Turnverein

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  • 1. Oktober 1936. Heimattag und Erntedankfest

    Heimattag und Erntedankfest in Niederstetten
    Niederstetten, 30. Sept. Welch eigenartiger Klang liegt in den Worten Heimat, Vaterhaus, Heimaterde für uns Deutsche und wie tief sind sie in unserem Gemüt verankert. Als darunter die Stadt ihre Einladungen zum diesjährigen Heimattag ausgesandt hatte, folgten aus nah und fern etwa 300 Volksgenossen u. -genossinnen, die mit unserer Gemeinde durch Geburt verbunden sind, diesem Rufe, um ihre gemeinsame Heimat wieder zu sehen. Auch eine Feier des Jahrganges 1866 war mit dem Heimattag verbunden; die Fünfziger trafen sich schon am Samstag nachmittag bei einem Essen im Gasthaus Melber, zu welchem sich auch zu ihrer besonderen Freude ein Sohn unserer Stadt, Ministerialdirektor Dr. Dill, einstellte.
    Der Abend führte alle Gäste und Einwohner in der Turnhalle zu einer Feierstunde zusammen und die Halle reichte kaum aus, um alle Erschienenen zu fassen. Bürgerm. Schroth begrüßte die Anwesenden im Namen der Stadt und führte in seiner Rede aus, daß nun sechs Jahre seit dem letzten Heimattag verflossen seien. Viele, viele Söhne und Töchter der Stadt sind der Einladung gefolgt, leider mußten auch einige abschreiben, da sie entweder durch Krankheit oder aus beruflichen Gründen nicht kommen konnten, insbesondere auch Luftschiffkapitän Albert Sammt vom Luftschiff "Hindenburg", welcher wieder auf dem Wege nach Amerika ist. Ministerialdirektor Dr. Dill überbrachte Grüße des Innenministers und betonte in seiner Ausführung, daß er sich immer wieder freue, nach Niederstetten zu kommen, um alte, liebe Stätten aufzusuchen. In Erinnerung aus seiner Jugend kam so recht zum Ausdruck, wie tief auch bei ihm das Heimatgefühl verwurzelt ist. Diese Schollenverbundenheit wird besonders durch die Heimattage gepflegt und deshalb erfahren dieselben auch die volle Unterstützung des Nationalsozialismus. Die Kreiskapelle, der Männergesangverein, der BdM. und der Turnverein belebten den Abend durch wohlgelungene Darbietungen.
    Am Sonntag morgen machten die auswärtigen Gäste einen Rundgang durch die Stadt, bei welchem die in den letzten Jahren getroffenen baulichen Veränderungen besichtigt wurden, insbesondere auch die Kelter der Weingärtnergenossenschaft. Nachmittags 2 Uhr setzte sich von der Kelter aus ein Festzug zum Festplatz in Bewegung, der durch reichgeschmückte Ernte- und Winzerwagen verschönt war. Die Straßen waren voll von Besuchern aus den Nachbarorten und alles drängte nun zum Festplatze, woselbst Bürgermeister Schroth nach einer Begrüßungsansprache, in welcher er besonders auch die Anwesenheit von Kreisleiter Niklas hervorhob: an die bäuerlichen Gefolgschaftsmitglieder: Sofie Hein, Fritz Ehrmann, Marie Plank, Christian Sinner, Fritz Hütter und Wilhelm Gläß für langjährige treue Dienste (in einem Falle über 40 Jahre) Ehrenurkunden und Geschenke verteilte. Ferner verlas Herr Bürgermeister Schroth ein Telegramm des Fürsten Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg, das er aus Roggenburg sandte und in welchem er alle Gäste und Besucher des Heimattages und Erntedankfestes grüßte und viel Vergnügen wünschte. Ortsgruppenleiter Thomas sprach herzliche Worte des Gedenkens zum heutigen Feste. Die HJ. und BdM. führten Spiele und Tänze vor. Im Kaffeezelt und am Weinschank herrschte lebhafter Betrieb, sodaß die Zeit bis zum Winzertanz rasch verfloß und noch eine große Zuschauermenge bei diesem, von unseren Festen nicht mehr wegzudenkenden historischen Tanze anwesend sein konnte.

    Der Franke, Nr. 229, 1. 10. 1936

  • 11. April 1932. Theateraufführung "Im weißen Rößl"

    (0) Niederstetten, 11. April. Der Wahltag vermochte nicht der altbewährten Anziehungskraft des Blumenthal und Kadelburaschen Humors Abbruch zu tun. Das Lustspiel „Im weißen Rößl“ dieser Autoren wurde gestern abend in der Turnhalle zu der Frühlingsfeier des Turnvereins gegeben. Die Turnhalle war von einer lachfreudigen Zuhörerschaft dicht besetzt. Die vielen komischen Situationen des Lustspieles entfesselten Orkane der Heiterkeit, dies umsomehr, als die Rollen alle in guten Händen lagen und vorzüglich gespielt wurde. Die Hauskapelle des Turnvereins spielte einleitend einen Marsch. Der Theateraufführung folgte Tanz, so daß der Abend einen sehr schönen Verlauf nahm.

    (Vaterlandsfreund, Nr. 84, 12. 4. 1932)

  • 16. Januar 1933, Aus der Geschichte des Turnvereins Niederstetten zu seinem 70jährigen Bestehen

