartiger Klang liegt in den Worten Heimat, Vaterhaus, Heimaterde für uns Deutsche und wie tief sind sie in unserem Gemüt verankert. Als darunter die Stadt ihre Einladungen zum diesjährigen Heimattag ausgesandt hatte, folgten aus nah und fern etwa 300 Volksgenossen u. -genossinnen, die mit unserer Gemeinde durch Geburt verbunden sind, diesem Rufe, um ihre gemeinsame Heimat wieder zu sehen. Auch eine Feier des Jahrganges 1866 war mit dem Heimattag verbunden; die Fünfziger trafen sich schon am Samstag nachmittag bei einem Essen im Gasthaus Melber, zu welchem sich auch zu ihrer besonderen Freude ein Sohn unserer Stadt, Ministerialdirektor Dr. Dill, einstellte.
Der Abend führte alle Gäste und Einwohner in der Turnhalle zu einer Feierstunde zusammen und die Halle reichte kaum aus, um alle Erschienenen zu fassen. Bürgerm. Schroth begrüßte die Anwesenden im Namen der Stadt und führte in seiner Rede aus, daß nun sechs Jahre seit dem letzten Heimattag verflossen seien. Viele, viele Söhne und Töchter der Stadt sind der Einladung gefolgt, leider mußten auch einige abschreiben, da sie entweder durch Krankheit oder aus beruflichen Gründen nicht kommen konnten, insbesondere auch Luftschiffkapitän Albert Sammt vom Luftschiff "Hindenburg", welcher wieder auf dem Wege nach Amerika ist. Ministerialdirektor Dr. Dill überbrachte Grüße des Innenministers und betonte in seiner Ausführung, daß er sich immer wieder freue, nach Niederstetten zu kommen, um alte, liebe Stätten aufzusuchen. In Erinnerung aus seiner Jugend kam so recht zum Ausdruck, wie tief auch bei ihm das Heimatgefühl verwurzelt ist. Diese Schollenverbundenheit wird besonders durch die Heimattage gepflegt und deshalb erfahren dieselben auch die volle Unterstützung des Nationalsozialismus. Die Kreiskapelle, der Männergesangverein, der BdM. und der Turnverein belebten den Abend durch wohlgelungene Darbietungen.
Am Sonntag morgen machten die auswärtigen Gäste einen Rundgang durch die Stadt, bei welchem die in den letzten Jahren getroffenen baulichen Veränderungen besichtigt wurden, insbesondere auch die Kelter der Weingärtnergenossenschaft. Nachmittags 2 Uhr setzte sich von der Kelter aus ein Festzug zum Festplatz in Bewegung, der durch reichgeschmückte Ernte- und Winzerwagen verschönt war. Die Straßen waren voll von Besuchern aus den Nachbarorten und alles drängte nun zum Festplatze, woselbst Bürgermeister Schroth nach einer Begrüßungsansprache, in welcher er besonders auch die Anwesenheit von Kreisleiter Niklas hervorhob: an die bäuerlichen Gefolgschaftsmitglieder: Sofie Hein, Fritz Ehrmann, Marie Plank, Christian Sinner, Fritz Hütter und Wilhelm Gläß für langjährige treue Dienste (in einem Falle über 40 Jahre) Ehrenurkunden und Geschenke verteilte. Ferner verlas Herr Bürgermeister Schroth ein Telegramm des Fürsten Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg, das er aus Roggenburg sandte und in welchem er alle Gäste und Besucher des Heimattages und Erntedankfestes grüßte und viel Vergnügen wünschte. Ortsgruppenleiter Thomas sprach herzliche Worte des Gedenkens zum heutigen Feste. Die HJ. und BdM. führten Spiele und Tänze vor. Im Kaffeezelt und am Weinschank herrschte lebhafter Betrieb, sodaß die Zeit bis zum Winzertanz rasch verfloß und noch eine große Zuschauermenge bei diesem, von unseren Festen nicht mehr wegzudenkenden historischen Tanze anwesend sein konnte.Der Franke, Nr. 229, 1. 10. 1936
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15. Juni 1925. Kriegerfest mit erstmals stattfindendem Winzertanz
* Niederstetten, 15. Juni. Die Vorbereitungen zu dem am 5. Juli stattfindenden Kriegerfest sind nun soweit gediehen, daß mit Bestimmtheit zu sagen ist, es wird einen schönen Verlauf nehmen. Besonders hat es sich die Festleitung angelegen sein lassen, außerdem Preisschießen am Vormittag und den sonstigen üblichen Festformalitäten, den Festnachmittag so zu gestalten, daß den Festbesuchern abwechslungsreiche Unterhaltung geboten sein wird. Es sei vor allem auf die erstmalige Aufführung des Winzertanzes hingewiesen. Zirka 30 Paare tanzen in den bunten Farben ihrer schönen Kostüme diesen Volkstanz, eiligen Fußes mit all seiner Vielgestaltigkeit. Sicher ist nicht zu viel gesagt, jung und alt wird seine Freude haben an dieser köstlichen Augenweide Jugendlichen Temperaments und zierlicher Beweglichkeit. Der Besuch des Festes ist darum auch reichlich lohnend.
