Gasthaus Melber

Gasthaus Melber

  • 1. August 1933, Teilnehmer am 15. Deutschen Turnfest kehren nach Niederstetten zurück

    * Niederstetten, 1. Aug. Gestern abend kehrten die Teilnehmer vom 15. Deutschen Turnfest heim. Ein großer Teil der Bevölkerung fand sich am Bahnhof ein, um dem Verein einen festlichen Empfang zu bereiten; denn die Vereinsriege hatte sich auf dem Fest einen 1. Preis errungen. Von der Turnerjugend wurden den Teilnehmern Blumen verehrt. Mit Gesang gings zum Lokal "Melber", wo eine kurze Begrüßung und Beglückwünschung durch Vorstand Streitberger und Bürgermeister Schroth stattfand.

    (Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 177, 2. 8. 1933, S. 4)

  • 1. Oktober 1936. Heimattag und Erntedankfest

    Heimattag und Erntedankfest in Niederstetten
    Niederstetten, 30. Sept. Welch eigenartiger Klang liegt in den Worten Heimat, Vaterhaus, Heimaterde für uns Deutsche und wie tief sind sie in unserem Gemüt verankert. Als darunter die Stadt ihre Einladungen zum diesjährigen Heimattag ausgesandt hatte, folgten aus nah und fern etwa 300 Volksgenossen u. -genossinnen, die mit unserer Gemeinde durch Geburt verbunden sind, diesem Rufe, um ihre gemeinsame Heimat wieder zu sehen. Auch eine Feier des Jahrganges 1866 war mit dem Heimattag verbunden; die Fünfziger trafen sich schon am Samstag nachmittag bei einem Essen im Gasthaus Melber, zu welchem sich auch zu ihrer besonderen Freude ein Sohn unserer Stadt, Ministerialdirektor Dr. Dill, einstellte.
    Der Abend führte alle Gäste und Einwohner in der Turnhalle zu einer Feierstunde zusammen und die Halle reichte kaum aus, um alle Erschienenen zu fassen. Bürgerm. Schroth begrüßte die Anwesenden im Namen der Stadt und führte in seiner Rede aus, daß nun sechs Jahre seit dem letzten Heimattag verflossen seien. Viele, viele Söhne und Töchter der Stadt sind der Einladung gefolgt, leider mußten auch einige abschreiben, da sie entweder durch Krankheit oder aus beruflichen Gründen nicht kommen konnten, insbesondere auch Luftschiffkapitän Albert Sammt vom Luftschiff "Hindenburg", welcher wieder auf dem Wege nach Amerika ist. Ministerialdirektor Dr. Dill überbrachte Grüße des Innenministers und betonte in seiner Ausführung, daß er sich immer wieder freue, nach Niederstetten zu kommen, um alte, liebe Stätten aufzusuchen. In Erinnerung aus seiner Jugend kam so recht zum Ausdruck, wie tief auch bei ihm das Heimatgefühl verwurzelt ist. Diese Schollenverbundenheit wird besonders durch die Heimattage gepflegt und deshalb erfahren dieselben auch die volle Unterstützung des Nationalsozialismus. Die Kreiskapelle, der Männergesangverein, der BdM. und der Turnverein belebten den Abend durch wohlgelungene Darbietungen.
    Am Sonntag morgen machten die auswärtigen Gäste einen Rundgang durch die Stadt, bei welchem die in den letzten Jahren getroffenen baulichen Veränderungen besichtigt wurden, insbesondere auch die Kelter der Weingärtnergenossenschaft. Nachmittags 2 Uhr setzte sich von der Kelter aus ein Festzug zum Festplatz in Bewegung, der durch reichgeschmückte Ernte- und Winzerwagen verschönt war. Die Straßen waren voll von Besuchern aus den Nachbarorten und alles drängte nun zum Festplatze, woselbst Bürgermeister Schroth nach einer Begrüßungsansprache, in welcher er besonders auch die Anwesenheit von Kreisleiter Niklas hervorhob: an die bäuerlichen Gefolgschaftsmitglieder: Sofie Hein, Fritz Ehrmann, Marie Plank, Christian Sinner, Fritz Hütter und Wilhelm Gläß für langjährige treue Dienste (in einem Falle über 40 Jahre) Ehrenurkunden und Geschenke verteilte. Ferner verlas Herr Bürgermeister Schroth ein Telegramm des Fürsten Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg, das er aus Roggenburg sandte und in welchem er alle Gäste und Besucher des Heimattages und Erntedankfestes grüßte und viel Vergnügen wünschte. Ortsgruppenleiter Thomas sprach herzliche Worte des Gedenkens zum heutigen Feste. Die HJ. und BdM. führten Spiele und Tänze vor. Im Kaffeezelt und am Weinschank herrschte lebhafter Betrieb, sodaß die Zeit bis zum Winzertanz rasch verfloß und noch eine große Zuschauermenge bei diesem, von unseren Festen nicht mehr wegzudenkenden historischen Tanze anwesend sein konnte.