    Aus der Geschichte des Turnvereins Niederstetten zu seinem 70jährigen Bestehen

    Zur Zeit der größten Not und Erniedrigung des deutschen Volkes, in den Jahren 18061812 begründete Friedrich Ludwig Jahn das deutsche Turnen. Aber dieses Turnen war ihm nur ein Mittel, um das deutsche Volk aus seiner Not zu befreien, es stark und wehrhaft zu machen. Deutsches Nationalbewußtsein wollte er wecken, deutsches Volkstum pflegen. Den damals regierenden Kreisen gingen aber die Turner in ihrem vaterländischen, freiheitlichen Eifer zu weit und so kam die Turnsperre der Jahre 1819-20. (Entstehung des Hallenturnens und damit des Geräteturnens, Zurückdrängung des volkstümlichen Turnens). Mit dem Turnen wurde die »Idee der persönlichen Freiheit«, aber auch der »deutschen Einheit« ins Volk getragen. Schwer enttäuscht waren die Turner, als das Jahr 1848 nicht die Einigung aller deutschen Stämme brachte. Immer stärker wurde der Ruf nach Einigung, immer leidenschaftlicher diesem Ziele zugestrebt. Es braucht uns deshalb nicht wundern, das im Jahr 1860, trotz vieler politischer und kleinstaatlicher Hemmungen unter Führung der Schwaben [Theodor] Georgii und [Karl] Kallenberg sich deutschgesinnte Männer, deutsche Turner zu einem starken Bund zusammenschlossen, der Deutschen Turnerschaft mit dem Zwecke, wie er im § 2 seiner Satzungen festgelegt ist. Eine Welle tiefster Begeisterung für diesen neuen Turnerbund brauste über alle deutschen Volksteile dahin und rief ein starkes Echo hervor. In diese Zeit, nämlich das Jahr 1862, fällt die Gründung des hies. Turnvereins. Ueber die ersten Jahre seines Bestehens finden wir keine Aufzeichnungen. Diese beginnen erst im Jahre 1864. Am 3. Juli 1864 fand zum erstenmal hier ein Gauturnfest statt, verbunden mit Fahnenweihe. Der Ausschuß des Vereins setzte sich zusammen aus dem Vorstand: Schwaderer, Schriftwart: Kohler, Turnwart: Rehnitz, Kassenwart: Burkert, passiver Ausschuß: C. Lüder, G. Kreutzmann sen., aktiver Ausschuß: Konditor Oechsler, Küfer Karl Hacht, Zeugwart: Mündlein. Der Monatsbeitrag betrug 4 Kreuzer. (Familien- und ortsgeschichtlich interessant sind auch die ersten Aufnahmen in den Vereinen: Gg. Meider, Schreiner, Specht, Schreiner, Herbert, Bierbrauer, Weber zur »Krone«, Scheer zum »Anker«, Metz, Bäcker, Liboswar, Färber, Haag, Steueraufseher) Die Turnkunst war natürlich noch nicht besonders entwickelt; es fehlten ja die notwendigsten Geräte dazu. Winters wurde in einem Saal geturnt. Der Turnbetrieb im Freien wurde im Frühjahr mit einem Anturnen eröffnet und im Herbst mit einem Abturnen beendigt. Strenge Disziplin herrschte im Verein. Schon die ersten Einträge verkündigen von einem Ausschluß wegen Nichtbeachtung der Statuten. Man war bestrebt, den Mitgliedern gesellschaftlich möglichst viel zu bieten. Gewisse Veranstaltungen: Verlosungen, Theatervorführungen, Maskenbälle und Tanzkränzchen kehrten immer wieder. Sehr großer Wert wurde auf gute Beziehungen zu benachbarten Vereinen gelegt. Jedes Jahr wurden verschiedene Turnfahrten zu Nachbarvereinen und zudem den Gauturnfesten durchgeführt. Zur Befreiung Schleswig-Holsteins leistete der Verein auch sein Teil: 25 Gulden wurden dem damaligen Vertreter des Schwäb. Turnerbundes – dem heutigen 11. Turnkreis – Buhn in Gmünd zur Verfügung gestellt. – Das Schwäb. Turnerbundesfest in Hall, 13.-15. August 1865, wurde von 15 Mitgliedern besucht. – Durch den unglücklichen Bruderkrieg von 1866 wurde das turnerische Leben unterbrochen. Doch spendete der Verein auch für verwundete Soldaten. – Neues Leben brachte das Jahr 1867. 26 Mitglieder fuhren zum Gauturnfest nach Mergentheim. Turnwart Rehnitz besuchte das Landesturnfest in Aalen. Vom Schwäb. Turnerbund war ein Wanderturnlehrer anngestellt, um das Turnen hoch zu bringen. So fuhren mehrere Turner nach Gerabronn, »da Herr Turnlehrer Hösch dorthin kommt, um die Turner in ihrem Turnwesen zu fördern«. 1868 wurde Rehnitz zum Ehrenmitglied ernannt, um ihn als Turnlehrer zu erhalten. Er wird übrigens öfter als Gründer des Vereins genannt. In den folgenden Jahren fand häufiger Wechsel in den Vereinsämtern statt. 1869 beteiligte sich der Verein an der Bahneinweihung. 1871 veranstaltete er eine Siegesfeier, und zwar durch Zug zum Festplatz mit Musik, dort turnerische Vorführungen, abends Fackelzug. Wir können die freudige Stimmung bei dieser Siegesfeier verstehen, war doch der alte Turnerwunsch, ein einiges Deutschland, in Erfüllung gegangen. – 1873 wurde Bierbrauer Köhler zum Vorstand gewählt. Götz und Burkert wurden Ehrenmitglieder. Singübungen wurden regelmäßig abgehalten. – Die Vereinsfahne mußte im Jahr 1874 restauriert werden, und zwar zum 10jährigen Stiftungsfest (10 Jahre waren es sei der Anschaffung der Fahne), 8 Vereine nahmen an diesem Feste teil. 1875 wurden neue Statuten herausgegeben. (Ein Exemplar ist noch davon vorhanden). Fechten wurde in den Turnbetrieb aufgenommen, Leiter desselben war Steinmetz. – 1876 wurde der Mitbegründer und erste Vorsitzende des Vereins, Schwaderer, zum Ehrenmitglied ernannt. – Die Jahnfeier im Jahre 1878 nahm folgenden Verlauf: Zug zum Festplatz, Aufstellung in Kreisform, gemeinschaftliches Lied: Brüder reicht die Hand zum Bunde. Festrede, Freiübungen, Riegen- und Schauturnen, Turnspiele, abends gesellige Unterhaltung. Viel Leben brachte das Jahr 1880 in unser Städtchen. Dem Verein wurde die Durchführung des Gauturnfestes übertragen. Es fand am 4. und 5. Juli statt. Einheitliche Turnerjuppen wurden auf das Fest angeschafft. 16 Vereine waren vertreten, darunter auch Heilbronn, Stuttgart und Rothenburg. Es wurden 10 Preise im und 4 außer Gau sowie 7 Zöglingspreise verteilt. Am zweiten Tage machte der Himmel eine höchst unfreundlichen Miene – »indeß ein guter Humor hilft über Vieles hinweg und die Festgenossen wußten sich auch inmitten der Stadt an der Seite der Festdamen recht gemütlich zu tun«. Für die Gäste kam »Wallensteins Lager« in gelungener Weise zur Aufführung. In diesem Jahr wurde auch das Deutsche Turnfest in Frankfurt besucht. Für den wegziehenden Vorstand Köhler übernahm Berger die Vorstandschaft. Im darauffolgenden Jahr wurde eine Theaterbühne angeschafft. Sehr stark beteiligte sich der Verein an dem Gauturnfest in Mergentheim im Jahre 1882 (32 Mann). – 1885 wurden 30 Turnzeichen (Vereinsabzeichen) angeschafft. Wie stark mag wohl der Verein damals gewesen sein? Unerklärlich erscheint uns, warum der Verein aus dem Hohenloher Gau ausgetreten ist. Sollte ein neuer Gau, der sogen. Taubergau, gegründet werden, oder war es Unzufriedenheit darüber, dass der Verein turnerisch nicht hoch kam? – Im Jahr 1888 erfahren wir zum erstenmal etwas von einer Bestandserhebung: die Zahl der Vereinsmitglieder betrug 40, praktische Turner 20, davon sind 10 Zöglinge. Kreisbeitrag 3 M. Auch wurde der Wiedereintritt in den Hohenloher Gau beschlossen. 1889, am 14.15. Juli, feierte man das 25jährige Stiftungsfest. Das Wetter war sehr ungünstig, doch konnte das Preisturnen durchgeführt werden. Die Festdamen stifteten ein Fahnenband. 16 Preise wurden verteilt, entsprechend der Zahl der Festdamen. G. Schneider, hier, erhielt den 9. Preis. Unter den 13 anwesenden Vereinen wird auch Vorbachzimmern genannt. Auf dem Gauturntag in Oehringen wurde die Wiederaufnahme in den Gau vollzogen. Damit beginnt eine neue Epoche für den Turnverein Niederstetten. Von der Unzulänglichkeit der hiesigen Turnverhältnisse überzeugt, wurde zum erstenmal im Jahr 1890 der Bau einer Turnhalle angeregt. Doch noch zwanzig Jahre sollte es dauern! Die Förderung des Turnens wurde nun mit Hochdruck betrieben. – So erhielt der Verein im Jahre 1891 einen eisernen Barren und hatte damit ein vielseitig und für alle Altersstufen verwendbares Gerät. Eine Voraussetzung für Leistungsturnen war dadurch erfüllt. Im Jahr darauf wurde ein eisernes Reck angeschafft. Zum Kreisturnfest und Kreisturntag in Hall ging Kreutzmann, der in diesem Jahr für den scheidenden Berger zum Vorstand gewählt wurde. – Das Gauturnfest 1893 in Mergentheim besuchten 18 Mann. Keppler wurde erster Turnwart. 1894 und in den folgenden Jahren fanden Umzüge und Maskenbälle in großartiger Aufmachung statt. (Kostüme von München). – 1895 war man dem Bau einer Turnhalle schon ziemlich nahe: Werkmeister Baumann legte einen Plan für eine Turnhalle vor, Ausschußmitglied Knenlein regte eine Verlosung (Lotterie) zugunsten einer Turnhalle an. Leider kam nichts zur Ausführung. – Als 3. zum Wettkampf unentbehrliches Gerät wurde ein Pferd angeschafft. Tatsächlich sind von diesem Zeitpunkt ab auch große turnerische Fortschritte gemacht worden: der Verein kann mit erfolgreichen Wetturnern und Musterriegen aufwarten. – 1896 beschloß man die Anschaffung einer neuen Fahne. Diese wurde von der Firma Neff, Biberach, um den Preis von ?300? Mark geliefert. Die Fahnenweihe war am 21. und 22. Juni. Am Vorabend des Festes war der Festplatz noch überschwemmt. Der Turnverein Weikersheim fragte an, ob das Fest überhaupt stattfindet. Jedoch besserte sich das Wetter am Sonntag, sodaß das Fest abgehalten werden konnte. Der hiesige Verein konnte sich mit seinen Leistungen sehen lassen: Abendschein erhielt den 4. Preis, Zimmer den 6. Zöglingspreis (trotzdem manch »älteres Haupt« unter den Zöglingen war). – Am Gauturnfest in Künzelsau nahmen 4 Wetturner teil. – 1898 wurde eine Altersriege gegründet. Schöne Erfolge brachte das Jahr 1900: Auf dem Gauturnfest in Backnang, das damals zum Hohenloher Gau hörte, erhielt den 5. Preis mit Kranz ?E.? Werner, den 6. Preis mit Kranz J. Abendschein, die Vereinsriege einen 1. Preis im Stärkeklasse 3. Die Riege setzte sich zusammen aus Keppler als Leiter, Zimmer, Gehring, ?Rey?, Grimm und Dietz. Heinlein stiftete einen Grundstock zum Turnhallebau. Gleicher Zeit ging ein Bittschreiben an geborene Niederstetten in London ab. – Weitere Geräte wurden 1901 angeschafft Auf dem der Gauturnfest in Schrozberg konnten folgende Preise errungen werden: Vereinsriege einen 1. Preis 3. Klasse. Einzelpreise: 5. Werner, 6. Abendschein, 12. Fr. Frei, 20. W. Zimmer, 21. K. Keppler. – 1902: Heinlein machte eine weitere Stiftung zum Turnhallebau. Das Gauturnfest fand hier am 20. und 21. Juli statt. Es waren etwa hundert Preisturner. Nahezu 2000 Eintrittskarten wurden verkauft und 500 Festbänder ausgegeben. Für diesen starken Besuch war der Platz viel zu klein. Zur Massenvorführungen wurden ?Stab?-übungen gewählt. Die Leistungen waren vorzüglich. Vom hiesigen Verein erhielten Preise: 6Kpf. 13. Preis mit Kranz ?E? Werner 5-Kpf. 5, Preis mit Kranz J. Abendschein, Zöglinge: 12. E. Schäuffele, 14. W. Worn. Vereinsriege: 5. Preis zu Klasse 2 (Werner, Ziegler, Mündlein, Markert, Schultz, Jöchner, Horn). Dem Vorstand Kreutzmann wurde für 10jährige Vorstandschaft eine besondere Ehrung zu teil. Oberlehrer Botsch wurde zum Ehrenmitglied ernannt. – Das Deutsche Turnfest 1903 besuchten Kreutzmann, Keppler, Abend-schein, ?? Streitberger, Zimmer. (Streitberger turnte in der Gauriege mit). 1905 wird von der Gemeinde der Zimmerplatz als Turnplatz angewiesen. Auf dem Gauturnfest in Mergentheim erhielten Schroth und Streitberger einem Preis im 5-Kpf., W. Grupp einen Zöglingspreis. – Auf der Gauturnfahrt nach Hall im Jahre 1906 errangen Preise: Schroth den 2., ferner Streitberger, Amend und Abendschein. Ein Turnhallebaufinanzausschuß wurde gebildet. 1907 war das Gauturnfest in Crailsheim. Der Verein erhielt den 5. Kreis [Preis?] in Klasse 2. Einzelsieger waren 6-Kpf. Grupp, 5-Kpf. Schroth, Zöglinge: R. Knenlein und Fug. – Am Deutschen Turnfest in Frankfurt 1908 nahmen 5 Turner teil (Schroth, Abendschein, Grimm, Amend und Beck). In diesem Jahr wurde auch Ehrenmitglied Botsch begraben. 1909 wird Kreutzmann zum Ehrenvorstand ernannt, nachdem er 10 Jahre als Schriftwart und 17 Jahre als Vorstand tätig war und den Verein zielbewußt vorwärts geleitet hatte. Unter der Vorstandschaft seines Nachfolgers Grupp sollte das von ihm angeregte und geförderte Werk, die Erbauung einer Turnhalle, mit Erfolg gekrönt werden. Das Gauturnfest in Rot am See wurde von 12 Mann besucht. Nagel bekam den 8., Streitberger den 14. Preis. Der Besuch des Landesturnfestes in Heilbronn kam trotz eine aufgestellten Riege nicht zur Ausführung. Auf dem Gauturnfest in Gaildorf waren erfolgreich: K. Streitberger, Nagel, H. Grupp, R. Knenlein im 6-Kpf. und die Zöglinge Beck, Kleinhanß, Emmert und Jung. Der Turnhallebauausschuß setzte sich zusammen aus den Herren Grupp, Jacoby, Grimm, Wild, Werkmeister Baumann, Streitberger, Lay, Marquardt, Abendschein, Burkardt und Bahnmeister Bräckle. Eine Sammlungliste zirkulierte. Der Verein konnte über 6000 M verfügen. So wurde nun am 23. September 1910 beschlossen, den Bau einer Turnhalle auszuführen. Bahnmeister Bräckle arbeitet einen Bauplan aus: Kostenvoranschlag 9000 M, Ausmaße der Halle 20 x 10 Meter. Dieser Plan wird der Gemeinde mit der Bitte um Genehmigung und finanzieller Unterstützung vorgelegt. Der Gemeinderat bewilligt 4000 M, wenn ein Zeichensaal mit eingebaut wird. Es erfolgt nun eine gemeinschaftliche Ueberarbeitung des vorgelegten Planes durch Baumann und Bräckle. Alle Möglichkeiten zu finanzieller Werbung wurden ausgenützt z. B. Vertrieb der Lose der Pferdelotterie, Werbevorträge für die Turnhalle durch die Herren Dr. Otterbach, Kienle, Ebert. (Schluß folgt.)

