Zeppelin

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  • 1. Oktober 1929. Zeppelin "Graf Hindenburg" erstmals über Niederstetten

    () Niederstetten, 1. Okt. Unsere Stadt hatte heute festlich geflaggt. Unwillkürlich dachte ich an die ersten Tage des Weltkrieges, als Siegesnachricht auf Siegesnachricht von der deutschen Front kam. Auch heute galt es einen deutschen Sieg zu feiern — zum ersten Mal kam der große, neue „Graf Zeppelin“ über Niederstetten. Die Siege des Krieges sind durch die Ereignisse, welche folgten, unwirksam geworden. Der Sieg des Zeppelin, ein Kultursieg deutschen Geistes und deutscher Arbeit, wird Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende überdauern. Unser Geschlecht ist von der Technik verwöhnt worden. Fast täglich hören und sehen wir neue Erfindungen, welche das Leben lebenswerter machen. Aber trotzdem hat die Erwartung des Zeppelin alle Bewohner unserer Stadt bis aufs äußerste angespannt. Unser Landesmann, der Bordingenieur Sammt, hatte uns versprochen: gegen 10 Uhr überfliegen wir Niederstetten. Und er hat der Sache und der Zeit nach Wort gehalten. Punkt 10 Uhr war ein leises Motorengeräusch zu vernehmen und schon nahte von Südwesten kommend, das herrliche Luftschiff. Auf dem Sportplatz hatte der größte Teil der Einwohnerschaft Aufstellung genommen und ein unbeschreiblicher Jubel ging aus von der Menge, hinauf zu dem Riesen, welcher da majestätisch über uns hinwegzog. Ganz langsam zog das Luftschiff über unsere Stadt. Und wie der geistige Gruß von unten nach oben zog, so flog ein wirklicher Gruß vom Schiff zur Erde. Alb. Sammt hatte Post abgeworfen. Viele Freunde hatte er bedacht und mit Stolz darf ich erwähnen, daß auch der ()-Korrespondent unter den Geehrten war, welche einen Kartengruß erhielten. Freilich wäre der ()-Korrespondent selbst gerne einmal „Zeppelingefahren“. Aber bei der Höhe der Preise (nicht der Flughöhe) muß er das Vergnügen den „Großkopfeten“ überlassen, wie Thoma so schön sagt. Aber schon das Ansehen dieses wundervollen Luftschiffes begeisterte alle unsere Einwohner und sie empfanden alle die Größe des Geistes, welche dieses Schiff erfunden hat und welche dieses Schiff lenkt. Mögen ihm immer glückliche Fahrten beschieden sein. Glück auf, „Graf Zeppelin“. M[ax]. St[ern].

    Vaterlandsfreund, Nr. 232, 2. 10. 1929

  • 11. Oktober 1931. Zeppelin überfliegt Niederstetten

    () Niederstetten, 11. Okt. Das Erscheinen des Luftschiffes „Graf Zeppelin“ hatte schnell die Einwohnerschaft unserer Stadt auf die Straße gebracht. Durch begeisterte Rufe wurde das herrliche Luftschiff; welches im hellen Sonnenschein über unsere Stadt flog, begrüßt. Gleich nach der Stadt endete das Schiff von seinem seitherigen Süd-Nordflug scharf nach Osten um und konnte so weiterhin noch lange gesehen werden. Das Luftschiff nahm den Flug über unsere Stadt in sehr geringer Höhe. Ein Insasse winkte uns Grüße zu, und. wir gehen wohl in der Annahme nicht fehl, daß dies unser Landsmann, Herr Bordingenieur Sammt, war. Die besten Wünsche für glückliche Fahrt folgten dem „Graf Zeppelin“.