    Der Franke, Nr. 229, 1. 10. 1936

  • 10. Dezember 1936. Oberlehrer Wahl verläßt Niederstetten

    Niederstetten, 10. Dez. (Abschied.) In den nächsten Tagen wird Oberlehrer Wahl mit seiner Familie Niederstetten verlassen, um nach 18jährigem Hiersein nach seiner neuen Wirkungsstätte Möhringen a. F. zu ziehen. Letzten Samstag versammelten sich daher seine Kollegen mit ihren Frauen hier im Melbersaal, um nochmals mit der scheidenden Familie zusammen zu sein und von ihr Abschied zu nehmen. In mehreren Ansprachen wurde seiner Verdienste um das Schulwesen hier und im ganzen Bezirk gedacht, aber auch der vielen schönen, im Kollegenkreis gemeinsam verlebten Stunden erinnerte man sich gerne, Der Abend wurde durch Musikvorträge und gemeinsam gesungene Lieder verschönt. — Tags daran ließ es sich auch die hiesige Stadtgemeinde nicht nehmen, von der allseitig geachteten Lehrerfamilie im dichtbeschten Postsaal Abschied zu nehmen. Herr Bürgermeister Schroth gedachte in längeren Ausführungen der scheidenden Familie. Er würdigte die gute Zusammenarbeit zwischen Schule und Rathaus und betonte, wie diese Zusammenarbeit immer schließlich zum Nutzen von Gemeinde und Schule sich ausgewirkt habe. - Zugleich gedachte er gerade des großen Fortschritts während der letzten Jahre auf dem Gebiete des Schulwesens in der hiesigen Stadt, wobei er erfreulicherweise die hiesigen Schulverhältnisse als vorbildlich bezeichnen konnte. Mit seinem Dank verband er die besten Wünsche für den neuen Wirkungskreis. In weiteren Ansprachen wurde Herrn Wahl der Dank für seine Mitarbeit ausgesprochen, die er immer gerne zur Verfügung gestellt halte, als Kollege, Organist, Dirigent des ev. Kirchenchors u. Mitarbeiter im DLV. Der ev. Kirchenchor umrahmte die Feier mit wohlgelungenen Chören. Zum Schluß dankte Herr Wahl allen für die dargebrachten Ehrungen und schilderte die Gründe, die ihn schweren Herzens zum Verlassen der hiesigen Stadt bewegten. Die besten Wünsche der ganzen Gemeinde begleiten die Familie Wahl in ihre neue Heimat.

    Der Franke, Nr. 288, 10. 12. 1936

  • 26. Januar 1931. Tanzkurs-Schlußball - Generalversammlung des Turnvereins - Erste-Hilfe-Vortrag

    () Niederstetten, 26. Jan. Ueber einen Schlußball eines Tanzkurses berichten wir im allgemeinen nicht. Wenn ein Tanzkurs aber 23 Paare hat und diese 23 Paare andere 92 Paare aus allen Teilen der Bürgerschaft zum Schlußball einladen, dann wird dieser Schlußball auch für eine kleine Stadt ein gesellschaftliches Ereignis. Das war denn auch der am Samstag stattgehabte Schlußball der Tanzschule Geiger-Mergentheim in den Löwensälen. An der Mitteltafel ein Kranz lieblicher Jugend, gehoben durch die zahlreichen Sträuße herrlicher Blumen, rings herum die Ballmütter und Ballväter und noch viele tanzlustige Jugend. Die jungen Leute zeigten auch, daß sie vorzüglich tanzen gelernt hatten — ihr erstes Debut auf dem Parkett (eigentlich Pitch-pin) der Gesellschaft verlief recht erfolgreich u. hoffentlich gelingt es ihnen auf dem Parkett des Lebens ebenso erfolgreich zu werden. Der Jugend gehört ja die Zukunft. Erfreulich war auch zu sehen, daß der alte Walzer wieder hoch in Ehren steht. Herr Oberndörfer-Sichertshausen begrüßte recht nett die Gäste, das Tanzlehrerehepaar Greiner-Geiger, die Tanzschüler des Tanzkurses „Liebeswalzer“ und überreichte dem Tanzlehrerehepaar ein schönes Geschenk. Die Musik stellte Herr Fleckenstein-Mergentheim und er wirkte selbst mit. Daß das eine gute und keine gewöhnliche Tanzmusik war, kann man sich denken. Von allen Stücken sei nur die glänzend gespielte Francaise aus der „Fledermaus“ genannt.

    () Niederstetten, 26. Jan. Der Turnverein hielt gestern im Melber'schen Saale seine Generalversammlung ab. In Hinsicht auf die Größe und Bedeutung des Vereins wäre eine bessere Beteiligung zu wünschen gewesen. Wohl zum ersten Male war auch die Frauenriege vertreten. Herr Vorstand Streitberger begrüßte die Versammlung und gedachte der Toten des Vereins. Der Jahresbericht des Schriftführers gab ein schönes Bild von erfolgreichem turnerischen Schaffen des Vereines und von gelungenen gesellschaftlichen Veranstaltungen. Der Bericht des Kassierers zeigte, daß der Verein auch finanziell gut gearbeitet hat. Besonders durch die Durchführung der Wirtschaft in eigener Regie konnte ein weiterer Teil der Bauschulden abgetragen werden, Aus den Berichten der Turnwarte ist hervorzuheben: Die Zahl der Jugendturner hat sich nach der letzten Jugendveranstaltung fast verdoppelt. Es wird über mangelnde Beteiligung seitens der aktiven Turner an den Turnstunden geklagt. Der Oberturnwart bemerkte sehr richtig, daß wer turnt, dies nicht dem Verein, sondern sich selbst zu Liebe tut. Die Wahlen ergaben: 1. Vorstand: Streitberger, 2. Vorstand: Hauptlehrer Gerheißer (neu), Kassier: Rüger, Schriftführer: Kreutzmann, Oberturnwart: Kleinhanß, Turnwart: Stadtpfleger Pflüger, Jugendturnwart: Keppler, Frauenturnwart Kleinhanß. Hr. Vorstand Streitberger dankte für die Wiederwahl und dankte zugleich allen Funktionären, der Wirtschaftskommission und den Damen des Vereines, welche sich dieser zur Verfügung gestellt hatten. In der sich anschließenden Aussprache regte Oberturnwart A. Kleinhanß an, die Monatsversammlungen sollten durch gebotene geistige Darbietungen auf turnerischen und allgemeinen Gebieten anregender gestaltet werden. Herr Bürgermeister Schroth regte an, durch Schaffung eines Aufenthaltsraumes mit guter Lesegelegenheit, Gelegenheit zu musikalischer Betätigung und sonstiger geistiger Anregung die Jugend von der Straße fernzuhalten. Die Versammlung nahm einen harmonischen Verlauf.