    [Die Fortsetzung im vorliegenden Exemplar des »Vaterlandsfreunds« liegt leider nicht vor]

    (Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 12, 16. 1. 1933, S. 4)

  • 18. Februar 1935. Generalversammlung des Turnvereins

    Niederstetten, 18. Febr. Am gestrigen Sonntag hielt der Turnverein Niederstetten, im Vereinslokal, Gasthaus Melber, seine Generalversammlung ab. Vereinsführer Streitberger begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder und erteilte nach einer kurzen Weihestunde dem Schriftführer Kreutzmann zu seinen Protokollvorlesungen das Wort. Anschließend erstattete Kassier Rüger Bericht über die finanzielle Lage des Vereins, welche einen ganz erfreulichen Stand aufweist. Oberturnwart Keppler gab einen Ueberblick über das verflossene Turnjahr, die Leistungen und die erzielten Preise, aus welchen man ersehen konnte, daß der Verein immer auf der Höhe war, wenn auch noch viel zu viel junge Leute der für die Körperertüchtigung so überaus wichtigen Turnsache aus Bequemlichkeit noch fernstehen. Er wünsche, daß der Verein seine Unterstützung gewähre, um mit einer Riege das diesjährige Gauturnfest in Schwenningen besuchen zu können. Frauenturnwart Pflüger gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Familienväter ihre schulentlassenen Töchter doch zum Turnen schicken möchten, denn gerade das Turnen trage für den weiblichen Körper bei, ein gesundes Volk zu erhalten. Der Vereinsführer dankte den Vortragenden für ihre Mühewaltung im Dienste des Vereins und erteilte ihnen Entlastung. Für den seitherigen langjährigen Schriftführer Kreutzmann übernimmt Turnfreund Scholl dieses Amt. Den Teilnehmern an der Saartreuestaffel wurden Urkunden überreicht. Bürgermeister Schroth dankte dem Vereinsführer für seine Verdienste um den Verein, besonders auch dafür, daß er auch im neuen Jahre die Geschäfte weiter führen wolle, denn es sei doch selten jemand so für diesen Posten geeignet. Den Abschluß der Versammlung bildete ein Lichtbildervortrag über die Ostlandfahrt 1934 des Turngaues Württemberg. In überaus klaren Worten schilderte Frauenturnwart Rüger, unterstützt von zahlreichen prächtigen Lichtbildern eines Fahrtteilnehmers, seine Reiseeindrücke auf der fast 14tägigen Fahrt, welche über Berlin bis nach Königsberg u. Danzig führte und wurde vor unseren Augen ein gutes Stück unseres geliebten Vaterlandes entrollt, besonders auch der Ostsee in ihrer ganzen Schönheit. Noch manches kernige Turnerlied erscholl aus dem Munde der Anwesenden und beendete den kameradschaftlichen Abend.

    Der Franke, Nr. 43, 20. 2. 1935

  • 18. Mai 1931. Gauwanderung der Turner - Eröffnung des städt. Freibades

    () Niederstetten, 18. Mai. Ueber Höhen und Täler, durch das grünende und blühende Hohenlohe-Franken führte am Sonntag der Weg die Scharen munterer Turner und Turnerinnen in das Vorbachtal nach Niederstetten. Veranlassung war die Gauwanderung des oberen Hohenloher Gaues, welche unsere Stadt zum Ziele hatte. Von allen Seiten kamen die fröhlichen Züge, frisch und munter, ohne eine Spur von den gehabten Anstrengungen hierher, mit Gesang, mit Zupfgeigen und Violinen, mit Trommlern und Pfeifern, mit eigener Musikkapelle. Hier wurde ihnen ein turnerischer Willkommgruß entboten und dann fanden die Wanderer in ihren Quartieren kurze Rast. Denn der Tag stellte ihnen auch turnerische Anforderungen. Gegen 2 Uhr zog ein anmutiger, jugendfrischer Festzug durch die Stadt zum Festplatz. Der musikalische Teil des Tages war vom hiesigen Turnverein der Stadtkapelle Schmid übertragen, welche ihre Aufgabe sehr gut erfüllte. Auf dem Festplatz ging ein kurzer rednerischer Festakt dem Turnen voraus. Der Vorstand des Männerturnvereins Niederstetten, Herr K. Streitberger, entbot den Willkomm des hiesigen Vereins. Besonders begrüßte Herr Streitberger die Gauleitung, vertreten durch Gaumännerturnwart Heck-Laudenbach, Gaupressewart Hauptlehrer Gerheißer-Niederstetten und Gauehrenausschußmitglied Fritz-Gerabronn. sowie alle sonstigen Gäste. Turnerinnen u. Turnern und Turnfreunden galt der Gruß der Stadt, entgegenbracht durch Herrn Bürgermeister Schroth. Dieser drückte seine Freude darüber aus, auch so viele alte Turnfreunde, darunter unseren turn- und wanderbegeisterten Herrn Landrat Wöhrle, hier zu sehen. Das Wandern am schönen Maientag sei geeignet, die Jugend mit gesundem Geist zu erfüllen. Das Turnen habe ja den Lebenszweck, die Jugend zu körperlicher Kraft und zu geistiger Höhe heranzuziehen. Hr. Bürgermeister Schroth sprach die Hoffnung aus, daß alle Gäste Niederstetten mit gutem Andenken verlassen mögen. Für die Gauleitung sprach Herr Gaupressewart Gerheißer. Das Wandern habe für den Turner dreifache Bedeutung, sportlich, historisch und erzieherisch. Schon Turnvater Jahn habe ganz Deutschland durchwandert und sei an schönen Tagen mit seiner Jugend aufs Land gezogen. Die Wanderfahrt sei der Bienenflug zum Tau des Lebens. Die Natur sei der Urquell aller Kraft und durch das Wandern komme man zu dieser Quelle. Die Wanderung habe auch das Ziel der sportlichen Kräftigung. Schließlich verlas Hr. Hauptlehrer Gerheißer eine Kundgebung der Gauleitung. Diese bemerkenswerte Kundgebung besagte inhaltlich: Turner und Turnerinnen mögen immer treu zu ihrer Sache stehen. Turnen sei nicht allein als Körpersport und Leistungssteigerung zu betrachten, sondern auch als feines Mittel zur Bildung offener und ehrlicher, deutscher Gesinnung, die unter Verzicht auf eigene, ehrgeizige Ziele und ohne politische Bindung nur an das große deutsche Volksbewußtsein denkt. Der Jugend soll es unbenommen bleiben auf eigenen Wegen ihre guten Ziele zu erreichen, sie wird aber auch der größeren Reife und Erfahrung der Aelteren nicht entraten können. Die Kräfte können ruhig in verschiedener Weise wirksam sein, wenn sie sich nur zum Schlusse in einem Punkte finden. Frohsinn ist die Seele jeder gedeihlichen Arbeit. Die Maiensonne soll in die Herzen strahlen, damit der Glaube an ein Wiederaufwärtskommen uns bleibe. Die Kundgebung schloß mit einem Aufruf, daß bei der kommenden Gauturnfahrt nach Crailsheim jeder Turner und jede Turnerin ein Bekenntnis zur Deutschen Turnerschaft ablegen solle. Nach dem Begrüßungsakt gab es auf allen Seiten unseres großangelegten Sportplatzes viele turnerische und sportliche Leistungen zu bewundern. An den Geräten zeigten die besten Turner unseres oberen Gaues ihr Können. Die Turnerinnen führten die Freiübungen vor, welche für die Gauturnfahrt vorgeschrieben sind. Großes Interesse fand das hier zum erstenmale gezeigte Florettfechten der Gruppen der Männerturnvereine Bad Mergentheim u. Weikersheim. (Auch Turnerinnen waren daran beteiligt). Fechtwart Jäger-Weikersheim wußte diese Uebung dadurch besonders interessant zu gestalten, daß er vor Beginn sowohl über das Fechtinstrument selbst als auch über die Art der Anwendung Aufschluß gab. Gauehrenausschußmitglied Fritz-Gerobronn brachte mit seinen Gerabronner u. hies. Turnerinnen Volkstänze zur Aufführung. Zwischen verschiedenen Vereinen kamen Faustballspiele zur Durchführung und die Handballmannschaft des Männerturnvereins Niederstetten spielte gegen eine kombinierte Mannschaft mit dem Erfolg 8:0 für Niederstetten. Die Stadtkapelle konzertierte daneben unermüdlich und unsere Gäste konnten nicht oft genug [beweisen?] wie gut es ihnen hier gefalle. Die turnerische [Leitung?] des Tages hatte Herr Männerturnwart [Heck-Lauden]bach inne, welchem für die ruhige turnerische und [?]lich vorzügliche Durchführung besonderer Dank [gebührt?]. Den Dank der Gäste brachte Herr Gauauschußehrenmitglied Fritz-Gerabronn in warmherzigen Worten zum Ausdruck. Den Beschluß des Nachmittags bildete ein Ball in der Turnhalle. Der hiesige Männerturnverein hatte seine Wanderung am Himmelfahrtstage durch den Gemeindewald nach Wermutshausen unternommen. An der gestrigen Wanderung hatten teilgenommen: [?] Männer, 153 Frauen, 93 Jugendl., zurückgelegt wurden insgesamt 267 Kilometer.