Tauber Zeitung, 16. 6. 1925
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24. September 1929. Hinweis auf Herbstfest
() Niederstetten, 24. Sept. Das Herbstfest am kommenden Sonntag wird vielen Einwohnern der engeren und weiteren Umgebung unserer Stadt Veranlassung geben, einige gemütliche Stunden hier zu verbringen. Den Mittelpunkt bildet wie alljährlich der historische Winzertanz. Die schönen Kostüme der Paare u. die fortwährend wechselnden Tanzbilder sind ungemein reizvoll. Bei Eintritt der Dunkelheit wird der Schloßberg in magischem Lichte erstrahlen.
Vaterlandsfreund, Nr. 226, 25. 9. 1929
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26. September 1933. Weihetage
Weihetage in Niederstetten.
Strahlender Himmel wölbte sich über der Feststadt, als in den frühen Morgenstunden der Weckruf der SA-Kapelle Blaufelden erschallte. Die braunen Sturmscharen sammelten sich und zogen vors Städtchen, um die Zeit bis zum Feldgottesdienst zu Uebungen, Appellen usw. zu benützen. Der Hofgarten gab einen würdigen Rahmen für den Festgottesdienst, der von Stadtvikar Leihenseder abgehalten wurde. Anschließend marschierten die SA-Abteilungen zum Eichhof. Für Zuschauer bei der Uebergabefeier war Pendelverkehr mit Autos eingerichtet worden, sodaß es jedermann möglich war, an dieser Feier teilzunehmen. Inzwischen waren auch die Vertreter der Regierung, Staatssekretär Waldmann und Ministerialrat Dr. Dill, sowie die Vertreter der "württ. Landessiedlung G. m. b. H." eingetroffen. Geschäftsführer Herter konnte die Feier mit der Begrüßung der Ehrengäste eröffnen. Er bat um gerechte Beurteilung des Siedlungswerkes. Es folgte nun ein ausführlicher Bericht über die Entstehung und Einteilung der Siedlung. Auf der 80 Hektar großen fürstlichen Domäne wurden 9 Siedlungsstellen geschaffen, und zwar 3 große Stellen mit je 43 Morgen und 6 kleinere Stellen mit je 30 Morgen Land. 25 Unternehmer und rund 100 Arbeiter waren beschäftigt. Die gesamten Kosten belaufen sich auf 165 000 RM., sodaß eine Siedlerstelle auf 23 400 RM. bezw. 16 000 RM. kommt. Mit dem Dank an alle Mitarbeiter übergab er dann den neuen Weiler in die Obhut der Stadt Niederstetten. Hierauf ergriff Bürgermeister Schroth das Wort. Im Namen der Stadt begrüßte er die hohen Gäste, insbesondere unseren Landsmann Ministerialdirektor Dr. Dill. Die gesamte Gemeinde sei stolz darauf, die erste württ. Bauernsiedlung, die ja für kommende Siedlungen als Muster gelte, zu besitzen und so auch am Wiederaufbauwerk Adolf Hitlers mitgearbeitet zu haben. Mit der Versicherung, die Siedlung gewissenhaft zu betreuen, übernahm Bürgermeister Schroth dieselbe in die Obhut der Stadt. Für seine Kollegen sprach der Siedler Hermann (v. d. Siedlungstelle IV). Der heutige Tag, an dem sie ihre neue Heimat übernehmen, sei für sie ein Ehrentag. Mit den Grundsätzen: "Einer für alle, alle für einen" und "Treue um Treue" wollen sie ihren neuen Lebensabschnitt beginnen. Landrat Wöhrle überbrachte die Glückwünsche des Bezirkes. Die Bevölkerungsziffern des Bezirks in den letzten Jahrzehnten streifend, begrüßte er es, daß dem flachen Lande wieder aufgeholfen werden sollte und daß bereits eine 2. Siedlung im Bezirk in Angriff genommen worden sei. Kreisbauernführer Philipp erinnerte an das Rettungswerk Adolf Hitlers, durch das es ja eigentlich erst möglich war, zu siedeln, das Volk wieder zurückzuführen zu Blut und Boden. Auch den 2. und 3. Bauernsöhnen muß wieder Gelegenheit zur Selbständigmachung gegeben sein. D. Haffa sprach im Auftrag des Landesarbeitsamts Südwestdeutschland. Darauf ergriff Staatssekretär Waldmann das Wort. Er übermittelte die Grüße des leider verhinderten Reichsstatthalters Murr. Als er heute morgen hierher fuhr, sei ihm