Fritz Thomas
Fritz Thomas
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5. Februar 1934. Musikkapelle des Kreises und der Ortsgruppe der NSDAP. Konzertbericht
Niederstetten, 5. Febr. (Konzert der Musikkapelle des Kreises und der Ortsgruppe Niederstetten.) Die neugegründete Kreismusikkapelle veranstaltete am Sonntag in der Turnhalle unter Leitung von Chormeister Fleckenstein, Bad Mergentheim, ihr erstes Konzert. Das Konzert nahm mit militärischer Pünktlichkeit seinen Anfang mit drei flott gespielten Märschen. Die in das Programm eingeflochtenen Gesangsvorträge des Männergesangvereins Niederstetten, ebenfalls unter der bewährten Leitung seines Chormeisters Fleckenstein, weiteten das Konzert zu einem vollen Erfolge aus, was sich auch äußerlich durch den spontanen Beifall, den die Vortragenden erzielten und durch die wiederholten Hervorrufe, auswies. Ortsgruppenleiter Fr. Thomas begrüßte in einer Ansprache die seiner Einladung so überaus zahlreich gefolgten Volks- und Parteigenossen und deutete darauf hin, wie die Kreismusikkapelle entstanden sei aus der Sturmkapelle Oberstetten, zum Danke für ihre geleistete Arbeit in den Kampfjahren, auf besonderen Wunsch des stellv. Gauleiters Schmidt. Zum Gedenken des ersten Jahrestages der Machtübernahme der nationalsozialistischen Bewegung sangen die Anwesenden das Deutschland- und das Horst Wessel-Lied. Den Besuchern des Konzertes, besonders auch den vielen Gästen aus nah und fern, wird der Abend lange Zeit in Erinnerung bleiben und gerne werden sie den ferneren Einladungen zu Konzertbesuchen der Kreismusikkapelle Folge leisten. Als letzte Programmnummer folgte eine Tanzunterhaltung. Auch hier bewies die Kapelle ihr Können und lud damit zahlreiche Tanzlustige zu längerem Verweilen ein.
Der Franke, Nr. 30, 6. 2. 1934
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5. Mai 1936. Brief aus Niederstetten
Brief aus Niederstetten
Der April zeigte sich auch bei uns als ein ganz unwirtlicher Gast und richtete durch das kalte Wetter und den Schnee großen Schaden an den Obstbäumen an. Der Anfang des Wonnemonats war nicht gerade seinem Namen entsprechend, aber wir dürfen jetzt doch Hoffnung haben, daß er all das nachholt, was bis jetzt noch zurückblieb. — Einen schweren Unfall erlitt legte Woche eine Bauersfrau durch den Sturz von der Hühnerleiter, sie brach die Hand und erlitt Kopfverletzungen. — Die NS.-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" brachte mit der "Palette" einen genußreichen Abend, welcher leider sehr schlecht besucht war. Die Leistungen der Künstler waren über alles Lob erhaben und ernteten damit verdienten Beifall. Die Ansage von Max Maier-Naß, der auch die Leitung hatte, und die Kurzspiele erregte ununterbrochene Stürme der Heiterkeit, sodaß tatsächlich zwei Stunden Lachen die Parole wurde. Ganz besonders hervorgehoben verdienen die Tänze von Marg. Temi. — Der Nationalfeiertag zeigte unsere Stadt in reichem Fahnen- und Grünschmuck. Wenn auch das Wetter sehr zu wünschen übrig ließ, so wurde doch der Tag der Volksgemeinschaft würdig begangen, Der Festzug war überaus reichhaltig, kein Beruf fehlte mit einer Gruppe und den würdigen Symbolen des Handwerks. Besonders den Erstellern der Festwagen, die sinnvoll ausgeschmückt und besetzt waren, sei Dank gesagt, denn sie hatten keine Mühe gescheut, um den Festzug lebendig zu gestalten. Der Maikönig und die Maikönigin thronten stolz auf ihrem festlichen Wagen. — Ortsgruppenleiter Thomas hielt auf der Festwiese die Ansprache zum Gedenken des Tages und konnte drei Ehrenurkunden für besonders gute Leistungen im Reichsberufswettkampf an Marie Thürauf, Adolf Roth und Hans Weigel übergeben. Der BdM. führte um den prächtigen Maibaum Tänze und Reigen auf; die HJ. erfreute durch Spiele und Lieder. Die Kreismusikkapelle mit ihren flotten Weisen und der Männergesangverein mit volksnahen Chören wetteiferten miteinander, die zahlreichen Volksgenossen zu unterhalten. — Herr Flaschnermeister Georg Freier beging gestern seinen 80, Geburtstag. Wir wünschen ihm alles Gute und einen heiteren, gesunden Lebensabend.Der Franke, Nr.103, 5. 5. 1936