    () Niederstetten, 18. Mai Das Frühjahr gibt dem Berichterstatter immer einigen Anlaß, sich zu [besinnen?]. Die ersten Staren und Schwalben, die die Besc[hälplatte?] beziehenden Hengste, die ersten Bienenschwärme (in Wildentierbach Gutsbesitzer Schürger, in Niederstetten [Gärt?]nereibesitzer Striffler), die wunderbare Obstbaumblüte, wie sie gerade in diesen Tagen das Auge entzückt - alles das sind Veranlassungen genug, größere oder kleinere Berichte zu schreiben und den Leser der Zeitung auf den erwachenden oder erwachten Frühling hinzuweisen. Als ein Zeichen, daß es wirklich Frühling geworden ist, auf das viele gewartet haben, ist die Eröffnung des herrlichen Niederstettener Städtischen Freibades. Schon gestern am Eröffnungstage haben viele fremde Turner u. Turnerinnen das Städt. Freibad benützt, um sich von den Mühen der Wanderung zu erholen. Die Stadtverwaltung ist andauernd bemüht, die Einrichtungen des Bades zu verbessern und zu verschönern. Es ist daher zu hoffen, daß sich auch in diesem Jahre der Badebetrieb lebhaft gestalten wird. Vaterlandsfreund, Nr. 114, 19. 5. 1931

  • 2. Februar 1938. Beratungen des Bürgermeisters mit den Beigeordneten und Ratsherren

    Niederstetten, 3. Febr. (Beratungen des Bürgermeisters mit den Beigeordneten und Ratsherren). Entlang der Parz. Nr. 761/1 - Bauplatz Gröner an der Oberstetterstraße - wird vom Bürgermeister die Baulinie festgelegt. Seitens der Beteiligten liegen keine Einsprachen vor. Die notwendige Genehmigung wird beim Oberamt eingeholt. — Bei den Theater- und Filmvorführungen in der Turnhalle ist jeweils die Anbringung einer Anschlußverstärkung notwendig. Um künftig nicht bei jeder Vorführung eine provisorische Verstärkungsanlage einbauen zu müssen, soll eine bleibende Anlage eingebaut werden. Die Stadtverwaltung wird die Hälfte der Kosten übernehmen, während die andere Hälfte der Turnverein übernimmt. — Die abgeschlossene Stadtpflegerechnung 1936 wird durchgesehen, einen Anstand ergab die Durchsicht nicht. — Zur gemeinschaftlichen Finanzierung von HJ.-Heimen wurde der Zweckverband Mergentheim gegründet. Die Stadtgemeinde erklärt den Beitritt zu diesem Zweckverband. — Der Vertrag über die ländliche Berufsschule Niederstetten wird anerkannt. Der Schulbetrieb wurde von Herrn Hauptlehrer Betz auf 2. Januar ds. Js. aufgenommen. — Der Antrag des Besitzers eines entlegenen Hofes auf Einrichtung der Wasserleitung auf Kosten der Stadtgemeinde wurde abgelehnt, desgleichen ein Antrag auf Bezahlung eines Zuschusses zur Einrichtung des elektrischen Lichtes. — Die Kreisamtsleitung der NSV. Mergentheim teilt mit, daß sie beabsichtige, eine Haushalthilfstation einzurichten und sucht um Bewilligung eines laufenden Beitrages nach. Seitens der Stadtverwaltung wird diese Einrichtung begrüßt, der nachgesuchte Beitrag wird bewilligt. — Verschiedene Einsprüche gegen die Wasserzinsveranlagung werden erledigt. Grundsätzlich wurde vom Bürgermeister bestimmt, daß diejenigen Besitzer von Gebäuden, die an der Wasserleitung angeschlossen sind und die in den letzten Jahren eigene Hauswasserversorgungsanlagen eingerichtet haben, eine von Fall zu Fall festzusetzende Garantiesumme zu bezahlen haben. Schließlich muß die Stadtgemeinde die Wasserleitung für jedes Gebäude, besonders bei Brandfällen, das Wasser zur Verfügung stellen. — Dex Antrag der Milchverwertungsgenossenschaft auf Nachlaß des Wasserzinses wird zurückgestellt. — Die Pachtzeit der beiden Winterschafweiden wird auf 31. März festgesetzt. — Der Verkauf des Holzes aus den Stadtwaldungen erbrachte einen Erlös von rd. 6000 RM. Nachdem eine Mehrnutzung vorhanden, wird der Betrag von 2000 RM. den Rücklagen zugeführt. — Der Beitrag für die hiesige Sanitätskolonne wird für 1937 auf 100 RM. festgesetzt. Weiter stellte die Stadtgemeinde das notwendige Lokal unentgeltlich zur Verfügung. — Der Bürgermeister teilt die Abrechnung über die erste Aufführung der Württ. Landesbühne mit. Die Aufführung, die von über 500 Personen besucht war, hat in jeder Beziehung befriedigt. Die Stadtgemeinde braucht mit der geleisteten Garantiesumme nicht in Anspruch genommen werden. Um künftig 3-4 Vorstellungen jährlich zu sichern, wird ein Besucherring gegründet werden, Die Vorbereitungen hiezu werden getroffen. — Vom Bürgermeister wird mitgeteilt, daß die Verschönerung des Ortsbildes im Laufe des kommenden Frühjahres auch hier durchgeführt wird. Neben verschiedenen Maßnahmen der Stadtverwaltung kommen in Betracht: Entfernung sämtlicher Reklameschilder und Plakate, Reinhaltung der Straßen und Plätze vor den Gebäuden, Ausschmückung der Fenster mit Blumen, mehr Ordnung im Friedhof usw. Es ist klar, daß diese Ausgaben nicht durch Verordnungen gelöst werden können, sondern hier ist eine lebendige und freudige Mitarbeit der gesamten Einwohnerschaft notwendig. — Verschiedene Kenntnisnahmen.

    Der Franke, 2. 2. 1938

  • 2. Januar 1935. Gemeinsame Weihnachsfeier von Liederkranz und Turnverein

    Niederstetten, 2. Jan. (Weihnachtsfeier) Es schien zuerst ein gewagtes Unternehmen zu sein, als sich die Vereinsführer des Liekranzes und Turnvereins Niederstetten entschlossen, ihre Weihnachtsfeiern gemeinsam in der Turnhalle abzuhalten. Denn jeder dieser beiden Vereine verfügt über so viele Mitglieder, um allein für sich die Halle zu füllen. Trotzdem die Halle am Neujahrstage nun bis auf den letzten Platz gefüllt war, so zeigte sich doch die ganze Veranstaltung als eine überaus glückliche Kombination und nur zufriedene Besucher verließen zu etwas vorgerückter Stunde die gastliche Halle. Die unter der bewährten Leitung von Chormeister Fleckenstein-Bad Mergentheim vom Liederkranz vorgetragenen Chöre von Silcher, Weber, Kühler und Neumann zeigten den Verein auf eîner wirklich beachtlichen Höhe, besonders fanden auch die beiden Zeitlieder: „Lied der Bauleute“, von Schuler, und „Bauernerde", von Simon, lebhaftes Verständnis. In das Programm eingeflochtene Darbietungen des Turnvereins zeigten die durchtrainierten Körper der Turner in exakten Uebungen u. den ausgezeichneten Rythmus der neuen Volkstänze, ausgeführt von jugendlichen Turnerinnen, im besten Lichte. Eine Ehrung von Sangesbrüdern für 25jährige aktive Tätigkeit im Liederkranz konnte an die Sänger: Vereinsführer Julius Schneider, Leonhard Hönig, Friedrich Melber und Hermann Emmert erteilt werden. Eine ganz besondere Note erhielt der Abend durch eine bisher nicht bekannte Programmnummer: Allgemeiner Gesang. Was sich nach dieser, bis jetzt nie gepflogenen Einrichtung auf den Gesichtern der Besuchern zeigte, war restlose Zufriedenheit und es war nicht allein die beste Laune sprühender, einleitender und verbindender Worte zwischen den einzelnen, gemeinsam gesungenen Liedern des Chormeisters Fleckenstein, sondern auch die Freude darüber, daß die neue Zeit Verständnis und Liebe für den Gesang zu jedem Volfsgenossen tragen will. Als Abschluß der eigentlichen Fest er zeigte die Spielschar des Turnvereins das Festspiel in zwei Aufzügen von Witzmann: „Adolf Hitlers Sendung”. Die Spieler brachten es fertig, vor den andächtig lauschenden Zusschauern ein überzeugendes Bild des kämpfenden und siegenden Nationalsozialiiamus zu entrollen. Durch die übliche Gabenverlosung wurden enttäuschte und fröhliche Gesichter hervorgerufen. Die fleißig spielende Tanzkapelle Fleckenstein konnte die Besucher noch längere Zeit zusammenhalten und hat damit keinen kleinen Anteil an der wohlgelungenen Feier.