der Unterschied zwischen Franken und Schwaben so recht zum Bewußtsein gekommen. Begeisterung und Freude sei den Bewohnern des Frankenlandes von den Gesichtern abzulesen gewesen. Dank der guten Vorarbeit von Gauleiter Schmidt und Bürgermeister Stümpfig sei das Hohenloher Land und besonders der Bezirk Gerabronn zu einer Hochburg der NSDAP. geworden. Die Hohenloher seien ja auch sehr zahlreich in der neuen Regierung vertreten. Im Rahmen der Arbeitsbeschaffung mußte auch bei uns in Württemberg der Gedanke der Siedlung aufgegriffen werden. Auf der Suche nach Siedlungsmöglichkeiten kam man auf den Eichhof. Er soll Mustersiedlung für unser Land sein. Hessen führe zur Zeit eine großzügige Landesplanung durch. Die werde vielleicht auch Vorbild für uns werden. Nur durch wirtschaftliche Stärkung kann unser Volk wieder zu seiner äußeren Freiheit gelangen. Ministerialdirektor Dr. Dill gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß er als geborener Niederstettener der Uebergabe des Eichhofes, auf dem er schon als Kind spielte, beiwohnen dürfe. Eine herrliche Anlage sei aus dem früher so einsamen Hof geworden. sein Dank galt dem tatkräftigen Bürgermeister von Niederstetten und dem Freiwilligen Arbeitsdienst, der hier etwas Vorbildliches geschaffen hätte. Siedeln sei eine Schicksalsfrage des deutschen Volkes. Durch die Besiedelung des deutschen Ostens werden die Polen bei ihren Ausdehnungsbestrebungen nach Westen einen starken Wall deutscher Bauern finden. Er grüßte auch im Namen des Innenministers die 9 Siedler, auf die er ein Sieg-Heil ausbrachte. Nach Direktor Jäckle, der die Grüße und Wünsche des dienstlich verhinderten Landesbauernführers überbrachte, ergriff unter stürmischen Beifallkundgebungen der stellvertr. Gauleiter Schmidt das Wort. Der Hohenloher Bauer marschiere immer an der Spitze z. B. einst im Bauernkrieg, heute in der Bewegung Adolf Hitlers. Deshalb hatte der Hohenloher Bauer auch ein gewisses Vorrecht, die erste württembergische Siedlung zu bekommen, er habe auch als erster alte Parteipfähle zum Wanken gebracht. Der Nationalsozialismus sorgt dafür, daß die bäuerliche Existenz gesichert sei. Auch württ. Bauernsöhne sollen bei den 15 000 Siedlungsstellen im Norden und Osten des Reichs entsprechende Berücksichtigung finden. Ein Volk kann nur leben, wenn es einen gesunden Bauernstand hat. Deshalb ist beim Bauer [?] ständische Vertretung durchgeführt worden. Er [?] ein Sieg-Heil auf den schwäbischen Bauern aus. Bürgermeister Schroth dankte allen Rednern und allen, die an der ersten württ. Bauernsiedlung mitgeholfen haben. Voll Zuversicht wollen wir kommenden Zeiten entgegensehen. Mit dem Deutschlandlied fand die Feier ihren Abschluß. Es folgte nun ein Rundgang durch die Siedlung. Eine dichte Menschenmenge wartete inzwischen auf dem Marktplatz auf die Weihe des Horst-Wessel-Brunnens, die Kreisleiter Stümpfig vornahm. Niederstetten gleiche einer neu erwachten Stadt. Ueberall sehe man frohe Gesichter, buntes Leben herrsche in den reich beflaggten Straßen, die nach den Führern des dritten Reiches benannt seien und deren eine ab heute ab den Namen des württ. Führers Wilhelm Murr trage. Auch die Hülle dieses Brunnens möge nun fallen, der den Namen Horst Wessels trage. Durch sein Opfer sei neues Leben in unser Volk gekommen. Von jedem Einzelnen müsse dieselbe Hingabe verlangt werden. Dann übergab Kreisleiter Stümpfig den Brunnen in die Obhut der Stadt. Das Horst Wessellied klang über den Marktplatz. Bürgermeister Schroth dankte dem Kreisleiter für die Uebergabe des Brunnens. Im Sinne Wessels soll er gepflegt u. behütet werden. Pg. Kraushaar, der erste Leiter der hiesigen Ortsgruppe d er NSDAP, wandte sich an die Jugend. Wer den Brunnen