    () Niederstetten, 26. Jan. Der landw. Hausfrauenverein hatte gestern einen Vortragsabend im Postsaale veranstaltet. Frl. Siebert von der württ. Landwirtschaftskammer hielt einen Lichtbildervortrag über „Erste Hilfe bei Unglücksfällen“. Der Vortrag war durch eine Reihe erklärender Lichtbilder unterstützt. Der Besuch war nicht sehr zahlreich.

    Vaterlandsfreund, Nr. 21, 27. 1. 1931

  • 28. Mai 1935. Versammlung der Damenschneiderinnung

    Niederstetten, 28, Mai, Am 20. Mai fand hier im Gasthaus Melber die 5. Versammlung der Damenschneiderinnung, Kreis Gerabronn, statt. Es kamen einige sehr wichtige Fragen zur Besprechung, so die Abhaltung von Zuschneidekursen, die zur Meisterprüfung nötig werden, die Beteiligung am Handwerkertag und Reichsverbandstag in Frankfurt a. M. vom 15.-18. Juni und die Bekanntgabe des Kassenberichts des abgeschlossenen Halbjahrs durch die Kassiererin Fräulein Emma Schürger. Darauf erfolgte die Anfrage an die Versammlung, ob sie ihrer Obermeisterin das Vertrauen auch für das kommende Geschäftsjahr entgegen bringt. Mit Begeisterung und völlig einstimmig wurde Frau Fuchs, die in ihrer geraden, einfachen und konsequenten Art wie geschaffen zur Obermeisterin ist, das Vertrauen der Versammlung ausgesprochen. Kreishandwerksmeister Knießer hielt dann einen sehr wertvollen Vortrag über Lehrlingsfragen, er hat der Innung durch praktische Ratschläge sehr gute Dienste geleistet. Auch fand die Vorführung von Fachmaterial (neue Schnitte usw.) statt. So unangenehm man bei der Gründung von der Pflichtvrsammlung berührt wurde, der unausbleiblichen Ausgaben wegen, so gewinnt man nun immer mehr den Eindruck, daß diese Versammlungen zur Freude werden, denn es bildet sich ein kameradschaftlicher Geist heraus, Konkurrenzneid und Feindseligkeiten verschwinden, man hilft sich gegenseitig weiter. Das ist nötig, denn durch den Modewechsel sind die Schneiderinnen immer Lernende, was viel Nervenkraft erfordert. Mit der Mahnung, daß jedes Mitglied der Innung gegenüber seine Aufgaben treu erfüllen möge, schloß die Obermeisterin die Versammlung.
    A. St.

    Der Franke, Nr. 123, 28. 5. 1935

  • 4. November 1935. Angliederung des Niederstettener Stützpunkts des Deutschen Luftsportverbands

    Niederstetten, 4. Nov. Der Stützpunkt Niederstetten des Deutschen Luftsportverbandes, welcher bisher zur Ortsgruppe Künzelsau gehörte, wurde am Samstag abend der Ortsgruppe Schwäb. Hall angegliedert. Aus diesem Anlasse war Ortsgruppenleiter Roesler der Ortsgruppe Künzelsau und Ortsgrf. Schäfer der Ortsgruppe Hall mit zahlreichen Kameraden nach Niederstetten gekommen. Der Uebergabeakt fand im fürstlichen Marstall statt, in welchem die Werkstätte des Stützpunktes untergebracht ist. Einem Propagandamarsche durch die Stadt folgte anschließend ein Kameradschaftsabend im Lokal Melber. Ortsgrf. Roesler begrüßte die Anwesenden, unter welchen sich viele Gäste anderer Formationen und Organisationen befanden und gab einen Ueberblick über das bisherige Schaffen des Stützpunktes Niederstetten; ein beinahe fertiges Segelflugzeug zeuge von dem Fleiße. Leider seien die Arbeiten nur langsam vorangegangen, da die Reihen der Angehörigen bald wieder auseinandergerissen wurden. In weiteren Worten wies er auf die Bedeutung der Segelfliegerei hin und betonte, daß dieselbe durch die Wehrfreiheit absolut nicht überflüssig geworden sei, sondern im Gegenteil den Einsatz aller Kräfte benötige. Seine Einladung an die anwesenden Gäste zum Beitritt als passive Mitglieder war von gutem Erfolg gekrönt. Ortsgrf. Schäfer-Hall, Bürgermeister Schroth und Ortsgruppenleiter der NSDAP., Thomas-Niederstetten, sagten ihre Mitarbeit am weiteren Ausbau des Stützpunktes des DLV. in ihren anschließenden Ausführungen zu, da doch Niederstetten für die Fliegerei ganz besonders günstige Verhältnisse hätte. Ein Film zeigte die Einweihung der Fliegerschule Hornberg. Kameraden der Ortsgruppe Hall brachten durch humorvolle Lichtbilder aus dem eigenen Fliegerleben Stimmung in den Abend. Möge dem Stützpunkt Niederstetten des DLV. durch neue Arbeitskräfte frischer Impuls und segensreiches Wirken für. unseres Vaterlandes Größe beschieden sein.