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5. November 1936. Einzug Fürst Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg und Gemahlin auf Schloß Haltenbergstetten
Niederstetten, 5, Nov. Am Dienstag Nachmittag hielt das neuvermählte Fürstenpaar, Fürst Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg und dessen angetraute Gemahlin, Fürstin Sissi, geb. Gräfin Geldern-Egmont auf Schloß Haltenbergstetten feierlichen Einzug, An dem festlich und mit viel Liebe und Sorgfalt geschmückten Schloßhofe entbot den ersten Willkommgruß Rentamtmann Fischer namens der Verwaltung. Im Namen der Schloßkirchengemeinde begrüßte sodann Stadtpfarrer Maier das junge Paar, Bürgermeister Schroth war mit den Ratsherren und Beigeordneten erschienen, um die Glückwünsche der Stadt Niederstetten darzubringen. Die drei Gratulanten ließen je durch ein kleines Mädchen der aufziehenden Fürstin einen Rosenstrauß überreichen, Ortsgruppenleiter Thomas der NSDAP, überbracht seinem Parteigenossen Fürst Albrecht zu Hohenlohe die Glückwünsche der Ortsgruppe. Das Fürstenpaar war über den schlichten, aber doch sehr herzlich gewidmeten Empfang gerührt und der Fürst dankte den begrüßenden Herren in kurzen Worten. Abends um 9 Uhr brachte der Männergesangverein Niederstetten in Anwesenheit einer überaus großen Zahl von hiesigen Gemeindebürgern im Schloßhof einige passende Lieder dar, der Schloßhof bot im Scheine der Fackeln und der Dekoration ein prächtiges Bild, das dem Ständchen ein schönes und feierliches Gepräge gab. Für die Ehrung dankte der Fürst auch namens seiner jungen Frau in geziemenden Worten. Dem jungen Fürstenpaar möge ein glückliches und freudiges Eheleben auf Schloß Haltenbergstetten beschieden sein.
Der Franke, Nr. 259, 5. 11. 1936
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7. Oktober 1935. Herbstfest
Innenminister Dr. Schmid beim Niederstetter Herbstfest
Niederstetten, 7. Okt. Das diesjährige Erntedank- und Herbstfest wurde durch den Festzug um 12 Uhr eingeleitet. Voraus das Jungvolk mit den Fanfaren und Landknechtstrommeln, dann HJ. und BDM. mit bändergeschmücktem Erntekranz, die Pol. Leiter, Abordnungen der SA., NSKK., Sanitätskolonne, Kyffhäuserbund, Männergesangverein und dann die Bauern in ihrer Arbeitskleidung mit Arbeitsgeräten. Zum Schlusse drei Festwagen: Ein Wagen mit Früchten des Feldes und Schnittern, ein Winzerwagen, vollbehangen mit köstlichen Trauben und ein Wagen mit Geräten zur Flachsgewinnung bis zum Spinnrad, von fleißigen Händen in Tätigkeit vorgeführt. Auf dem Festplatze angekommen, sprach Bürgermeister Schroth zu den sehr zahlreichen Anwesenden Worte des Dankes für alle die bäuerlichen Helfer und nicht zuletzt dem Bauern selbst für alle die Mühen des Jahres und der Vorsehung, daß wir ein Erntedankfest feiern können. Für langjährige treue Dienste einer Anzahl Gefolgschaftsmitglieder konnte Bürgermeister Schroth im Auftrage des Ortsbauernführers Ehrenurkunden und Geschenke übergeben.
Da brach die herbstliche Sonne in wärmenden Strahlen durch das Grau des Himmels und mit offenen Herzen lauschten alle Festteilnehmer den Worten des Führers vom Bückeberg und spontan fielen die Zuhörer in den Beifall ein, der durch die Lautsprecheranlage drang, wenn besonders markante Sätze aus des Führers Munde erklangen. Ortsgruppenleiter Thomas sprach anschließend zu den Anwesenden und mit dankbarem Gefühle ertönte der Choral: „Nun danket alle Gott“, aus hunderten von Kehlen über den weiten Platz. Sprechchöre des JV., der HJ, und BDM. füllten den Nachmittag.