schändet, schändet Blut und Boden. Nach dem Lied "Deutscher Glaube" schritt Bürgermeister Schroth zur Ehrung unseres Reichsstatthalters. Als Gegenleistung für die beiden Wahrzeichen, Eichhofsiedlung und heute Wessel-Brunnen, die unserer Stadt heute geschenkt worden seien, wurde Reichsstatthalter Murr zum Ehrenbürger der Stadt ernannt und die künstlerisch ausgeführte Ehrenurkunde an dessen Stellvertreter, Staatssekretär Waldmann, übergeben. Bürgermeister Schroth brachte ein Sieg-Heil auf unseren schwäbischen Führer aus. Die Feier klang mit dem Deutschlandlied aus Am Nachmittag war ein eindrucksvoller Propagandamarsch durch die Straßen der Stadt. 1500 Mann SS, SA, HJ und der freiw. Arbeitsdienst nahmen daran teil. Auf der Jahnwiese erfolgte der Aufmarsch. Es folgte zunächst eine Gefallenengedenkfeier. Kreisleiter Stümpfig eröffnete dann den Kreismitglieder-Kongreß [?] der Spitze z. B. einst im Bauernkrieg, heute in der [?]stellv. Gauleiter Schmidt und Ministerialrat Dr. Dill sprachen über die wichtigsten Aufgaben des nationalsozialistischen Staates. Den Abschluß der Feierlichkeiten bildete die Landung eines Segelflugzeuges, das von Ing. Höges Ingelfingen gesteuert wurde und der historische Winzertanz unter Leitung von Rich. Knenlein. Der Winzertanz fand die besondere Aufmerksamkeit der vielen Zuschauer.Vaterlandsfreund, 26. 9. 1933
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30. September 1929. Herbstfest
() Niederstetten, 30. Sept, Wenn die sommerliche Ernte eingeheimst ist und eine gute Ernte in den Weinbergen der Lese harrt, dann feiert der Niederstettener sein Herbstfest. Nicht als ob der Niederstettener Bauer und Gewerbetreibende besonders gerne über die Schnur haue. Es gibt wohl kaum einen mäßigeren Bürger wie den Niederstettener. Aber nach den vielen Mühen des Säens und Erntens lohnt es sich eine Stunde des Festes und der Einkehr zu feiern. Diesen Standpunkt betonte Herr Stadtschultheiß Schroth in seiner Festrede zum gestrigen Herbstfest. Außerdem führte Herr Stadtschultheiß Schroth aus, solle dieses Fest die Einigkeit aller Stände und Konfessionen in unserer Stadt bekunden. Der Redner dankte dann allen Einzelpersonen und Vereinen, welche sich um das Gelingen des Festes verdient gemacht hatten und begrüßte Se. Durchlaucht den Fürsten Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg. Auch für die Anwesenden „40er“ und besonders den Zeppeliningenieur, Herrn Albert Sammt hatte Herr Stadtschultheiß Schroth warme Worte der Begrüßung. Dann nahm das Fest, welches durch Wecken seitens der Stadtkapelle und einen Festzug eingeleitet wurde, seinen Verlauf. Vom Himmel strahlte hell und warm die Sonne, was besonders dem Wirtschaftszelt und dem Kaffeezelt (letzteres eingerichtet vom Landw. Hausfrauenverein) zu gute kam. Aber es war auch erfreulich, daß die vielen Darbietungen bei so schönem Wetter von statten gehen konnten. Zunächst bot der Männergesangverein eine Reihe schöner Weisen. Dann fand ein Handballspiel (Würzburg-Niederstetten) und ein Fußballspiel (Gerabronn-Niederstetten) statt. Kurz sei vermerkt, daß beide Spiele für Niederstetten negativ verliefen. Wie schon in den Vorjahren, so bildete auch in diesem Jahr der historische Winzertanz den Glanzpunkt des Festes. Den Tänzerinnen und Tänzern sowie dem Einpauker, Herrn Rich. Knenlein, machten die glänzende Durchführung alle Ehre. Nach Eintritt der Dunkelheit fand eine bengalische Schloßbeleuchtung statt. Fast anschließend an das Fest fand in der Turnhalle ein Festball statt, welcher einen schönen Abschluß des Festes bildete. Sehr viele Fremde hatte der gestrige Tag unserer Stadt zugeführt, ein Zeichen, daß unsere Stadt immer mehr zum beliebten Mittelpunkt eines weiten Kreises wird.