    Vaterlandsfreund, Nr. 238, 12. 10. 1931

  • 14. Juni 1931. Zeppelin überflog Niederstetten

    () Niederstetten, 14. Juni. Der Zeppelin war da! Punkt halb elf Uhr wurde er gesichtet, aber o weh, er wandte sich ostwärts, wahrscheinlich nach Rothenburg o. Tauber. Schon wollten viele Verzagte ihren Beobachtungsposten verlassen, waren doch alle Höhen ringsum von vielen hunderten Menschen besetzt, da kam der majestätische, silberglänzende Riesenleib vom Osten her zurück. Zeit bringt Zeppeline, sagte eine Zuschauerin. Herrlich war der Anblick des Luftschiffes, herrlich sein gerade unsere Stadt überquerender Flug. Etwa 10 Minuten lang konnte man von unseren Höhen aus die Bahn dieses modernen Weltwunders verfolgen, da war er wohl schon weit über Mergentheim weggeflogen. Die begeisterten Hochrufe unserer Einwohner gaben dem „Graf Zeppelin – D – LZ. 127" das Geleite.

    Vaterlandsfreund, Nr. 136, 15. 6. 1931

  • 16. August 1939. Albert Sammt und Zeppelin

     

    Der Franke, 16. 8. 1939
    (Vergrößern durch Anklicken des Bildes)

  • 17. Januar 1930. Ankündigung Vortrag Albert Sammt

    () Niederstetten, 17. Jan. Als unser weitgereister Landsmann Albert Sammt, Bordingenieur des Zeppelin, im vergangenen Herbste hier war, versprach er uns wiederzukommen und einen Vortrag über seine Erlebnisse zu halten. Er hält Wort. Am Sonntag, den 26. Jan., spricht Albert Sammt in der hiesigen Turnhalle über seine Erlebnisse. Niederstetten und seine Umgebung wird Gelegenheit haben (manche Großstadt dürfte uns darum beneiden) einen Mann über seine Erlebnisse sprechen zu hören, welcher den Zeppelinbau von der Picke auf miterlebt hat und der auf allen großen Reisen der letzten Jahre an wichtiger Stelle gestanden hat. Aber nicht nur Worte werden wir hören. Der Filmoperateur des Zeppelinbaues, Herr Marx, wird Herrn Sammt begleiten u. im Film und in Lichtbildern werden uns alle die großen Taten der Zeppelinleute besonders lebendig werden. Um einerseits dem zu erwartenden großen Andrang gerecht zu werden und um andererseits der weiten Umgebung die Möglichkeit zu geben, dem Vortrag beizuwohnen, wird der Vortrag sowohl Nachmittags als auch abends veranstaltet.

    Vaterlandsfreund, Nr. 14, 18. 1. 1930

  • 2. November 1938. Herbstfest - Zeppelin - Brand im Pfarrhaus

    Niederstetten, 2. Nov. Das am letzten Sonntag stattgefundene Herbstfest, welches infolge der vorgeschrittenen Jahreszeit nur im kleinen Rahmen veranstaltet wurde, war von den hiesigen Einwohnern und besonders von auswärtigen Gästen sehr gut besucht. Die Sitzgelegenheit in der Kelter hat nicht ausgereicht, um all die Besucher unterzubringen. Dem neuen und alten Wein wurde stark zugesprochen. Die Kellereien der Weingärtnergenossenschaft wurden wieder von hunderten auswärtigen Besuchern besichtigt und mit Befriedigung konnten sie an den Kostproben feststellen, daß der 1938iger Tropfen wieder ein guter Tropfen zu werden verspricht. – Für die Niederstettener war der Besuch des Luftschiffes "Graf Zeppelin" von ganz besonderer Freude, war es doch unser Heimatsohn und Ehrenbürger Kapitän Sammt, der die Führung des Luftschiffes hatte und der seiner Heimatgemeinde wieder einen Besuch abstattete. Direkt über Niederstetten hat das Schiff seine Flugrichtung geändert. Während das stolze Luftschiff über Niederstetten flog, durcheilte das Städtchen die Nachricht, daß das Pfarrhaus brennt. Ein Kaminbrand konnte dank dem schnellen Eingreifen der Nachbarn noch zu rechter Zeit gelöscht werden.