    Der Franke, Nr. 259, 5. 11. 1935

  • 6. Oktober 1931. Fünfzigerfeier

    () Niederstetten, 6. Okt. Einen schönen und gemütvollen Auftakt zu unserem Herbstfest bildete die am Samstag abend im Melber'schen Saale abgehaltene „Fünfzigerfeier“. Von weit und breit waren die „81er“ gekommen, um mit ihren hiesigen Altersgenossen einen Tag der freudigen Erinnerung zu begehen. Herr Schreinermeister Meider hielt die Begrüßungsrede. Ein junges Mädchen trug folgenden, von Herrn Max Stern den „Fünfzigern“ gewidmeten Prolog vor:

    Meistens ist des Lebens Mitten
    Mit den „Fünfzig“ überschritten.
    Einen Tag sucht sich der Geist
    Auszuruhen da zumeist.
    Rück- und Ausblick will er halten
    Was in unseres Lebens Walten
    Gut war — war Erfolg gekrönt —
    Was das Dasein uns verschönt.
    Auch was uns im Leid erregt
    Die Gedanken dann bewegt. —
    Wie wir eint die Schulbank drückten —
    Und wir dann ins Leben rückten.
    Wie der Lehrling angefangen —
    Die Gesellenzeit vergangen —
    Bis nach altem, rechtem Brauch
    Selbst wir wurden Meister auch.
    (Und nach diesem Lebenslauf
    Bauet jeder Stand sich auf).
    Oder wie im Haufe drinnen
    Schulte sich der Mädchen Sinnen,
    Bis, nach Kindes Tanz und Spiel
    Strebt ihr Sinn nach höh'rem Ziel.
    Bis dann in den zarten Banden,
    Wir uns in die Ehe fanden.
    (Oder wie wir nach Belieben
    Ledig und allein geblieben).
    Die Gedanken gehen weiter —
    Ehetage, ernst und heiter,
    Treten ins Erinnern ein.
    Und wir schaffen für ihr Glück,
    Eh' wirs denken sind sie flügg.
    Dann des Krieges Grauen — Beben,
    Und des Nachkriegs schwer Erleben —
    Alles will bedacht wohl sein
    Stellen sich die Fünfzig ein.
    Eines von den größten Uebeln
    Aber ist allein zu grübeln.
    Schöner ist's, dem Freund zu lauschen
    Und Erinnerung auszutauschen.
    Dazu, ferne Schwestern, Brüder
    Luden euch zur Heimat wieder
    Treue Freunde. — Eurem Kommen
    Bieten herzlich wir Wilkommen.
    Auch euch Freunden, die hier leben
    Froher Willkomm sei gegeben.
    Dieser Stunden froher Reigen
    Soll uns allen innig zeigen,
    Daß, wie in der Jugend Tagen,
    Unsre Herzen einig schlagen.
    Jugend laßt heraufbeschwören,
    Von der Jugend laßt uns hören!
    Was ihr trachtet — sprechet — treibt —
    Laßt uns in die Augen schauen!
    Hebt die Gläser, Männer, Frauen!
    (Vorbachtäler gibt's ja noch)
    Jahrgang Einundachtzig Hoch!

    Den Kernpunkt des Abends bildete ein vorzüglicher Vortrag des Herrn Bürgermeister Schroth über "Niederstetten in den letzten 50 Jahren". Herr Bürgermeister Schroth ging von der Bevölkerungsbewegung jener Zeit aus, deren zahlreiche Geburten er im Vergleich zu unserer Zeit stellte. Dann gab der Redner ein genaues Bild aller wichtigen Vorkommnisse seit jener Zeit. Neubauten, Straßen und Wasserbauten, Ueberschwemmungen, Weinjahre, gute und schlechte, Stadtschultheißenwahlen, Kriegszeiten, Wasserleitungsbau, Vereinsleben und viele andere im Leben der Stadt wichtige Ereignisse fanden Erwähnung. Kein Wunder, daß den alten Niederstettenern, welche zum Teil viele Jahrzehnte ihre Heimat ferngeblieben waren, das Herz in alter Liebe zur Heimat warm wurde. – Herr Schlossermeister Fischer verlas viele eingegangene Schreiben von "50ern", welche verhindert waren, zu kommen. Auch aus dem Ausland waren Kundgebungen von Heimattreue, zum Teil begleitet von wertvollen Geldgeschenken, eingelaufen. Ein musikalisches u. gesangliches Programm, sowie der gemeinschaftliche Gesang von Heimatliedern verschönte den Abend und schwer wurde den Teilnehmern das Auseinandergehen. Alle Teilnehmer aber werden den Samstag als schöne Erinnerung noch lange nicht vergessen.

    Vaterlandsfreund, Nr. 234, 7. 10. 1931

  • 7. April 1930. Wahlversammlung des Bauern- und Weingärtnerbundes - Schußentlaßfeier Gewerbeschule