Vaterlandsfreund, Nr. 231, 1. 10. 1929
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4. Juli 1934. Kreiskriegertag
* Niederstetten, 4. Juli. (Kreiskriegertag.) Lachender Sonnenschein lag über dem Vorbachtal und reicher Flaggenschmuck grüßte die Festteilnehmer und Festbesucher, die aus dem ganzen Kreis und dem benachbarten Kreis Mergentheim zusammengeströmt waren, um Stunden der Kameradschaft zu erleben und gemeinsame Erinnerungen aus der aktiven Dienstzeit und der Zeit des großen Krieges auszutauschen. Besonders zahlreich haben die Kriegervereine der freundlichen Einladung des festgebenden Vereins Folge geleistet u. sehr früh schon belebten die ehemaligen Soldaten, die jetzige SAR. II, ordengeschmückt und die Hakenkreuzarmbinde tragend, die Straßen der Stadt. Den Auftakt des Kreiskriegertags bildete nach vorausgegangenem Wecken der feierliche Feldgottesdienst im fürstlichen Hofgarten. Anschließend hielt der Kreisleiter, Herr Oberförster Fritsch, im Beisein des politischen Referenten beim Stabe des Führers der SAR. II, Göhrum, mit den Vereinsführern eine Führerbesprechung; er betonte am Schlusse, daß, wenn am heutigen Tage sein Amt abläuft, er sich nicht verabschiede, da er nur in die Reihen der Kameraden zurücktrete, und wie bisher auch fernerhin der ihre bleibe. Auch ließ es sich Vereinsführer Kurz nicht nehmen, dem scheidenden Kreisführer Worte des Dankes zu sagen und besonders darauf hinzuweisen, wie notwendige Beanstandungen, stets mit Humor vorgebracht, nie zu kränken vermochten. So bestand zwischen Kreisführer und Vereinen stets ein herzliches Verhältnis. Inzwischen war die Kreiskapelle und die Standartenkapelle aufmarschiert, um unter der Leitung von Kapellmeister Fleckenstein-Bad Mergentheim auf dem Festplatz ein Standkonzert zu geben, das außerordentliche Begeisterung auslöste. Der Nachmittag war der Höhepunkt des Festes. 44 Vereine hatten sich zum Festzug aufgestellt. Voraus eine Reitergruppe alter Soldaten in ihren ehemaligen Uniformen. Da sah man wieder einmal die schmucken Ulanen, die Dragoner, die bayrischen Chevauxleger. Sicher und stolz saßen sie auf ihren Pferden, die Alten von der Reiterei. Ein prächtiges Bild boten die vielen neuen Kyffhäuser-Flaggen und die alten Krieger- und Veteranenvereins-Fahnen. Ein viele Hundert zählender Festzug bewegte sich unter flotter Marschmusik vom Schloß herab hinaus zum herrlich gelegenen Festplatz mit dem ansteigenden Schloßberg und dem wuchtigen Fürstenschloß im Hintergrund. Um die von den Fahnen des neuen Reiches flankierte Rednertribüne marschierten die Krieger, SA. und die H.J. zum Festakt auf. Herr Bürgermeister Schroth entbot dem Kriegertag den herzlichen Willkommgruß der Stadtgemeinde Niederstetten. Welche Wandlung hat sich doch vollzogen seit dem letzten Kriegertag vor 9 Jahren in Niederstetten. Freude u. Befriedigung löst die Tatsache aus, daß die nationale Erhebung den Krieger und Soldaten und die alten Soldatentugenden wieder zu Ehren kommen läßt. Sein besonderer Gruß galt dem Sohn der Stadt, Herrn Ministerialdirektor Dr. Dill, u. a. Gästen. Für den festgebenden Verein sprach Herr Richard Knenlein besonders herzliche Willkommworte. Er führte aus, daß sich die alten Soldaten des Kreises Gerabronn und der weiteren Umgebung zum ersten Male im Dritten Reich versammeln, aber mit dem stolzen Gefühl, daß unser Soldatentum zu Ehren und Achtung kam. Die Frontgeneration habe als Träger der Nation in Deutschlands größtem Kriege und in des Vaterlandes höchster Not besonderen Grund in echter, soldatischer Haltung mit der jüngeren Generation im braunen Kleid in Treue zu Volk u. Führer zu stehen. Die große Idee des Nationalsozialismus wurde im Schlamm der Schützengräben und aus den Wunden und dem Blute unserer gefallenen Kameraden geboren. Diese Schicksalsverbundenheit mit dem Frontkameraden Adolf Hitler ist den Soldaten des Krieges richtungweisend. Wie sie im Felde ihre Pflicht bis zum äußersten erfüllt haben, so tun sie dies auch im heutigen nationalsozialistischen Deutschland Adolf Hitlers. In prägnanter Form stellte der Kreisführer, Kam. Fritsch, die neuen Ziele und Aufgaben des Kyffhäuserbundes heraus, nachdem er den stellv. Landesführer Min.