    Der Franke, 2. 11. 1938

  • 20. Januar 1930. Anzeige Vortrag Albert Sammt

    Vaterlandsfreund, Nr. 15, 20. 1. 1930

  • 24. Januar 1930. Erneuter Hinweis auf Vortrag Sammt

    () Niederstetten, 24. Jan. Nochmals sei an dieser Stelle auf den am Sonntag nachmittags und abends stattfindenden Vortrag unseres Landsmannes, des Hrn. Bordingenieurs Sammt, in der Turnhalle aufmerksam gemacht. Wer sich der atemlosen Spannung erinnert, mit welcher ganz Deutschland die Flüge der Zeppeline nach und von Amerika und um die ganze Erde verfolgt hat, der soll sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, einen Zeitgenossen zu hören, welcher alle diese Fahrten an wichtiger Stelle mitgemacht hat. Es ist auch eine Ehrensache, unserem Landsmann zu zeigen, daß wir alle stolz darauf sind, daß ein Sohn unserer Gegend so Großes geleistet hat. Besonders darf auch unsere Jugend an diesem Tage nicht fehlen.

    Vaterlandsfreund, Nr. 20, 25. 1. 1930

  • 25. April 1939. Albert Sammt wird 50

    Ein Pionier der Luftschiffahrt
    Luftschiffkapitän Sammt wird 50 Jahre.
    Der Tbztg. wird geschrieben:
    In das Städtchen Niederstetten kamen im Jahre 1911 begeisterte Briefe von einem jungen Mann, der nach Baden-Oos zur Deutschen Luftschiffahrt AG., der Delag, gekommen war. "Lieber Albert", schrieb er an seinen Bruder, Du kannst Dir nicht vorstellen, wie schön es bei der Luftschiffahrt ist. Wenn vor zwei Fahren auch das Unglück bei Echterdingen passierte, die Sache hat dennoch eine Zukunft, verlaß Dich drauf. Der alte Herr, unser Graf Zeppelin, sagt immer wieder, daß es noch so weit kommt, daß man mit Luftschiffen über die Weltmeere fährt. Es gibt viele hochgestellte Leute, die lachen über unseren Grafen und nennen ihn einen Phantasten, auch heute noch, nachdem das gesamte Volk ihm mit seiner Spende geholfen hat, sein Werk weiterzuführen. Aber wer zuletzt lacht, der hat besser lachen. Wir glauben unserem alten Grafen und arbeiten. Hättest du nicht auch Lust, mitzutun?"
    Und ob der 22jährige Albert Lust dazu hatte! Er war wie sein Brüder in der väterlichen Seilerei groß geworden, hatte gerade als Freiwilliger seinen Militärdienst hinter sich gebracht und fühlte in seiner schwäbischen Brust einen Drang, die Welt zu umfahren und zu erobern, wie nur je einer seiner Landsleute. Gar nicht schnell genug konnte er die Sache mit seinen Eltern ins Reine bringen und seinen Bruder auffordern, die nötigen Schritte zu tun. Ein Jahr später wurde er mit seinen Kenntnissen als Seiler und Textilfachmann als Luftschifftakler angenommen, und seitdem ist Bruder Albert, den man heute weithin als Luftschiffkapitän Albert Sammt kennt, bei der Luftschiffahrt. Heute aber, am 24. April, begeht er seinen fünfzigsten Geburtstag.
    Wie heute noch jeder, der einmal Luftkapitän werden will — und habe er auch schon sein Kapitänspatent von der Seeschiffahrt her — so fing Albert Sammt von der Pike auf seinen Dienst an. Erst war er Takler und lernte als solcher die ganze Luftschiffkonstruktion, den Zellenbau und die Zellenpflege kennen. Danach wurde er als Seitensteuerer und Höhensteurer ausgebildet, und zwar auf dem glücklichsten Schiff, das vor dem Kriege wurde, auf der "Viktoria Luise". Die beste Lehrzeit des Luftschiffers Albert Sammt aber war im Krieg, als er in Potsdam und Staaken bei Berlin im Luftschiffbau tätig war. Die ungeheuren Anforderungen des Krieges an die Luftschiffe machten immer wieder neue Verbesserungen nötig. Immer größere Höhen mußten die Luftschiffe gewinnen können, um der Abwehr durch Artillerie und Flieger zu entgehen. Sie mußten also immer leichter und trotzdem stabiler werden. Seide für den Zellenbau, das eigentliche Fachgebiet Sammts, war immer schwieriger zu bekommen. Mit allen möglichen Fasern wurden Versuche gemacht, um Verbesserungen zu erzielen. Das waren sorgenvolle, jedoch in dem als Gesamterfolg zu verzeichnenden Fortschritt auch glückliche Arbeitsjahre, in denen sich Albert Sammt mit den anderen namenhaften Trägern des Deutschen Luftfahrtgedankens zu einem der besten Kenner und Könner der Zeppelinluftschiffahrt entwickelte.
    Nach dem Krieg hat er auf sämtlichen seitdem gebauten Luftschiffen Dienst getan. Als Offizier, Wachthabender und schließlich auch als Kapitän. Er fuhr mit der "Bodensee" zwischen Berlin und Süddeutschland; er brachte den LZ. 126, der nach Amerika ausgeliefert werden mußte, über den Ozean. Er machte mit dem LZ. 127, dem älteren "Graf Zeppelin", fast alle großen Reisen mit, um die Welt, in die Arktis und unzählige Fahrten zwischen Deutschland, Süd- und Nordamerika, auf denen Tausende Passagiere und große Güterwerte befördert wurden. Später war er auf dem LZ 129, dem "Hindenburg". Bei dem Unglück von Lakehurst wurde er schwer verletzt, ist aber vollkommen wiederhergestellt. Und nun hat er das neue Luftschiff, den großen "Graf Zeppelin", schon auf einer Reihe Probefahrten geführt. Natürlich fragten wir ihn, als wir ihm in seinem Häuschen in Frankfurt-Niederrad gegenübersaßen, wie er über die Zukunft der deutschen Luftschiffahrt denke. Er besann sich nicht lange und sagte nur: "Genau wie der alte Graf und wie mein Bruder im Jahre 1911".
    Arnold Beirich.