    Niederstetten, 7. April. Wohl als Auftakt für die möglicherweise in Bälde stattfindenden Reichstagswahlen hat am Sonntag der Bauern- und Weingärtnerbund zu einer Versammlung in den Löwensaal eingeladen. Referent war der alte Führer des Bundes, Herr Theodor Körner, Landtagsabgeordneter. Der Löwensaal war bis auf den letzten Platz besetzt. Namens des Bauern- und Weingärtnerbundes, Ortsgruppe Niederstetten, begrüßte Herr Lagerhausverwalter Glaser die Versammlung und übertrug den Vorsitz an Herrn Landtagsabgeordneten Klein. Herr Klein führte aus: In den Wirrnissen der Politik unserer Tage müssen die Bauern einem alten Bauernführer, wie es Herr Körner ist, doppelt dankbar für seine Tätigkeit sein. Auch in unserer Gegend ist das politische Leben rege und besonders die nationalsozialistische Arbeiterpartei hat um sich gegriffen. Wenn man heute den Wirrwarr der Parteien sieht, so ist es bedauerlich, daß diese Partei bemüht ist, diesen Wirrwarr zu vergrößern und daß sie gerade da eindringen wollen, wo die besten nationalen Kräfte sitzen. Sie würden besser ihre Tätigkeit unter die Sozialisten in die Städte verlegen. Sie richten nur Unheil an, denn sie sind nicht so stark und werden auch nicht so stark, daß sie ohne Umsturz und Blutvergießen den nationalsozialistischen Staat in die Wirklichkeit umsetzen könnten. Um Wiederholungen zu vermeiden, schicke ich voraus, daß in der Diskussion Herr Klein den Nationalsozialisten vorwarf, daß sie gegen ihn in ihren Versammlungen mit Unwahrheit kämpfen und daß der Referent, Herr Körner die Bauernjugend warnte, sich mit Musik und Fahnen verführen zu lassen, vom rechten Weg des Bauernbundes abzuweichen. Denn die nationalsozialistische Arbeiterpartei stimme wohl in nationalen Dingen mit der Rechten. Aber in allen Fragen der Interessen der Landwirtschaft stimme sie im Wettbewerb mit Sozialisten und Kommunisten und dies sei auch in anderen Dingen, wie Versicherungsfragen etc. der Fall. Während die Nationalsozialisten gegen den Bauernbund wegen zu großer Beamtenaufbesserung hetzen, hätten im Landtag ihre Abgeordneten dafür gestimmt und dem Bauernbund Vorwürfe gemacht, weil er ihnen nicht weit genug ging. Das Hauptreferat des Herrn Landtagsabgeordneten Körner behandelte die Frage: " der deutschen und der württembergischen Landwirtschaft". Herr Körner führte ungefähr aus:

    Er sei gerne in einer Zeit hierhergekommen, wo so viele Fragen auf Antwort warten. Das Leben sei ein Kampf - auch das politische Leben. Es habe keinen Zweck, diesen Kampf aus dem Wege zu gehen, aber auch starke Worte an Biertisch haben keinen Zweck. Wie der Kampf des Landwirtes gegen das Unkraut gehe, so sei dies oft in parlamentarischen Kämpfen der Fall. Man fragt: "Mußte alles kommen, wie es gekommen ist?" u. besonders unsere Bauernjugend sieht mit Ungewißheit in die Zukunft. Wenn man die Zukunft aber verstehen will, muß man in die Vergangenheit blicken, denn nur aus Lebenserfahrung kann man lernen. Ein kurzer Rückblick: Im alten, von Bismarck geschaffenen Reichstag, war Generalfeldmarschall Moltke Abgeordneter. Er sprach wenig. Als man aber Ende der 70er Jahre vom Freihandel zum Schutzzoll überging, stand Moltke auf und sagte: Wenn wir mit unserer Ernährung von fremden Ländern abhängig werden, dann haben wir den nächsten Krieg verloren, ehe der erste Kanonenschuß fällt. So ist es auch gekommen. Der Weltkrieg ging durch unsere Umstellung zum Industriestaat und durch Verkümmerung der deutschen Landwirtschaft verloren. Die Grundlagen der Freiheit eines Staates liegen in seiner Landwirtschaft. Aus der jetzigen Lage kommen wir erst heraus, wenn man auch in den Großstädten und auch in Berlin einsieht, daß ohne eine gute Landwirtschaft kein Staat frei sein und selbständig handeln kann. Der Kampf für die Landwirtschaft ist daher der Kampf für das Bestehen eines Volkes. So hat sich denn im Reichstag die grüne Front gebildet, deren Zweck es ist, der deutschen Landwirtschaft die Existenzgrundlage zu sichern. In der Landwirtschaft geht alles langsam – ackern – säen – wachsen – ernten. Auch in der Politik ist es so und der politische Acker ist am schwersten zu bearbeiten. Wenn heute die grüne Front 100 Abgeordnete zählt, so ist das eine Minderheit, welche mit allen möglichen Mitteln für ihre Ziele bei den anderen werben muß. Man kommt da nicht ohne Kompromisse aus und man muß oft das kleinere Übel nehmen, um das größere zu verhindern. Herr Landtagsabgeordneter Körner sprach dann über die Kämpfe um die neue Steuerordnung im Landtag. Diese Ausführungen decken sich mit denen, die Herr Körner am Gerabronner Pferdemarkt gemacht hat und über die wir am 7. März schon ausführlich berichtet haben. Dann wandte sich der Redner den Kämpfen im Reichstag zu. Vor Weihnachten hat der Reichstag mit Hilfe der Sozialdemokratie die gleitenden Zölle eingeführt. Dieses System ist zu unsicher. Auch wenn man 13 M als Normalpreis für den Weizen annimmt, steht dieser Preis weit unter dem Rentabilitätspreis von 15 R.M. für 50 Kilo Weizen, denn die Kaufkraft des Geldes ist schlechter geworden. Man bekommt heute für 15 M für ein Zentner Weizen nicht viel andere Waren, als vor dem Kriege 10 oder 12 M. Der Index der Löhne ist um 150-200 Prozent gestiegen. Für 15 Zentner Kartoffel bekam man vor dem Kriege einen Anzug, heute braucht man 45 Zentner dazu. Auf dem Gebiete der Preisbildung ist dem Landwirt nur durch eine entsprechende Zollgesetzgebung zu helfen, wenn 15 M für den Zentner Weizen und 12 M für Gerste bezahlt worden wären, dann wäre manche Not, in welcher wir heute stehen, nicht so dringend geworden. Die Ueberproduktion an Zucker muß eine Einschränkung des Rübenbaues zur Folge haben. Auch auf anderen Gebieten gibt es ernste Befürchtungen. Die Ueberproduktion an Milch verursachte ein Fallen der Preise und hatte Absatzschwierigkeiten im Gefolge. Die Zollerhöhung für Butter steht nur auf dem Papier und kann erst in Kraft treten, wenn der Handelsvertrag mit Finnland aufgehoben oder geändert worden ist. Man hat den Landwirten Umstellung auf Viehzucht mit billigen ausländischen Futtermitteln empfohlen. Eine unsinnige Ueberproduktion wäre die Folge. Zudem überschwemmt zollfrei eingeführtes Gefrierfleisch Deutschland. Holland, Polen. Dänemark warten nur darauf, uns mit Schweinen zu überschütten. Die Türe muß zugemacht werden, es muß erklärt werden, wir können unseren Bedarf selbst erzeugen. Die jetzige Regierung soll nach dem Rechten sehen und dafür sorgen, daß die Zölle nicht nur auf dem Papier stehen. Wenn wir diese Förderungspolitik vom Reich verlangen, sorgen wir nicht nur für uns, sondern auch durch Hebung der Kaufkraft für den Arbeiter. Niemand kann sich mehr einschränken als der Bauer und wenn ihm das Geld fehlt, ist kein organisierter Käuferstreik (Redner ist gegen einen solchen) nötig, das ist dann aus der Not der Zeit geborener Käuferstreik. Der Sparer braucht sich heute in Deutschland vor keiner Inflation fürchten, die Aufsicht des Auslandes bewahrt ihn davor. Aber wir werden erleben, daß das Geld immer knapp und teuer sein wird. Man sucht die Kapitalbildung zu fördern. Dieser ist aber der Youngplan im Wege mit seiner durchschnittlichen Belastung von 2 Milliarden Mark im Jahre.