Mittags war schon eine freudige Ueberraschung bekannt, geworden: Innenminister Dr. Schmid war erschienen und versprach gegen Abend nochmals zu kommen, da er am Nachmittag die Orte Riedbach und Brettheim aufsuchen wollte. Innenminister Dr. Schmid hielt sein Wort; kurz vor Beginn des Winzertanzes zeigten Fanfarenklänge sein Kommen an, in seiner Begleitung waren Landrat Wöhrle, Kreisleiter Niklas, Kreisgeschäftsführer Walter und Bürgermeister Wiedmann-Gerabronn. Nach Abschreiten der Front, der im Viereck aufgestellten Festzugteilnehmer, begrüßte Bürgerm. Schroth Innenminister Dr. Schmid und überreichte ihm als Willkommgruß einen Becher, gefüllt mit 1934er Niederstetter Weines und einen Korb einheimischer Früchte und Trauben. Innenminister Dr. Schmid bedankte sich in herzlichen Worten für die Gaben und trank auf das Wohl der Gemeinde. Den gesanglichen Darbietungen des Männergesangvereins und der Vorführung des Winzertanzes zollte der Minister lebhaften Beifall. Zum Schlusse wurde ein Hammeltanz aufgeführt, der aber unter dem Mangel der Beteiligung etwas litt, sodaß nur ein Geldpreis ausbezahlt werden konnte. Der Traubenmarkt fand lebhaften Anklang und restlosen Absatz der vorhandenen Vorräte. Ein Tanzabend in der Turnhalle brachte noch einen schönen Ausklang des Erntedankfestes. — Am Samstag Abend hatte sich der Jahrgang 1895 zu einer Vierzigerfeier im Saale des Gasthauses Melber zusammengefunden. Da auch viele auswärtige Schulkameraden der Einladung hierzu Folge geleistet halten, so kam eine frohe Stimmung beim Austausch alter Jugenderinnerungen auf. Altersgenosse Sattlermeister Gottlob Schmidt begrüßte die Erschienenen und gerade der in der Ferne weilenden Schulkameraden und derer, die nicht mehr unter den Lebenden sind. Bürgermeister Schroth gab in einer längeren Ausführung einen Ueberblick über die Entwicklung der Gemeinde in den letzten 25 Jahren und vieles war selbst für die hiesigen Anwesenden von Interesse, da man vieles schon wieder vergessen oder in manches keinen Einblick erhalten hatte. Zum festlichen Gepräge des Abends trug ein gut Teil Chormeister Fleckenstein mit Tochter bei durch ihre musikalischen Darbietungen, welche durch gesangliche Vorträge eines Doppelquartetts des Männergesangvereins abgelöst wurden. Zum Gedenken an die im Weltkriege gefallenen Kameraden und der sonst vom Tode ereilten Altersgenossen legten die Vierziger am Sonntagmorgen am Ehrenmale der Gefallenen einen Kranz nieder.
Der Franke, Nr. 235, 8. 10. 1935
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9. November 1933. Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs
Am gestrigen Abend [9. November] bewegte sich ein stattlicher Zug unter Marschmusik und Fackelschein der SA und den hiesigen Vereinen zum Kriegerdenkmal. In dieser nächtlichen Stunde gedachte an diesem weihevollen Orte der Vereinsführer des Kriegervereins den Gefallenen des Weltkrieges. Alsdann bewegte sich der Zug zum Marktplatz zurück, wo der Ortsgruppenführer der NSDAP. [Fritz Thomas] den Toten der deutschen Freiheitsbewegung gedachte und zu deren Gedenken einen Kranz am Horst Wessel-Brunnen niederlegte. - Im Anschluß hieran fand im Ochsensaal ein Sprechabend statt, der im Zeichen der 10-jährigen Wiederkehr des tragischen Ehrentages der deutschen Freiheitsbewegung und der Wahl am 12. November stand.
(Der Franke, Gerabronn, Nr. 264, 11. 11. 1933, S. 3)
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Adreßbuch 1936
Adressbuch für Stadt und Bezirk Gerabronn. 2. Auflage. Druck und Verlag: Rückert's Buchdruckerei Gerabronn 1936.
Niederstetten
mit Ermershausen, Sichertshausen und Eichhof
Einzelwohnsitze: Eulenhof, Frickenmühle, Haltenbergstetten, Kauzenmühle, Rehhof, Schneidemühle, Ziegelmühle, DreischwingenStadt
Einwohnerzahl: 1567, davon prot. 1250, kath. 233, isr. 81, von anderen Bekenntnissen u. religionslos 3
Finanzamt: Bad Mergentheim
Amtsgericht: Langenburg
Autolinie: Mulfingen - Künzelsau
Bahnstation: Niederstetten
Post: Niederstetten
Oeffentliche Sprechstelle: Postamt Niederstetten
Ortsvorsteher: Bürgermstr. Schroth, Fernsprecher 134
Beigeordnete: Melber Friedrich, Thomas Fritz
Ratsherren: Hermann Heinrich, Ermershausen, Knenlein Richard, Linder Johann, Melber Karl, Osiander Otto, Sichertshausen, Streitberger Karl
Gemeindepfleger: Pflüger Friedrich
Ortsgruppenleiter der NSDAP.: Thomas Fritz, Niederstetten
Ortsgruppenwalter der DAF. [Deutsche Arbeitsfront]: Knenlein Eugen
Ortsgruppenamtsleiter der NSV. [Nationalsozialistisch
Volkswohlfahrt]: Thomas Karl
Ortsbauernführer: Melber Karl
Evang. Stadtpfarramt : Stadtpfarrer Göltenboth Ernst Willy
Kath. Stadtpfarramt: Stadtpfarrer Mayer Matthias
Notariat: Niederstetten, Kunkel Eugen, Bezirksnotar.