-Dir. Dr. Dill, der trotz der besonderen politischen Lage sich in Stuttgart freigemacht hatte, um einige Stunden in seiner Heimat bei den Kameraden zu verbringen, Herrn Landrat Wöhrle, Herrn Reg.-Rat Stümpfig, Herrn Kreisleiter Nicklas und die beiden Standartenführer der SAR. II, Herrn Major Engelhardt von Hall u. Herrn Stud.-Rat Pfannkuch von Mergentheim, begrüßt hatte. Herr Fritsch wies auf den Tag hin, an dem die Neugliederung des Deutschen Reichskriegerbundes Kyffhäuser und die Neugliederung des Landesverbandes Südwest in Kraft trete, was mit dem heutigen Tag zusammenfalle. Er wies weiter darauf hin, der Besonderheit des Tages, da es in Deutschland hart auf hart gehe, eingedenk zu sein und den Tag würdig zu begehen, sich aber am Zusammensein mit den alten Kameraden zu freuen in dem festen Bewußtsein, hier in gleichgesinnten Kreisen zu weilen, denen Gehorsam dem Führer, Disziplin u. Opfersinn oberste Pflicht sei. — Anschließend stellten sich die Standartenführer Engelhardt und Pfannkuch ihren Kameraden vor und erboten restlosen Einsatz und verständnis- und vertrauensvolle Mitarbeit. — Namens der Kreisleitung der NSDAP. hob dann stellv. Kreisleiter Nicklas die begeisterte Einsatzbereitschaft der Frontsoldaten hervor, wenn es auch nach dem Verrat von 1918 schien, als ob alle Opfer vergebens gewesen wären, so ist es der Frontsoldat Adolf Hitler gewesen, der nach 14jährigem, aussichtslos erscheinendem und schwerstem Kampf das neue Deutschland der Ehre und Freiheit geschaffen hat. Ihm allein ist es zu danken, wenn erst jetzt die riesigen Opfer an bestem deutschen Blut im Weltkrieg und in der Kampfzeit einen Sinn bekommen haben. Herr Min.-Dir. Dr. Dill überbrachte sodann als 2. Landesführer die Grüße des leider am Erscheinen verhinderten Exz. v. Maur. Er gab seiner Freude Ausdruck, an diesem Feste teilnehmen zu können, das in eine Zeit besonderer Bedeutung falle. Kaum seien wenige Tage vorbei, da wir die Flaggen im Gedenken an das schamlose Diktat von Versailles auf Halbmast setzten. Heute stehen wir aber wieder in einer Zeit, da die Kriegervereine es nicht mehr nötig hätten, ihre Fahnen verstecken zu müssen. Dem deutschen Frontsoldaten ist seine Ehre wiedergegeben und fast alle maßgebenden Stellen sind von ehemaligen Soldaten und Kriegsteilnehmern besetzt worden. Er würdigte sodann die Person des neuen Bundesführers, den er als echten Frontsoldaten herausstellte. Das Verhältnis zwischen SA. und SAR. zeichnete er dahin, daß die in der SA. zusammengeschlossene Jugend den Alten den revolutionären Geist bringe, sie könne aber von den Aelteren die Lebenserfahrung lernen und sie schulde den alten Soldaten Ehrerbietung. Nur der, der einmal gehorchen gelernt habe, könne erst einmal befehlen. Seine weiteren Ausführungen widmete er den Toten des Weltkrieges und der nat. Revolution. Sie sind es, die Nationalsozialisten und alte Frontkämpfer zusammenhalten müssen. Im Geiste marschieren sie in unseren Reihen mit. Die Fahnen senkten sich beim Lied vom guten Kameraden. Im Auftrag des Landesführers weihte sodann Herr Min.-Dir. Dr. Dill mit der ehrwürdigen alten u. verwitterten Fahne Niederstettens die neuen Kyffhäuserflaggen. Mit einem ernsten Appell an die Fahnenträger schloß er seine von tiefem Ernst getragenen Ausführungen. Spontan fielen dann die Festteilnehmer auf das von Kreisführer Fritsch auf Führer und Vaterland ausgebrachte Sieg Heil ein. — Der offizielle Teil war beendet und unter schattigen Bäumen fanden sich dann die Kameraden zum frohen Zusammensein. Besondere Ueberraschung und Freude löste der von den Burschen und Mädchen unter Leitung von Vereinsführer Knenlein in den malerischen Kostümen aufgeführte historische Winzertanz aus. Lange noch blieben die Festteilnehmer bei frischer Marschmusik beieinander. Für die Einheimischen und solche, die keinen allzugroßen Heimweg hatten, war abends noch gesellige Unterhaltung auf dem mit Scheinwerfern beleuchteten Festplatz. Alle Teilnehmer werden gerne an den schönen Kreiskriegertag in Niederstetten zurückdenken. Dem veranstaltenden Verein, insbesondere seinem Führer und seinem Mitarbeiterstab, Dank und Anerkennung.