    In einem Volke lebt man miteinander. Wenn es dem Landwirt gut geht, geht es allen anderen gut, denn die Landwirtschaft erzeugt immer neue Werte. Je unabhängiger ein Volk in seiner Ernährung vom Auslande ist, desto besser ist sein innerer Markt. In Abhängigkeit kommen wir aber, wenn wir nur die Exportindustrie fördern. Denn das Ausland will unsere Ausfuhr nicht mit Gold, sondern mit seinen landwirtschaftlichen Ueberschußprodukten bezahlen. Die Entwicklung wird dahin gehen, daß sich die Industrie in gewissen Grenzen halten muß, wenn wir keinen beschränkten Export haben. So muß man umso besser für den inneren Mark sorgen. Wir haben die Pflicht zu warnen und uns zusammenzuschließen. Wir haben dafür zu sorgen, daß wir gehört werden. Eigene Pflichterfüllung ist Voraussetzung, wenn wir Staatshilfe verlangen. Die alten Parteien verschwinden, heute schließen sich die Stände zur Wahrung ihrer Interessen zusammen. Herr Körner hat die Überzeugung, daß sich die Standesvertretungen ganz gut zusammen finden könnten. Auch im Landtag hat dies die demokratische Partei eingesehen. Wir vom Bauernbund könnten uns ganz gut mit Handwerkern und Kaufleuten unter dem Motto: "Leben und leben lassen" zusammenfinden. An der Bewegung der Zeit sehen wir, daß der Bauernstand einig sein muß, weitere Zersplitterung in Parteien und Uneinigkeit muß vermieden werden. (Hier spricht Herr Körner, wie einleitend angeführt, über die nationalsozialistische Arbeiterpartei). Wenn der Bauernstand einig ist, hat er Kraft und kann die Macht verlangen und wo keine Macht ist, ist auch kein Recht. Das empfindet auch Deutschland. Wenn wir auch viel Macht eingebüßt haben, die Zahl ist da und wenn sie einig wäre, wäre auch jetzt noch unsere Macht groß. So ist aber der Haß der Parteien untereinander größer als der Haß gegen unsere Feinde. Wir haben es in der Hand, mächtig zu sein. So sollen die Bauern einig im Bauernbund zusammenstehen. Nach der Verfassung geht die Macht vom Volke aus. Darum muß jeder seine Kräfte wirken lassen, durch Ausübung seines Wahlrechtes, um mit vereinten Kräften an der Herbeiführung bessere Zeiten zu helfen. Allerdings – über Staatshilfe und Selbsthilfe stehe die Hilfe von oben und in Not und Sorge soll Man nicht auf die Hilfe von Menschen, sondern auf die Macht des Höchsten bauen. (Starker Beifall).

    Die folgende Debatte zwischen den Rednern des Bauernbundes und Herrn Beck-Wildentierbach (Nat.-Soz.-Arbeiterpartei) ist bereits am Anfang des Berichtes kurz angeführt. Einige markante Worte Herrn Körners aus dieser Diskussion sollen noch Platz finden: Nur sechs Millionen Deutsche stimmten gegen den Youngplan und wie nach dem Kriege 90 Prozent aller Deutschen Frieden um jeden Preis wollten, so haben also auch jetzt die Mehrzahl des Volkes den Youngplan gewollt. Wir dürfen jetzt nicht rückwärts, wir müssen vorwärts schauen und uns bemühen, diese schweren Bedingungen aufzuheben, aber auf dem Wege der Nat.-Soz.-Arbeiterpartei bringen wir dies nicht fertig. (Zwischenruf: Futterkrippe). Darauf erwidert Landtagsabg. Körner, dieser Zwischenruf hätte nicht fallen dürfen. Denn Herr Frick sei aus Bayern als Minister nach Thüringen geholt worden. Des Redners Partei wollen nicht revolutionieren, sondern reformieren. Reformation ist schwerer, aber sicherer als Revolution.