Aerzte: Heller Sigm. Dr., prakt. Arzt
Tierärzte: Holler Rud., Dr.med.vet.Handel und Gewerbetreibende
Architekten
Baumann, Baumeister
Autovermietung
Färber Willy
Groß Martin
Marquardt R. z. „Krone“Apotheker
Hermann Mayerhausen (siehe Anzeige unten)
Bäckereien
Härterich Johann
Hirsch Wilhelm
Dreher Georg
Federolf Friedrich
Kleinschrot August
Rummler Georg
Scharpf Hermann
Thomas Johann
Wagner KarlBanken
Landwirtschafts- und Gewerbebank Gerabronn, Filiale Niederstetten
Darlehenskassenverein Niederstetten
Kreissparkasse Gerabronn, Zweigstelle NiederstettenBaugeschäfte (Maurer)
Braungart Josef
Feinauer WilhelmBaumaterialien
Dill J.C., Inhaber Karl Bauer
Baumann, BaumeisterBau- und Möbelschreinereien
Groß Georg
Groß Karl
Kästle Gebrüder
Meider Georg
Ziegel HansBaumschulen
Rüger Karl
Schneider JuliusBildhauer
Schumm Heinrich
Brennereien
Striffler Otto
Buchbindereien und Schreibwaren
Knenlein Eugen
Buchhandlungen — Schreibwaren
Knenlein Eugen
Knenlein Richard
Fleck KarlBuchdruckereien
Knenlein Richard
Brennmaterialien
Dill J.C., Inhaber Karl Bauer (siehe Anzeige unten)
Emmert FriedrichCafés
Benh Alfred
Grießer Georg
Schindwolf HermannDamenschneidereien
Bosack Rösle
Dertinger Anna
Herzog Lilli
Heilmann Katharine
Jung Geschwister
Klenk Elise
Köppel Ida
Markert Katharine
Rupp Wilhelmine
Schuhmacher BertaDreschmaschinenbesitzer
Streitberger Karl
Drechsler
Abendschein Julius
Eisenwarenhandlungen
J. C. Dill, lnh. Carl Bauer
Mayer GeschwisterElektro-Installationsgeschäfte
Elektrizitätswerk Ingelfingen-Hohebach
Fischer Richard
Jäck Marx
Utz ErnstElektrizitätswerke
Gemeindeverband Ingelfingen-Hohebach
Flaschner
Emmert Alfred
Freier Georg
Keppler Karl
Herz EliseFriseurgeschäfte
Müller Fridolin
Schneider Wilhelm
Wild KarlFuhrunternehmer
Hagelstein Leonhard, Güterbeförderer
Gasthöfe
Braun Wolf
Hermann Bick, Metzgerei und Gasthaus zum Anker (siehe Anzeige unten)
Gasthof zur „Post”, Niederstetten (siehe Anzeige unten)
Fleck Berta
Marquardt Reinh., z. „Krone“
Meister Margarete, z. „Hirsch“
Melber Friedrich
Nörr Eugen, z. „Adler“
Pflüger Karl z. „Eisenbahn“
Streng Friedrich
Schindwolf Hermann
Schmidt Frida, z. „Ochsen“
Schürger Heinrich, z. „Löwen“Gärtnereien
Rüger Karl
Schneider JuliusGerbereien
Streitberger Karl
Gipser
Hellmuth Johann
Glaser
Otto Ernst
Gold- und Silberwaren
Dürr Frieda
Fleck KarlHerrenschneidereien
Burkhardt Karl
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Kolonial- u. Gemischtwarenhandlungen
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Dierolf Otto, Hall, Filiale Niederstetten
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Kießecker Friedrich (siehe Anzeige unten)
Nörr Friedrich
Streng Gottlob
Rück WilhelmKorbmacher
Braungart Josef
Dieß Karl
Köhnlein GeorgKonditoreien
Benth Alfred
Grießer GeorgKüfereien
Blumenstock Otto
Schürger Leonhard
Steinmeß GeorgKürschner
Sus Georg Wwe.
Landesprodukten
Ehrenberg Marx
Kießecker Friedrich o. H. G.
Hohenl.-fränkische GetreideverkaufsgenossenschaftLimonade- und Mineralwasserhandlungen
Schürger Leonhard
Maler
Dod Ludwig
Hellmuth JohannManufaktur- und Aussteuerartikel
Kahn Albert
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Löwenstein Julius
Seybold Eugen
Schloßberger Berthold
Wolf David
Zink AugustMechanische Werkstätten, Fahrräder, Nähmaschinen
Färber Willy
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Blumenstock Wilhelm
Keitel Friedrich
Mayer GeschwisterMesserschmiede
Schönemann Heinrich
Metzger
Biek Hermann
Kahn Max
Melber Friedrich
Schmidt Hans Wwe.
Streng FriedrichMolkereien
Milchverwertungsgenossenschaft e. G. m. b. H., Niederstetten
Mühlen
Ziegler Georg, Frickenmühle
ÖIe und Fette
Grupp Hugo Wwe.
Stern MaxPutzgeschäfte
Friederich Gretchen
Kreußmann Geschwister
Knenlein AnnaSattler
Kleinhanß Albert
Kleinschrot Albert
Schmidt Gottlob
Schneider Gottfried Wwe.
Schürger GustavSägewerke
Jung Gebrüder
Streitberger KarlSeifenfabrikation
Grupp Hugo Wwe.