Der Franke, Nr. 152, 4. 7. 1934
SAR: SA-Reserve?
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5. Oktober 1931. Bericht vom Herbstfest
() Niederstetten, 5. Okt. Das herrlichste Wetter war unserem Herbstfest beschieden. Da war es fast selbstverständlich, daß nicht nur der Niederstettener feierte, sondern daß ein großer Fremdenzuzug unsere Stadt belebte. Den Festzug, an welchem der Gemeinderat und alle Vereine teilnahmen, belebte die farbenprächtige Gruppe der Winzer und Winzerinnen und auch die „Fünfziger“ gingen als Ehrengäste mit dem Festzuge. Die Stadtkapelle (Rummler) spielte flott voraus. Auf dem Festplatz entbot Herr Bürgermeister Schroth den Willkommgruß der Stadt und der Vereine. Er wies auch auf das wachsende Heimatsgefühl hin und begrüßte damit die zum Fünfzigertag eingetroffenen zahlreichen Gäste. Es sei heute wohl keine Zeit Feste zu halten. Das Heimatsfest soll ein kein rauschendes Fest sein. Es soll alle Jahre den Abschluß der landwirtschaftlichen Arbeiten und auch der Arbeit in den Vereinen darstellen. Es sei heute kein Anlaß zu verzweifeln. Auch vor hundert Jahren waren schlimme, oft sogar noch schlimmere Zeiten als heute. Das Herbstfest soll nun alle Jahre die Einigkeit der Konfessionen und der Berufsstände in unserer Stadt bezeugen. Wenn wir an dieser Einigkeit festhalten, dann wird es uns gelingen uns und unsere Stadt in diesen gefahrvollen Zeiten durch [Textverlust] Weisen. Dann traten die Winzer zum Tanze an. Auch wer den Winzertanz schon ein- oder mehreremale gesehen hatte, war begeistert von dessen schöner Durchführung. Mit Eintritt der Nacht erstrahlte Schloß und Schloßberg in magischer Beleuchtung. Zum Festball vermochte die große Turnhalle kaum die große Zahl der Besucher zu fassen. So nahm das Fest in allen Teilen einen schönen und einträchtigen Verlauf.
Vaterlandsfreund, Nr. 233, 6. 10. 1931
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7. Oktober 1935. Herbstfest
Innenminister Dr. Schmid beim Niederstetter Herbstfest
Niederstetten, 7. Okt. Das diesjährige Erntedank- und Herbstfest wurde durch den Festzug um 12 Uhr eingeleitet. Voraus das Jungvolk mit den Fanfaren und Landknechtstrommeln, dann HJ. und BDM. mit bändergeschmücktem Erntekranz, die Pol. Leiter, Abordnungen der SA., NSKK., Sanitätskolonne, Kyffhäuserbund, Männergesangverein und dann die Bauern in ihrer Arbeitskleidung mit Arbeitsgeräten. Zum Schlusse drei Festwagen: Ein Wagen mit Früchten des Feldes und Schnittern, ein Winzerwagen, vollbehangen mit köstlichen Trauben und ein Wagen mit Geräten zur Flachsgewinnung bis zum Spinnrad, von fleißigen Händen in Tätigkeit vorgeführt. Auf dem Festplatze angekommen, sprach Bürgermeister Schroth zu den sehr zahlreichen Anwesenden Worte des Dankes für alle die bäuerlichen Helfer und nicht zuletzt dem Bauern selbst für alle die Mühen des Jahres und der Vorsehung, daß wir ein Erntedankfest feiern können. Für langjährige treue Dienste einer Anzahl Gefolgschaftsmitglieder konnte Bürgermeister Schroth im Auftrage des Ortsbauernführers Ehrenurkunden und Geschenke übergeben.
Da brach die herbstliche Sonne in wärmenden Strahlen durch das Grau des Himmels und mit offenen Herzen lauschten alle Festteilnehmer den Worten des Führers vom Bückeberg und spontan fielen die Zuhörer in den Beifall ein, der durch die Lautsprecheranlage drang, wenn besonders markante Sätze aus des Führers Munde erklangen. Ortsgruppenleiter Thomas sprach anschließend zu den Anwesenden und mit dankbarem Gefühle ertönte der Choral: „Nun danket alle Gott“, aus hunderten von Kehlen über den weiten Platz. Sprechchöre des JV., der HJ, und BDM. füllten den Nachmittag.