    Nachdem auch Herr Herrmann-Blaufelden, Vorstand des Landw. Bezirksvereins Gerabronn und Herr Ehrmann-Gerabronn, Vorsitzender des Bezirkes Gerabronn des württ. Bauern- und Weingärtnerbundes, die Ausführungen des Hauptreferenten mit bei fällig aufgenommenen Reden unterstrichen hatten und Herr Landtagsabgeordneter Klein-Vorbachzimmern dem Hrn. Landtagsabgeordneten Körner den Dank der Versammlung ausgesprochen hatte, schloß Herr Klein die Versammlung.

    () Niederstetten, 7. April. Am Sonntag fand im vollbesetzten Saal des Gasthauses Melber die Schlußfeier der Gewerbeschule Niederstetten und Blaufelden statt. An dem regen Besuch, den dieselbe aufzuweisen hatte, sah man, daß alle Kreise großes Interesse an dem Gewerbeschulwesen haben. Nach einem einleitenden Gedicht "Üb immer treu und Redlichkeit" eröffnete Herr Schulvorstand Striegel die Schlußfeier. Er begrüßte zunächst die Erschienenen und richtete hierauf einige ermahnende Worte an die Schüler, die nun die Gewerbeschule verlassen. Hierauf sprach er von der engen Zusammenarbeit, die zwischen Meister und Schule herrschen muß. Am Schluß seiner Rede gab Herr Schulvorstand Striegel noch den Jahresbericht für das Schuljahr 1929/30. Es besuchten in diesem Jahre 140 Schüler die beiden Schulen Niederstetten und Blaufelden. Hiervon entfallen 65 auf Niederstetten und 75 auf Blaufelden. Er erwähnte auch noch die Schwierigkeiten, die dadurch entstanden sind, daß anstatt drei nur noch zwei Lehrer an den Schulen tätig sind. In diesem Jahre verlassen 38 Schüler die beiden Schulen. Es sind dies 18 in Blaufelden, 12 in Niederstetten und 8, die zur Schneiderfachklasse gehören. Anschließend an die Rede wurden einige Gedichte vorgetragen. Ein Schüler hielt ein Referat über "Das Ausrüsten der Leinen- und Baumwollstoffe". Er erklärte in wirklich netter Weise die Arbeit, die noch nötig ist, um den gewebten Stoff verarbeitungsfähig machen. Herr Schulvorstand Striegel sprach dann einige kurze Worte über Zunftgebräuche. Ein Schüler erzählte hierauf eine witzige Geschichte in Mundart. Darnach erfolgte die Preisverteilung. Preise erhielten in der zweiten Klasse in Niederstetten: Hohl, Haag und Merz; in Blaufelden: Räderich Hermann, Gabel Karl, Friedrich Hermann und Robert Hohl. In der 3. Klasse in Niederstetten: Scheu und Blumenstock; in Blaufelden: Schmelcher, Schüttler und Mayer. In der Schneiderfachklasse erhielten einen Preis Albert Schmitt-Niederstetten und Gerhard Grabert-Bad Mergentheim. In der ersten Klasse wurden als beste belobt: Georg Dreher und Otto Schäfer. Preise wurden gestiftet von der Stadtgemeinde Niederstetten, dem Gewerbeverein Blaufelden und der Schneiderinnung der Oberämter Mergentheim und Gerabronn. Nach der Preisverteilung ergriff Herr Stadtschultheiß Schroth-Niederstetten das Wort. Er wies darauf hin, daß es zur Notwendigkeit geworden ist, den angehenden Handwerker auch theoretisch auszubilden, denn der schwere Existenzkampf zwingt den Menschen, der es zu etwas bringen will, dazu. Herr Schultheiß Waldmann-Blaufelden sprach dann noch einige kurze Worte über den Segen der Arbeit zu den Schülern. Gegen Schluß seiner Rede betonte er das gute Einvernehmen in der Gewerbeschulsache zwischen den Gemeinden Niederstetten und Blaufelden. Nun hielt Herr Ingenieur Weller einen Vortrag über den Werdegang eines Autos. An einigen sehr schönen Lichtbildern erklärte er den Anwesenden in leicht verständlicher Weise die verschiedenen Arbeitsphasen der Herstellung eines Autos. Er erklärte dabei all die technischen Vorteile des laufenden Bandes. Er zeigte dann noch die verschiedenen Autotypen. Ein besonders großes Interesse wurde seinen Ausführungen entgegengebracht. Herr Schulvorstand Striegel schloß hierauf die so schön verlaufende Schlußfeier. – Anschließend daran war eine Führung in der Ausstellung der Schneiderfachklasse in den Räumen der Gewerbeschule. Auch diese auf ein Fach spezialisierte Ausstellung hat viel für sich. Wir erkennen an Zeichnungen und Stoffen, wie der Schüler in den Geist der Arbeit eingeführt wird, er lernt den Sinn der einzelnen Kleidungsstücke kennen, er wird mit Stoff und Zutaten vertraut. Aus dem Heften ersehen wir, wie er rechnen, kalkulieren lernt, wie er unterrichtet wird und wie der einzelne Schüler die Arbeit erfaßt. Zusammenfassend zeigte die Schlußfeier der Gewerbeschule Niederstetten-Blaufelden, daß das letzte Jahr ein recht erfolgreiches Jahr der Arbeit an unserer heranwachsenden gewerblichen Jugend war. Schlußfeier und Ausstellung werden auch dazu beitragen, das Verständnis für die Schule in immer weitere Kreise zu tragen.