  • 29. September 1929. Vierzigerfeier. - Zeppelin angekündigt

    () Niederstetten, 29. Sept. Die im Jahre 1889 geborenen Kinder unserer Stadt haben gestern im Gasthof z. Post einen Vierzigertag gefeiert. Diese Begebenheit ist darum besonders beachtenswert, weil sie Veranlassung war, daß der berühmteste Sohn unserer Stadt, seine Heimat besuchte. Albert Sammt, Bordingenieur des „Graf Zeppelin“, ist heimgekehrt, um nach allen Erlebnissen und Mühen, einige Tage in seiner Heimatstadt im Kreise seiner Jugendfreunde und Jugendfreundinnen zu verbringen. Die Feier nahm einen gehobenen Verlauf. Der Höhepunkt war die Ansprache Hrn. Sammts, als er von den Schönheiten und den Mühseligkeiten, von den Freuden und den Gefahren der Reise erzählte. Leider mußte sich Herr Sammt viele Zurückhaltung auferlegen, um nicht in das Gehege der privilegierten Presse einzudringen. Heute morgen legten die „Vierziger“ am Grabe ihrer gestorbenen Altersgenossen und am Kriegerdenkmal Kränze nieder.

    () Niederstetten, 29. Sept. Sicherem Vernehmen nach wird am Dienstag das Zeppelinluftschiff seine große Süddeutschlandfahrt ausführen. Voraussichtlich wird das Luftschiff im Laufe des Vormittags unsere Stadt überfliegen.

    Vaterlandsfreund, Nr. 230, 30. 9. 1929

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