Seiler- und Bürstenwaren
Linder Georg
Müller Eugen
Nörr FriedrichSchuhmacher und Schuhwarenhandel
Baumann Gottlob
Freier Wilhelm
Friedrich Wilhelm
Friedrich Karl
Schmid Gebhard
Schmidt OttoSchlosser
Groß Martin
Fischer Richard
Mayer GeschwisterSchmiede
Hönig Leonhard
Hammer Karl
Jöchner AlbertTerrazo- und Kunststein-Geschäfte
Feinauer Wilhelm
Uhrmacher
Dürr Frieda
Viehhändler
Kirchheimer Simon
Jakob Neu
Schloßberger Julius u. LeopoldWagner
Gögelein Hermann
Schuhmacher HeinrichZahntechniker und Dentisten
Wild Karl, Dentist
Zimmergeschäfte
Jung, Gebrüder
Sonstige Gewerbetreibende
Klein Sofie, Restegeschäft
Friedrich Kiesecker, Malzextrakt
Lüder Kathi, Geschirrhandel
Reichenberger, Restegeschäft
Schürger Heinrich jr., Rundbürstenfabrikation
Wallrauch Helene, StickerinAnzeigen im Text








Vereine und ihre Vorstände
Geflügelzuchtverein Niederstetten. Vorstand: Friedrich Bullinger
Kriegerkameradschaft Niederstetten (Kyffhäuserbund). Kam.-Führer Fritz Knorr
Männergesangverein Niederstetten. Vorstand: Julius Schneider
Sportverein Niederstetten. Vorstand: Karl Wollinger
Turnverein Niederstetten e. V. Vorstand: Karl StreitbergerBauern und Landwirte
* = ErbhofNiederstetten
Abendschein Julius
Bader Johann
*Barthelmäs Friedrich
Bauer August jr.
Blumenstock Elsa
Burkert Karl
Burkert Ludwig
Burkhardt Heinrich
Busch Wilhelm
Dreher Joh., Weingärtner
Frank Ernst Wwe.
Frank Friedrich, Weingärtner
Frank Karl
*Frank Wilhelm Wwe.
Frey Friedrich
Fug August
Fug Friedrich
Gundel Johann
Hagelstein Friedrich
Hagelstein Leonhard
Hammer Friedrich sen.
*Herz Friedrich-Wwe.
Hofmann Wilh., Weingärtner
Hopf Friedrich
Landwirtschaftl. Bezugs- und Verwertungsgenossenschaft Niederstetten e. G. m.b.H.
Hopf Georg
Horn Friedrich
Horn Karl
Jäger Hermann
Jäger Otto
Jäger Johann
Jakob Josef
Keim August
Keim Karl, Weingärtner
*Klein Albert
*Kleinhanß Christian
*Kleinhanß Gottlieb
*Knorr Friedrich
Korder Kaspar
Kostel Johann
Köhnlein Georg, Weingärtner
Krauß Marie Wwe.
Küstner Friedrich
*Lang Heinrich, jetzt Metzger W.
Lang Wilhelm
Leyrer Karl
*Limbacher Heinrich
Linder Barbara Wwe.
Linder Georg
*Linder Johann Fr. sen.
Linder Karl
Markert Georg, Weingärtner
Meder Konrad
Meister Katharine
*Meister Margarete
*Melber Karl
Menikheim Johann
Mittnacht FE
*Mittnacht Stefan
Mündlein Gottlob
*Münz Geschwister
Naser Georg
*Neubert Johann
*Nörr Eugen
Nörr Friedrich, a. Bach
Nörr Wilhelm
Pflüger Johann
Ratz Eduard
Rieger Karl
Rummler Georg
Rummler Georg, Bäcker
Schmidt Andreas
Schmitt Theodor
Schmitt Wilhelm
Schuch Georg
*Schulz Gebrüder
*Schultz Friedrich
Schumann Friedrich
Sinner Johann
*Steinmetz Johann
Streitberger Karl
*Striffler Otto
Thomas Leonhard
Thürauf Gottlob
Waldmann Friedrich
Weber Fr. Wwe., Weingärtner
Weber Albert
*Wollinger Karl
*Ziegler Georg, Frickenmüller
Städt. Hofgut Rehhof, Pächter: Johann PreuningerEichhof
*Dürr Albert
*Gebhardt Heinrich
*Haag Karl
*Hermann Friedrich
*Hermann Wilhelm
*Hermann Adolf
*Kohlschreiber Josef
*Löblein Paul
*Melber FriedrichErmershausen
*Dümmler Georg
*Ehrle Karl Heinz
*Fach Josef, Dreischwingen
*Friedrich Gottlieb
*Friedrich Gottlob
*Haag Albert
*Haag Bernhard
*Hermann Heinrich
*Hermann Johann
*Löber KarlSichertshausen
Albrecht Georg
*Egner Friedrich
*Habel Wilhelm
*Kleider Gottlieb, jezt Metzger Karl
*Korn Georg
*Oberndörffer Wilhelm
*Osiander Otto
*Ruhm Eduard
*Scheuermann Friedrich
*Schneider Friedrich (Erben)
*Waldmann Wilhelm -
Bruno Stern in seiner Autobiographie (1985)
Ich kam gegen Abend [des 24. März 1933] aus Würzburg [in Niederstetten] an. Nach dem gemeinsamen Essen mit meinen Eltern machten wir alle drei noch einen Besuch bei Familie Neuburger, jüdischen Freunden, mit denen wir sehr gut standen. Während des Gesprächs bemerkte Frau Neuburger, daß mein Vater überaus nervös war, und fragte ihn offen: "Herr Stern, was ist mit Ihnen, warum sind Sie so unruhig?" Er gab aber nur zur Antwort, es sei nichts - und wir kümmerten uns nicht weiter darum. Es war noch nicht allzu spät, als wir uns auf den Heimweg begaben. Die Straßen lagen still im Dunkeln. Im Rathaus aber sahen wir Licht brennen. Wir wunderten uns darüber und überlegten, wer um diese Uhrzeit noch dort arbeiten könnte. Wenig später gingen wir schlafen