    Der Vaterlandsfreund, Nr. 82, 8. 4. 1930

  • 7. Oktober 1935. Herbstfest

    Innenminister Dr. Schmid beim Niederstetter Herbstfest

    Niederstetten, 7. Okt. Das diesjährige Erntedank- und Herbstfest wurde durch den Festzug um 12 Uhr eingeleitet. Voraus das Jungvolk mit den Fanfaren und Landknechtstrommeln, dann HJ. und BDM. mit bändergeschmücktem Erntekranz, die Pol. Leiter, Abordnungen der SA., NSKK., Sanitätskolonne, Kyffhäuserbund, Männergesangverein und dann die Bauern in ihrer Arbeitskleidung mit Arbeitsgeräten. Zum Schlusse drei Festwagen: Ein Wagen mit Früchten des Feldes und Schnittern, ein Winzerwagen, vollbehangen mit köstlichen Trauben und ein Wagen mit Geräten zur Flachsgewinnung bis zum Spinnrad, von fleißigen Händen in Tätigkeit vorgeführt. Auf dem Festplatze angekommen, sprach Bürgermeister Schroth zu den sehr zahlreichen Anwesenden Worte des Dankes für alle die bäuerlichen Helfer und nicht zuletzt dem Bauern selbst für alle die Mühen des Jahres und der Vorsehung, daß wir ein Erntedankfest feiern können. Für langjährige treue Dienste einer Anzahl Gefolgschaftsmitglieder konnte Bürgermeister Schroth im Auftrage des Ortsbauernführers Ehrenurkunden und Geschenke übergeben.

    Da brach die herbstliche Sonne in wärmenden Strahlen durch das Grau des Himmels und mit offenen Herzen lauschten alle Festteilnehmer den Worten des Führers vom Bückeberg und spontan fielen die Zuhörer in den Beifall ein, der durch die Lautsprecheranlage drang, wenn besonders markante Sätze aus des Führers Munde erklangen. Ortsgruppenleiter Thomas sprach anschließend zu den Anwesenden und mit dankbarem Gefühle ertönte der Choral: „Nun danket alle Gott“, aus hunderten von Kehlen über den weiten Platz. Sprechchöre des JV., der HJ, und BDM. füllten den Nachmittag.

    Mittags war schon eine freudige Ueberraschung bekannt, geworden: Innenminister Dr. Schmid war erschienen und versprach gegen Abend nochmals zu kommen, da er am Nachmittag die Orte Riedbach und Brettheim aufsuchen wollte. Innenminister Dr. Schmid hielt sein Wort; kurz vor Beginn des Winzertanzes zeigten Fanfarenklänge sein Kommen an, in seiner Begleitung waren Landrat Wöhrle, Kreisleiter Niklas, Kreisgeschäftsführer Walter und Bürgermeister Wiedmann-Gerabronn. Nach Abschreiten der Front, der im Viereck aufgestellten Festzugteilnehmer, begrüßte Bürgerm. Schroth Innenminister Dr. Schmid und überreichte ihm als Willkommgruß einen Becher, gefüllt mit 1934er Niederstetter Weines und einen Korb einheimischer Früchte und Trauben. Innenminister Dr. Schmid bedankte sich in herzlichen Worten für die Gaben und trank auf das Wohl der Gemeinde. Den gesanglichen Darbietungen des Männergesangvereins und der Vorführung des Winzertanzes zollte der Minister lebhaften Beifall. Zum Schlusse wurde ein Hammeltanz aufgeführt, der aber unter dem Mangel der Beteiligung etwas litt, sodaß nur ein Geldpreis ausbezahlt werden konnte. Der Traubenmarkt fand lebhaften Anklang und restlosen Absatz der vorhandenen Vorräte. Ein Tanzabend in der Turnhalle brachte noch einen schönen Ausklang des Erntedankfestes. — Am Samstag Abend hatte sich der Jahrgang 1895 zu einer Vierzigerfeier im Saale des Gasthauses Melber zusammengefunden. Da auch viele auswärtige Schulkameraden der Einladung hierzu Folge geleistet halten, so kam eine frohe Stimmung beim Austausch alter Jugenderinnerungen auf. Altersgenosse Sattlermeister Gottlob Schmidt begrüßte die Erschienenen und gerade der in der Ferne weilenden Schulkameraden und derer, die nicht mehr unter den Lebenden sind. Bürgermeister Schroth gab in einer längeren Ausführung einen Ueberblick über die Entwicklung der Gemeinde in den letzten 25 Jahren und vieles war selbst für die hiesigen Anwesenden von Interesse, da man vieles schon wieder vergessen oder in manches keinen Einblick erhalten hatte. Zum festlichen Gepräge des Abends trug ein gut Teil Chormeister Fleckenstein mit Tochter bei durch ihre musikalischen Darbietungen, welche durch gesangliche Vorträge eines Doppelquartetts des Männergesangvereins abgelöst wurden. Zum Gedenken an die im Weltkriege gefallenen Kameraden und der sonst vom Tode ereilten Altersgenossen legten die Vierziger am Sonntagmorgen am Ehrenmale der Gefallenen einen Kranz nieder.

    Der Franke, Nr. 235, 8. 10. 1935

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