    Witzmann, Konrad: Adolf Hitlers Sendung. Volkstümliches Festspiel in 2 Aufzügen. Leipzig: Glaser [1933]. 38 S. (Neue Spiele. 1)

    Der Franke Nr. 2, 3. 1. 1935

  • 2. September 1929. Abturnen. Abends Aufführung von zwei Einaktern. Herrliche Witterung

    () Niederstetten, 2. Sept. Den schönen Sonntag benutzte der Turnverein zur Abhaltung seines Abturnens. Auf dem schönen Sportplatz hatten zahlreiche Freunde der Turnerei sich versammelt, um sich die turnerischen Leistungen anzusehen. In der Tat wetteiferten Turner und Turnerinnen, Jungturner und Jungturnerinnen in edlem Wettstreit. So kam es, daß auf fast allen turnerischen Gebieten ausgezeichnete Leistungen geboten wurden. Die Turnerinnen boten außerdem einen anmutigen Reigen. Am Abend fand eine Theatervorstellung in der Turnhalle statt. Zwei lustige Einakter „Die Wahl“ von Jüttner und „Die Hochzeitsreise“ von Roderich Bendix, wurden gespielt. Es war erfreulich, daß diese Theaterstücke über den gewöhnlichen Schwänken standen. Besonders das Spiel „Die Hochzeitsreise“ gab manchen Anlaß zum Nachdenken. Der Gelehrte, welcher bis zu seiner Heirat nur den alten Griechen und Römern lebte, beansprucht mit Rücksicht auf deren Lebensweise, das absolute Regiment im Hause. Seine kluge Fran weiß ihn aber davor zu überzeugen, daß wir heute in einer anderen Zeit leben und daß jede Zeit ihre eigenen Gesetze hat. So wird aus dem anfänglichen Haustyrannen ein liebender und sogar gefügiger Ehemann. Gespielt wurde ganz: hervorragend. Darsteller und Darstellerinnen gaben sich vollkommen natürlich und spielten flott, das ungelenke Hersagen fiel ganz weg. Es war wirklich eine Freude zuzusehen und zuzuhören. Ich will es unterlassen, einzelne Namen zu nennen, nur das Verdienst des Herrn Wallrauch um die Einstudierung der Stücke in der kurzen Zeit, soll hervorgehoben werden. Die Pausen verkürzte der Musikverein durch eine Reihe gut gespielter Musikstücke. Herr Vorstand Streitberger hatte allen Anwesenden den Gruß des Turnvereins entboten und verteilte an die Sieger die errungenen Diplome.

    () Niederstetten, 2. Sept. Am hiesigen Bahnhof ist blühender Flieder zu sehen. Die herrliche Witterung der letzten Wochen hat in unserem städt. Freibad einen Hochbetrieb verursacht. Von hier und auswärts suchen täglich viele Badelustige Erfrischung. Es ist erfreulich zu sehen, wie unsere ganze Jugend, sogar weit unter dem schulpflichtigen Alter, Fortschritte im Schwimmen gemacht hat Aber auch die reiferen Jahrgänge bleiben nicht zurück. Das dem Freibad angegliederte Licht- und Luftbad bietet reichlich Gelegenheit zur Ruhe oder zu rhythmischen Uebungen nach dem Bade.

    Vaterlandsfreund, Nr. 207, 3. 9. 1929

    Benedix, Roderich (1811-1873): Die Hochzeitsreise. Lustspiel in zwei Aufzügen. Bühneneinrichtung mit einem Dekorationsplan. Leipzig: Reclam [1927]. 48 S. (Reclams Universal-Bibliothek. 4534)

  • 24. Mai 1937. Verabschiedung von Bürgermeister Jakob Schroth

    Abschiedsfeier für Bürgermeister Schroth
    Niederstetten, 24. Mai. In einer am 14. Mai stattgefundenen Versammlung der Bürgermeister des Kreises Gerabronn haben dieselben von ihrem Kollegen, Bürgermeister Schroth-Niederstetten, welcher als Bürgermeister nach Herrenberg kommt, Abschied genommen. In einer Ansprache des Kreisleiters wurden die Verdienste des Scheidenden gewürdigt. Am gestrigen Abend hatte sich nun die Bevölkerung Niederstettens und besonders auch der Teilgemeinden in einer großen Zahl in die festlich geschmückten Turnhalle versammelt, um von ihrem Bürgermeister Abschied zu nehmen, Was Bürgermeister Schroth während seiner 20jährigen Tätigkeit als Amtsvorsteher von Niederstetten geleistet hat, kam in den zahlreichen Reden des Abends zum lebhaften Ausdruck, ebenso seine Verbundenheit und der seiner Familie mit der Bevölkerung. Landrat Wöhrle-Gerabronn und Kreisleiter Niklas-Riedbach waren erschienen, um den Dank abzustatten für die von Bürgermeister Schroth geleistete Arbeit als Kommunalbeamter und in dieser Eigenschaft als Kreisamtswalter der NSDAP. Zum äußeren Zeichen der Anerkennung seiner Verdienste um das Gemeindewohl überreichte der stellvertretende Bürgermeister Melber ein Gemälde, Niederstetten mit Aussicht auf das Schloß darstellend, von einem Heimatsohne, Kunstmaler Gehring-Stöckenburg. Studienrat Maier sprach für die Lehrer und dankte für die Initiative beim Bau der neuen Schule und übergab als kleines Zeichen des Dankes ein Bild der Schule. - Ortsgruppenleiter Thomas nahm in herzlichen Worten Abschied von seinem Parteigenossen. Herr Gräter-Hermuthausen und Direktor Roesler-Igelfingen sprachen für den Elektrizitäts-Gemeindeverband Ingelfingen-Hohebach und gedachten seiner als dem Gründer desselben. Aus dem gleichen Anlaß dankten die Vorstände der Weingärtnergenossenschaft und der Milchverwertung. Für das volle Verständnis und die entgegenkommende Förderung ihrer Belange dankten die Vorstände des Turn- und Männergesangvereins, sowie des Kyffhäuserbundes. Stadtpfleger Pflüger sprach für die städt. Angestellten und betonte das gute Einvernehmen und verständnisvolle Arbeiten mit ihrem Vorgesetzten. Bürgermeister Striffler-Vorbachzimmern hob die Verdienste des Scheidenden um das nachbarliche gute Einvernehmen in Schulfragen hervor. Stadtpfarrer Göltenboth sprach für die ev. Kirchengemeinde. Die ganze Feier wurde festlich umrahmt durch Darbietungen gesanglicher und musikalischer Art durch den Männergesangverein und die Kreismusikkapelle. Tiefbewegt dankte Bürgermeister Schroth allen Erschienenen und besonders den Rednern für ihre Beweise der Anerkennung seiner Arbeit und bemerkte, wie ungern er aus diesem seinem liebgewordenen Wirkungskreise scheide, sei ihm doch Niederstetten eine zweite Heimat geworden, mit der er auch durch Grund und Boden verbunden sei und bleiben werde. Die ihm dargebrachten Glückwünsche für sein und seiner Familie ferneres Wohlergehen erwiderte er für die ganze Einwohnerschaft .Am Abend zuvor fanden sich auch Aufsichtsrat und Vorstand der Landw.- und Gewerbebank Gerabronn bei Aufsichtsratsmitglied Marquardt z. "Krone", um mit dem scheidenden Herrn Bürgermeister Schroth noch im engeren Kreise etwas beisammen zu sein. Bei dieser Gelegenheit ergriff Bankvorstand Rühling das Wort, um namens der Genossenschaft Herrn Schroth für dessen Tätigkeit und Unterstützung als Vorstandsmitglied seit 1926 den wärmsten Dank zu sagen. Herr Rühling entwarf dabei auch einen recht interessanten Rückblick auf die Entwicklung der Genossenschaft und insbesondere der Filiale in Niederstetten. So ist die Zahl der Mitglieder in Niederstetten von 1923-1936 von 71 auf 203 gestiegen und die geführten Konten in Spareinlagen, laufender Rechnung und Darlehen von 217 auf 1511 angewachsen. In seiner Erwiderung betonte der Scheidende starke Verbundenheit mit der Genossenschaft, die er auch gerne als überzeugter Genossenschaftler aufrecht erhalten werde. Auch der Leiter der Bankfiliale in Niederstetten, Herr Willy Schuster brachte in herzlicher Weise seinen Dank für die schöne Zusammenarbeit mit Herrn Bürgermeister Schroth zum Ausdruck. Die an der Feier teilnehmenden Herren der Bank gaben dem Scheidenden ihre besten Wünsche für seinen neuen Wirkungskreis mit auf den Weg.