Am anderen Morgen ganz früh - es war Samstag, der 25. März - wurde ich durch den Lärm schwerer Lastwagen, die durch die Straßen rumpelten, und das Gröhlen antisemitischer Lieder geweckt. Gleich darauf klingelte es an unserer Tür. Wir hatten noch eine jener altmodischen Zugglocken, an denen man draußen zog, worauf oben im Treppenhaus die Glocke durch alle Räume tönte. - Vater kam an meine Tür: "Bruno, steh auf! Sie sind da!" Er brauchte mir nicht zu sagen, wer "sie" waren. Dann ging er hinunter, um zu öffnen. Herein traten zwei Sturmtruppführer der SA in ihren braunen Uniformen mit Pistolen im Gürtel und ein Mann von der Staatspolizei. Sie stiegen die Treppe hoch und erklärten uns, daß das Haus noch einmal1 durchsucht werden müßte nach Schußwaffen, staatsfeindlicher Literatur und sonstigen Unterlagen, die Deutschland schaden könnten. Einen Durchsuchungsbefehl hatten sie nicht vorzuweisen, auch kein anderes amtliches Ausweispapier - das war inzwischen nicht mehr nötig.2 Sie durchwühlten nun das Haus vom Keller bis zum Dachboden und sahen sogar in den Geldschrank des hinteren Ladenraumes. Aber entdecken konnten sie nichts. Erst als sie ins Wohnzimmer zurückkamen, fiel ihnen an der Wand ein Bild ins Auge, das Walther Rathenau darstellte, den jüdischen Staatsmann, der 1922 von Rechtsextremisten ermordet worden war. Sie nahmen das Gemälde herunter und forderten meinen Vater auf, sich fertig zu machen, um mit ihnen aufs Rathaus zu kommen. Dabei sahen sie auch zu mir herüber und flüsterten miteinander. Der Gestapo-Mann wies mich in einen Nebenraum, folgte mir nach und schloß die Tür hinter uns. Daraufhin nahm er seine Pistole heraus und richtete sie auf mich. Ich sah wie erstarrt auf den Lauf, der, nur ein paar Zentimeter entfernt, unverändert auf mich gerichtet blieb. Der Mann herrschte mich an: "Sie sind ein Kommunist! Geben sie’s zu!" Es klang wie ein Befehl. Was sollte ich darauf antworten? Ich war immer unpolitisch gewesen und niemals ein Kommunist, ja nicht einmal ein Sozialist. Auf die Pistolenmündung fixiert, versuchte ich, trotz des Aufruhrs in meinem Inneren, einen klaren Kopf zu behalten, und erklärte wahrheitsgemäß, daß ich weder Kommunist war, noch dem Kommunismus nahe stand, da ich einer studentischen Verbindung angehörte und diese bekanntlich keine sonderlich enge Freundschaft mit den Linken pflegten. Aus irgend einem Grund schien ihn das zufriedenzustellen. Er ging zurück ins Wohnzimmer. Mittlerweile war mein Vater ausgehbereit und folgte den beiden SA-Leuten und dem Gestapo-Mann zum Rathaus. Draußen schloß sich ihnen noch ein vierter Bewachungssoldat an, der so lange auf der Straße gewartet und das Haus "unter Kontrolle" gehalten hatte.
Es war nun etwa sechs Uhr morgens. Kurz vorher war der Bürgermeister von Niederstetten [Jakob Schroth] auf dem Weg zum Bahnhof durch unsere Straße gegangen (er fuhr an diesem Morgen zum Sitz der Kreisverwaltung). Wir fragten uns, nachdem wir davon erfuhren, ob er gewußt hatte, was bei uns vorging. Später sagte jemand, daß die lokalen Parteiführer ihn an diesem Tag absichtlich weggeschickt hätten. Auf den Straßen waren zu dieser Zeit keine Zivilpassanten unterwegs, auch sah niemand aus dem Fenster - wahrscheinlich aber standen viele hinter dem Vorhang, um alles zu beobachten, und mancher wird sich wohl gewundert haben, was die Nazis bei uns suchten. Nur SA-Leute liefen überall herum. Die meisten von ihnen waren für diese "Polizeiaktion" von außerhalb eingesetzt worden, kamen also aus anderen Ortschaften. Aber ab und zu konnte man auch ein bekanntes Gesicht unter ihnen entdecken.
