Zwangsenteignung
Zwangsenteignung
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Löwenstein, Julius
Geb. 18. 6. 1891 in Niederstetten
Kaufmann
Ledig
Berufsverbot 1935
"Er arbeitete bei der Stadt Niederstetten alle vorkommenden Arbeiten."
Nach Riga deportiert
Gebäude Nr. 104 u. 359. Wohnhaus, Scheune, Magazin u. Hofraum - 297 qm in der Hauptstraße. Brandversicherungswert: 11940 M. Steuerwert: 9400 M.
Zwangsenteignung 1943. Verkauf 8. 6. 1943 Stadtgemeinde Niederstetten um 1600 M zum Abbruch
"Herr Hermann Emmert, Küfermeister u. Weinhandlung in Niederstetten; Geschwister Bartholomäs als Nachbarn gegenüber u. Frau Hilde Ribout geb. Härterich in Niederstetten können erforderlichenfalls weitere Aussagen machen.
Julius Löwenstein war ein war ein ehrlicher u körperlich presthafter Mensch, der niemand etwas zu Leid tat, sondern täglich auf seinen Handel mit Textilien über Land ging. Er führte mit seinen beiden Schwestern ein kärgliches Dasein.
Die wirtschaftlichen und die Einkommensverhältnisse waren gering u. zwangen zum einfachen Leben.
Die Geschwister Lösenstein waren aber unter ihren Mitbürgern trotzdem geachtet." -
Reichenberger, Klara (Geitel) geb. Rosenthal
Geb. 28. 4. 1845 in Michelbach/Lücke
Hausfrau
Heirat: 7. 7. 1873 in Weikersheim
Ehemann: Jesajas Reichenberger, Handelsmann, geb. 14. 8. 1844 u. gest. 26. 4. 1922 in Niederstetten
Gest. 29. 9. 1937 in Niederstetten (Altersschwäche)
Kinder:
Zerline gen. Selma, geb. 12. 2. 1879, verheiratete Schwerin
Wohnhaus Gebäude Nr. 308. 78 qm u. Gemüsegarten Parz 315. 39 qm an der Bahnhofstraße. Brandvers. 6800 M. Steueraufk. 5500 M.
Verkauf 7. 12. 1942 Stadtgemeinde Niederstetten, 5500 RM u. am 15. 2. 1950 um 6750 DM erworben.
Zwangsenteignung durch Oberfinanzpräsident Stuttgart u. in dessen Auftrag Finanzamt Mergentheim
"Frau Anna Keicher, geb. Frank u. Kaufmann Friedrich Nörr, Eheleute können falls nötig, als dauernde Nachbarn Aussagen machen. Familien Reichenberger ist schon zeitlebens in Niederstetten ansässig gewesen u. hat in der Bahnhofstraße einen Handel mit Kur- Weiß und Wollwaren kleinen Umfangs betrieben. Der Ehemann ging, solange er lebte auf Hausierhandel. Die Frau versah den Laden u. später zusammen mit der Tochter Selma verh. Schwerin.
Das Verhältnis mit den Mitbürgern war gut."Quelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-339 ff.
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Reis, Otto
Geb. 2./5. 5. 1889 in Niederstetten
Weinhändler
Heirat:
28. 10. 1929 in Schwabach, Mina geb. Feuchtwanger, geb. 23. 9. 1903 in Schwabach
17. 4. 1946 in New York, Eva Else geb. Seelig, geb. 9. 2. 1906
Kinder:
Emil, geb. 11. 9. 1930 in Niederstetten
Walter, geb. 13. 1. 1932 in Niederstetten
Julius, geb. 5. 11. 1935 in Würzburg
Bertha Flora, geb. 5. 3. 1947 in Philadelphia Pa.
Auswanderung des Ehemanns August 1940 USA
Deportation der Ehefrau u. Kinder nach KZ Riga und seither verschollen.
Auf Antrag des Ehemannes erfolgte durch rechtskräftigen Bewschluß des Amtsgerichts Bad Mergentheim am 14. 12. 1946 die Toderklärung auf 31. 12. 1945
Teilnehmer Erster Weltkrieg
Mitglied Turnverein u. Gesangverein
"Übernahm die Weingrosshandlung von seinem Vater, sie war eine der bedeutendsten im Gebiet von Bad Mergentheim. Jahreseinkommen etwa RM 8000 . Betrieb Ende Mai 1938 eingestellt.