Mittags war schon eine freudige Ueberraschung bekannt, geworden: Innenminister Dr. Schmid war erschienen und versprach gegen Abend nochmals zu kommen, da er am Nachmittag die Orte Riedbach und Brettheim aufsuchen wollte. Innenminister Dr. Schmid hielt sein Wort; kurz vor Beginn des Winzertanzes zeigten Fanfarenklänge sein Kommen an, in seiner Begleitung waren Landrat Wöhrle, Kreisleiter Niklas, Kreisgeschäftsführer Walter und Bürgermeister Wiedmann-Gerabronn. Nach Abschreiten der Front, der im Viereck aufgestellten Festzugteilnehmer, begrüßte Bürgerm. Schroth Innenminister Dr. Schmid und überreichte ihm als Willkommgruß einen Becher, gefüllt mit 1934er Niederstetter Weines und einen Korb einheimischer Früchte und Trauben. Innenminister Dr. Schmid bedankte sich in herzlichen Worten für die Gaben und trank auf das Wohl der Gemeinde. Den gesanglichen Darbietungen des Männergesangvereins und der Vorführung des Winzertanzes zollte der Minister lebhaften Beifall. Zum Schlusse wurde ein Hammeltanz aufgeführt, der aber unter dem Mangel der Beteiligung etwas litt, sodaß nur ein Geldpreis ausbezahlt werden konnte. Der Traubenmarkt fand lebhaften Anklang und restlosen Absatz der vorhandenen Vorräte. Ein Tanzabend in der Turnhalle brachte noch einen schönen Ausklang des Erntedankfestes. — Am Samstag Abend hatte sich der Jahrgang 1895 zu einer Vierzigerfeier im Saale des Gasthauses Melber zusammengefunden. Da auch viele auswärtige Schulkameraden der Einladung hierzu Folge geleistet halten, so kam eine frohe Stimmung beim Austausch alter Jugenderinnerungen auf. Altersgenosse Sattlermeister Gottlob Schmidt begrüßte die Erschienenen und gerade der in der Ferne weilenden Schulkameraden und derer, die nicht mehr unter den Lebenden sind. Bürgermeister Schroth gab in einer längeren Ausführung einen Ueberblick über die Entwicklung der Gemeinde in den letzten 25 Jahren und vieles war selbst für die hiesigen Anwesenden von Interesse, da man vieles schon wieder vergessen oder in manches keinen Einblick erhalten hatte. Zum festlichen Gepräge des Abends trug ein gut Teil Chormeister Fleckenstein mit Tochter bei durch ihre musikalischen Darbietungen, welche durch gesangliche Vorträge eines Doppelquartetts des Männergesangvereins abgelöst wurden. Zum Gedenken an die im Weltkriege gefallenen Kameraden und der sonst vom Tode ereilten Altersgenossen legten die Vierziger am Sonntagmorgen am Ehrenmale der Gefallenen einen Kranz nieder.
Der Franke, Nr. 235, 8. 10. 1935
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8. Oktober 1929. Niederstettener Winzertänzer in Wertheim
() Niederstetten, 8. Okt. Einer Einladung folgend, machten vorgestern unsere Winzertänzer einen Ausflug in zwei Autoomnibussen nach Wertheim. Ueberall, wo die Winzer und Winzerinnen in ihrer schmucken Tracht hinkamen, wurden sie freudig begrüßt. Nach einer Besichtigung der Gamburg (der Empfang seitens des Besitzers war nicht so freundlich) ging es nach Wertheim, wo der Verkehrsverein die „Schteitemer“ umso freundlicher in Empfang nahm. Eine kostenlose, aufmerksame Führung durch alle Sehenswürdigkeiten der Stadt schloß sich an. In Wertheim war große Messe und Trachtenfest, aber außer unseren Winzertänzern waren wenige Trachten zu sehen. Umso größer waren Jubel und Beifall, als vor tausenden von Zuschauern der Winzertanz vorgeführt wurde. Der Schauplatz war die Festwiese auf dem Sportplatz. Jetzt waren unsere Winzer und Winzerinnen die Helden des Tages. Vom Verkehrsverein in das Hotel zum badischen Hof eingeladen, verlebten sie noch recht frohe Stunden, wobei der Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins Wertheim, Herr von Jahn, die Niederstettener und Herr Stadtschultheiß Schroth die Wertheimer hochleben ließen. Die Wertheimer werden im nächsten Jahr den Besuch erwidern.
Vaterlandsfreund, Nr. 238, 9. 10. 1929