Der Uhrzeiger rückte vorwärts. Mutter und ich mußten befürchten, daß die Gerüchte, die wir neuerdings immer öfter gehört hatten, doch der Wahrheit entsprachen. Was nur sollten wir machen? Zwei Häuser weiter wohnte der Tierarzt von Niederstetten, der im Ruf stand, dem rechten Flügel anzugehören [Hermann Eyßer, stv. Ortsgruppenleiter der NSDAP]. Mama konnte einfach nicht tatenlos warten. Wir beschlossen, daß sie durch Keller und Hintergärten den Nachbarn zu erreichen versuchen und ihn um Hilfe bitten sollte. Vielleicht würde er sogar im Rathaus vorsprechen? Gesagt, getan. Der Tierarzt hörte sich alles an und tröstete meine Mutter erst einmal: sie solle sich keine Sorgen machen, ihrem Mann würde schon nichts passieren. Zum Rathaus, das von SA-Leuten umringt war, konnte er nicht gehen. Niemand hätte das gekonnt.
So kam Mutter wieder heim, und wir warteten und warteten. Es waren die längsten Stunden unseres Lebens. Frieda [ ], unser christliches Hausmädchen, war bei uns. - Um 8.30 Uhr ungefähr kam Vater zurück, aber nur, um schnell eine Tasse Kaffee zu trinken. Er mußte gleich wieder weg. Auf die Frage meiner Mutter, ob man ihm etwas angetan hätte, antwortete er: "Nein." Dann stand er schon auf, ging langsam die Treppe hinunter und zurück ins Rathaus. Dort angekommen, traf er auf den Stufen zum Eingang Simon Kirchheimer, der das Gebäude gerade verließ und fragte: "Was tun Sie denn hier? Sie können doch nach Hause gehen!" In seiner Aufregung hatte mein Vater tatsächlich die Anweisungen falsch verstanden. Erleichtert schloß er sich nun Kirchheimer an, der sofort weiterfragte: "Haben Sie auch was abgekriegt?", worauf mein Vater nur mit einem Haggadah-Wort antwortete: "Dayenu" (Es war genug). Obwohl er selbst mißhandelt worden war, konnte Simon Kirchheimer nicht glauben, daß man Hand an Max Stern gelegt hatte.
Als Vater nun wieder zu Hause war, bat er Mutter, ihm beim Auskleiden behilflich zu sein. Er wollte sich etwas hinlegen, aber nicht in sein Bett - das stünde zu nahe am Fenster. Von draußen hörten wir abermals die vorbeirumpelnden Lastwagen und das Gröhlen der SA-Leute, diesmal verlor sich der Lärm in die entgegengesetzte Richtung: die Sturmtrupps zogen ab. Dann vernahm ich unterdrücktes Weinen aus dem Schlafzimmer. Mutter hatte entdeckt, daß Vater aufs grausamste geprügelt worden war. Sein Rücken zeigte nicht das kleinste Fleckchen heiler Haut mehr. Nach der Ankunft im Rathaus hatten sich mein Vater und zehn weitere Juden mit dem Gesicht zur Wand aufstellen und stillhalten müssen. Dann wurden sie, einer nach dem andern, aufgerufen und einzeln in einen Nebenraum kommandiert. Dort warf man meinem Vater alle Arten von erlogenen Anschuldigungen entgegen, zog ihm die Jacke aus, stopfte ihm ein Taschentuch in den Mund, damit er nicht schreien konnte, und befahl ihm, sich vornüber zu beugen, woraufhin vier Männer unbarmherzig mit Stahlpeitschen auf ihn einschlugen.
Es gibt keine Worte, unsere Gedanken und Empfindungen in diesem Moment zu beschreiben. Wären wir selbst durchgepeitscht worden, es hätte uns nicht mehr schmerzen können. Vater lag still auf der Liege, kein Wort der Anklage kam über seine Lippen, kein Wort des Schmerzes, kein einziges Wort... Wir beschlossen, Dr. Heller, unseren langjährigen Hausarzt, zu rufen. Einen jüdischen Arzt gab es nicht mehr in Niederstetten. Frau Heller war Leiterin der NS-Frauengruppe, weshalb wir anfangs Zweifel hegten, ob ihr Mann, da die Umstände sich derart zugespitzt hatten, noch in unsere Wohnung kommen würde. Aber er kam - und gab meinem Vater die bestmögliche ärztliche Behandlung. Meine Mutter fragte ihn: "Herr Doktor, warum nur haben sie meinen Mann so zugerichtet, gerade ihn, der nie jemandem etwas zuleide getan hat?" Der Arzt wußte nichts darauf zu sagen als: "Frau Stern, wir leben in einer hochpolitischen Zeit."