    Der Franke, 24. 5. 1937

  • 26. Januar 1931. Tanzkurs-Schlußball - Generalversammlung des Turnvereins - Erste-Hilfe-Vortrag

    () Niederstetten, 26. Jan. Ueber einen Schlußball eines Tanzkurses berichten wir im allgemeinen nicht. Wenn ein Tanzkurs aber 23 Paare hat und diese 23 Paare andere 92 Paare aus allen Teilen der Bürgerschaft zum Schlußball einladen, dann wird dieser Schlußball auch für eine kleine Stadt ein gesellschaftliches Ereignis. Das war denn auch der am Samstag stattgehabte Schlußball der Tanzschule Geiger-Mergentheim in den Löwensälen. An der Mitteltafel ein Kranz lieblicher Jugend, gehoben durch die zahlreichen Sträuße herrlicher Blumen, rings herum die Ballmütter und Ballväter und noch viele tanzlustige Jugend. Die jungen Leute zeigten auch, daß sie vorzüglich tanzen gelernt hatten — ihr erstes Debut auf dem Parkett (eigentlich Pitch-pin) der Gesellschaft verlief recht erfolgreich u. hoffentlich gelingt es ihnen auf dem Parkett des Lebens ebenso erfolgreich zu werden. Der Jugend gehört ja die Zukunft. Erfreulich war auch zu sehen, daß der alte Walzer wieder hoch in Ehren steht. Herr Oberndörfer-Sichertshausen begrüßte recht nett die Gäste, das Tanzlehrerehepaar Greiner-Geiger, die Tanzschüler des Tanzkurses „Liebeswalzer“ und überreichte dem Tanzlehrerehepaar ein schönes Geschenk. Die Musik stellte Herr Fleckenstein-Mergentheim und er wirkte selbst mit. Daß das eine gute und keine gewöhnliche Tanzmusik war, kann man sich denken. Von allen Stücken sei nur die glänzend gespielte Francaise aus der „Fledermaus“ genannt.

    () Niederstetten, 26. Jan. Der Turnverein hielt gestern im Melber'schen Saale seine Generalversammlung ab. In Hinsicht auf die Größe und Bedeutung des Vereins wäre eine bessere Beteiligung zu wünschen gewesen. Wohl zum ersten Male war auch die Frauenriege vertreten. Herr Vorstand Streitberger begrüßte die Versammlung und gedachte der Toten des Vereins. Der Jahresbericht des Schriftführers gab ein schönes Bild von erfolgreichem turnerischen Schaffen des Vereines und von gelungenen gesellschaftlichen Veranstaltungen. Der Bericht des Kassierers zeigte, daß der Verein auch finanziell gut gearbeitet hat. Besonders durch die Durchführung der Wirtschaft in eigener Regie konnte ein weiterer Teil der Bauschulden abgetragen werden, Aus den Berichten der Turnwarte ist hervorzuheben: Die Zahl der Jugendturner hat sich nach der letzten Jugendveranstaltung fast verdoppelt. Es wird über mangelnde Beteiligung seitens der aktiven Turner an den Turnstunden geklagt. Der Oberturnwart bemerkte sehr richtig, daß wer turnt, dies nicht dem Verein, sondern sich selbst zu Liebe tut. Die Wahlen ergaben: 1. Vorstand: Streitberger, 2. Vorstand: Hauptlehrer Gerheißer (neu), Kassier: Rüger, Schriftführer: Kreutzmann, Oberturnwart: Kleinhanß, Turnwart: Stadtpfleger Pflüger, Jugendturnwart: Keppler, Frauenturnwart Kleinhanß. Hr. Vorstand Streitberger dankte für die Wiederwahl und dankte zugleich allen Funktionären, der Wirtschaftskommission und den Damen des Vereines, welche sich dieser zur Verfügung gestellt hatten. In der sich anschließenden Aussprache regte Oberturnwart A. Kleinhanß an, die Monatsversammlungen sollten durch gebotene geistige Darbietungen auf turnerischen und allgemeinen Gebieten anregender gestaltet werden. Herr Bürgermeister Schroth regte an, durch Schaffung eines Aufenthaltsraumes mit guter Lesegelegenheit, Gelegenheit zu musikalischer Betätigung und sonstiger geistiger Anregung die Jugend von der Straße fernzuhalten. Die Versammlung nahm einen harmonischen Verlauf.

    () Niederstetten, 26. Jan. Der landw. Hausfrauenverein hatte gestern einen Vortragsabend im Postsaale veranstaltet. Frl. Siebert von der württ. Landwirtschaftskammer hielt einen Lichtbildervortrag über „Erste Hilfe bei Unglücksfällen“. Der Vortrag war durch eine Reihe erklärender Lichtbilder unterstützt. Der Besuch war nicht sehr zahlreich.

    Vaterlandsfreund, Nr. 21, 27. 1. 1931

  • 27. Dezember 1932. Weihnachtsfeier des Turnvereins

    () Niederstetten, 27. Dez, Die Weihnachtsfeier des Turnvereins war zugleich ein freudiges Jubiläum für den Verein. Blickt er doch in diesen Tagen auf ein 70jähriges Bestehen zurück. So bildete denn auch die Festrede des Herrn Hauptlehrers Gerheißer den Kernpunkt des Abends und wir setzen sie aus diesem Grunde an den Anfang unseres Berichtes. Einleitend begrüßte Herr Gerheißer die Teilnehmer des Festabends, voran Se. Durchlaucht Fürst Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg. In anschaulichen Worten schilderte dann der Redner die Geschicke des Vereins von seiner Gründung bis heute. In den 80er Jahren durchflutete eine Welle turnerischer Begeisterung Deutschland und dieser Wellenschlag wurde auch hier verspürt. Im Jahre 1862 wurde dann der Turnverein gegründet. Urkundliche Aufzeichnungen finden sich erst 1864. In diesem Jahre hatte der Verein eine Fahne angeschafft und sein Stiftungsfest gefeiert. Durch zähe und zielbewußte Arbeit gelang es, den Verein der Zahl und der Leistung nach hochzubringen. So sind schon in den 70er Jahren schöne turnerische Erfolge auf den Turnfesten zu verzeichnen. Aus unerklärlichen Gründen trat der Verein einige Jahre aus dem Hohenloher Gau aus, man nimmt an, daß die Gründung eines Taubergaus geplant war. Nachdem der Verein in den ersten 25 Jahren seines Bestehens gute Wurzel gefaßt hatte, erfolgte der weitere Ausbau durch Anschaffung moderner Geräte u. a. Immer mehr machte sich mit der Zeit der Mangel einer Turnhalle fühlbar. Es wurde ein Finanzausschuß gebildet. Nachdem es dessen eifrigen Bemühungen gelungen war, einige tausend Mark zusammenzubringen, wurde ein Bauausschuß gewählt, dessen Aufgabe es war, den Bau einer Turnhalle zu verwirklichen. 2 Pläne lagen vor, von welchen derjenige des verstorbenen Herrn Stadtbaumeisters Baumann, wegen seiner moderneren Durchführung zur Ausführung kam. Im Jahre 1912 konnte die Turnhalle eingeweiht werden. Zu deren Ausführung wurden namhafte private Spenden gegeben und auch die Stadt gab einen ansehnlichen Baubetrag. Um die Jahrhundertwende hatten Freunde der Turnsache eine neue Fahne gestiftet. Kurz vor von Krieg wurde das Mädchenturnen in den Turnplan aufgenommen. Während des Krieges hat der Turnbetrieb geruht. Die zurückkehrenden Krieger hatten die großen Vorteile eines turnerisch durchgebildeten Körpers für den Soldaten erkannt. Da nach dem Kriege die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft wurde, ist es leicht erklärlich, daß der Turnverein großen Zuwachs aus der Jugend erhielt. Den Gefallenen des Vereines widmete der Turnverein eine schöne Gedenktafel. Neues Leben entstand nach dem Kriege wieder in der Turnhalle und auf allen Turnfesten bis heute hat der Verein schöne Siege errungen. Mehrere gelungene Turnfeste in Niederstetten seit Bestehen des Vereins haben von dessen Tatkraft und guter Leistung Zeugnis abgelegt, Aber nicht nur der turnerischen Sache hat sich der Verein gewidmet, sondern er suchte auch zur Hebung des geselligen Lebens beizutragen. So hat er seit Bestehen mehrmals jährlich Feiern abgehalten, bei denen mit den turnerischen Leistungen gute unterhaltende Darbietungen abwechselten. Herr Hauptlehrer Gerheißer gab auch im Verlaufe seiner Festrede viele personelle und sachliche Daten. Ganz besonders betonte er auch die interkonfessionelle und parteilose Einstellung der deutschen Turnerschaft. Der Redner beleuchtete auch die wichtigsten Gegenwartsfragen und die Stellungnahme der deutschen Turnerschaft zu ihnen. Herr Hauptlehrer Gerheißer schloß mit einem Hinblick auf die Zukunft und verlieh der Hoffnung Ausdruck, daß bei dem kommenden Deutschen Turnfest in Stuttgart der Turnverein Niederstetten seinen Traditionen getreu siegreich sein möge. Die Darbietungsfolge bot reiche Abwechslung. Turnerisch trat sogar die Männerriege erfolgreich auf den Plan. Gut waren die Uebungen der Turner, graziös der Reigen der Turnerinnen. Eine originelle und schöne Darbietung war die Revue „Ahoi“ der Turnerinnen mit dem Schlager: „Das ist die Liebe der Matrosen“. Der stylvolle Hintergrund der Szenerie, ein großes Schiff, war sehr wirkungsvoll, Natürlich durfte auch ein flott gespielter, humorvoller Einakter nicht fehlen. Den Höhepunkt des unterhaltenden Teils des Abends bildete die von einem erhebenden, von Herrn Wallrauch gesprochenen Text begleitete Pantomime: „Lieber Tod als Sklav“. Vor unseren Augen spielte sich ein großes Stück deutschen Schicksals ab. Die größte Ueberraschung des Abends bildete die durch den Vorstand Hrn. K. Streitberger verkündete Verlobung des langjährigen: verdienstvollen Oberturnwarts Herrn Albert Kleinhaß mit einer deutschen Turnerin (Frl. Lina Härterich). So war alles in bester Stimmung, und als auch die Verlosung beendet war, nahm ein fröhlich verlaufener Ball seinen Anfang.