In den USA Arbeiter. 1941 unter $ 1000,- 1942 $ 1200,- 1943 $ 1600, 1944-1950 über $ 2000,- 1951-1953 um $ 3000.-
Seit Okt. 1957 erhielt er Berufsschadensrente (gehobener Dienst) rückwirkend ab 1. 11. 1953. War damals bereits erwerbsunfähig.
Witwe und Waise erhalten jetzt hieraus die zustehenden Renten."
In Niederstetten Wohnhaus Gebäude Nr. 232, jetzt Nr. 23. [...] Brandvers. 22.800 M. Steuerertrag 18500 M.
Zwangsenteignung und Verkauf 7. 12. 1942 Stadtgemeinde Niederstetten durch Oberfinanzpräsident Stuttgart und im Auftrag Finanzamt Mergentheim.
"Maria Dinkel, Frickentalstraße 6 und Landwirt und Nachbar Albert Weber + Frau können allenfalls Aussagen machen.
Otto Reis besaß hier eine gut geleitete u. gut gesunde Weinhandlung. Er war ein fleißiger, umsichtiger und sparsamer Geschäftsmann, der allgemeines Ansehen u. Achter unter seinen Mitbürgern genoß.
Seine Familienverhältnisse waren sehr geordnet. Es war eine der besten und angesehensten Familien. Otto Reis war ausgebildeter Kaufmann. Er befindet sich jetzt in Philadephia. - USA - u. hat sich dort wiederverheiratet."Quelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-360 ff.
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Wolf, David
Geb. 3. 3. 1871 in Niederstetten
Bankier, Kaufmann
Heirat: 11. 7. 1900
Ehefrau: Bertha geb. Rogger, geb. 12. 1. 1877 in Nördlingen
Kinder: Bernhard, geb. 2. 4. 1903 in Niederstetten, und Carlotta, verh. Stein, geb. 5. 6. 1913 in Niederstetten, verh. seit 23. 8. 1935 mit Fredi Silberstein, Kaufmann in Leipzig, Brüderstr. 28 I und nach dorthin verzogen.
Auswanderung 11. 7. 1939 mit Ehefrau in die USA, Danbury, Conneticut
Gest. 19. 6. 1951 in New York
"David W. betrieb in Niederstetten seit Jahrzehnten ein Manufakturwaren- und privates Bankgeschäft / lebte in sehr guten finanziellen Verhältnissen / mußte wegen der jüdischen Abstammung seine Tätigkeit aufgeben gegen Ende 1938 / in USA konnte er infolge seines Alters u. Sprachschwierigkeiten kein Einkommen mehr erzielen."
"Sonstige Schäden:
Auswanderungskosten
Judenvermögensabgabe
?Degon?-Abgabe
Verlust von Wertpapieren
Verlust des Wohnhauses mit Scheune, 'Vermögen dem Reich verfallen'"
"Wohnhaus 131 qm, Scheune: 72 qm, Hofraum 40 qm. Geb. Nr. 206 in der Wilh. Murrstr. (Lange Gasse [...]"
Verkauf: 7. 12. 1942 Stadtgemeinde Niederstetten um 8.500 RM
Zwangsenteignung: Oberfinanzpräsident Stuttgart u. im Auftrag Finanzamt Mergentheim am 7. 12. 1942 / 3. 5. 1943
"Anna Rummler, Ehefrau von Albert Rummler, Landwirt und Hausmetzgers in Niederstetten, Bahnhofstraße kann, wenn nötig, weitere Auskunft geben. David Wolf hat als Kaufmann seine Ausbildung erhalten. Er besaß hier ein Textilgeschäft mit Privatbank. Er war ein fleißiger, umsichtiger und tüchtiger Kaufmann. Er genoß allgemeines Ansehen u. Achtung. Auch mit seinen jüdischen Mitbürgern pflegte er ein gutes Verhältnis. Seine wirtschaftlichen Verhältnisse waren immer geordnet. Nach 1933 ging sein Geschäft infolge der nationalsozialistischen Maßnahmen zurück u. litt schwer darunter."Quelle: Erhebungen über die jüdischen Einzelschicksale in alphabetischer Folge der Wohnorte: Nellingen – Niederstetten, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-465466-470ff.