Als Dr. Heller uns verließ, war es etwa 9.30 Uhr. Mutter und ich überlegten, ob ich nicht in die Synagoge gehen sollte, erstens, um dem Gottesdienst beizuwohnen, und zweitens, um zu erfahren, wie es den anderen Gemeindemitgliedern ergangen war. Ich brach auf. Der Gottesdienst hatte noch nicht begonnen, auch waren noch nicht sehr viele Männer da. In der Mitte der Synagoge aber stand der siebenundsiebzigjährige Abraham Kirchheimer, ein tief religiöser Mann. Die Arme zum Himmel erhoben, rief er: "Gott, oh Gott, warum hast du uns verlassen?" Ich werde den Anblick niemals vergessen. Die verzweifelte Klage rührte allen Anwesenden ans Herz. Auch Kirchheimers Sohn, jener Simon Kirchheimer, den mein Vater vor dem Rathaus getroffen hatte, ein Veteran des Ersten Weltkriegs und ebenso guter Sohn wie selbst Familienvater, war ja geprügelt und mißhandelt worden - wie andere Mitglieder unserer Gemeinde. "Gott, oh Gott, wie kannst du das zulassen?" Eine Welt, eine gute Welt voller Nächstenliebe, Tradition, Hoffnung auf eine bessere Zukunft und Glaubensbereitschaft war an diesem Morgen erschüttert worden in der kleinen jüdischen Gemeinde von Niederstetten. Und die Erschütterung ging bis auf den Grund.
Das Dritte Reich hatte seinen triumphalen Einzug gehalten. Bis ans Ende meiner Tage wird mir der 25. März 1933 im Gedächtnis bleiben. Auch die christliche Bevölkerung war schockiert, nur wagte niemand etwas zu sagen oder der wilden Horde offen Widerstand zu leisten. Angst, Mißtrauen und Schweigen fielen wie ein dunkler Vorhang über das Städtchen und verließen es nicht mehr, bis das ganze Regime schließlich zusammenstürzte.
Niederstetten hatte eine von der Gemeinde angestellte Krankenschwester, eine Diakonissin der evangelischen Kirche [Emma Deininger]. Sie kam noch am Samstagnachmittag zu uns und sagte, daß Pastor Umfrid sie geschickt hätte, der herzlichen Anteil an unserem Schicksal nähme. Wenn sie oder er irgend etwas für uns tun könnten, sollten wir es sie nur wissen lassen. - In den folgenden Tagen führte ihr Weg sie noch öfter zu uns, und dank ihrer Mithilfe und Pflege wurde mein Vater bald wieder halbwegs gesund.
Bis zum Abend des traurigen Samstags wußte die ganze jüdische Gemeinde, was passiert war, und jeder kannte die Leidensgeschichte der betroffenen Männer, die aus unersichtlichen Gründen "ausgewählt" und so schrecklich mißhandelt worden waren. Zu denen, die man verschont hatte, gehörten übrigens die Kunden der Thomasschen Bäckerei.3
Mein Vater gab später zu, daß er vor der drohenden Aktion gewarnt worden war. Er hätte Niederstetten verlassen können, entschied sich aber zu bleiben und seine Gemeinde nicht im Stich zu lassen. Jene Frau Gerlinger, Inhaberin des Hotels zur Post, hatte ihn am Freitagnachmittag über die geplante Razzia informiert, weshalb Vater am Abend, als wir die Familie Neuburger besuchten, so nervös gewesen war. - Ein Jude aus Niederstetten hatte auf Frau Gerlingers Rat hin tatsächlich vom Freitag bis Sonntag im Hotel zur Post "gewohnt" und sich die ganze Zeit über in seinem Zimmer aufgehalten. Sie brachte ihm die Mahlzeiten und sorgte auch dafür, daß er sicher aus der Stadt entkommen konnte.
[Nach Niederstetten kamen Creglingen, Weikersheim und Bad Mergentheim an die Reihe.]
Inzwischen war - niemand wußte durch wen - die Meldung über die Brutalitäten bis zur Regierung in Stuttgart gedrungen, und dort erteilte man alsbald Befehl, die Aktion zu stoppen. Später wurde erzählt, daß die sofortige Beendigung des Massakers dem stellvertretenden Reichsstatthalter Dill4 zu verdanken war, der ursprünglich aus Niederstetten kam.
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1 Bereits vorher hatte es eine Hausdurchsuchung durch den Ortspolizisten Johannes Dodel gegeben, siehe: Stern, So war es, S. 44.
2 Die Durchsuchungsaktionen erfolgten auf Grund eines Erlasses des Polizeikommisars für das Land Württemberg vom 19. März 1933 über den Waffeinzug, veröffentlicht im Staatsanzeiger für Württemberg Nr. 65 vom 18. März 1933 (siehe Behr/Rupp, Vom Leben und Sterben, S. 184).
3 Fritz Thomas, Ortsgruppenleiter der NSDAP, war Bäcker.
4 Dr. jur. Gottlob Dill (1885-1968), Jurist, württembergischer Ministerialbeamter und SS-Oberführer.(Bruno Stern: So war es. Leben und Schicksal eines jüdischen Emigranten. Eine Autobiographie. Aus d. Engl. übers. von Ursula Michels-Wenz. Bearb. von Gerhard Taddey. Sigmaringen: Thorbecke 1985, S. 46-49)
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Thomas, Fritz
6. 10. 1908 Niederstetten -
Bäcker
Aus Spruchkammerakte, Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 902/16 Bü 2932
1929-1945 NSDAP, 1933-1942 Ortsgruppenleiter
1930-1931 SA
1933-1945 NSKK, 1935-1940 Truppführer
"Inhaber der bronzenen Dienstauszeichnung"
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