    () Niederstetten, 27. Dez. Die katholische Gemeinde hatte zu ihrer Weihnachtsfeier allgemein Einladung ergehen lassen. So war denn auch der Löwensaal lange vor Beginn der Festlichkeit, welche am Stephanusfeiertage stattfand, dicht besetzt. Herr Stadtpfarrverweser Maier begrüßte alle Erschienenen. Er sprach seine Freude darüber aus, daß auch die beiden anderen Konfessionen so zahlreich vertreten seien, daß sie alles Trennende fallen ließen, um der Weihnachtsfeier der katholischen Gemeinde beizuwohnen. Was das Weihnachtsfest dem Einzelnen an Weihe und Friede habe erleben lassen, möge Nachklang in dieser Feier finden. Besondere Begrüßung widmete Herr Stadtpfarrverweser Maier dem anwesenden Herrn Bürgermeister Schroth. Die zahlreichen Darbietungen hatte Herr Hauptlehrer Huß eingeübt. Zunächst sang ein Schülerchor ein Weihnachtslied. In der weiteren Vortragsfolge sang der kath. Kirchenchor in meisterhafter Harmonie und bemerkenswert deutlicher Aussprache einige religiöse Lieder und Canons (Ehre sei Gott in der Höhe, Alles was Odem hat). Herr Mettmann spielte zwei ergreifende Violinsolos (Begleitung Herr Hauptlehrer Huß). Dann aber wurden zwei größere Gesamtspiele aufgeführt, von denen besonders das zweite „Der Segen der Christnacht“ großen Eindruck machte. Den Darstellern, Kindern und Erwachsenen, gebührt alles Lob. Aber ganz besonders muß gesagt werden, was Herr Hauptlehrer Huß mit dem Einstudieren dieser Stücke geleistet hat. Denn es gehört großes Geschick und unendliche Liebe und Geduld dazu, auch die ganz Kleinsten so einzulernen, daß sie ihre Sache so gut machen, wie dies der Fall war und dann Klein wie Groß in einem so vorzüglichen Zusammenspiel zu vereinigen. Was der Feier eine ganz besondere Weihe gab, das war die geistvolle und gemütvolle Schlußrede des Herrn Stadtpfarrverweser Maier. Die Welt brauche, auch in schlimmster Zeit, Friede und Freude. Freude solle auch die Weihnachtsfeier bringen. Denn sie solle nicht in rauschenden und betäubenden Festen gefunden werden. Friede brauche die ganze Welt am Nötigsten. Aber er könne nur kommen, wenn er vom ganzen Volk herab zum Einzelnen betätigt werde, wenn jeder Mensch Friedensträger und Friedensbringer sei. In diesem Sinne wünsche er auch nicht nur seiner Gemeinde Friede, sondern er wünsche ihn auch der ganzen Stadtgemeinde. Wenn auch manches Mißverstehen im vergangenen Jahr zur Störung des Friedens beigetragen habe, so solle das alles vergessen sein. Wir wollen alle von vorne anfangen, den Frieden zu pflegen und hochzuhalten in unserer Stadt. In seiner Dankrede unterstrich Herr Bürgermeister Schroth für sich und alle Gäste die Friedenshoffnung und die Friedenswünsche des Herrn Stadtpfarrverweser Maier. Es war ein guter Gedanke, zu dieser Feier seitens der katholischen Gemeinde auch die anderen Konfessionen einzuladen, und es hat sich gezeigt, daß die Friedensbestrebungen der Geistlichkeit und des Stadtvorstandes reichen Segen bringen.

    (Vaterlandsfreund, Nr. 304, 28. 12. 1932)

  • 28. April 1930. Frühlingsfeier des Turnvereins

    () Niederstetten, 28. April. Gestern abend hielt der Turnverein seine diesjährige Frühlingsfeier ab. Die Veranstaltung war gut besucht. Den Abend leiteten einige flotte Weisen der Stadtmusik ein. Hierauf begrüßte Herr Vorstand Streitberger im Namen des Turnvereins die Erschienenen. Alsdann wurde eine sehr schöne Humoreske „Der Erbonkel“ von E. Henle aufgeführt. In wahrhaft vorzüglicher Weise haben alle Spieler hier gewirkt. Besonders zu erwähnen ist noch die neue Bühnenausstattung, die die Wirkung des Stückes noch wesentlich erhöhte. Nach der so schön verlaufenen Feier wurde noch bis früh in den Morgen hinein getanzt. Mit dieser Feier hat uns der Turnverein gezeigt, daß er nicht nur in turnerischen Sachen auf der Höhe steht, sondern daß er auch in mustergiltiger Weise die Geselligkeit pflegt.

    Der Vaterlandsfreund, Nr. 98, 29. 4. 1930

  • 28. Dezember 1931. Weihnachtsfeier des Turnvereins

    () Niederstetten, 28. Dez. Eine erwartungsfreudige Menge füllte vorgestern unsere große Turnhalle bis auf den legten Platz, um im Turnverein Weihnachten zu feiern. Von vornherein herrschte die beste Stimmung und die Hauskapelle des Turnvereins verstand mit einer „Weihnachtsliederfantasie“ diese Stimmung zu heben. Vorstand Karl Streitberger sprach namens des Vereins herzliche Begrüßungsworte. Seine besondere Begrüßung galt Se. Durchlaucht Fürst Albrecht zu Hohenlohe Jagstberg und Se. Durchlaucht Prinz Friedrich zu Hohenlohe. Dann nahm eine Vortragsfolge ihren Anfang, wie sie an Abwechslung und an turnerischer und künstlerischer Güte schon lange nicht mehr geboten wurde. Damit soll nicht etwa eine Kritik vergangener Festlichkeiten gegeben sein. Es soll vielmehr gesagt sein, daß der Turnverein unermüdlich bestrebt ist, seine Leistungen zu verbessern und diese Fortschritte bei seinen Veranstaltungen zum Ausdruck zu bringen. Zunächst das Turnerische. Da waren die Freiübungen der Turnerinnen, welche durch allergrößte Pünktlichkeit gefielen. Das war auch bei den Stabübungen der Turner der Fall. Die mit körperlicher Kraft, Gewandtheit und Pünktlichkeit durchgeführten schweren Uebungen am Pferd und am Reck waren bewundernswert. Schön wirkten auch die mit viel Geschick gestellten Pyramiden. Ueber alles Lob erhaben waren die Leistungen der Turnerinnen auf dem Gebiete des Tanzes, rhythmische Uebungen und bildlicher Tanz ideal verkörpert. Nach einer geistreichen Ansage (sehr gut von einer Turnerin vorgetragen), schwebten vier Elfen über eine Waldwiese. Die „flotten Zehn“, Tillergirls, wie aus einer Berliner Revue, gefielen wie die Elfen ausgezeichnet. Den Höhepunkt des Kunsttanzes bildete die Tanzstudie „Der Falter“ von einer Turnerin mit vollendeter Grazie und sinngemäßer Anpassung an die Musik durchgeführt. Den Schluß der Darbietungsfolge bildete ein Einakter, „Die Zähmung der Widerspenstigen“, der recht gut gespielt wurde. Aus einem Pantoffelhelden wird ein Hausherr und aus zwei jungen Leuten ein glückliches Paar. Lotterie und Gewinnverteilung mit den herkömmlichen komischen Zwischenfällen waren der Darbietungsfolge eingeschlossen. Dann wurde getanzt. Wenn an dieser Stelle mit vollem Recht der an Zusammenstellung u. Durchführung ausgezeichneten Darbietungsfolge und damit den Turnern und Turnerinnen Lob gespendet wird, so soll die gedankenreiche, mühevolle Vorarbeit der Turnleitung nicht vergessen werden. Eine Darbietungsreihe, wie sie uns gestern geboten wurde, erfordert zu ihrer Zusammenstellung Geist, zu ihrer Vollendung unendlich viele Kleinarbeit. Der nach jeder Darbietung stürmische Beifall hat der turnerischen Leitung, den Turnern u. Turnerinnen — kurz allen tätig Beteiligten, gezeigt, daß ihre Leistungen nicht nur befriedigt, sondern daß sie sogar begeistert haben. Gut Heil!

    Vaterlandsfreund, Nr. 303, 29. 12. 1931

  • 28. Dezember 1936. Winterfeier des Turnvereins

    Niederstetten, 28. Dez. (Winterfeier des TV.) Am 2. Weihnachtsfeiertage veranstaltete der Turnverein eine Winterfeier. Mit einer zeitgemäßen Einleitung wurde der Abend eröffnet und nun folgten in kurzen Pausen Vorführungen am Pferd, Uebungen am Barren und Körperschule der Turner, die Turnerinnen zeigten einen Ausschnitt aus einem Turnabend, ja, selbst die alten Herren ließen es sich nicht nehmen, durch Freiübungen ihre Leistungsfähigkeit zu beweisen. Eine Bodenübung von glänzender Meisterung zeigte der Turnfreund Bürklein-Freudenstadt. Frau Holle und ihre Schneeflocken luden in einem humanen Kurzspiel zu eifrigem Besuche der Leibesübungen im kommenden Jahre ein. Die Hauskapelle des Vereins bereicherte das Programm mit klangvollen Zitherstücken mit Gitarrebegleitung. Ein Melodram beendete den wohlgelungenen Abend und ließ noch reichlich Gelegenheit, das Tanzbein zu schwingen, wovon auch eifrig Gebrauch gemacht wurde. Eine Gabenlotterie brachte viele lachende Gesichter.

    Der Franke, Nr. 301, 28. 12. 1936

  • 30. Dezember 1935. Winterfeier des Turnvereins

    Niederstetten. Der Turnverein hielt am zweiten Weihnachtsfeiertage in der dichtbesetzten Turnhalle seine Winterfeier ab. Die Turner zeigten am Pferd, Barren und Reck vorbildliche Uebungen. Die Turnerinnen führten anmutige Volkstänze und eine Mazurka vor. Der Anfang und Schluß des ersten Teiles des Programmes brachte Festspiele mit lebenden Bildern. Im zweiten Teil ging das Lustspiel: „Sie hat ihr Herz entdeckt", über die Bretter. Die gute Leistung der Spieler brachte eine glänzende Stimmung hervor, welche noch einige Stunden anhielt, in welcher der Tanz zu seinem Rechte kam. Die Gabenverlosung war in kürzester Zeit ausverkauft, wozu auch die sehr schönen Gewinne lockten. Bei dieser Gelegenheit konnte man die Turnhalle in ihrem neuen Kleide genau betrachten, die lichten Farben des Anstrichs, besonders des Balkenwerkes machen sich sehr gut. Der eiserne Kronleuchter wurde entfernt und durch drei gleichmäßig an der Decke verteilten, neuzeitlichen Opalkugeln ersetzt, welche ein angenehmes Licht verbreiten. Die bisher leidige Beheizungsfrage wurde so gut durch drei Oefen gelöst, daß es zu warm in der Halle war, was bisher noch nie vorgekommen ist. Um eine leichte Abdunkelung der Halle vornehmen zu können, wurden die Fenster mit schwarzen Rollvorhängen versehen und so auch einem alten Mangel abgeholfen.

    Der Franke, Nr. 303, 30. 12. 1935

  • 30. Oktober 1931. Gauschwimmfest des Hohenloher Turngaus - Vereinsbeitrag ermäßigt

    () Niederstetten, 30. Okt. Durch Beschluß des Gautages von 25. Oktober 1931 wurde das Gauschwimmfest des Hohenloher Turngaues dem Turnverein Niederstetten übertragen. – Entsprechend der Notlage der Zeit hat der Turnverein in seiner letzten Turnratssitzung beschlossen, den Vereinsbeitrag vom 1. Januar 1932 ab zu ermäßigen. Es ist zu erwarten, daß die anderen Vereine sich dem begrüßenswerten Vorgehen des Turnvereins anschließen.

    Vaterlandsfreund, Nr. 254, 30. 10. 1931

  • 31. Januar 1933, Generalversammlung des Turnvereins

    Niederstetten, 31. Jan. (Generalversammlung des T.- V.). Bei guter Beteiligung nahm die Generalversammlung des Turnvereins einen harmonischen Verlauf. Vorstand Streitberger eröffnete die Versamlung [!] mit einem Gedenken der Toten des Vereins. Die anschließend folgenden Berichte der Vereinswarte ließen noch einmal die Erfolge des Vereins im abgelaufenen Turnjahr an uns vorüberziehen und zeugten von ihrer aufopfernden Hingabe an die Turnsache. In jedem Bericht wurde ein Problem, nämlich die Erfassung und Eingliederung der Jugend in den Turnbetrieb, von verschiedenen Seiten beleuchtet. Bürgermeister Schroth regte als Ueberparteiischer eine Verschmelzung von Turn- und Sportverein an. Oberturnwart A. Kleinhanß erklärte die Bereitwilligkeit des Turnvereins zu diesem Schritt und gab auch noch Fingerzeige für die Durchführung. Schließlich konnte noch eine das Jugendturnen betreffende Angelegenheit geklärt werden. Die nun folgenden Wahlen brachten folgende Aenderung: Fr. Pflüger übernimmt die Leitung der Turnerinnenabteilung, W. Keppler wird 1. Turnwart. Mit einigen Turnerliedern wurde die Versammlung beschlossen.

    (Vaterlandsfreund, Gerabronn, Nr. 26, 1. 2. 1933, S. 4)

  • 4. März 1930. Maskenball des Turnvereins - Geistliche Abendmusik

    () Niederstetten, 4. März. In der Turnhalle fanden die Fastnachtsveranstaltungen ihre Bekrönung durch einen Maskenball des Turnvereins, es war zugleich der Schluß. Auf der närrischen Fahnenweihe wurde geturnt und auch von den Turnerinnen ein temperamentvoller Tanz aufgeführt. Eine große Wahl wirklich schöner Masken brachte die närrische Note in den herrlich geschmückten Saal. Getanzt wurde viel und lange und in den Sekt- und Likörbuden war Gelegenheit zu beschaulicher Ruhe geboten, kein Wunder, daß die Alten den Jungen oft mit gutem Beispiel vorangingen. Alles in allem, es war sehr schön.

    () Niederstetten, 4. März. Eine ernste gesangliche und musikalische Weihestunde bot gestern nachmittag der ev. Kirchenchor unter Mitwirkung hiesiger und auswärtiger musikalischer Kräfte mit einer geistlichen Abendmusik in der evangelischen Stadtpfarrkirche zu St. Jakob. Es ist fast selbstverständlich, daß der Klassiker der Kirchenmusik und besonders der Orgel, Johann Sebastian Bach einen hervorragenden Platz eingeräumt erhielt und daß mit ihm (Organo pleno Es-Dur) das Programm eingeleitet wurde. Auch im geistlichen Lied war Bach vertreten. Das Streichquartett spielte Mozart (Ave verum) und Corelli (Adagio). Der Kirchenchor sang geistliche Kompositionen verschiedener Klassiker. Der evangelische Kirchenchor unter Leitung des Herrn Oberlehrer Wahl zeigte sich von. seiner besten Seite. Harmonischer Zusammenklang der Stimmen, verbunden mit Stimmfestigkeit und guter Aussprache verhalfen ihm zu einem m a Erfolg. Die Instrumentalmusik wurde von den Herren Oberlehrer Wahl (Orgel), Stadtpfarrer Umfried-Niederstetten, Hauptlehrer Hauff-Herrenzimmern und Hauptlehrer Eßlinger-Adolzhausen vorgetragen — ohne zu übertreiben — meisterhaft. Gesang und Instrumentalmusik hinterließen eine tiefe Wirkung auf die Zuhörerschaft.

    Vaterlandsfreund, Nr. 53, 5. 3. 1930

  • 7. Januar 1930. Jugendturner und Schülerturner

    () Niederstetten, 7. Jan. Mit einem Abend der Jugendturner und Schülerturner (natürlich auch Turnerinnen) des Turnvereins schloß hier die Zeit der Weihnachtsfestlichkeiten. Der Vorstand des Turnvereins, Herr Karl Streitberger, hielt die Begrüßungsrede. Das flott entwickelte Programm brachte viele Abwechslung. Sehr schön waren die Gruppenbilder, welche ein Vorspruch einleitete. Ein kleines Mädchen trug prächtig ein großes Dialektgedicht vor. Prächtig spielte auch die Jugend in dem Theaterstück „Tausendhändchen“. Voll Verständnis, Leben und mit ausgezeichneter Sprache wurde das Stück gegeben. Gut spielte auch die „Hauskapelle“ des Turnvereins ein schönes Weihnachtspotpourri. — Selbstverständlich wurde auch turnerisch sehr viel und sehr Gutes geboten. Freiübungen, Volkstänze, Hallenspiele, Geräteturnen und manche andere Uebungen zeigten, daß unsere Kleinen fleißig üben und unter guter Leitung einen hoffnungsvollen Nachwuchs abgeben. So herrschte denn große Begeisterung als der zweite Vorsitzende des Vereins, Herr Stadtschultheiß Schroth den Dank der Eltern für die guten und schönen Leistungen des Abends zum Ausdruck brachte.

    Vaterlandsfreund, Nr. 6, 9. 1. 1930

  • 8. Januar 1931. Jugendfeier des Turnvereins

    () Niederstetten, 8. Jan. Den Beschluß der Weihnachtsfeiern bildete die Jugendfeier des Turnvereins. Die Turnhalle war von Freunden der Jugend und deren Eltern, nicht zuletzt von der Jugend selbst dicht besetzt. Ein reichhaltiges Programm führten uns die jüngsten Turner und Turnerinnen vor. Bei den Freiübungen der Knaben und Mädchen muß festgestellt werden, daß alle mit ganzem Ernst bei der Sache waren und mit äußerster Pünktlichkeit jede Uebung ausführten. Lieblich graziös waren die Tänze und Spiele der weiblichen Jugend, mit ganz erstaunlicher Gewandtheit turnten die kleinen Turner am Pferd und am Barren. Das Langbankturnen zeigt, daß die turnerischen Möglichkeiten noch lange nicht erschöpft sind. Eine Reihe schöner Turnermahnungen und patriotische Gedichte fanden durch die Kleinen sehr gute Wiedergabe. In „König Drosselbart“ zeigten die Knaben und Mädchen ihre schauspielerischen Künste. Alle haben für alles volles Lob verdient. Herr Bürgermeister Schroth wandte sich mit einer wohldurchdachten Rede an Eltern und Kinder. Alle Eltern sollten ihre Kinder in die Turnvereine schicken. Denn dort kommen Kinder aller Stände zusammen und die im Leben so häufige Trennung nach Stand und Rang werde dadurch abgeschwächt. Die Kinder gewinnen dort körperliche und was eben so wichtig sei, auch sittliche Kraft. Dem Turnverein und besonders seinen Funktionären sprach Herr Bürgermeister Schroth für ihre Arbeit an der Jugend den Dank der Eltern aus. Allen Darbietungen folgte der dankbare Beifall der zahlreichen Teilnehmer und Teilnehmerinnen an der Festlichkeit.

    Vaterlandsfreund, Nr. 6, 9. 1. 1931

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